Skelettküste

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Skelettküste-Nationalpark

IUCN-Kategorie II − National Park

Schiffswrack an der Skelettküste

Schiffswrack an der Skelettküste

Lage Nordwest-Namibia
Fläche 16.845 km²
WDPA-ID 885
Geographische Lage 20° 0′ S, 13° 20′ O-20.00174113.328733Koordinaten: 20° 0′ 6″ S, 13° 19′ 43″ O
Markierung
Karte der staatlichen Schutzgebiete in Namibia
Einrichtungsdatum 1971
Verwaltung Ministerium für Umwelt und Tourismus

Als Skelettküste (engl. Skeleton Coast) wird der nördliche Teil der Meeresküste Namibias und deren Hinterland bezeichnet, der von Swakopmund bis zum Kunene, dem Grenzfluss zum nördlich gelegenen Angola reicht. Die lebensfeindliche, extrem trockene Namib-Wüste beginnt entlang der Skelettküste direkt am Atlantischen Ozean und wird daher auch als Küstenwüste bezeichnet. Zwar beginnt auch der südlichere Teil der Namibwüste direkt am Meer und weist ähnliche Bedingungen auf, dieser Abschnitt wird jedoch nicht zur Skelettküste gezählt.

Geologisch gehört ein Großteil der Skelettküste mit einem Alter von bis zu 1,5 Milliarden Jahren zu den ältesten Landschaftsformationen der Erde. Nebel, heftige Brandung und unberechenbare, starke Strömungen – durch den an der Küste nordwärts fließenden Benguelastrom – machen die Küste von jeher und bis heute gefährlich für die Seefahrt. Entlang der Küste legen hunderte von Schiffswracks in Ufernähe und am Strand davon Zeugnis ab. Die Schiffbrüchigen, die sich noch von den an der Küste zerschellten oder gestrandeten Wracks hatten retten können, hatten in der unbesiedelten, extrem trockenen Küstenwüste keine Überlebenschance und verdursteten. Der Name bezieht sich daher sowohl auf die Schiffs-„Skelette“, die echten Skelette der Gestrandeten, aber auch auf die zahlreichen Gerippe von an Land gespülten Walen. Der aus der Antarktis kommende kalte Benguelastrom ist auch die Ursache für die direkt am Strand beginnende Küstenwüste.

Die Skelettküste ist im südlichen Teil bis Torra Bay ein für die Allgemeinheit zugängliches Naherholungsgebiet (Nationales Erholungsgebiet Westküste) und wegen seines großen Fischreichtums vor allem bei Anglern beliebt. Deren Ansturm hat mehrere Anglercamps entstehen lassen. Eines dieser Camps hat sich inzwischen zu einer regelrechten Stadt entwickelt: Hentiesbucht. Der Nordteil ist ein Nationalpark.

Tierwelt[Bearbeiten]

Der große Fischreichtum hat auch andere Gäste angelockt: Südafrikanische Seebären, auch Ohrenrobben genannt. Sie leben in riesigen, bis zu 100.000 Tieren zählenden Kolonien an der gesamten Atlantikküste Namibias, z. B. bei Kap Frio, zumeist jedoch unzugänglich im Diamantensperrgebiet im Süden. An der Skelettküste am Kreuzkap – ca. 70 km nördlich von Hentiesbucht – befindet sich jedoch eine der Öffentlichkeit zugängliche Kolonie.

Trotz ihrer Lebensfeindlichkeit gibt es an der Skelettküste ein recht reiches Tierleben – zum Teil nahrungsmäßig gestützt auf die großen Robben-Kolonien, ebenso Schabrackenschakale, Schabrackenhyänen und noch einige wenige Wüstenlöwen – aber auch, unabhängig davon, Elefanten (s.u.), Giraffen und Nashörner, Gemsböcke, Kudus und Zebras. Besonderheiten der Namib sind außerdem die endemische Sandschildechse und der Nebeltrinker-Käfer. Die Flora besteht u. a. aus Flechten, dem Bleistiftbusch Arthraerua leubnitziae, Naras und lebenden Steinen.

Ein besonderes Phänomen der Skelettküste sind die ehemals sagenhaften Wüstenelefanten. „Sagenhaft” vor allem deshalb, weil Einheimische zwar immer wieder über deren Sichtung berichteten, nach den Erkenntnissen der Wissenschaft aber Elefanten unter den hier herrschenden Bedingungen – Wasser- und Futtermangel – angeblich nicht hätten existieren können. Es ist nicht zuletzt dem bekannten Tierfilmer-Ehepaar Des und Jen Bartlett zu verdanken, dass inzwischen der Gegenbeweis angetreten werden konnte. In nahezu 10-jähriger Arbeit im Skeleton Coast Park haben die Bartletts die Wüstenelefanten aufgespürt, zu Fuß und per Trike verfolgt, gefilmt und deren besondere, an die Wüstenverhältnisse angepasste Lebensweise dokumentiert (Filme liefen bereits dazu in Deutschland). Umstritten ist allerdings nach wie vor, ob es sich bei diesen Elefanten um eine eigenständige Unterart des afrikanischen Elefanten handelt.

Küstenpark[Bearbeiten]

Südlicher Eingang zum Skelettküsten-Nationalpark
Umgestürzter Erdöl-Bohrturm aus den 1960er Jahren, aufgegeben in den 1970ern. Damals gab es den Nationalpark noch nicht.[1]

Skelettküsten-Nationalpark (englisch: Skeleton Coast National Park) heißt das nördliche, 500 km vom Ugab Rivier (= nur zeitweilig wasserführender Fluss) bis zum Kunene reichende Naturschutzgebiet an der Skelettküste Namibias. Im Osten grenzt das 16.845 km² große Naturschutzgebiet an das Kaokoveld. Der Skelettküstenpark besteht aus zwei Zonen, die südliche ist frei zugänglich und die nördliche darf nur in einem kleinen Gebiet unter Führung entsprechend konzessionierter Reiseunternehmen, die hier wenige Übernachtungscamps unterhalten, besucht werden.

Der Nationalpark ging 2009 im Namib-Skelettküste-Nationalpark auf.

Der Eingang zum Park befindet sich wenige Kilometer nördlich von Meile 108 vor dem Ugab, einem der größten Riviere der Namib, der hier einen wilden und beeindruckenden Cañon in die Marmor, Dolomit und Schieferschichten gegraben hat. Der Park besteht hier aus einer grauen Kiesfläche, erst 100 km nördlich des Parkeingangs bei Torra Bay beginnen Dünenfelder.

Nördlich des Huab Riviers liegt am Strand eine ehemalige Ölbohrstation und dient Kapkormoranen als Brutplatz. Wenige Kilometer nördlich von Torra Bay liegt das Wrack der Atlantic Pride und in einem Cañon aus buntem Sandstein gibt es einen Wasserfall mitten in der Wüste.

Im nördlichen Teil des Küstenparks ist ein besonderes Naturphänomen nahe dem Hoarusib Rivier zu beobachten bzw. zu hören: die Röhrenden Dünen von Terracebucht. Der Dünensand ist hier so beschaffen, dass er bei einer bestimmten Windstärke und -richtung ähnlich einem Schneebrett den Dünenhang hinabgleitet und dabei ein vom Dünenkörper resoniertes Reibungsgeräusch erzeugt, das einem anfliegenden Flugzeuggeschwader gleicht und über viele Kilometer zu hören ist.

Galerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Skelettküste – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Abandoned Sites in Southern Africa.