Skolezit

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Skolezit
Scolécite.jpg
Skolezit aus dem Distrikt Jalgaon, Maharashtra, Indien (Größe: 20 cm × 11 cm × 10 cm)
Allgemeines und Klassifikation
Andere Namen

Kalkmesotyp

Chemische Formel Ca[Al2Si3O10] · 3H2O[1]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate – Gerüstsilikate (Tektosilikate)
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
9.GA.05 (8. Auflage: VIII/J.21)
77.01.05.05
Ähnliche Minerale Natrolith, Mesolith
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol monoklin-domatisch; m[2]
Raumgruppe Cc (Nr. 9)Vorlage:Raumgruppe/9[1]
Gitterparameter a = 18,51 Å; b = 18,97 Å; c = 6,53 Å
β = 90,6°[1]
Formeleinheiten Z = 8[1]
Häufige Kristallflächen {010}, {110}, {111}[3]
Zwillingsbildung nach [001] pseudorhombische Kontakt- und Durchdringungszwillinge mit Streifung nach {010}[3]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 5 bis 5,5
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,25 bis 2,29; berechnet: 2,275[4]
Spaltbarkeit vollkommen nach {110} und {110}[4]
Bruch; Tenazität uneben; spröde
Farbe farblos, weiß
Strichfarbe weiß
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Glasglanz, Seidenglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,507 bis 1,513[5]
nβ = 1,516 bis 1,520[5]
nγ = 1,517 bis 1,521[5]
Doppelbrechung δ = 0,010[5]
Optischer Charakter zweiachsig negativ
Achsenwinkel 2V = 36 bis 56° (gemessen); 36 bis 40° (berechnet)[5]
Weitere Eigenschaften
Besondere Merkmale pyroelektrisch, piezoelektrisch, gelegentlich Fluoreszenz

Skolezit, veraltet auch als Kalkmesotyp bekannt[6], ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ mit der Zusammensetzung Ca[Al2Si3O10]·3H2O[1] und ist damit ein Calcium-Aluminium-Silikat. Aufgrund seiner Kristallstruktur zählt Skolezit zu den Gerüstsilikaten und dort zur Gruppe der Faserzeolithe.

Skolezit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt überwiegend lange, prismatische bis nadelige Kristalle in radialstrahligen Mineral-Aggregaten. Auch faserige, kugelige und massige Aggregate sowie Kontakt- und Durchdringungszwillinge sind bekannt. Die Kristalle sind durchsichtig bis durchscheinend und unverletzte Kristallflächen weisen einen glasähnlichen Glanz auf. Feinndadelige Aggregate zeigen dagegen eher einen seidigen Schimmer.

Zusammen mit Natrolith (Na2[Al2Si3O10]·2H2O) bildet Skolezit eine lückenlose Mischkristallreihe, welche durch den Austausch von Natrium anstelle von Calcium und Abgabe von einem Teil Kristallwasser charakterisiert ist. Mesolith ist das intermediärere Zwischenglied.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name des Minerals bezieht sich auf das wurmartige Krümmen von Skolezit beim Erhitzen vor dem Lötrohr (griech. skolex, Wurm).[7]

Skolezit wurde erstmals im Jahre 1813 von den deutschen Gelehrten Adolph Ferdinand Gehlen und Johann Nepomuk Fuchs beschrieben.[8] Ob das von ihnen untersuchte Material, wie später vermutet, tatsächlich aus dem Berufjörðurgebiet in Island stammt (welches gemeinhin als Typlokalität angesehen wird), ist allerdings nicht verbürgt.[7]

Der ursprünglich von René-Just Haüy 1801 geprägte Begriff Mesotyp (von griechisch μέσος für mittig und τύπος für Gestalt) wurde bis ins 20. Jahrhundert für die heute als Natrolithgruppe bekannten und zusammengefassten Minerale Natrolith (Natronmesotyp), Mesolith und Skolezit (Kalkmesotyp) verwendet.[6]

Klassifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der zur Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ und dort zur Abteilung der „Gerüstsilikate (Tektosilikate)“, wo er zusammen mit Gonnardit, Mesolith, Natrolith, Paranatrolith, Thomsonit-(Ca) und Thomsonit-(Sr) die „Zeolithgruppe: Untergruppe Faserzeolithe“ mit der System-Nr. VIII/J.21 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Skolezit ebenfalls in die Klasse der „Silikate und Germanate“, dort allerdings in die bereits feiner unterteilte Abteilung der „Gerüstsilikate (Tektosilikate) mit zeolithischem H2O; Familie der Zeolithe“ ein. Diese Abteilung ist zudem weiter unterteilt nach der Kristallstruktur, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Zeolithe mit Vierer-Ring Ketten über ein fünftes Si verbunden“ zu finden ist, wo es zusammen mit Gonnardit, Mesolith, Natrolith und Paranatrolith die „Natrolithgruppe“ mit der System-Nr. 9.GA.05 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Skolezit in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung der „Gerüstsilikate: Zeolith-Gruppe“ ein. Hier ist er zusammen mit Natrolith, Tetranatrolith, Paranatrolith, Mesolith, Edingtonit, Gonnardit, Cowlesit, Thomsonit-(Ca), Thomsonit-(Sr) und Nabesit in der Gruppe „Natrolith und verwandte Arten“ mit der System-Nr. 77.01.05 innerhalb der Unterabteilung der „Echten Zeolithe“ zu finden.

Kristallstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kristallstruktur von Skolezit, Blickrichtung entlang a,
     Ca2+      Al3+      klein Si4+ groß O2−      H2O

Skolezit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe Cc (Raumgruppen-Nr. 9)Vorlage:Raumgruppe/9 mit den Gitterparametern a = 18,51 Å; b = 18,97 Å; c = 6,53 Å und β = 90,6° sowie 8 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Die Kristallstruktur von Skolezit entspricht der von Natrolith (auch Natrolithstruktur) und besteht aus geknickten Viererringen der Zusammensetzung Al2Si2O10, die in Faserrichtung durch weitere Tetraeder kettenartig verknüpft sind. Jede dieser Ketten ist kreuzförmig mit vier weiteren Ketten verbunden. Zusammen bilden sie ein Gerüst mit einem durchgängigen, dreidimensionalen Kanalsystem, in die austauschbar H2O, Na+, K+, Ca2+ und andere Ionen eingelagert werden können.[3]

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Skolezit ist pyroelektrisch und piezoelektrisch, baut also bei intervallartig erfolgenden Temperaturänderungen und Verformungen eine elektrische Ladung auf. Unter UV-Licht zeigen manche Skolezite eine gelbe bis braune Fluoreszenz.[4]

Bildung und Fundorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Skolezitstufe vom Sattelkar, Gosskopf, Obersulzbachtal, Hohe Tauern, Österreich (Größe: 9 cm × 6 cm × 9 cm)
Skolezit (weiß), Apophyllit (hellgrün) und Stilbit (hellrosa) aus Ahmednagar, Maharashtra, Indien. Im Apophyllitkristall sind weitere Skolezitkristalle mit kugeligem Habitus eingeschlossen
(Gesamtgröße: 90 mm × 84 mm. Apophyllitkristall 36 mm × 20 mm)

Wie die verwandten Minerale Mesolith und Natrolith ist Skolezit ein Zersetzungsprodukt von Basalt und kommt gemeinsam mit anderen Zeolithen und Apophyllit als hydrothermale Bildung in Drusen vor. Auch in einigen magmatischen und metamorphen Gesteinen tritt Skolezit als Kluftmineral auf. Skolezit entsteht während der niedriggradigen Metamorphose in der Zeolithfazies. Als Begleitminerale treten neben dem bereits genannten Apophyllit und anderen Zeolithen unter anderem noch Calcit, Prehnit und Stilbit auf.

Als eher seltene Mineralbildung kann Skolezit an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Als bekannt gelten bisher (Stand: 2012) rund 300 Fundorte.[5]

Bekannt aufgrund außergewöhnlicher Skolezitfunde ist unter anderem Nashik, aber auch andere Orte im indischen Bundesstaat Maharashtra, wo bis zu 20 cm große Kristalle gefunden wurden.[9] In den 1960er Jahren wurde aufgrund eines Tunnelbaus, der auch als „Das-Antas-Tunnel“ bekannt ist, nahe Veranópolis im brasilianischen Bundesstaat Rio Grande do Sul ein großes Zeolithvorkommen entdeckt. Neben 20 cm großen Apophylliten und 25 cm großen Natroliten traten dort auch bis zu 20 cm lange und 1 cm dicke Skolezite[10] zutage.[11]

In Deutschland sind bisher nur einzelne Fundpunkte bekannt, so unter anderem der Steinbruch bei Höwenegg (Baden-Württemberg), der Zeilberg (Bayern), Roßdorf und Ortenberg (Hessen), Sankt Andreasberg (Niedersachsen), Remblinghausen (Nordrhein-Westfalen), Arensberg und Lautzenbrücken (Rheinland-Pfalz), Bärenstein (Sachsen) und im Basaltsteinbruch „Pflasterkaute“ bei Eisenach (Thüringen).

In Österreich trat das Mineral vor allem in Kärnten und Salzburg im Gebiet der Hohen Tauern auf, aber auch in der Steiermark und in Tirol wurden Skolezite gefunden.

In der Schweiz fand sich Skolezit unter anderem am Aargrat im Kanton Bern, an mehreren Orten in den Kantonen Graubünden und Wallis sowie an einigen Stellen in den Kantonen Tessin und Uri.

Weitere Fundorte liegen unter anderem in der Antarktis, in Argentinien, Australien, Brasilien, Bulgarien, Chile, China, Costa Rica, Dänemark, Eritrea, Frankreich, Island, Israel, Italien, Japan, Kanada, Madagaskar, Namibia, Neuseeland, Nicaragua, Norwegen, Polen, Réunion, Rumänien, Russland, Schweden, Slowakei, Spanien, Südafrika, Taiwan, Tansania, Tschechien, der Ukraine, in Ungarn, im Vereinigten Königreich (Großbritannien) und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).[12]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Skolezit wird nur selten und vor allem für Sammler als Schmuckstein[13] in facettierter oder mugeliger Schliffform angeboten.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Scolecite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 702.
  2. Webmineral – Scolecite (englisch).
  3. a b c Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 911.
  4. a b c John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols: Scolecite. In: Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org PDF; 78,5 kB).
  5. a b c d e f MinDat – Scolecite (englisch).
  6. a b Hans Lüschen: Die Namen der Steine. Das Mineralreich im Spiegel der Sprache. 2. Auflage. Ott Verlag, Thun 1979, ISBN 3-7225-6265-1, S. 273.
  7. a b D.C. Coombs, A. Alberti, T. Armbruster, G. Artioli, C. Colella, E. Galli, J.D. Grice, F. Liebau, J.A. Mandarino, H. Minato, E.H. Nickel, E. Passaglia, D.R. Peacor, S. Quartieri, R. Rinaldi, M. Ross, R.A. Sheppard, E. Tillmanns, G. Vezzalini: Recommended nomenclature for zeolite minerals: report of the subcommittee on zeolites of the International Mineralogical Association, Commission on New Minerals and Mineral Names. In: Mineralogical Magazine. 62, 1998, S. 533–571.
  8. A.F. Gehlen, J.N. Fuchs: Ueber Werner's Zeolith, Haüy's Mesotype und Stilbite. In: Journal für Chemie und Physik. Band 8, 1813 S. 353–366 (rruff.info PDF; 751,2 kB)
  9. Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie. Dörfler Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S. 273.
  10. Friedrich Klockmann: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. Hrsg.: Paul Ramdohr, Hugo Strunz. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 791 (Erstausgabe: 1891).
  11. Das phantastische Zeolithvorkommen „DAS ANTAS“. (Memento vom 4. August 2009 im Internet Archive)
  12. Mindat – Localities for Scolecite.
  13. Walter Schumann: Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten. 1900 Einzelstücke. 16. überarbeitete Auflage. BLV Verlag, München 2014, ISBN 978-3-8354-1171-5, S. 240.