Slow-Carb-Diät

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Als Slow-Carb-Diät bezeichnet man eine Diätform mit „langsamen“ Kohlenhydraten. Im Gegensatz zur Low-Carb-Diät, z. B. der Atkins-Diät nach Robert Atkins, wird nicht auf Kohlenhydrate verzichtet. Stattdessen wird auf langsame Kohlenhydrate gesetzt, die in erster Linie in Hülsenfrüchten zu finden sind. Bei diesen Kohlenhydraten handelt es sich um ballaststoffreiche Nahrungsfasern, die der Körper nur schlecht verdauen kann.[1] Im Verdauungstrakt saugen sie viel Wasser auf, wodurch sich ein schnelles Sättigungsgefühl einstellt, das länger anhält. Trotzdem halten diese Kohlenhydrate den Insulin-Spiegel im Gleichgewicht.[2] Die Slow-Carb-Diät basiert somit auf Lebensmitteln mit einem niedrigen glykämischen Index. Man verzichtet auf jegliche Form von Stärke sowie Zucker (einschließlich Fruchtzucker aus Obst) sowie künstliche Süßstoffe. Die Diät setzt stattdessen auf Protein, Hülsenfrüchte und Gemüse.[3]

Diese Diät wurde insbesondere durch Tim Ferriss bekannt gemacht. In seinem Buch „Der 4-Stunden-Körper“[3] stellte er eine Diät mit langsamen Kohlenhydraten vor. Zuvor hatte er bereits im Jahr 2007 in seinem Blogartikel „How to Lose 20 lbs. of Fat in 30 Days… Without Doing Any Exercise“[4] berichtet, wie er mit Hilfe einer Slow-Carb-Ernährung innerhalb von 30 Tagen 10 kg Körperfett verloren hat – nur durch eine Ernährungsumstellung und ohne sportliche Aktivitäten.

Erlaubte Lebensmittel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Lebensmittel werden empfohlen: Eier, Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte, Hülsenfrüchte (Linsen, Bohnen), Gemüse (ausgenommen Kartoffeln und Süßkartoffeln), Öl (Olivenöl, Macadamia-Nussöl, Traubenkernöl bevorzugt), körniger Frischkäse, Hanfprotein, Erbsenprotein und geschmacksneutrales Molkeprotein-Isolat. Jeden Tag darf zudem eine kleine Portion an Tomaten und Avocados gegessen werden.

Nicht erlaubte Lebensmittel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Lebensmittel sind mit der Diät nicht vereinbar: Milch, Käse, Sojaprodukte (Sojamilch, Tofu), Obst (mit Ausnahme von sauren Früchten wie Zitronen und Limetten oder pikanten Früchten wie Oliven, Tomaten und Avocados), Kartoffeln, Brot, Reis, Getreide, Haferflocken, Quinoa, frittierte und panierte Lebensmittel, Mais, Popcorn, Ketchup und alle Saucen und Dressings, die Zucker, Honig, Maissirup, Ahornsirup und Fructose enthalten.

Die Getränke dürfen keine Kalorien enthalten. Alkohol ist nicht erlaubt, außer etwas Rotwein.[1]

Bei der Slow-Carb-Diät nach Tim Ferriss soll man sich auf 3 bis 4 verschiedene Mahlzeiten beschränken und diese wiederholen. Durch die sehr eintönige und nicht abwechslungsreiche Ernährung werden dem Körper wichtige Nährstoffe vorenthalten. Um das Nährstoffdefizit wieder auszugleichen, soll man während der Diät Magnesium- und Calcium-Tabletten zu sich nehmen.[5]

Kritik und Diskussion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die durch Tim Ferris entwickelte Diät hat ausschließlich einen schnellen Gewichtsverlust zum Ziel, der durch eine bewusst einseitige Ernährungsweise herbeigeführt werden soll. Gesundheitliche Aspekte werden hierbei außer Acht gelassen. Der Erfinder fundiert seine Diätergebnisse eindrucksvoll mit Vorher-Nachher-Bildern. Hier ist Vorsicht geboten, denn in den kurzen Diätzeiträumen wird hauptsächlich Wasser und Muskelmasse verloren, was die Resultate eindrucksvoller erscheinen lässt als sie eigentlich sind.[6]

Da diese Diät in den USA entwickelt wurde, sind die Rezepte meist nicht nach dem Geschmack für europäische Anwender geeignet, was die Diät für europäische Anwender nochmals erschweren wird. Durch Weglassen bzw. Verändern von gewohnten Kohlehydratlieferanten durch Hülsenfrüchte kann hierdurch eine ungesunde Verdauung der nicht gewohnten Lebensmittel herbeigeführt werden. Nutzer klagen über Durchfall und starke Blähungen als Nebeneffekt. Auch hier empfiehlt Ferris wieder Nahrungsergänzungsmittel und Medikamente, die diese Nebenwirkungen minimieren sollen.[6]

Die Slow-Carb-Diät ist eine abgewandelte Form der Steinzeiternährung (Paläo-Ernährung), mit dem Zusatz von Hülsenfrüchten.[6] Hier kann also von keiner neuen Diät-Revolution die Rede sein, sondern lediglich von einer werbeoptimierten Diät, die schnelle Ergebnisse von kurzer Dauer liefern kann. Entstehender Vitaminmangel durch die empfohlene, bewusst einseitige Ernährung und viele unbekannte Nebenwirkungen durch die weitere Aufnahme von Medikamenten ist höchst kritisch zu bewerten.

Wissenschaftliche Studien über eine kurz- oder langfristige Umstellung auf die Slow-Carb-Diät wurden bisher nicht veröffentlicht. Die Ergebnisse nach Ernährungsumstellung sind bisher nur durch den Autor und seine Anhängerschaft unter Bewerbung des Buchs „Der 4-Stunden-Körper“ oder Blogbeiträge des Autors erbracht worden. Aktuell existiert kein wissenschaftlicher Nachweis über eine längerfristige Wirkung der Diät. Diäten mit schnellem Gewichtsverlust beruhen in der Regel auf dem Verlust an Wasser und Muskelmasse, während die Fettverbrennung ein längerwieriger Prozess ist.[1] Da viele Lebensmittel ausgeschlossen sind, die eine ausgewogene und gesunde Ernährungsweise fördern, wird die Slow-Carb-Ernährung für eine langfristige Ernährungsumstellung als nicht geeignet eingeschätzt.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Petra Schulze-Lohmann: Slow Carb statt Low Carb – Umsetzung einer ballaststoffreichen Kost in die Ernährungspraxis. In: Aktuelle Ernahrungsmedizin. Band 39, S 01. Thieme, Stuttgart / New York 2014, S. S28–S31, doi:10.1055/s-0033-1360028.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Slow-Carb-Diät (diaet-test.com). Abgerufen am 2. März 2016
  2. Wie wirkungsvoll ist die Slow-Carb-Diät? Abgerufen am 2. März 2016
  3. a b The 4-Hour Body, abgerufen am 2. März 2016
  4. How to Lose 20 lbs. of Fat in 30 Days… Without Doing Any Exercise, abgerufen am 2. März 2016
  5. Slow-Carb-Diät im Test, abgerufen am 2. März 2016
  6. a b c Schnelles Abnehmen mit langsamen Kohlenhydraten?
  7. [1]
Gesundheitshinweis Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diesen Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!