Sluschba wneschnei raswedki

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Sluschba wneschnei raswedki (SWR, auch SVR)
Dienst der Außenaufklärung

Wappen der SWR

Gründung Dezember 1991
Land Russische Föderation
Aufgabe der Behörde Auslandsnachrichtendienst
Direktor Sergei Naryschkin
Behördensitz Sossenskoje (Nowomoskowski, Moskau)
Budget geheim
Anzahl der hauptamtlichen Mitarbeiter min. 15.000[1]:S. 311
Gebäude der Zentrale (2008)

Die Sluschba wneschnei raswedki (SWR, auch SVR; russisch Служба внешней разведки Российской Федерации, СВР; deutsch Dienst der Außenaufklärung der Russischen Föderation) ist der russische Auslandsgeheimdienst.

Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Tätigkeitsfelder des SWR umfassen Politik, Ökonomie, Wissenschaft und Technik.

Darüber hinaus versucht der Geheimdienst, Aktivitäten und Arbeitsweisen anderer Nachrichtendienste auszukundschaften (Gegenspionage). Bei der Umstrukturierung der russischen Nachrichtendienste wurden dem SWR Aufgaben im Bereich der Fernmeldeaufklärung übertragen.

Der zentrale Sitz des Dienstes befindet sich auf dem Territorium der Gemeinde Sossenskoje des Verwaltungsbezirkes Nowomoskowski, unmittelbar außerhalb des Moskauer Autobahnrings unweit des Stadtteils Jassenewo. Der Dienst verfügt über mindestens 15.000 Mitarbeiter. Hauptamtliche SWR-Mitarbeiter im Ausland tarnen sich als Diplomaten oder Journalisten.[2] In der „Hauptabteilung S“ werden Agenten mit falschen Namen und konstruierten Biografien koordiniert, die in verschiedenen wichtigen Ländern platziert werden.[3] Anlässlich eines im Staatsfernsehen übertragenen Besuchs im Stabsquartier des SWR Ende Juni 2022 machte Wladimir Putin die Industriespionage angesichts der Sanktionen gegen Russland seit dem Überfall auf die Ukraine zur Priorität für den Auslandsgeheimdienst. Agenten müssten die Basis für die strategische Planung und Analyse internationaler Prozesse liefern, so der Kremlchef.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 20. Dezember 1920 unterschrieb Felix Dserschinski die Anordnung Nr. 169 zur Gründung einer Abteilung für Auslandsaufklärung (russ. Иностранный отдел, Inostranny otdel, kurz ИНО, INO). Es war die Geburtsstunde der zivilen Auslandsaufklärung in der Sowjetunion. Bis dahin hatte es lediglich eine Sonderabteilung für militärische Auslandsaufklärung gegeben, die sich nebenher auch um zivile Fragen kümmerte. Der heutige SWR betrachtet sich als INO-Nachfolger. Das 80-jährige und das 90-jährige INO-Jubiläum wurden vom SWR festlich begangen.

Die zivile Auslandsaufklärung der Sowjetunion wechselte mehrfach die Aufsichtsbehörde: Am 22. Februar 1922 wurde die INO als Auslandsabteilung dem Staatlichen Politischen Direktorat (GPU) zugeordnet. Ihr wurden sämtliche nachrichtendienstlichen Aktivitäten im Ausland zugewiesen. Dazu gehörten die Sammlung wichtiger Informationen in anderen Ländern sowie die Liquidierung von Überläufern, Emigranten und so genannten „Volksfeinden“. Von 1923 bis 1934 gehörte die INO zur Vereinigten staatlichen politischen Verwaltung des Rates der Volkskommissare der Sowjetunion (Объединённое государственное политическое управление при СНК СССР, Obedinjonnoje gossudarstwennoje polititscheskoje uprawlenije pri SNK SSSR). Im Juli 1934 wurde die INO dem Innenministerium der UdSSR (NKWD) eingegliedert. 1941 wurde aus der INO die INU des Volkskommissariat für Staatssicherheit (NKGB), 1954 schließlich die Erste Hauptverwaltung (PGU) des KGB.

Nach dem gescheiterten Augustputsch in Moskau wurde die PGU im Oktober 1991 durch den ZSR (Zentralnaja Sluschba Raswedki, deutsch: Zentraler Nachrichtendienst) ersetzt und war damit nicht mehr Teil des KGB. Im Dezember 1991 ging der ZSR im SWR auf. Erster Leiter des SWR von 1991 bis 1996 war Jewgeni Primakow. Ihm folgten Wjatscheslaw Trubnikow (1996–2000), Sergei Lebedew (2000–2007), Michail Fradkow (2007–2016) und Sergei Naryschkin (ab 5. Oktober 2016).

Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemäß Artikel 12 des Gesetzes "Über die Auslandsaufklärung" wird die Gesamtaufsicht und -leitung der Auslandsaufklärungsaktivitäten vom Präsidenten der Russischen Föderation wahrgenommen, der den Direktor des SWR ernennt.[5] Der Direktor wiederum versorgt den Präsidenten mit regelmäßigen Berichten. Er hat ferner einen permanenten Sitz im Sicherheitsrat der Russischen Föderation.

Laut öffentlich zugänglichen Quellen besaß der SWR in den 1990ern folgende Hauptverwaltungen:[6]

  • Verwaltung PR: Politische Aufklärung: 17 Abteilungen, jeweils mit Zuständigkeit für bestimmte Weltregionen (USA, Kanada, Lateinamerika usw.)
  • Verwaltung S: Illegale Netzwerke: 13 Abteilungen, zuständig für die Vorbereitung und den Einsatz von Agenten im Ausland, Rekrutierung ausländischer Agenten usw.
  • Verwaltung X: wissenschaftliche und technische Aufklärung
  • Verwaltung KR: Gegenspionage: Infiltration fremder Dienste und Überwachung von russischen Staatsbürgern im Ausland
  • Verwaltung OT: Operativ-technische Unterstützung
  • Verwaltung R: Operative Planung und Analyse
  • Verwaltung I: Informationstechnologie (Informationsanalyse und Verbreitung von Falschinformation)
  • Verwaltung für Ökonomische Aufklärung

Laut der eigenen Website svr.gov.ru[7] hatte der SWR 2016 folgende Abteilungen:

  • Personal
  • Operationen
  • Analyse & Information
  • Wissenschaft
  • Operative Logistik & Unterstützung

Jede dieser Abteilungen wird von einem Vizedirektor geleitet, der an den Direktor des SWR berichtet. Das frühere Rotbanner-Institut des KGB „J. W. Andropow“ heißt heute Akademie für Auslandsaufklärung (russisch Академия внешней разведки) und ist in der wissenschaftlichen Verwaltung angesiedelt.

Einheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Maximilian Grieb: SWR – Russlands diskreter Auslandsgeheimdienst. Putins unauffällige Patrioten. In: Österreichische Militärische Zeitschrift. Bd. 61 (2023), Heft 6, S. 723–731.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Verfassungsschutzbericht 2022. In: verfassungsschutz.de. Bundesministerium des Innern und für Heimat, Juni 2023, abgerufen am 26. Juni 2023.
  2. Bundesamt für Verfassungsschutz: Verfassungsschutzbericht 2011 (PDF; 6,0 MB), 18. Juli 2012
  3. Uwe Müller, Lars-Marten Nagel, Julia Smirnova: Deutschland im Visier von Moskaus Agenten In: welt.de vom 10. Februar 2013
  4. Putin macht Industriespionage zur Priorität für Auslandsgeheimdienst www.n-tv.de, abgerufen am 30. Juni 2022
  5. Федеральный закон "О внешней разведке". In: svr.gov.ru. (russisch).
  6. Gordon A. Bennett: The SVR – Russia’s Intelligence Service. (englisch)., Sandhurst 2000. (Abgerufen am 9. Juni 2022)
  7. Служба внешней разведки Российской Федерации. Abgerufen am 16. Mai 2016 (russisch).
  8. ANNUAL REVIEW 2008. (pdf) SECURITY POLICE OF THE REPUBLIC OF ESTONIA, S. 15, abgerufen am 2. April 2023 (englisch).
  9. Andres Einmann: Veitmani agendijuht Valeri Zentsov oli Herman Simmi värbaja. In: Postimes. 30. Oktober 2013, abgerufen am 2. April 2023 (estnisch).
  10. Петр Шуклинов: Истории спецслужб. Как Путин превратил СВР в Службу Внешнего Распила. Редактор LIGA.net любит изучать историю спецслужб и самых громких спецопераций по всему миру. Вот одна из них. In: Liga.net. 15. März 2020, abgerufen am 2. April 2023 (russisch).
  11. REPORT OF THE REPORT 116-XX SELECT COMMITTEE ON INTELLIGENCE UNITED STATES SENATE ON RUSSIAN ACTIVE MEASURES CAMPAIGNS AND INTERFERENCE IN THE 2016 U.S. ELECTION VOLUME 5: COUNTERINTELLIGENCE THREATS AND VULNERABILITIES. (pdf) S. 128, abgerufen am 2. April 2023 (englisch, PDF Seite 146 aufschlagen).
  12. Inside Vulkan, the digital weapons factory of Russian intelligence services. In: Le Monde.fr. 30. März 2023 (lemonde.fr [abgerufen am 2. April 2023]).

Koordinaten: 55° 35′ 5,9″ N, 37° 31′ 4,6″ O