Smart City

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Smart City ist ein Sammelbegriff für gesamtheitliche Entwicklungskonzepte, die darauf abzielen, Städte effizienter, technologisch fortschrittlicher, grüner und sozial inklusiver zu gestalten. Diese Konzepte beinhalten technische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Innovationen. Der Begriff findet auch im Stadtmarketing und bei großen Technologiekonzernen Verwendung.

Definition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Smart City ist ein Begriff, der seit den 2000er Jahren von unterschiedlichen Akteuren in Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Stadtplanung verwendet wird, um technologiebasierte Veränderungen und Innovationen in urbanen Räumen zusammenzufassen. Die Idee der Smart City geht mit der Nutzbarmachung digitaler Technologien einher und stellt zugleich eine Reaktion auf die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Herausforderungen dar, mit denen postindustrielle Gesellschaften um die Jahrtausendwende konfrontiert sind. Im Fokus stehen hierbei der Umgang mit Umweltverschmutzung, dem demographischen Wandel, Bevölkerungswachstum, Finanzkrise oder Ressourcenknappheit. Breiter gefasst, schließt der Begriff auch nicht-technische Innovationen mit ein, die zum besseren und nachhaltigeren Leben in der Stadt beitragen. Dazu gehören beispielsweise Konzepte des Teilens (Share Economy) oder zur Bürgerbeteiligung bei Großbauprojekten.

Verschiedene Charakteristika wurden zum Zweck des Vergleichs von Städten im Bereich „Smartness“ definiert: Smart Economy (Wirtschaft), Smart People (Bevölkerung), Smart Governance (Verwaltung), Smart Mobility (Mobilität), Smart Environment (Umwelt) und Smart Living (Leben).[1] Die Potentiale der Smart City entfalten sich erst im Rahmen eines „kooperativen Beziehungsgeflechts zwischen Bürger, Stadtverwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik.“[2]

Die hochentwickelte Smart City kann ein Internet of Things and Services sein: Die gesamte städtische Umgebung ist dabei mit Sensoren versehen, die sämtliche erfassten Daten in der Cloud verfügbar machen. So entsteht eine permanente Interaktion zwischen Stadtbewohnern und der sie umgebenden Technologie. Die Stadtbewohner werden so Teil der technischen Infrastruktur einer Stadt.

Dimensionen von Smart City[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Smart Economy bezeichnet die Steigerung der wirtschaftlichen Produktivität durch Vernetzung verschiedenster Akteure auf lokaler, regionaler und globaler Ebene. Sie ist gekennzeichnet durch einen besonderen Unternehmergeist, aus dem innovative und zukunftsträchtige Ideen hervorgehen. Fundament der Smart Economy ist das Humankapital, also das individuelle Wissen eines jeden Akteurs. Dieses Wissen wird durch formellen und informellen Wissenstransfer der Arbeitskräfte untereinander kontinuierlich erworben, entwickelt und weitergegeben, was wiederum die Produktivität der Arbeiter steigert. Die Smart Economy steht oft in Verbindung mit Konzepten und Begriffen wie der Creative Class und der Wissensgesellschaft.

Verschiedene private Akteure haben sich unter dem Titel Smart-City-Projekte gebündelt, um Synergien in der Vermarktung der eigenen Produkte und Dienstleistungen herzustellen. Die Städte binden sich über einen Zeitraum von mehreren Jahren an einen Anbieter auf diesem Gebiet. Unter anderem ist IBM Vorreiter auf dem Gebiet und berät kommunale Akteure wie zum Beispiel die Stadt Rio de Janeiro.[3] Weiterhin präsentiert der Energiekonzern Vattenfall unter dem Titel „Smart Home“ verschiedene Angebote für die Regelung des Energieverbrauchs privater Haushalte und zum Aufbau intelligenter Netze und auch Cisco Systems präsentiert unter dem Titel „Internet of Everything“ eine Reihe von durch Kommunikationsnetzwerke steuerbare Lebensbereiche: Von Energienetzwerken über Verkehr bis zum Einkauf im Supermarkt.[4][5] Auch der global agierende Konzern Siemens bündelt Beratungsangebote an Städte mit dem Verkauf diverser konzerneigener Produkte sowie Dienstleistungen[6].

Governance, Politik und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 2007 beschlossene Leipzig Charta leitete einen Paradigmenwechsel in der Stadtentwicklung ein, der die Grundlage für eine nachhaltige europäische Stadtpolitik im Sinne der Smart City schuf.

Gegenwärtig soll durch das EU-Programm Horizont 2020 die Entwicklung europäischer Städte zu „Smart Cities“ vorangetrieben werden. Mit dem Ziel, die EU auf globaler Ebene wettbewerbsfähiger zu machen, werden einige „smarte“ Vorzeigeprojekte gefördert. Ein Beispiel für ein von der EU gefördertes Pilotprojekt ist Open Cities.[7] Vor diesem Hintergrund fördern unterschiedliche EU-Programme Städte, die sich selbst als Smart Cities begreifen, in ihrer Bestrebung einer smarten Stadtentwicklung. Die von den Programmen geförderten Städte sind unter anderem: Kopenhagen, Wien, Amsterdam und Berlin.

Bei der Entwicklung smarter Technologien arbeiten kommunale Akteure häufig mit Universitäten (z.B. Berlin, Barcelona, Wien) und privaten Forschungseinrichtungen zusammen. Hier sollen Probleme der Nachhaltigkeit und der technischen Umsetzbarkeit smarter Technologien, Partizipationsformen und Datenmengen gelöst werden.

Jedoch ist gerade auf politischer Ebene umstritten, was eine smarte Stadtpolitik auszeichnet. Ein in dem Diskurs um die Smart City häufig aufgeführtes Merkmal smarter Stadtpolitik ist die „Smart Governance“. Diese soll eine bürgernahe politische Entscheidungsfindung durch starke Einbindung der Zivilbevölkerung in städtische Entwicklungsprozesse sicherstellen. Ziel der Smart Governance ist es, Maßnahmen, Planungs- und Entscheidungsprozesse transparenter und partizipativer zu gestalten. Hierbei spielen Technologien wie das Open-Data-Prinzip und Formen des Open Government sowie der E-Partizipation eine große Rolle. Die digitale Umsetzung und Erweiterung von Demokratie wird auch als E-Democracy bezeichnet. Ziel dieser neuen Partizipationsformen ist es, mit den Stadtbewohner in Dialog zu treten und alle Bewohner am Prozess des Policy Makings teilhaben zu lassen.

Zivilgesellschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fundamentaler Bestandteil der Smart City ist eine besondere Form der Zivilgesellschaft. Die Bürger, die „Smart People“, werden als besonders kreativ, flexibel, sozial heterogen und vernetzt charakterisiert. Die Smart City und ihre Bevölkerung sind interdependent, das heißt, dass das Leben der Bewohner durch technische Innovationen einfacher und besser gestaltet wird, während die Bewohner die Stadt ihrerseits durch Eigeninitiative prägen. Hierzu gehören zivilgesellschaftliche Initiativen, die sich sozial oder kreativ mit städtischem Raum auseinandersetzen, und politische Entscheidungsprozesse, an denen alle gesellschaftlichen Gruppen teilhaben und so Einfluss auf die Entwicklung ihrer Stadt nehmen können. Seinen Ursprung findet diese Form des politischen Denkens in den städteplanerischen Bewegungen des New Urbanism und Smart Growth. Eine breite Koalitionsbereitschaft sowie das Einbinden von vielen verschiedenen Akteuren sollen zu einer breit gestreuten Vielzahl von Themen führen. Grundsätzlich soll eine Entwicklung „von unten“ stattfinden. Obwohl die Öffentlichkeit in die informelle netzwerkartige Organisation vieler Steuerungsprozesse eingebunden wird, ist sie dennoch kein Entscheidungsträger.

Diese besondere Form der städtischen Zivilgesellschaft zeigt sich in der Praxis beispielsweise an Phänomenen wie der Sharing-Kultur. Diese kann kommerziell oder auch nicht-kommerziell geprägt sein. Bei der Sharing-Kultur geht es um die gemeinsame Benutzung oder die Mitbenutzung von Geräten und Infrastruktur zum Zweck ökologischer und ökonomischer Vorteile. Beispiele dafür sind Car-Sharing oder Mitfahrgelegenheiten sowie Initiativen, die zum Teilen von Tickets des öffentlichen Nahverkehrs[8] oder Haushaltsgeräten und Werkzeugen[9] aufrufen. Weiterhin können urbane Gartenbauprojekte zu den privaten bzw. zivilgesellschaftlichen Initiativen gezählt werden (Integrationsgärten). Dabei werden Lebensmittel auf Balkonen und an öffentlichen Orten nachhaltig dezentral angebaut. Neben finanziellen und ökologischen Aspekten spielen hier auch soziale und integrative Aspekte eine Rolle.

In Anknüpfung an die von Elinor Ostrom entwickelte Allmende- oder Gemeingut-Theorie können auch Städte mit ihren Ressourcen und Räumen als „Urban Commons“ verstanden werden. Begreift man die Smarty City als Common, müssen auch alle Entscheidungen in der Smart City als gemeinsamer Aushandlungsprozess all derer verstanden werden, die die Stadt nutzen. Alle Entscheidungen, die die Smart City betreffen, müssen also von allen Commonern gemeinsam und konsensual getroffen werden[10]. Die Entscheidungen und der Entscheidungsfindungsprozess können hierbei auf unterschiedlichen Ebenen stattfinden, etwa im Rahmen von nachbarschaftlichen Zusammenschlüssen, auf Bezirksebene oder auf gesamtstädtischer Ebene. Sobald die zu treffenden Entscheidungen jedoch über einen bestimmten Maßstab, etwa den der nachbarschaftlichen Organisation, hinausgeht und sich auf eine größere Maßstabsebene, etwa den der Metropolregion bezieht, ist es schwieriger, eine gleichberechtigte Partizipation aller an den Entscheidungsprozessen sicherzustellen und eine Konsensentscheidung zu erarbeiten[11]. Als Lösung für diese Problematik schlägt Ostrom ein polyzentrisches Steuerungssystem vor, welches die Entscheidungsprozesse auf den kleineren Maßstabsebenen koordiniert und zusammenführt. Die Bewohner einer Smart City können also auch als Commoner begriffen werden, die die Stadt selbstorganisiert und nach eigenen Regeln im Sinne des Allgemeinwohls verwalten. Als Ziel der Commons kann definiert werden, Privateigentum zu überwinden, um allen Menschen gleichermaßen einen Zugang zu essentiellen Ressourcen wie Wohnen, Mobilität, Energie und Lebensmitteln zu bieten. Die Organisationsweise der Commons geht dabei davon aus, dass „was Menschen für ihr tägliches Leben brauchen […] nicht zu Privateigentum werden“[12] darf.

Marleen Stikker plädiert für eine stärkere Einbindung der Bürger bei Smart-City-Konzepten. „Technologie bestimme unsere Gesellschaft. Sie sei aber nicht neutral. Wichtig sei es, darauf zu achten, dass Systeme offen seien und den Bürgern die Möglichkeit der Mitgestaltung und Mitbestimmung geben.“[13]

Nachhaltigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Smart-City-Visionen basieren zu weiten Teilen auf Themen, die im Zuge des Diskurses um Nachhaltigkeit und die Nachhaltige Stadt formuliert und umgesetzt wurden[14]. Seit den 1990er Jahren bestimmt nachhaltige Entwicklung, also einer Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne die Bedürfnisse späterer Generationen zu gefährden[15], den Stadtentwicklungsdiskurs. Auslöser dieses Umdenkens sind Herausforderungen wie der Klimawandel und die Grenzen des Wachstums.

Die Idee der Nachhaltigen Stadt basiert vor allem auf einer ökologischen, ökonomischen und sozio-kulturellen Betrachtungsweise. Ziele einer nachhaltigen Stadt bzw. Stadtentwicklung und Stadtpolitik können dabei sein: nachhaltige Nutzung erneuerbarer Ressourcen und minimale Nutzung nicht-erneuerbarer Ressourcen (ökologische Dimension); Betonung einer regionalen Kreislaufwirtschaft, minimale Transportintensität und eine nachhaltige Wirtschaftsweise (ökonomische Dimension); die sozio-kulturelle Durchmischung der Stadt, Mitverantwortung und demokratische Partizipation der Bevölkerung (sozio-kulturelle Dimension)

Themen aus dieser Nachhaltigkeitsdebatte werden nun innerhalb des Smart City Diskurses mit übergreifenden Themen und den entsprechenden Interessensvertretern aus Forschung, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft vernetzt und schließlich in der Stadt praktisch umgesetzt. Smart City Visionen enthalten beispielsweise Ideen für regionale Warenzyklen, basierend auf der Prämisse, dass Dinge dort produziert werden sollten, wo sie verbraucht werden. Beispiele aus dem Bereich Energie sind die Solarthermie (zur lokalen Erzeugung von Heißwasser), Photovoltaik (Solarzellen zur Stromproduktion) oder Erdwärme (zum Wärmen von Gebäuden). Im Bereich der Lebensmittel wird beispielsweise mit urbanen Dach- und Fassadengärten experimentiert. Durch die lokale Produktion von Gütern soll nicht nur Energie eingespart werden, sondern sie ist auch unter Gesichtspunkten der Resilienz und des Bewusstseins für diese Güter sinnvoll.

Eine große Herausforderung der Smart City liegt in der Verwirklichung der sozio-kulturellen Dimension von Nachhaltigkeit. Hier geht es darum zu fragen, welche Bewohner der Stadt nicht in der Smart City mitgedacht werden und somit die Gefahr der Exklusion entsteht. Zum anderen müssen sich städtische Akteure vor dem Hintergrund der Resilienz die Frage stellen, wie sinnvoll die völlige Technologisierung des urbanen Raums ist und welche Gefahren sie womöglich birgt.

Mobilität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Smarte“ Mobilität zeichnet sich dadurch aus, dass sie (energie)effizient, emissionsarm, sicher und kostengünstig ist. Die bereits vorhandene Infrastruktur wird verbessert, indem Informations- und Kommunikationstechnologien eingesetzt werden. Beispielsweise helfen diese dabei, den Verkehr mittels Videokameras zu überwachen und zu kontrollieren und den Benutzern via Mobile App die Möglichkeit zu geben, eine andere Route einzuschlagen. Auch im öffentlichen Personennahverkehr ist eine Wende zur smarten Mobilität zu erkennen, beispielsweise können Fahrkarten in vielen deutschen Großstädten über Apps bezogen werden. Zudem kann durch die genaue Standbestimmung via App die exakte Fahrzeit bestimmt werden.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fürsprecher des Konzeptes Smart City verweisen oftmals auf neue (informations-)technologische Errungenschaften, die das Leben vermeintlich einfacher machen sollen. Dies erinnert stark an die Technikgläubigkeit der 1960er Jahre – Technologie als Allheilmittel.

Marktstrategen wird vorgeworfen, dass die Smart City nicht mehr als ein Modebegriff sei, der trotz Konzepten für Nachhaltigkeit und Klimawandel auch Gefahrenpotenzial berge – vor allem in der Möglichkeit der Überwachung durch Kameras und Sensoren bzw. des Missbrauchs dieser Technologien. So ist beispielsweise in China geplant, das Sozialverhalten der Bürger zu bewerten („Social scoring“).[16]

Von Seiten der Geisteswissenschaften werden die Bemühungen von Städten und die Angebote wirtschaftlicher Akteure vor allem hinsichtlich ihres tatsächlichen Nutzens für die Gesellschaft hinterfragt. Wissenschaftler unterscheiden technische Innovationen, die eingesetzt werden, um Informalitäten in der Stadt zu unterstützen, und solche Innovationen, die informelle Charakteristika als unerwünscht auffassen und formalisieren möchten.[17] Richard Sennett schreibt dazu: „Informal social processes are the heart of the city. […] Technology must be part of the process of giving the city that informal energy […]“ („Informelle soziale Prozesse sind das Herz der Stadt. […] Technologie muss Teil des Prozesses sein, welcher der Stadt diese informelle Energie bereitstellt […]“).[18] So mahnt auch Saskia Sassen, dass Technologie tatsächlich den Bewohnern dienen müsse und nicht umgekehrt: „It is the need to design a system that puts all that technology truly at the service of the inhabitants — and not the other way around.“[19]

Saskia Sassen (2012a: 14) warnt zudem vor Zensur und davor, dass neue Technologien noch nicht hinreichend „urbanisiert“ seien. Auch Richard Sennet (2012: 1) merkt an, dass in der Geschichte der Technologie Werkzeuge angewandt wurden, bevor man sie richtig einzusetzen wusste. Dies sei ebenso das Problem mit den Werkzeugen der Smart City (ebd.): Diese hätten das Potenzial, die urbane Bevölkerung zu verdummen, anstatt Innovationen zu unterstützen (ebd.: 4).

Der Informationsarchitekt und Verfasser der Streitschrift Against the Smart City (2013) Adam Greenfield stellt die Smart City als ein abstraktes Modell dar, als einen „Markt, auf dem Technologiekonzerne ihre Produkte und Dienste verkaufen können“.[20] Greenfield untersucht Public Relations-Broschüren und Marketingmaterialen exemplarischer Smart City-Projekte. Seine Kritik betrifft vor allem die Abwesenheit der Menschen in der Konzeption der Städte: „Von den Stadtbewohnern ist in den Konzepten der Tech-Konzerne wenig zu lesen. Sie kommen allenfalls am Rande vor. Als Konsumenten, deren Gewohnheiten von technischen Systemen beobachtet und gegängelt werden.“[20]

Weitere Gefahren des leichtsinnigen Umgangs mit dem Label „Smart City“ im wirtschaftlichen Kontext zeigt Jens Libbe vom Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) auf:[21] An der Einwirkung multinationaler Konzerne auf Städte erachtet er die Bemühungen nationaler Normungsorganisationen zur Durchsetzung von Standards der Smart City als problematisch: „Hier werden mehr oder weniger unverblümt Interessen global tätiger Konzerne verfolgt.“ Auf die Frage nach der Begründung für diese Aktivitäten werde vonseiten der treibenden Akteure auf internationale Bemühungen zur Normen-Harmonisierung verwiesen. Deren Ziel sei es, Hemmnisse im internationalen Wettbewerb zu beseitigen und die Übertragbarkeit technologischer Neuerungen auf andere Länder sicherzustellen. Die angestrebte „Normungs-Roadmap“ sei auf die Machbarkeit von Technologien aufgerichtet. Städte würden dabei allein als Marktplätze für Technologieanwendungen begriffen: […] „Die Intention der Implementierung scheinbar freiwilliger Standards droht dabei letztlich die Interessen der in den Städten lebenden Menschen zu verfehlen, zumal die breite Öffentlichkeit über diese Aktivitäten kaum Bescheid weiß.“[21]

Kritiker weisen darauf hin, dass die Partizipation der Bürger in konkreten Smart City Konzepten offenbar nur eine Nebensächlichkeit darstelle, während der tatsächliche Fokus auf technologischen Aspekten liege. Dies äußere sich unter anderem darin, dass in den Smart-City-Beratungsgremien der EU zwar Konzerne in großer Zahl vertreten seien, zivilgesellschaftliche Initiativen hingegen kaum.[20]

Smart City ist ein Konzept, das auf einem gewissen Konkurrenzprinzip der Städte beruht – es geht auch hier meist um ökonomisches Wachstum (siehe Rebound-Effekt) – und ist somit stark von wirtschaftlichen Interessen gesteuert: Wie kann z. B. das Modell der Postwachstumsgesellschaft/-ökonomie dazu beitragen, dass es nicht nur um ein aufgesetztes Label und Konkurrenz der Städte geht, sondern um ein wirklich nachhaltiges Konzept, das sowohl ökonomisch, ökologisch und gesellschaftlich zum Umdenken bewegt – weg von einer immer noch konsumorientierten Wachstumsgesellschaft, die den Klimawandel negativ beeinflusst?[22] In diesem Sinne bieten viele als Teil von Smart City deklarierte Strategien und Konzepte nur oberflächlich einen Anknüpfungspunkt an eine Postwachstumsgesellschaft, während sie tatsächlich nur weiterhin einer Wachstumslogik unterliegen.

Der starke Fokus auf datengetriebene urbane Technologien bringt nicht erst seit 2014 auch Kritik aus einer ganz anderen Richtung: So versuchen sowohl Wissenschaftler (z. B. beim Fraunhofer Institut IESE unter dem Sammelbegriff „Smart Rural Areas“ („Intelligente ländliche Räume“)) als auch interdisziplinäre Expertengruppen (z. B. des „Internet & Gesellschaft Collaboratory“ unter dem Sammelbegriff "Smart Country"[23]) das Potential „smarter“ Technologien auch im außerstädtischen Bereich zu ergründen und als „Gegenstück“ zu „Smart City“ verstärkt in den Mittelpunkt der Debatte zu rücken, meist mit den Argumenten, dass immer noch ein signifikanter Teil der Bevölkerung dort lebe und viel Mittelstand auf dem Land zu Hause sei, sowie dass digitale Technologien und Vernetzung auch zu einer Stimulierung des ländlichen Raums beitragen könnten.[24]

Theoretische Zugänge zur Smart City[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der akademische Smart City-Diskurs beinhaltet Aspekte aus verschiedenen Theorien und Konzepten. Diese können folglich einen Zugang zu einer vertieften Auseinandersetzung mit der Smart City bieten:

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen / Bibliographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Smart-City-Wiki. Center for Metropolitan Studies, Technische Universität Berlin. Abgerufen am 10. März 2016.
  • Johannes Novy: Smart City-Hype: Die Verdummung der Städte?. CARTA - Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit. 11. Februar 2015. Abgerufen am 10. März 2016.
  • Smart City. energyload, Das Magazin zur Energiewende – Stromspeicher, Elektromobilität & Smart-Grid. Abgerufen am 10. März 2016.
  • Was sind smart cities?. Süddeutsche Zeitung. 24. Februar 2016.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Giffinger et al, 2007
  2. Jäkel/Bronnert 2013: 16
  3. vgl. http://smartercitieschallenge.org/smarter-cities.html?year=2014
  4. http://corporate.vattenfall.de/nachhaltigkeit/energie-der-zukunft/nachhaltige-energielosungen/smart-home/
  5. http://www.cisco.com/web/DE/tomorrow-starts-here/index.html
  6. Hartmann 2012
  7. Nachweis Open Cities 2014b: http://www.opencities.net/
  8. ticketteilen.org.
  9. pumpipumpe, 2014 http://www.pumpipumpe.ch/das-projekt/
  10. Helfrich 2012: 66
  11. vgl. Harvey 2013: 151ff.
  12. Exner/Kratzwald 2012: 8
  13. Patrick Dax: Der große "Smart City"-Schwindel. In: Futurezone. 13. Juni 2014, abgerufen am 13. Oktober 2016.
  14. gl. Vanolo, 2013, S. 3
  15. Vgl. Brundtland-Bericht, S. 51; Absatz 49
  16. welt.de, 8. Dezember 2015: Smart-City-Konzept – Perfide Überwachung ist in China Wirtschaftsfaktor.
  17. siehe Vanolo 2012: 2 oder Sennet 2012: 4
  18. Sennet 2012: 4
  19. Sassen 2012b
  20. a b c futurezone.at, 13. April 2014, Patrick Dax: Der grosse Smart-City-Schwindel (8. Oktober 2016)
  21. a b Difu-Berichte 2/2014, Jens Libbe, difu.de: Standpunkt: Smart City: Herausforderung für die Stadtentwicklung, 8. Oktober 2016
  22. siehe auch Welt im Wandel – Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation
  23. smartcountry.collaboratory.de: Smart Country - Digitale Strategien für Regionen
  24. stadt-und-netz.blogspot.de