Smart Government

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Smart Government ist ein Synonym für ein intelligent vernetztes Regierungs- und Verwaltungshandeln.

Smart Government[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland fördert die Bundesregierung seit 2006 auf Wirtschaft und Industrie ausgerichtete Forschungsaktivitäten rund um das Internet der Dinge und das Internet der Dienste. Das Handlungs- und Forschungsbedarf für ein intelligent vernetztes Regierungs- und Verwaltungshandeln besteht, wird seit 2015 besonders sichtbar. Die auf die Sektoren Bildung, Energie, Gesundheit, Verkehr und Verwaltung ausgerichtete Initiative „Intelligente Vernetzung“ sowie der Wettbewerb „Zukunftsstadt“ sollen gemeinsam mit den Bürgern vorbildhafte Lösungen zusammentragen, Leitbilder erarbeiten und Konzepte vorbereiten. Dabei wird zwar von „smarten Fabriken“ gesprochen. Auf die Verwendung der Begriffe „Smart City“ und „Smart Government“ wird auf politischer Seite verzichtet, was auch an einer in Staat und Verwaltung verbreiteten Abneigung gegen Anglizismen liegen könnte. Jeder Staat, jede Regierung und ihre Verwaltungen werden sich aus unterschiedlichen Erwägungen heraus mit einem eigenen Definitionsansatz dem Konstrukt „Smart Government“ nähern.[1] Die Zeppelin Universität schlug deswegen 2015 mit der Häfler Definition die Verwendung des Begriffs „Intelligent vernetztes Regierungs- und Verwaltungshandeln“ vor.

Häfler Definition von Smart Government: Intelligent vernetztes Regierungs- und Verwaltungshandeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter Smart Government soll die Abwicklung geschäftlicher Prozesse im Zusammenhang mit dem Regieren und Verwalten (Government) mit Hilfe von intelligent vernetzten Informations- und Kommunikationstechniken verstanden werden. Ein intelligent vernetztes Regierungs- und Verwaltungshandeln nutzt die Möglichkeiten intelligent vernetzter Objekte und cyberphysischer Systeme zur effizienten wie effektiven Erfüllung öffentlicher Aufgaben. Dies schließt das Leistungsportfolio von E-Government und Open Government einschließlich Big Data und Open Data mit ein. Im Kern geht es um ein nachhaltiges Regierungs- und Verwaltungshandeln im Zeitalter des Internets der Dinge und des Internets der Dienste, die technisch auf dem Internet der Systeme, dem Internet der Menschen und dem Internet der Daten aufsetzen. Diese Definition umfasst sowohl die lokale oder kommunale Ebene, die regionale oder Landesebene, die nationale oder Bundesebene sowie die supranationale und globale Ebene. Eingeschlossen ist somit der gesamte öffentliche Sektor, bestehend aus Legislative, Exekutive und Jurisdiktion sowie öffentliche Unternehmen.[1] Intelligent vernetzte Objekte, cyberphysische Systeme, das Internet der Dinge und das Internet der Dienste sind neue Konzepte der angewandten Informatik, die zwar auf bestehenden technischen Errungenschaften aufsetzen, in ihren Auswirkungen aber Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft erfassen und diese substantiell verändern werden. Viele Objekte des Alltags lassen sich mit Hilfe von ansprechbaren Prozessoren, Sensoren und Aktoren erweitern und neu gestalten. Die meisten papierbasierten Abläufe können über elektronische Akten- und Vorgangsbearbeitungssysteme viel effizienter aufgesetzt und abgewickelt werden. Aus dem Blickwinkel der Verwaltungsinformatik wie der Wirtschaftsinformatik sind die damit zusammenhängenden Möglichkeiten bisher jedoch weder systematisch erfasst noch umfassend erschlossen worden. Obwohl im Kontext von „Smart Cities“ bereits über Intelligenz in Energie-, Gesundheits-, Verkehrs- und Bildungsnetzen nachgedacht wird, wird ein konkreter Anwendungsbezug zu anderen Kernbereichen der öffentlichen Verwaltung in Deutschland erst allmählich hergestellt.

Nutzen und Chancen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Intensivierung der Vernetzung
  • Entwicklung von tragfähigen Leitbildern für ein smartes Regierungs- und Verwaltungshandeln
  • Innovationspotential und Impulse für Staat und Verwaltung
  • Neuartige intelligent vernetzte Dinge
  • Neuartige intelligent vernetzte Dienste und Verwaltungsleistungen
  • Neuartige cyberphysische Systeme für den öffentlichen Sektor
  • Verbesserte Situationswahrnehmung
  • Sensorgestützte Entscheidungsanalysen
  • Prozessoptimierungen
  • Optimierter Ressourcenverbrauch, Effizienzsteigerungen und Effektivität
  • Komplexe autonome Systeme
  • Kosten- und Gebührensenkungen[2]

Schwächen und Risiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ungewissheit einer erfolgreichen Umsetzung
  • Disruptiver Charakter der Veränderungen
  • Neue Möglichkeiten der Verhaltensverfolgung, Entscheidungsunterstützung, der Automation und der Steuerung erfordern Reflektionen, gesellschaftlichen Diskurs und Grenzsetzungen
  • Konstruktiver Umgang mit Ängsten durch das Zerrbild „Autonome Roboter“
  • Konstruktiver Umgang mit Ängsten durch das Zerrbild „Gläserner Bürger“[2]

Forschungsagenda für Smart Government[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgehend von dem Verständnis eines intelligent vernetzten Regierungs- und Verwaltungshandelns („Smart Government“) und dem dazugehörigen Leitbild „Verwaltung 4.0“, stellt sich die Frage nach der weiteren inhaltlichen Konkretisierung über eine Forschungsagenda. Gefragt sind Vorschläge, um sich mit Unterstützung und in Partnerschaft mit Wissenschaft, öffentlicher Verwaltung, der Wirtschaft und Bürgern den zentralen Fragestellungen von Smart Government zu nähern und um die vielfältigen offenen Fragen einer Realisierung bestmöglich zu beantworten.[3]

  • Gestaltung smarter Objekte für den Einsatz im öffentlichen Sektor
  • Gestaltung vertrauenswürdiger und verlässlicher cyberphysischer Systeme für den Einsatz im öffentlichen Sektor
  • Eignungsprüfung von bereits vorhandenen smarten Objekten wie Smartwatch, Smartphone oder Smart TV zur Aufgabenerfüllung in Staat und Verwaltung
  • Eignungsprüfung von bereits vorhandenen cyberphysischer Systeme wie Frühwarnsysteme zur Aufgabenerfüllung in Staat und Verwaltung
  • Entwicklung von Szenarien zur Umsetzung in Fachbereichen
  • Gestaltung von Softwarebausteinen und webbasierten Diensten für den Einsatz im öffentlichen Sektor
  • Gestaltung einer IoT-Infrastruktur-Architektur für den öffentlichen Sektor auf Basis offener Standards und Schnittstellen
  • Rechtsgestaltungsbedarf durch den Gesetzgeber
  • Empirische Sozialforschung

Historische Entwicklung: Smart Government als geschicktes gewitztes Verwaltungshandeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff „smart“ wird in der Regel für „schnell, gewitzt und schlau“, „geschickt, durchtrieben, pfiffig und findig“ sowie „elegant, hübsch und schneidig“ verwendet. Im klassischen Sinne wird „Smart Government“ daher als „geschicktes und gewitztes Regierungs- und Verwaltungshandeln“ verstanden, also eher intelligent der jeweiligen Situation angepasst. Dies unterstreicht etwa der ehemalige US-Präsident Bill Clinton mit seinem 2011 erschienenen Buch „Back to Work: Why We Need Smart Government for a Strong Economy“.[4][5]

Historische Entwicklung: Smart Government im Kontext von Smart Cities[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2009 entschloss sich das Emirat Dubai zur Errichtung des „Dubai Smart Government Department“, mit dem die Zuständigkeiten für das Gesamtangebot an Verwaltungsinformationen und elektronischen Verwaltungsleistungen neu gebündelt wurden. Bereits seit dem Jahr 2000 wurde im Smart-Government-Projekt mit smarten nachhaltigen Technologien für das städtische Umfeld (Smart City) experimentiert, die in vielen staatlichen Bauvorhaben eine Rolle spielen sollen. Mittlerweile wurden die E-Government-Aktivitäten des Emirats auf Smart Government hin neu ausgerichtet. Die Smart Government & Smart Cities Conference sowie der zusammen mit der Internet of Things Expo stattfindende Smart Government Conference and Exhibition sollen den Wissenstransfer in die Region sichern und lokal entwickelte intelligent vernetzte Lösungen vermarkten.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Jörn von Lucke: Smart Government – Wie uns die intelligente Vernetzung zum Leitbild „Verwaltung 4.0“ und einem smarten Regierungs- und Verwaltungshandeln führt, Whitepaper, The Open Government Institute, Friedrichshafen 2015, S. 4 (PDF-Datei)
  2. a b Jörn von Lucke: Smart Government – Wie uns die intelligente Vernetzung zum Leitbild „Verwaltung 4.0“ und einem smarten Regierungs- und Verwaltungshandeln führt, Whitepaper, The Open Government Institute, Friedrichshafen 2015, S. 22–24 (PDF-Datei)
  3. Jörn von Lucke: Smart Government – Wie uns die intelligente Vernetzung zum Leitbild „Verwaltung 4.0“ und einem smarten Regierungs- und Verwaltungshandeln führt, Whitepaper, The Open Government Institute, Friedrichshafen 2015, S. 32–33 (PDF-Datei)
  4. Bill Clinton: Back to Work: Why We Need Smart Government for a Strong Economy, Knopf Doubleday Publishing Group, New York City 2011
  5. a b Jörn von Lucke: Smart Government – Wie uns die intelligente Vernetzung zum Leitbild „Verwaltung 4.0“ und einem smarten Regierungs- und Verwaltungshandeln führt, Whitepaper, The Open Government Institute, Friedrichshafen 2015, S. 3 (PDF-Datei)