Société des Usines Chausson

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Die Société des Usines Chausson war ein ehemals bedeutender französischer Hersteller von Omnibussen mit dem Markennamen Chausson.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen wurde 1907 in Asnières-sur-Seine mit der Firma Ateliers Chausson Frères von den drei Brüdern Jules, Gaston und Paul Chausson gegründet. Es beschäftigte sich zunächst mit der Herstellung von Kühlern/Wärmetauschern, die an fast alle französischen Automobilhersteller geliefert wurden (außer Renault), und später auch Fahrzeugkarosserieen.

Karosseriebau und Übernahme eines Automobilherstellers[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die in Frankreich produzierten Pkw-Modelle von Ford entstanden die Karosserien, sodass Chausson ab 1934 in den Besitz von Budd-Maschinen zur Herstellung von Tiefziehblechen für Stahlkarosserien war. Diese Maschinen wurden im Werk im Pariser Vorort Meudon installiert.

1936 wurde der in ernste finanzielle Schwierigkeiten geratene Automobilhersteller Chenard & Walcker in Gennevilliers übernommen. Nach Kriegsende begann 1945 die Entwicklung eines Kleinwagens. Für den Antrieb sorgte ein wassergekühlter Einzylinder-Zweitaktmotor mit 350 cm³ Hubraum und 10 PS Leistung, der über ein Dreiganggetriebe die Vorderräder antrieb. Die offene Karosserie bot Platz für zwei Personen. Zur Serienproduktion kam es nicht. L. T. Delanay and Sons, Ltd. aus Cricklewood versuchte eine Lizenzfertigung, die allerdings ebenfalls nicht zustande kam. 1948 wurde das Projekt eingestellt.

Vom ehemaligen Lokomotivhersteller Brissonneau et Lotz wurde 1959 die kleinere Automobilsparte in Creil übernommen. Hier wurden Pkw-Karosserien produziert, so für die Renault Floride/Caravelle, den Opel GT und den Citroën SM.

Chausson APH2-50 mit der „Schweinenase“
Chausson-Stadtbus mit dem breiten Kühlergrill

Omnibusbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1942, im Zweiten Weltkrieg, baute Chausson seinen ersten Omnibus, der zur Kraftstoff-Versorgung mit einem Imbert-Holzvergaser ausgerüstet wurde. Nach dem Krieg wurde in Frankreich der Fahrzeugbau vom Staat reguliert. Nach dem sogenannten Pons-Plan kam Chausson die Rolle des Omnibus-Pruduzenten zu. Bereits am 26. Mai 1948 wurde der 2000. Bus fertiggestellt. Die Busse wurden auch exportiert, so erhielt Polen bis 1950 mindestens 600 Fahrzeuge. In den 1950er Jahren waren die Chausson Linien- und Reisebusse mit ihrer charakteristischen Front mit dem vorgesetzten Kühler auf den französischen Straßen allgegenwärtig. Der Volksmund gab den Fahrzeugen den Spitzname „nez de cochon“ (deutsch: Schweinenase). 1952 wurde das neue Modell AP 52 vorgestellt, das weiter entwickelt wurde (ASH 521 und 522). Durch den modularen Aufbau waren verschiedene Konfigurationen als Stadt-, Überland- und Reisebus möglich, die verschiedenste Kundenwünsche z.B. bezüglich Türenanzahl und Anordnung sowie Bestuhlung und Dachrandverglasung (mit/ohne) bedienen konnten. Diese späteren Modelle erhielten einen breiten Kühlergrill. Als Motoren wurden Ottomotoren von Panhard oder Hotchkiss und Dieselmotoren von Panhard, Hispano oder Somua verwendet.[1]

Die Buchstaben bei den Typenbezeichnungen der Busse bedeuteten:
1. A für Autobus
2. für den Motorlieferanten: H für Hotchkiss, P für Panhard, S für Somua
3. für die Kraftstoffart: E für essence (Benzin = Ottomotor), H für huile lourde (Diesel)

Übernahme von Renault[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den Erfolg expandierte das Unternehmen kräftig. Es bestanden neben den Werken in Asnières-sur-Seine, Gennevilliers und Meudon Werke in Reims, Creil, Maubeuge und Laval, in den besten Jahren wurden rund 13.000 Mitarbeiter beschäftigt.

1959/1960 wurde das Unternehmen durch Renault vollständig übernommen. Unter dem Markennamen „Saviem-Chausson“ wurden die bestehenden Omnibus-Modelle noch einige Zeit weitergebaut, bis der Markenname für die französischen Busse in Saviem geändert wurde.

Chausson-Wohnmobil

Wohnmobil-Aufbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1980 werden unter dem Markennamen „Chausson“ im Werk Tournon sur Rhône Wohnmobile hergestellt. Seit 1994 gehört das Werk zu 100 % zur französischen Firmengruppe Trigano, einem der größten europäischen Produzenten von Wohnmobilen und Campingartikeln.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walter Zeichner: Kleinwagen International. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3-613-01959-0

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Société des usines Chausson – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans-Christian Herrmann: Chausson und die Saar. In: Jahrbuch Omnibusse 2017, Verlag Podszun-Motorbücher, Brilon 2016, S. 133–139, hier S. 136–138
  2. Chausson (Homepage). Abgerufen am 6. Januar 2017.