SodaStream

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Sodastream und Soda Stream sind Weiterleitungen auf diesen Artikel. Weitere Bedeutungen sind unter Sodastream (Begriffsklärung) aufgeführt.
SodaStream International Ltd.
Logo
Rechtsform Limited nach israelischem Recht
ISIN IL0011213001
Gründung 1903 [1]
Sitz Gilboa Street, Airport City am Ben-Gurion-Flughafen, Israel[2] IsraelIsrael Israel
Mitarbeiter ca. 1.500 [3]
Umsatz 222 Mio. Euro (2011) [4]
Website SodaStream Deutschland

SodaStream ist ein Hersteller von Trinkwassersprudlern mit Hauptsitz bei Tel Aviv in Israel und weltweit 22 Produktionsstätten.[5]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Wassersprudler wurden in Großbritannien 1903 gefertigt. Dort kamen die Geräte zunächst in der Gastronomie und in Haushalten der Oberschicht zum Einsatz. Die britische Firma SodaStream brachte zu Beginn der 1970er Jahre erstmals einen günstigen Trinkwassersprudler auf den Markt. 1985 übernahm der Schweppes-Konzern Markenrechte und Technik von Sodastream, betrieb das Wassersprudlergeschäft aber eher glücklos. Die störanfällige Technik verhinderte eine weitere Expansion. Der Engländer Peter Wiseburgh war zu dieser Zeit der Repräsentant von Soda-Stream für Israel und über die von ihm vertriebenen Geräte so frustriert, dass er 1991 Soda-Club gründete und ein eigenes Sprudelgerät entwickeln ließ. Im Jahr darauf exportierte er bereits nach Südafrika, 1993 in die Schweiz, 1994 nach Deutschland. 1998 übernahm Wiseburghs Firma SodaStream, 2009 die Konkurrenzmarke Wassermaxx.[6]

Logo bis Oktober 2008

Nachdem es bereits 1998 mit dem britischen Konkurrenten SodaStream die entsprechenden Markenrechte erworben hatte, wurde Soda-Club im April 2010 in Deutschland, Österreich und der Schweiz in SodaStream umbenannt.[7] Der Markenname Soda-Club wird seit diesem Zeitpunkt nicht mehr verwendet, auch die Gesellschaften wurden inzwischen entsprechend umbenannt. Seit 2010 ist SodaStream an der Nasdaq notiert.

Produkte und Marktstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trinkwassersprudler

SodaStream produziert Trinkwassersprudler zur häuslichen Herstellung von mit Kohlensäure versetzten Getränken. Es werden Modelle mit Glas- oder Kunststoffflaschen sowie mit Stahl- (Kapazität für 30 Liter Wasser) oder Aluminiumzylindern (Kapazität für 60 Liter Wasser) angeboten. Beim Kauf eines Sprudlers wird dem Kunden ein CO2-Zylinder zum Gebrauch überlassen. Zur Produktpalette zählt weiterhin eine große Auswahl von Sirups in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Bei Trinkwassersprudlern ist SodaStream in Deutschland und Österreich Marktführer. Der Marktanteil lag 2004 in Deutschland bei 78 Prozent[8] und 2010 in Österreich bei 84 Prozent[9]. Geworben wird unter anderem mit dem Umweltargument, dass durch den Konsum der Produkte von SodaStream viele Limonadenflaschen eingespart werden könnten.[10] Im Februar 2014 gab Samsung bekannt, dass das Unternehmen künftig Kühlschränke mit eingebautem SodaStream-Trinkwassersprudler anbieten würde.[11]

In einem weiteren Geschäftsfeld entwickelte das Unternehmen von 1999 bis 2006 für 15 Millionen US-Dollar eine kühlschrankgroße Wasseraufbereitungsanlage für Großkunden wie Krankenhäuser und Schulen, die aus verunreinigtem Wasser Trinkwasser machen kann. Damit können gemäß WHO-Standards monatlich bis zu 10.000 Liter Trinkwasser aufbereitet werden. Die Geräte sollen von der indischen Blue Star Group in Pune produziert werden.[12]

Das Unternehmen stellt ferner Feuerlöschgeräte her.

Standorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trinkwassersprudler, Flaschen und Sirups werden von der SodaStream-Gruppe SodaStream International Ltd. unter anderem in zwei israelischen Standorten gefertigt. Der Standort in der israelischen Siedlung Ma'ale Adumim im Westjordanland wurde 2015 geschlossen.[13]

In Deutschland hat die Tochter SodaStream GmbH ihren Sitz in Bad Soden am Taunus. Neben Marketingaktivitäten und dem Vertrieb von Sirups werden dort die CO2-Zylinder für den europäischen Markt wiederbefüllt.[14]

Kontroversen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiederbefüllung der CO2-Zylinder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeitweilig versuchte das Unternehmen, sich bzw. seinen Lizenznehmern das exklusive Recht auf die Wiederbefüllung der CO2-Zylinder zu sichern. Der erste Anlauf dazu unter Berufung auf eine angebliche Verletzung von Markenrechten scheiterte zunächst vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf[15] und dann vor dem Bundesgerichtshof[16]. Im zweiten Anlauf änderte der Konzern sein Vertriebskonzept und verkaufte keine CO2-Zylinder mehr, sondern bot sie nur mehr zur Miete an und erklärte, dass nur ihm als Eigentümer das Recht über die Wiederbefüllung zustünde. Von Mitbewerbern auf den Markt gebrachte Ersatzzylinder wurden von Soda-Club nur gegen eigene getauscht. Gegen dieses Vertriebssystem erließ das Bundeskartellamt wegen Ausnutzung einer marktbeherrschenden Stellung und Verstoßes gegen das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen am 9. Februar 2006 einen Untersagungsbeschluss.[17] Das OLG Düsseldorf wies in einer am 14. März 2007 veröffentlichten Entscheidung[18] eine Rechtsbeschwerde gegen diesen zurück. Am 4. März 2008 schließlich entschied der BGH[19], dass das Unternehmen die Befüllung oder den Tausch der eigenen CO2-Zylinder auch durch Wettbewerber zulassen muss. Zusätzlich muss auf den Zylinderetiketten auf diese Möglichkeit hingewiesen werden.[20][21]

Produktion im Westjordanland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SodaStream produzierte seine Geräte teilweise in einem Gewerbegebiet nahe der israelischen Siedlung Ma'ale Adumim im Westjordanland. 500 der 1.300 Mitarbeiter der dortigen Fabrik waren palästinensische Araber aus dem Westjordanland, 450 sind arabische Israelis (einschließlich palästinensischer Araber mit registriertem Wohnsitz in Ost-Jerusalem) und 350 jüdische Israelis.[22] Unter anderem von den Nichtregierungsorganisationen Coalition of Women for Peace[23][24], Peace Now[25] und Boycott, Divestment and Sanctions (BDS) wurde SodaStream für diese Produktionsstätte scharf kritisiert.[26] Im Rahmen ihrer Boykottaufrufe, die sich auch gegen Produkte aus Israel insgesamt richten, rufen diese Gruppen deshalb zu einem Boykott von SodaStream auf.

SodaStream hatte erklärt, dass in den Produktionsanlagen Juden und Palästinenser friedlich und in jeder Hinsicht gleichberechtigt zusammenarbeiten würden. Palästinensische Mitarbeiter würden nach israelischem Tarif bezahlt, was dem Vierfachen eines palästinensischen Durchschnittslohns entspreche. Palästinensische Arbeiter bestätigen weitgehend die Darstellung von SodaStream und grenzen sich von den Boykottaufrufen ab, da diese den Palästinensern, die ihre Familien ernähren müssen, nicht helfen würden.[27][28]

Im Zuge von Anfeindungen gegen die SodaStream-Werbe-Ikone Scarlett Johansson legte diese ihre Tätigkeit als Botschafterin der Nichtregierungsorganisation Oxfam wegen „fundamentaler Auffassungsunterschiede bezüglich der 'Boycott-Divestment-and-Sanctions'-Bewegung“ Anfang 2014 nieder, da Oxfam ebenfalls die Boykottaufrufe unterstützt, soweit diese sich auf israelische Siedlungen im Westjordanland beziehen.[29] Johansson erhielt dabei auch Rückendeckung von palästinensischen Mitarbeitern von SodaStream.[30]

SodaStream deklarierte seine im israelisch besetzten Westjordanland hergestellten Produkte als „Made in Israel“. EU-Richtlinien sehen jedoch vor, dass in den israelischen Siedlungen in den besetzten Gebieten hergestellte Waren nicht wie Waren aus Israel selbst – in den Grenzen von 1967 – zollfrei in die EU eingeführt werden können. Der Europäische Gerichtshof entschied am 25. Februar 2010, dass auf den Import von im Westjordanland hergestellten Soda-Club-Waren Zoll zu erheben ist.[31] In dem vom Hamburger Finanzgericht vorgelegten Fall hatte die Firma Brita dort gefertigte Flaschen als israelische Produkte deklariert und damit aufgrund der Meistbegünstigungsklausel zollfrei einführen wollen. Die für das Herkunftslabel maßgebliche Endmontage erfolgt nun in Alon Tavor in Galiläa, Sodastream kündigte jedoch an, dass es den Standort bei Ma'ale Adumim selbst dann beibehalten wolle, wenn dieser letztlich unter Kontrolle eines Palästinenserstaates sein sollte, dem man dann auch gerne Steuern zahle.[32][33] Im Sommer 2014 wurden insgesamt 100 bis 200 Mitarbeiter entlassen, um Kosten zu sparen und weil Teile der Produktion nach Lehavim verlegt worden waren. Im August 2014 erklärte SodaStream, man überlege, die Fabrik im Westjordanland „aus rein finanziellen Gründen“ zu schließen.[34]

Nach regelmäßigen BDS-Protesten vor der Londoner Stammfiliale der Einzelhandelskette John Lewis Partnership kündigte das Unternehmen an, es werde den Verkauf von SodaStream-Produkten aufgrund von gesunkenen Verkaufszahlen einstellen. Nach zwei Jahren allwöchentlicher Proteste der BDS-Bewegung wurde Ende Juni 2014 der Laden „EcoStream“ in Brighton, der sich in israelischem Besitz befindet und SodaStream-Produkte verkauft, geschlossen.[35]

Im Juli 2014 forderten palästinensische Mitarbeiter von der Firma, dass die von Arbeitgeberseite gestellten Essensportionen größer sein sollten, da sie für das Fastenbrechen während des Ramadan nicht ausreichen würden. Im Verlauf des Konflikts wurden 60 Mitarbeiter fristlos entlassen.[36]

Ende Oktober 2014 kündigte SodaStream für 2015 die Verlegung des Werkes von der Westbank ins südliche Israel an und führte Einsparungen von rund 7 Millionen Euro an. Zuvor hatte Firmenchef Birnbaum eingeräumt, dass die Fabrik ein „Stachel in der Seite“ des Unternehmens sei.[37] Inzwischen ist der Umzug abgeschlossen.

Werbespot bei den Super Bowls[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Immer wieder produziert SodaStream Werbespots, die die großen Cola-Hersteller direkt angreifen, weil deren Flaschen umweltschädlich seien. Bislang ist es jedoch nicht gelungen, diese senden zu lassen.

Im Werbefenster der Übertragung der Super Bowl 2013 wollte Sodastream in seinem Spot auch Lieferwagen von Coca Cola und Pepsi Cola zeigen. Bei jedem Druck des Sodabereiters zerspringen Flaschen der beiden Konkurrenten. Der Fernsehsender CBS lehnte diese Negativwerbung gegen die zwei Giganten jedoch ab, und es musste ein Spot mit neutralen Limonadenflaschen gezeigt werden.[38]

Bei der Super-Bowl-Übertragung 2014 sollte ein Spot gezeigt werden, in dem Scarlett Johansson „Sorry, Coke and Pepsi.“ sagt. Dieser Satz wurde vom übertragenden Sender Fox abgelehnt und wurde nicht gesendet.[39]

„Shame or Glory“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kampagne „Shame or Glory“ mit Game-of-Thrones-Star Thor Bjornsson erhielt über 50 Millionen Klicks. Die International Bottled Water Association (IBWA) forderte SodaStream zum Stopp der Kampagne auf. Es folgten fünf weitere Unterlassungsaufforderungen. Neben Nestlé Waters wehrten sich auch der Coca Cola Konzern und Danone (Evian) direkt oder indirekt gegen die Kampagne. Sodastream gab jedoch keine Unterlassungserklärung ab.[40]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. About SodaStream
  2. Anschrift laut Firmenwebsite
  3. Gesamtzahl der Mitarbeiter, abgerufen am 7. Februar 2014.
  4. Umsatzzahlen zum abgelaufenen Geschäftsjahr
  5. About SodaStream
  6. [1]
  7. Werben & Verkaufen: Soda-Club heißt jetzt Soda-Stream, 12. April 2010
  8. Ralf Balke: Prickelndes Geschäft. In: Jüdische Allgemeine. 31. August 2006.
  9. http://www.wirtschaftsblatt.at/home/oesterreich/unternehmen/niederoesterreich/415297
  10. Weniger Flaschen. Mehr Umweltschutz., SodaStream
  11. What's On Tap for SodaStream International Ltd.?
  12. [2] name="handelsblatt.com"
  13. SodaStream – das Wassersprudler-Imperium. In: Wassersprudler.de. 8. September 2016 (wassersprudler.de [abgerufen am 11. April 2017]).
  14. Soda-Club auf wer-zu-wem.de, abgerufen am 31. Januar 2014
  15. AZ.: 20 U 107/01
  16. AZ.: I ZR 44/02
  17. Gesch.Z.: B3-39/03); Beschluss des Bundeskartellamts (PDF-Datei; 269 kB)
  18. AZ.: XI Kart 5/06 (X)
  19. AZ.: KVR 21/07 – Soda-Club II
  20. juris.bundesgerichtshof.de
  21. Sprudelgeräte Soda-Club muss Fremdbefüllung zulassen – faz.net
  22. SodaStream Boycott: At West Bank Factory, Palestinian Workers Reveal What They Think About Their Employer, International Business Times, 3. Februar 2014
  23. Sodastream setting up plant within green line. In: Haaretz. Abgerufen am 15. Juli 2012. 
  24. Sodastream (The Soda Club Group). Abgerufen am 15. Juli 2012.
  25. Boycott List - Products from the Settlements. Abgerufen am 15. Juli 2012..
  26. Ashley Feinberg: Why These People Want You to Boycott SodaStream. In: Gizmodo 24. Januar 2014.
  27. SodaStream Boycott: At West Bank Factory, Palestinian Workers Reveal What They Think About Their Employer, International Business Times (3. Februar 2014)
  28. SodaStream is wrong target for Oxfam’s Israel boycott, Al-Monitor (4. Februar 2014)
  29. Scarlett Johansson stepping down as Oxfam ambassador. In: Haaretz, 30. Januar 2014. Abgerufen am 30. Januar 2014.
  30. Palestinian workers back Scarlett Johansson's opposition to SodaStream boycott
  31. Streit um Siedlungsgebiete. Soda-Club-Urteil stellt Israel bloß Der Spiegel, 25. Februar 2010.
  32. Israel's SodaStream: under fire over West Bank factory, The Daily Star - Lebanon News vom 30. Januar 2014
  33. Ora Coren: SodaStream: Israel isn’t providing promised aid for plant inside Green Line, Haaretz vom 3. Februar 2014
  34. Ora Coren: SodaStream to decide whether to shut down controversial West Bank plant. In: Haaretz, 27. August 2014.
  35. Sandy Rashty: SodaStream shop closes in Brighton after boycott row, Jewish Chronicle, 3. Juli 2014; BDS bursts SodaStream's U.K. bubble. In: Haaretz, 3. Juli 2014.
  36. Palestinians fired from SodaStream in Ramadan dispute did not receive hearings, Ha-Aretz am 24. Juli 2014
  37. Israelische Firma schließt Fabrik in Siedlung, Handelsblatt am 29. Oktober 2014
  38. The SodaStream Ad You Didn't See During The Super Bowl, Fastcompany am 4. Februar 2013
  39. "Sorry, Coke and Pepsi": Sodastream-Spot mit Johansson von Super Bowl ausgeschlossen, der Standard am 28. Januar 2014
  40. Joachim Wille: Krieg der Flaschen. In: Frankfurter Rundschau. 2. Dezember 2016, abgerufen am 23. März 2017 (deutsch).