Sodomie

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Dieser Artikel beschreibt die Bedeutung des historischen Begriffs der Sodomie. Für die sexuelle Zuneigung zu Tieren siehe Zoophilie.
Die Zerstörung von Sodom (Mosaik, 12. Jh.)

Sodomie bezeichnet im heutigen allgemeinen Sprachgebrauch sexuelle Praktiken mit Tieren. Der Begriff wird umgangssprachlich meist mit Zoophilie gleichgesetzt und ist von der biblischen Stadt Sodom abgeleitet, die wegen ihrer lasterhaften Ausschweifungen von Gott zerstört worden sein soll.[1]

Begriffsgeschichte im Deutschen[Bearbeiten]

Die Geschichte des Begriffes Sodomie im Deutschen ist durch eine starke Bedeutungsverengung gekennzeichnet. Während Sodomie heute nur noch sexuelle Handlungen mit Tieren bezeichnet, stand der Begriff im christlichen Mittelalter und der frühen Neuzeit noch für eine ganze Reihe von sexuellen Praktiken, die, da sie nicht der Fortpflanzung dienten, als widernatürlich bzw. pervers angesehen wurden, insbesondere den Analverkehr unter Männern. Sodomiten wurden im Mittelalter und der frühen Neuzeit strafrechtlich verfolgt und mit dem Tode bestraft. Auch neuzeitliche Strafrechtskodifikationen von der Constitutio Criminalis Carolina (§ 116) bis zum Reichsstrafgesetzbuch (§ 175) erfassten homosexuelle Beziehungen zwischen Männern und sexuelle Beziehungen zu Tieren regelmäßig in ein und demselben Paragraphen. Im Zuge der Enttabuisierung der Sexualität sind die ursprünglichen weiteren Bedeutungen des Wortes bis auf den sexuellen Kontakt zu Tieren allmählich verloren gegangen. Als wissenschaftlicher Begriff für sexuelle Handlungen mit bzw. sexuelle Attraktion zu Tieren hat sich mittlerweile die Bezeichnung Zoophilie durchgesetzt.

Das aus dem Französischen übernommene deutsche Verb sodomisieren taucht erst um die Jahrhundertwende auf, wird sehr selten verwendet und ist im Duden als „bildungssprachlich“ gekennzeichnet.[2] Am häufigsten ist es in fremdsprachig beeinflussten Texten für Analverkehr zu finden, viel seltener für Zoophilie.

In anderen Sprachen[Bearbeiten]

Im Französischen versteht man unter sodomie jegliche Penetration des Anus im sexuellen Kontext und auch das Verb sodomiser ist gebräuchlich.

Auch im Englischen wird mit sodomy gewöhnlich der Analverkehr zwischen zwei Männern oder zwischen Mann und Frau bezeichnet, und auch das Verb to sodomize ist üblich. Jedoch kann die Bedeutung auch Sexualpraktiken wie Oralverkehr umfassen, d. h. jede sexuelle Handlung, die nicht heterosexueller vaginaler Geschlechtsverkehr ist. Für den Verkehr mit Tieren steht im Englischen eher der Begriff bestiality (von lat. bestia: „Tier, Bestie“).

Kultursodomie nach Sigusch[Bearbeiten]

2005 führte der Sexualwissenschaftler Volkmar Sigusch in seinem Buch Neosexualitäten den Begriff der „Kultursodomie“ ein, um die Bedeutung von Mensch-Tier-Beziehungen im Sinne einer „Neoallianz“ bzw. einer Liebes- und Lebensbeziehung in den reichen Ländern des Westens zu betonen.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gen 18,20 ff. EU
  2. Duden. Das Grosse Wörterbuch der deutschen Sprache in 6 Bänden, Band 5, Bibliographisches Institut, 1981, ISBN 978-3-411-01354-8, S. 2416
  3. Volkmar Sigusch: Kultursodomie als Neoallianz. In: Volkmar Sigusch: Neosexualitäten. Über den Wandel von Liebe und Perversion. Campus-Verlag, Frankfurt am Main / New York NY 2005, ISBN 3-593-37724-1, S. 56–74.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Stefanie Krings: Sodomie am Bodensee. Vom gesellschaftlichen Umgang mit sexueller Abartigkeit in spätem Mittelalter und früher Neuzeit auf St. Galler Quellengrundlage, in: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung, 113. Jg. 1995, S. 1–46 (Digitalisat)

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Sodomie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen