Softeis

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Softeis

Softeis (engl. soft „weich“) ist eine besonders weiche Variante des Speiseeises. Es handelt sich nicht um eine Eissorte, sondern um eine besondere Form der Zubereitung.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der gebürtige Grieche Tom Carvel verkaufte im Nordosten USA aus einem Kühl-Lieferwagen Speiseeis und stellte bald fest, dass viele Kunden weiches Eis mochten, angeblich kam ihm die Idee 1934 nach einer Panne seines Lieferwagens in Hartsdale (New York) und er zwei Tage die schmelzende Ladung verkaufte. Carvel war bewusst, dass es einer anderen Rezeptur bedurfte und er im Konditoreiwesen fündig wurde. Weiterhin beschäftigte er sich mit einer Maschine, um das Eis frisch zuzubereiten. 1936 eröffnete die erste „Carvel“-Eisdiele, welche Softeis servierte. Aus dem Unternehmen entwickelte sich eine Kette mit über 700 Filialen, heute (2016) beschäftigt das Unternehmen noch rund 1000 Mitarbeiter.

Ein weiterer Pionier war J. F. McCullough in Moline (Illinois), USA, der 1938 Softeis hergestellt haben soll. Dies verkaufte er mit großem Erfolg im Eisladen eines Freundes in Kankakee (Illinois). 1940 taten sich McCullough und sein Sohn Alex mit Harry Oltz zusammen, der eine Softeismaschine erfunden hatte, und eröffneten einen Eisladen in Joliet (Illinois).[2]

Schließlich wird ein britisches Forscherteam unter Beteiligung der späteren Premierministerin Margaret Thatcher genannt, das 1948 unter Verwendung Amerikanischer Maschinen Softeis-Rezepturen entwickelte.[3][4][5] Dem team wird überdies die Bezeichnung „soft“ in Bezug auf das Eis zugeschrieben.[6][7]

Spätestens ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts breitete sich Softeis auch über die USA hinaus aus. Wie viele andere Lebensmittel auch wird Softeis von italienischen Unternehmern als Spezialität für sich reklamiert und in Frankreich sogar als „Glace italienne“ vermarktet. 1958 wurden die ersten Softeis-Maschinen aus den USA nach Deutschland importiert. Sie wurden umgebaut, um sie an den deutschen Markt anzupassen. Unter anderem wurden selbstpasteurisierende Softeis-Maschinen entwickelt.

Herstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Softeis wird frisch gezapft
Softeis mit Schokoladenglasur

Verantwortlich für die Konsistenz von Softeis ist das Herstellungsverfahren in Softeis-Maschinen. In der Regel wird dabei ein flüssiger Eis-Mix, der zum Großteil (ca. 75 %) aus Milch besteht, in den Gefrierzylinder der Eismaschine eingefüllt und auf −6 °C abgekühlt. Ein Rührwerk im Inneren des Zylinders hält den gekühlten Eis-Mix in ständiger Bewegung. Nur eine dünne Eis-Schicht, die an der Oberfläche des Gefrierzylinders gefriert, wird von scharfen Schabern abgekratzt und gelangt – per Überdruck mit Luft aufgeschäumt – als Softeis in die Waffel.

Geschmacksknospen können das Aroma des Softeises besser wahrnehmen, als das des kälteren (−18 °C) herkömmlichem Speiseeises.

Hygiene[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut Aussage des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit führen Untersuchungen von Softeis zu wesentlich weniger Beanstandungen als Untersuchungen übrigen Speiseeises aus Eisdielen und Cafés. Voraussetzung dafür ist die konsequente Hygiene bei der Herstellung sowie eine sorgfältige und sachgemäße Reinigung der Automaten.[8]

Grundsätzlich können durch die Einarbeitung von Luft Krankheitserreger in das Softeis gelangen, wodurch die Gefahr einer Kontamination mit Salmonellen im Vergleich zum Herstellungsprozess anderer Speiseeis-Arten erhöht ist, sofern die Eismaschine nicht ständig sorgfältig gereinigt wird.[9][10] Aus diesem Grund verwenden die Softeis-Hersteller im Gegensatz zu früher mittlerweile pasteurisierte Eismasse, so dass es kaum noch zu Beanstandungen der Hygiene kommt.[11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Softeis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Leitsätze des Deutschen Lebensmittelbuches für Speiseeis und Speiseeishalberzeugnisse
  2. Marian Burros: Stand Back, Mister Softee: There’s a New Swirl in Town. In: The New York Times. 23. Juli 2008, abgerufen am 29. November 2008 (amerikanisches englisch).
  3. Ulrich Schnabel: Von der Physik siegen lernen. In: Die Zeit. 14. Juli 2005, abgerufen am 15. September 2009.
  4. Gregor Tholl: Futter für den Smalltalk: „Klugscheißer“-Bücher boomen. In: Internetseiten von n-tv. 2. Januar 2007, abgerufen am 15. September 2009.
  5. Einst eine der Mächtigsten. In: Internetseiten des Österreichischen Rundfunks. Abgerufen am 15. Mai 2008.
  6. Frühere britische Premierministerin Margaret Thatcher ist tot. In: Süddeutsche Zeitung. 8. April 2013, abgerufen am 25. November 2014.
  7. Partywissen – Unnützes für zwischendurch. Abgerufen am 15. Mai 2008.
  8. Ilse Bauer-Unkauf – Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit: Untersuchung von Softeis im ersten Halbjahr 2007. 9. Februar 2012, abgerufen am 25. November 2014.
  9. Claudia Kracht: Speiseeis. In: Planet Wissen. 28. Juli 2011, abgerufen am 25. November 2014.
  10. Ilse Bauer-Unkauf – Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit: Softeis. 9. Februar 2012, abgerufen am 25. November 2014.
  11. Ulrike Gonder: Sommer, Sonne, Bio-Eis. In: ZDF.umwelt. 15. Juli 2008, abgerufen am 15. September 2009.