Solarindustrie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Als Solarindustrie wird die Gesamtheit der Industrie-Unternehmen bezeichnet, die als Zulieferer Teile zur Herstellung von Anlagen zur direkten Nutzung der Sonnenenergie, z. B. Solarzellen für Photovoltaikanlagen, liefern oder in den Herstellungsprozess selbst eingegliedert sind. Hierbei gibt es Hersteller, die die gesamte Wertschöpfungskette erschlossen haben und andere, die nur Teilprozesse durchführen, wie zum Beispiel die Waferherstellung. Zur Solarindustrie werden auch Firmen gerechnet, die Anlagen und Maschinen für die Herstellung von Solarsilizium liefern. Einen anderen Zweig stellt die Solarthermie dar. Hierbei wird die thermische Energie nutzbar gemacht. Handwerksbetriebe, die Solaranlagen installieren, gehören nicht zur Solarindustrie.

Die Solarindustrie liefert sowohl an Projekte für Großanlagen als auch über ein Vertriebssystem an private Haushalte. Einen guten Überblick stellt der Photovoltaik Global 30 Index dar, der börsennotierte Unternehmen weltweit erfasst.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits 1912 wurde ein Sonnenwärmekraftwerk mit 45 kW in Ägypten betrieben. Die heutigen Anlagen haben teilweise die 1000fache Leistung. Mit Nevada Solar One ging 2007 in Kalifornien eine der größten solarthermischen Anlagen in Betrieb.

Bis Ende 2012 wurden in Europa Photovoltaikanlagen mit einer Peak-Leistung von rund 69 GW installiert, weltweit waren es 101 GW. Der Solarpark Agua Caliente ist eine der größten Freiflächenanlagen der Welt und soll eine Spitzenleistung von 397 MW haben.

Krise seit 2012[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieser Abschnitt bedarf einer Überarbeitung: Der Abschnitt ist tickerartig und müsste zuammengefasst und verbalisiert werden.
Hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschließend diese Markierung.
Photovoltaik-Zellproduktion (1995–2013)

Die Krise der Solarindustrie stellt sich - u.a. nach einer Auflistung laut ARD Börse[1] - bisher wie folgt dar:

  • 13. Dezember 2011: Das Berliner Solarunternehmen Solon SE beantragt die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Das indisch-arabische Unternehmen Microsol übernimmt Solon wenige Monate später.
  • 28. Februar 2012: Eröffnung des Insolvenzverfahrens über den Erlanger Solarkraftwerk-Hersteller Solar Millennium.
  • 3. April 2012: Q-Cells beantragt die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Das Unternehmen mit einst 1.300 Jobs am Stammsitz in Bitterfeld-Wolfen wird Ende August 2012 vom südkoreanischen Mischkonzern Hanwha übernommen und ist damit vorerst gerettet, der größte Teil der Jobs bleibt erhalten.
  • 17. April 2012: Das US-Unternehmen First Solar kündigt an, sein Werk in Frankfurt (Oder) schließen zu wollen. Ende Dezember ist für die Beschäftigten der letzte reguläre Arbeitstag. Bis spätestens Ende Mai 2013 verlieren damit alle 1.200 Beschäftigten des Solarmodulherstellers ihren Job. Die Suche nach Investoren dauert an.
  • 10. Juli 2012: Der auf das Geschäftsfeld Sonnenenergie spezialisierte Maschinenbauer Centrotherm photovoltaics AG stellt einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Ulm. Seither saniert sich das Unternehmen selbst.
  • 21. August 2012: Die Solarfirma Sovello in Sachsen-Anhalt stellt nach erfolgloser Investorensuche die Produktion ein. Den noch rund 1.000 Mitarbeitern wird endgültig gekündigt. Sovello war eine Abspaltung des Ex-Weltmarktführers Q-Cells und hatte im Mai 2012 Insolvenz beantragt.
  • 10. Oktober 2012: Die USA setzen zum Schutz der heimischen Solarindustrie Strafzölle auf chinesische Solarimporte fest.[2]
  • 18. Oktober 2012: Der Solartechnikhersteller SMA Solar Technology mit Sitz in Niestetal bei Kassel, will sich von 450 seiner weltweit gut 5.500 Mitarbeiter sowie von 600 Zeitarbeitern trennen.
  • 24. Januar 2013: Die Krise der Solarbranche bringt auch Solarworld immer stärker in Bedrängnis. Das einstige Vorzeigeunternehmen teilt mit, dass mit Gläubigern über einen Schuldenschnitt gesprochen werden solle. Konzernchef Frank Asbeck kündigt weitere Maßnahmen zur Kostensenkung an.
  • 18. März 2013: Es wird bekannt, dass nun auch der weltgrößte Produzent von Photovoltaikmodulen, das chinesische Unternehmen Suntech Power in Zahlungsschwierigkeiten ist. Wenige Tage später muss der Konzern Insolvenz anmelden.[3]
  • 22. März 2013: Der Technologieriese Bosch, der mehrheitlich an Aleo Solar beteiligt ist, gibt seinen Rückzug aus dem Solargeschäft bekannt. Rund 3.000 Beschäftigte sind betroffen. Die Solar-Sparte von Bosch hatte 2012 einen Verlust von gut einer Milliarde Euro eingefahren.
  • 30. April 2013: SolarWorld gerät immer stärker in Bedrängnis. Das Eigenkapital ist komplett aufgezehrt, der Aktienkurs auf einem Tiefststand und mit den Gläubigern wurde ein Sanierungsplan mit einem drastischen Schulden- und Kapitalschnitt beschlossen.
  • 18. Juni 2013: Qatar Solar Technologies beteiligt und unterstützt die deutsche SolarWorld und der Firmengründer Frank Asbeck unterstützt das Unternehmen mit weiteren 10 Millionen Euro aus seinem Privatvermögen.[4]
  • 3. Juli 2013: Der Solartechnikhersteller SMA Solar kündigte erneut einen Personalabbau bis Ende 2013 um rund 700 Arbeitsplätze an.
  • 5. Juli 2013: Das Solarunternehmen Conergy mit Sitz in Hamburg beschäftigt rund 1.200 Mitarbeiter und meldet Insolvenz an.

Die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion der Linkspartei zeigt das große Ausmaß der Krise in Deutschland auf. So sei die Zahl der Beschäftigten in der Solarwirtschaft 2012 auf 87.000 gesunken. Auch die Umsätze sind auf geschätzt 7,34 Milliarden Euro zurückgegangen.

Die Herstellerinitiative „Pro-Sun“, dem etwa 40 europäische Solarunternehmen angehören, hat unter der Führung der deutschen Firma SolarWorld bei der EU-Kommission ein Anti-Dumpingverfahren gegen chinesische Modulhersteller beantragt. Am 6. September 2012: leitete die EU-Kommission ein Antidumping-Verfahren ein. Am 8. Mai 2013 hat die EU-Kommission zum Schutz der europäischen Solarindustrie temporäre Strafzölle von durchschnittlich 46 Prozent auf chinesische Photovoltaik-Module vorgeschlagen. Die Zölle sollen auf die chinesischen Produkte und Lieferanten individuell zugeschnitten sein, so dass auch höhere Zwangsabgaben möglich sind. [5] Darauf reagierte die Volksrepublik China mit Ermittlungen wegen Dumpings von europäischen Stahlrohren, speziellen Chemieprodukten und Wein.

Die Grünen forderten die EU-Kommission auf, die Strafzölle nicht umzusetzen, um einen Handelskrieg zu vermeiden. Die aus den Strafzöllen resultierenden höheren Modulpreise würden bei den derzeitigen Vergütungssätzen für Solarstrom in den meisten EU Ländern und auch in Deutschland eine wirtschaftliche Investition in die Solarstromproduktion nicht mehr ermöglichen. Die Strafzölle seien also nutzlos. Stattdessen schlugen die Grünen eine aktive Industriepolitik vor.[6]

Am 2. Dezember 2013 bestätigte die Europäische Kommission dann, dass die vorläufigen Antidumpingzölle endgültig verhängt wurden. Es gilt damit derzeit ein Antidumpingzoll in Höhe von 47,7 % auf Solarmodule aus der Volksrepublik China. Um Umgehungen zu verhindern, wurden später auch noch Antidumpingzölle auf Solarglas aus China verhängt.[7] Im Laufe der Zeit stellte sich dann aber heraus, dass eine Vielzahl von Unternehmen die Antidumpingzölle umgingen, indem die Ware von China in Nachbarländer, wie z.B. Taiwan oder Malaysia verschifft wurde und von dort mit falschen Ursprungsnachweisen in die Europäische Union gelangte.[8] Derzeit läuft ein Überprüfungsverfahren der Europäischen Union, ob die Antidumpingzölle aufgehoben werden können; ProSun hat aber bereits Beschwerde hiergegen eingelegt.

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland verdankt die Solarindustrie ihren anfänglichen Aufschwung seit dem Jahre 2000 insbesondere der gesetzlich garantierten Einspeisevergütung, die durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz geregelt wird. Von 2000 bis 2011 stieg die mit Photovoltaik erzeugte Energie von 0,064 TWh auf ca. 19 TWh[9] und damit auf das rund Dreihundertfache.

Aufgrund der Verlagerung von Produktionskapazitäten in Länder mit niedrigerem Lohnniveau, geringeren Umweltstandards und höherer staatlicher Förderung, z.B. in Asien, sanken die Modulpreise und setzten die deutsche Solarindustrie zunehmend unter Druck. Zahlreiche Unternehmen mussten Insolvenz anmelden oder Sanierungen durchführen. Betroffen war auch der einst weltgrößte Solarzellenhersteller Q-Cells in Bitterfeld-Wolfen.

Im Gegensatz zur Photovoltaik sind deutsche Hersteller solarthermischer Anlagen unverändert erfolgreich auf den Weltmärkten und profitieren dabei vor allem auch vom enormen Wachstum der solaren Wärmeerzeugung in China. [10]

Nach Angaben des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW) gab es in Deutschland im Jahr 2012 rund 10.000 Unternehmen in der Solarbranche, davon rund 350 Produzenten. Diese beschäftigten insgesamt 120.000 Mitarbeiter. Der Gesamtumsatz Photovoltaik inklusive Maschinenbau belief sich im Jahr 2011 auf rund 19 Mrd. Euro.[11] Dabei wurden die Umsätze der Industrie und des Handwerks zusammengerechnet.

Zum 30. September 2012 wurde mit dem Solarpark Neuhardenberg der zu diesem Zeitpunkt größte Solarpark Deutschlands mit einer installierten Leistung von 145 MW installiert.[12][13] Der Aufbau erfolgte durch Einsatz von fast 2000 Arbeitskräften innerhalb von 5 Wochen.[14]

Arbeitsmarkt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Zahlen des Bundeswirtschaftsministeriums hat sich die Zahl der Arbeitsplätze in der Photovoltaikbranche in Deutschland zwischen 2012 und 2013 von 100.300 auf rund 56.000 halbiert. Das Ministerium sieht den Grund dafür in einem nicht nachhaltigen Photovoltaik-Ausbau. Die Solarbranche macht dafür überzogene Förderkürzungen verantwortlich.[15]

China[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hersteller aus China dominieren inzwischen den Weltmarkt. Die Regierung plant einen beschleunigten Ausbau der Solarenergie auf 35 Gigawatt bis 2015. Das entspricht einer Steigerung des Installationszielwertes um rund 70 % und soll zu einer Konsolidierung der Branche führen. Das Überangebot an Solarmodulen soll minimiert und die Exportabhängigkeit der chinesischen Solarindustrie verringert werden. Zudem sollen Unternehmenszusammenschlüsse und Unternehmenskäufe steuerlich gefördert werden. Gleichzeitig sollen Lokalregierungen an der Unterstützung insolventer Solarunternehmen gehindert werden, um die Marktbereinigung voranzutreiben.[16] Wie 2014 bekannt wurde, richtet sich die staatliche Wirtschaftsspionage auch auf die Firmeninterna konkurrierender Solarproduzenten in den USA.[17]

USA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den USA entstehen gegenwärtig die größten Photovoltaikanlagen der Welt, und zwar in Kalifornien und in Arizona mit jeweils 250 MW. Eines der weltweit führenden Unternehmen ist First Solar mit Sitz in Tempe (Arizona). Das Unternehmen ist erster reiner Photovoltaik-Hersteller als Partner der Industrieinitiative von Desertec.

Vereinigte Arabische Emirate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das weltweit größte solarthermische Kraftwerk hat eine Leistung von 100 MW und steht in Abu Dhabi.[18]

Indien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im indischen Bundesstaat Gujarat wurde bis April 2012 eine Photovoltaikanlage mit 214 MW installiert, der Ausbau soll bis auf 500 MW erfolgen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Börse ARD: Deutsche Solarbranche in der Krise
  2. http://de.reuters.com/article/topNews/idDEBEE89A03V20121011
  3. http://www.zeit.de/wirtschaft/2013-03/solarbranche-suntech-insolvenz
  4. http://www1.wdr.de/themen/wirtschaft/solarworld128.html
  5. Handelsblatt: Brüssel verhängt Strafzölle gegen China
  6. Pressemitteilung H.J. Fell, Grüne, Bundestag
  7. Mitteilung auf photovoltaik.eu
  8. Mitteilung auf owlaw.de
  9. Erneuerbare Energien 2011 (PDF; 946 kB). Internetseite des BMU. Abgerufen am 15. Mai 2012.
  10. "Wo man mit Sonnenenergie noch Geld verdienen kann" Bericht in der FAZ über Solarthermie in China
  11. http://www.solarwirtschaft.de/presse-mediathek/marktdaten.html
  12. neuhardenberg.org
  13. solarserver.de
  14. airport-ost.de
  15. Photovoltaik-Jobs haben sich in einem Jahr halbiert, 28. Mai 2014
  16. "China: Solarenergie startet durch" heise online, 11. März 2013
  17. [1] Spiegel online, 20. Mai 2014
  18. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/abu-dhabi-riesiges-sonnenwaermekraftwerk-shams-1-nimmt-betrieb-auf-a-889386.html#ref=rss