Soldner-Koordinatensystem

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Soldner-Koordinatensysteme in den deutschen Ländern um 1900

Das Soldner-Koordinatensystem ist ein kartesisches Koordinatensystem, das auf den Astronomen, Geodäten, Mathematiker und Physiker Johann Georg von Soldner zurückgeht.

Der Netzentwurf ist eine mittabstandstreue zylindrische Abbildung in transversaler Lage. Dabei wird der Meridian (Mittelmeridian), der in der Mitte des Messgebietes liegen sollte, längentreu abgebildet. In der Karte stellt er die senkrechte X-Achse (Abszisse) dar, die in Richtung Norden positiv ist. Die positiven Rechtswerte werden rechtwinklig (waagerecht) dazu in Richtung Osten gemessen und ebenfalls längentreu dargestellt. Da die Hochwerte bei der Abbildung des Erdellipsoids auf den Zylinder verzerrt werden, je weiter man sich vom Mittelmeridian entfernt, werden die dargestellten Gebiete auf 64 km beiderseits des Hauptmeridians eingeschränkt. Damit keine negativen Koordinaten entstehen, wurden diese um 100 km vergrößert (dekadische Ergänzungen, mit x gekennzeichnet) oder es wird der Koordinatenursprung in einen Punkt südwestlich des Abbildungsgebietes durch Verwendung von Koordinatenzuschlägen fiktiv verlegt.

Die Beschränkung in der Breite führte zu einer Vielzahl von lokalen Koordinatensystemen, für die auch noch unterschiedliche Bezugsflächen bestimmt waren (z. B. Bayern: Kugel, Preußen: Bessel-Ellipsoid). Soldner-Koordinaten wurden in weiten Teilen Deutschlands noch bis in das 20. Jahrhundert hinein benutzt, dann aber beginnend in den 1920er Jahren weitgehend durch das Gauß-Krüger-Koordinatensystem und heute das Bezugssystem ETRS 89 ersetzt.

Im Land Berlin wird aufgrund seiner Lage im Übergang von Gauß-Krüger Zone 4 zu 5 für das Liegenschaftskataster noch bis zum Jahr 2014[veraltet] das im Jahr 1879 festgelegte 18. Soldner-Koordinatensystem der preußischen Katastervermessung mit Ursprung im trigonometrischen Punkt I. Ordnung Müggelberg genutzt. Beispiele für die Wahl des Ursprungs Soldnerscher Koordinatensysteme sind auch der Nordturm der Frauenkirche in München, der Dachreiter des Kölner Doms, der Bergfried von Schloss Schaumburg, der Hauptturm des Schweriner Schlosses oder die Mannheimer Sternwarte.

Literatur[Bearbeiten]

  • Günter Hake: Kartographie. Band 1: Kartenaufnahme, Netzentwürfe, Gestaltungsmerkmale, topographische Karten (= Sammlung Göschen 9030). 5. neubearbeitete Auflage. de Gruyter, Berlin u. a. 1975, ISBN 3-11-005769-7.
  • Hans-Gerd Becker: Soldnersystem Müggelberg - ein vermessungstechnisches Denkmal? in Auf den Spuren der Landesvermessung in Berlin und Brandenburg, 2014, Potsdam, S. 22

Weblinks[Bearbeiten]