Soller (Vettweiß)

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Koordinaten: 50° 43′ 59″ N, 6° 33′ 21″ O

Soller
Gemeinde Vettweiß
Wappen von Soller
Höhe: 183 m
Fläche: 9,79 km²
Einwohner: 788 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 80 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1969
Postleitzahl: 52391
Vorwahl: 02424
Aufgang zur St. Gangolfus-Kirche, links die Lourdes-Grotte

Soller ist ein Ortsteil der Gemeinde Vettweiß im Kreis Düren, Nordrhein-Westfalen.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Soller liegt im Nordwesten des Gemeindegebietes in der Zülpicher Börde und grenzt an Stockheim und Drove (Gemeinde Kreuzau), Frangenheim und Vettweiß. Am Ort liegt ein 700 Hektar großes Heidegebiet, welches bis vor Jahren als standortnaher Truppenübungsplatz für die Kaserne in Düren genutzt wurde. Durch die Sperrung für die Bevölkerung konnte sich das Gebiet zu einem der wertvollsten Heidegebiete in NRW entwickeln, der heutigen Drover Heide.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichtsforschung leitet den Ortsnamen aus dem Althochdeutschen solari „flaches Dach“ ab. Schon zu den Zeiten der Römer und der Franken war Soller Siedlungsgebiet, wie man durch Bodenfunde feststellen konnte. Soller wurde zum ersten Mal im Jahr 989 in einer Schenkungsurkunde an die Kirche Groß St. Martin zu Köln erwähnt.

Der Matronenstein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1850 wurde in der Gemarkung „Dinsel“ ein fränkisches Grab aus der Zeit um 600 bis 700 n. Chr. entdeckt. In der Steinsetzung dieser Grabanlage fand sich ein Matronenstein aus den ersten nachchristlichen Jahrhunderten, der nach seiner Inschrift der gallo-römischen Muttergottheit (Matronae) Textumeihae geweiht war:[2]

Textume[is]/T(itus) Modest[i]/us Crispin[us]/Turbo l(ibens) [m(erito)].

„Den (Matronen) Textumeihae (gewidmet) von Titus Modesti/Modestus Crispinus Turbo, der sein Gelübde gerne und verdienstvoll erfüllt hat.“

Der Name Matronae Textumeihae kann übersetzt werden mit „Die Göttinnen der Südleute“,[3] oder auch „Die Glückverheißenden“.[4] In der nahen Ortschaft Boich sowie in Floisdorf (Mechernich) wurden zwei weitere Weihesteine für sie gefunden.

Die römische Wasserleitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Bauarbeiten wurde 1981 eine römische Wasserleitung aus dem 2. Jahrhundert entdeckt, die aus dem Quellgebiet des Ellebaches in die umliegenden Orte und nach Soller selbst führte. Der bekannte römische Töpfer Verecundus betrieb in Soller eine Großtöpferei, wo auch die Teile für die Wasserleitung hergestellt wurden. Seine Töpferwaren wurden von Soller bis nach Großbritannien exportiert.

Siehe auch: Bergtunnel

Neugliederungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1932 kam Soller von der Bürgermeisterei Drove zum Amt Vettweiß. Am 1. Juli 1969 wurde der Ort nach Vettweiß eingemeindet.[5]

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bauerndorf ist heute auch Wohnstätte für Beschäftigte in den benachbarten Industrieregionen geworden. Landwirtschaft wird nur noch auf einigen Höfen betrieben. Einige kleine Gewerbebetriebe befinden sich im Ort.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort wurde früher von einer wichtigen Römerstraße berührt, die als Abzweig der Hauptstraße Köln-Trier von Mechernich in Richtung Jülich führte. Mitten durch den Ort verläuft die Bundesstraße 56 von Düren nach Zülpich. Der Schwerlastverkehr wird wegen der fehlenden Ortsumgehung an Vettweiß vorbei um den Ort herumgeleitet.

Personennahverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Busse der DB Bahn Rheinlandbus (RVE) binden den Ort an den öffentlichen Personennahverkehr über die Linien 231 (Düren – Gemünd – Schleiden) sowie SB98 (Düren – Euskirchen) an.

Sonderlandeplatz für Ultraleichtflugzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Flugplatz Vettweiß-Soller

Kirche, Grotte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die St. Gangolfus-Kirche mit ihrem weithin sichtbaren, schlanken Kirchturm stammt in ihren ältesten Teilen aus dem 11. Jahrhundert. Direkt neben der Kirche befindet sich die zum Ende des 19. Jahrhunderts erbaute Lourdes-Grotte, die in der Septemberoktav viele Pilger anzieht.

Hauptartikel: St. Gangolfus (Soller)

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Soller gibt es den Jugendverein Solleros, den Radsport-Club CSC, eine Löschgruppe der Freiwilligen Feuerwehr Vettweiß mit Jugendfeuerwehr und einem Förderverein für die Löschgruppe Soller, die Musikkapelle Soller, eine Interessengemeinschaft der Ortsvereine, die Luftsportgemeinschaft Gertrudenhof e. V. und den Gartenbauverein.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.vettweiss.de/unsere_gemeinde/content/einwohnerzahlen.php
  2. CIL 13, 07849 (Inschriften-Datenbank Clauss/Slaby).
  3. Die Interpretation von Textumeihae aus dem Wortstamm *textuma „rechts“ oder „südlich“ und „der Folgende“ findet sich bei Günter Neumann: Die germanischen Matronenbeinamen. In: Beihefte der Bonner Jahrbücher. Band 44, Rheinland/Habelt, Bonn 1987, S. 103–132; Neuauflage in: Heinrich Hettrich, Astrid van Nahl (Hrsg.): Namenstudien zum Altgermanischen. de Gruyter, Berlin 2008, ISBN 978-3-11-020100-0, S. 253–289, hier S. 261 (Seitenansicht in der Google-Buchsuche).
  4. Die Interpretation von Textumeihae aus der glückbringenden rechten Seite bei Vogeldeutungen (Auspizien) findet sich bei Helmut Birkhan: Germanen und Kelten bis zum Ausgang der Römerzeit. Band 1, Rohrer, Wien u. a. 1970, S. 197, Anmerkung 338.
  5. Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 98.