Solling

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Solling (Begriffsklärung) aufgeführt.
Solling
Höchster Gipfel Große Blöße (527,8 m ü. NHN)
Lage Niedersachsen, Hessen, Nordrhein-Westfalen (Deutschland)
Teil der Haupteinheit Solling, Bramwald und Reinhardswald
Einteilung nach Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands (Einzelblatt 99 Göttingen)
Solling (Niedersachsen)
Solling
Koordinaten 51° 44′ N, 9° 36′ OKoordinaten: 51° 44′ N, 9° 36′ O
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Der Solling ist ein bis 527,8 m ü. NHN[1] hohes Mittelgebirge des Weserberglands in Niedersachsen (Deutschland), dessen äußerste Südausläufer nach Hessen und Nordrhein-Westfalen reichen.

Innerhalb Niedersachsens stellt er das flächenmäßig zweitgrößte und nach dem Harz (Wurmberg; 971,2 m; höchster Punkt im niedersächsischen Harzgebiet) sowie dem Nordteil des nach Niedersachsen hineinreichenden Kaufunger Walds (Haferberg; 580,4 m) das dritthöchste Gebirge dar.

Der Solling bildet zusammen mit dem kleineren und weniger hohen Mittelgebirgszug Vogler und dem kleinen Höhenzug Burgberg, die sich nördlich an den Solling anschließen, den Naturpark Solling-Vogler.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Niedersächsisches Bergland

Der Name Solling wird etymologisch interpretiert als eine durch ihren Reichtum an sumpfigen Stellen charakterisierte Waldlandschaft. Vorformen des Wortes gehen zurück auf die Silbe sol, die eine Niederung oder morastige Stelle meint und sich auch in Flurnamen wie Heimbuchsoll wiederfindet.[2] Auch die heutigen Wörter Suhle und Soll gehen auf diesen Wortstamm zurück.

Der Solling wird erst relativ spät urkundlich erwähnt, der erste Hinweis findet sich in einer Urkunde der Fuldaer Traditionen aus dem Jahr 1157: pro foreste Sulgo.[3]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Solling liegt fast vollständig in Südniedersachsen in den Landkreisen Holzminden und Northeim. Lediglich sein Südwestausläufer mit den Hannoverschen Klippen gehört rechtlich zum Kreis Höxter in Ostwestfalen, und seine Südwestabdachung mit dem Stadtviertel Gartenstadt Bad Karlshafens befindet sich in Nordhessen im Landkreis Kassel, wo auch die Südabdachung des Sollings bei Wahlsburg ausläuft.

Am Solling liegen die größeren Orte entlang eines gedachten Ringes an seinem Rand. Im Uhrzeigersinn sind dies Deensen, Heinade, Dassel, Moringen, Hardegsen, Uslar, Bodenfelde, Bad Karlshafen, Lauenförde, Beverungen, Fürstenberg, Boffzen, Höxter, Holzminden und Bevern.

Im Norden stößt der Solling an den Burgberg, hinter dem sich der Vogler befindet, im Nordnordosten an den Homburgwald, im Nordosten an die Höhenzüge Amtsberge, Holzberg und Ellenser Wald, im Osten an die Ahlsburg, im Südosten an den Weper, im Süden an den Kiffing und im Südwesten an den Reinhardswald. Im Südwesten, Westen und Nordwesten bildet das Obere Wesertal die naturräumliche Begrenzung des Sollings.

Naturräumliche Zuordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Naturräumlich ist der Solling der größte und höchste der drei namensgebenden Buntsandstein-Blöcke der Haupteinheit Solling, Bramwald und Reinhardswald (Nr. 370). In den naturräumlichen Zuordnungen spielt indes das Schwülmetal, das landläufig als Südgrenze des Solling gesehen wird und gleichzeitig die Landesgrenze zu Hessen und die Südgrenze des Naturparks bildet, keine Rolle.

Das eigentliche Kerngebirge bis zu den tiefer und breiter eingeschnittenen nördlichen Nebentälern von Ahle und Rehbach bildet den Naturraum Nördlicher Solling (370.0). Die tiefer eingetalte und etwas weniger hohe Landschaft von dort bis zum Niemetal, hinter dem sich der Bramwald anschließt, wird Kuppiger Solling (370.1) genannt. Inselartig von diesem durchgehend bewaldeten Gebiet umschlossen liegt das besiedelte Uslarer Becken um Uslar, das auch das Ahletal ab Schönhagen, das Rehbachtal ab Bollensen und das Schwülmetal zwischen Offensen und Vernawahlshausen umfasst.[4]

Berge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Bergen und Erhebungen des Solling gehören – mit Höhen in Meter (m) über Normalhöhennull (NHN; wenn nicht anders genannt laut [1]):

  • Eisernstieg (446,3 m)[5]
  • Strutberg (444,1 m) – mit Sollingturm (AT)[5]
  • Großer Lauenberg (442,6 m)[5]
  • Wildenkiel (ca. 441 m)
  • Auerhahnkopf (ca. 440 m)
  • Hackeberg (428,4 m)[5]
  • Hengstrücken (424,4 m)[5]
  • Buchholz (421,7 m)[5]
  • Sonnenköpfe (414,6 m; Westgipfel)[5]
  • Sonnenköpfe (407,0 m; Ostgipfel)[5]
  • Junge Schmacht (388,0 m)[5]
  • Platte (379,7 m)[5]
  • Sommerberg (364,5 m)[5]
  • Kahlberg (224,7 m)[6]

Gewässer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Fließgewässern im und am Solling gehören:

  • Ahle – entspringt im Solling, verlässt ihn südostwärts fließend und ist ein nordwestlicher Schwülme-Zufluss
  • Beverbach – entspringt am Nordrand des Sollings in Schorborn, fließt westwärts und ist ein östlicher Weser-Zufluss
  • Dieße – entspringt am Ostrand des Sollings nahe Fredelsloh, fließt nordnordostwärts und ist ein südsüdwestlicher Ilme-Zufluss
  • Dürre Holzminde – entspringt im Solling im Erzbruch, fließt über Mühlenberg nach Holzminden und ist ein Holzminde-Zufluss
  • Espolde – entspringt am Ostrand des Sollings nahe Espol, fließt überwiegend ostwärts und ist ein westlicher Leine-Zufluss
  • Hasselbach – entsteht im Solling nahe Schießhaus, fließt überwiegend westwärts und ist ein östlicher Dürre Holzminde-Zufluss
  • Helle – entspringt im Solling im Mecklenbruch, fließt durch Hellental und Merxhausen und ist ein südwestlicher Spüligbach-Zufluss
  • Holzminde – entspringt im Solling im Mecklenbruch, fließt überwiegend nordwestwärts und ist ein östlicher Weser-Zufluss
  • Ilme – entspringt im Solling nahe dem Neuen Teich, fließt überwiegend ostwärts und ist ein westlicher Leine-Zufluss
  • Otterbach – entspringt im Solling nahe „Neuhaus im Solling“ im Rutenbruch, fließt nordwestwärts und ist ein östlicher Weser-Zufluss
  • Rehbach – entspringt im Solling nahe dem Schönenberg, fließt südwestwärts und ist ein nordöstlicher Ahle-Zufluss
  • Reiherbach – entspringt nördlich von Amelith, fließt südsüdostwärts nach Bodenfelde und ist ein nordnordwestlicher Weser-Zufluss
  • Rottmünde – entspringt im Solling nahe „Neuhaus im Solling“ im Rutenbruch, fließt südwestwärts und ist ein östlicher Weser-Zufluss
  • Schwülme – entspringt im Südosten des Sollings nahe Hettensen, fließt überwiegend westwärts und ist ein östlicher Weser-Zufluss
  • Spüligbach – entspringt am Nordostrand des Sollings nahe Heinade, fließt südostwärts und ist ein nordwestlicher Ilme-Zufluss
  • Weser – entsteht etwa 35 km (Luftlinie) südlich des Sollings bei Hann. Münden aus der Vereinigung von Fulda und Werra, passiert den Solling-Westrand in Süd-Nord-Richtung und ist ein in die Nordsee mündender Strom

Die beiden letztgenannten verlaufen peripher, während die anderen den Solling radial entwässern.

Zu den Stillgewässern des Sollings gehören der Neue Teich und der benachbarte Lakenteich.

Ortschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortschaften am oder im Solling sind:

Gemeindefreie Gebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die unbewohnten Waldflächen des Sollings liegen größtenteils in insgesamt vier gemeindefreien Gebieten:

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sandstein rötlicher Einfärbung

In der Form eines umgedrehten Tellers hebt sich das Felsmassiv des Sollings von seiner Umgebung ab. Der Durchmesser beträgt etwa 30 km, die Mächtigkeit 300 m. Dieses Festgestein besteht aus Sandstein in meist rötlicher Einfärbung, dem Buntsandstein. Zu den Zeiten der variszischen Gebirgsbildung noch Teil einer ausgedehnten Senke, hob sich die Sollingscholle im Erdmittelalter.[7] Anschließend entstand infolge eines regionalen tektonischen Vorgangs eine Verwerfung. Sie verläuft durch das gesamte Massiv entlang einer recht geraden Linie.[8] An der Oberfläche wird sie als Graben sichtbar, der teilweise mit Lockergesteinen verfüllt ist. Im Nordosten verläuft heute durch diesen Graben die Helle, an dessen Nordende sie in den Spüligbach mündet. An dieses Bachtal anschließend hat sich in der Sollingmitte das Mecklenbruch gebildet. Der südwestliche Teil des Grabenbruchs zeigt bei Derental seine stärkste Ausprägung. Die gesamte Formation ist von einer Schicht Parabraunerde überlagert, auf der sich Moderhumus gebildet hat.

Die Mitte des Sollings mit Höhenlagen über 400 m ü. NHN wird auch als Hoher Solling oder Hochsolling bezeichnet. Auf dieser Hochfläche gehen die Böden in Pseudogley oder Stagnogley über, sodass sich Moorareale gebildet haben.

Über die beschriebene markante Grabenstruktur hinaus weist der Solling mehrere kleinere Verwerfungen auf, die sich oft als Bachtäler darstellen. Die Randbereiche des Solling lassen sich im Uhrzeigersinn so charakterisieren:

Im Norden schließt sich der Vogler an. Im Osten läuft der Solling flach in die Stadt Dassel aus. Im Südosten hat sich um Uslar ein Becken abgesenkt. Im Süden grenzt der Solling an den Reinhardswald. Den Westverlauf bildet die Weser, wo der Wesersandstein des Sollings als Hannoversche Klippen seine steilste Formation aufweist.

Landschaftsbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die durchgehende Bewaldung des Sollings prägt sein Gesamterscheinungsbild. Fichtenbestand dominiert diese Kulturlandschaft. Buchenwaldareale bilden den Kern des Laubbaumbestandes. An einigen Stellen befinden sich lange Eichenalleen, die vor 250 Jahren vom Forstmeister Johann Georg von Langen angelegt wurden. Von den Durchgangsstraßen aus eröffnet sich über Forst- und Wanderwege der Zugang zu Lichtungsrändern, die auch andere Baumarten wie Ahorn, Birke, Douglasie, Esche, Lärche oder Tanne aufweisen. Der Boden ist, sofern sich kein Unterholz durchgesetzt hat, in der Regel mit Hainsimsen bewachsen. Bachtal- und Waldrandzonen haben Wiesencharakter.

In das Waldgebiet eingebettet befinden sich mitten im Solling mit dem Neuen Teich, dem Lakenteich und dem Hochmoor Mecklenbruch drei ökologisch wichtige Feuchtbiotope.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prähistorie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der letzten Eiszeit lag der Solling im nördlichen Randbereich der Gletschervorstöße. Erste menschliche Nutzungen setzten bereits in der Mittelsteinzeit ein.[9] Funde von Steinwerkzeug durchziehender Jäger und Sammler wurden in Randlagen des Sollings etwa bei Dassel[10] gemacht. Eine urgeschichtliche Bedeutung wird manchmal auch dem Bredenstein südlich von Neuhaus zugeschrieben, dessen genaue Bedeutung und zeitliche Einordnung aber nicht erwiesen sind.[11] Die sesshafte Besiedlung begann im Mittelalter ebenfalls vom Rand und von Flusstälern her. Von einem Heerlager Karls des Großen in Herstelle aus wurde eine kleine Anhöhe bei Schmeessen besiedelt.[12] Bis in diese Phase blieb der natürliche Pflanzenbestand im Solling vorherrschend.

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hohlweg im Solling

Mit dem Einsetzen einer mittelalterlichen Warmzeit kam es zu einer Bevölkerungszunahme. In dieser Zeit übernahmen die Grafen von Dassel die Landesherrschaft in der Gegend. Sie ließen eine große Siedlung vor ihrer Burg Nienover anlegen, was mit erheblichen Rodungen für Bau-, Heiz- und Hute-Zwecke verbunden war. Der Solling wurde allmählich in eine Kulturlandschaft umgeformt. Im 13. Jahrhundert übernahmen die Welfen die Herrschaft, und Nienover fiel wüst. Die Waldnutzung wurde fortgesetzt durch die umliegenden Städte Uslar, Höxter und Holzminden. Aus dieser Zeit sind vereinzelt Hohlwege erhalten. Der Bevölkerungsrückgang infolge der Pest Mitte des 14. Jahrhunderts führte zu einer teilweisen Wiederbewaldung.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Köhler im Solling 1909

In der Neuzeit wurde die Waldweidewirtschaft fortgesetzt und ausgeweitet. Dies führte zu einer Überalterung des Baumbestandes, der sich Mitte des 16. Jahrhunderts aus Birken, Buchen und Eichen sowie an Bachufern angepflanzten Weiden zusammensetzte. Auch wurden die Rodungen wieder aufgenommen, teils durch Köhlerhütten, besonders aber durch das Kloster Amelungsborn. Die Abholzung diente nicht nur der Ausweitung von Ackerflächen, sondern auch der Inbesitznahme von brach liegenden Landflächen. Noch im Dreißigjährigen Krieg verordnete Friedrich Ulrich einen Rodungsstopp. Dennoch konnte sich der Wald auch in den nächsten hundert Jahren nicht erholen. Brennholzbedarf bestand nicht nur bei der zunehmenden Bevölkerung, sondern auch durch die neuerrichteten Glas- und Eisenhütten. Von Langen schlug 1755 eine systematische Waldverjüngung durch Fichtenanpflanzung vor. Doch erst Mitte des 19. Jahrhunderts verdrängte die Nutzung des Waldes als Forst die Mastweidewirtschaft. Im Anschluss an eine kurze Zugehörigkeit zum Departement der Leine begann man mit der Trockenlegung kleiner Moore. Ab etwa 1860 wurden großflächig Fichten angepflanzt. Die alte politische Grenze im Solling ist noch heute Landkreisgrenze zwischen Holzminden und Northeim. Seit dem Mittelalter verlief sie entlang des geologischen Grabens, der den nördlichen, braunschweigischen Teil vom südlichen, calenbergischen (später hannöverschen) Teil trennte.

Glasgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In früheren Jahrhunderten deckte der Holzreichtum des Sollings den Brennholzbedarf der Wanderglashütten zur Befeuerung der Schmelzöfen und Herstellung von Pottasche (Waldasche). Die Hütten wurden mitten im Wald in der Nähe einer Quelle angelegt und erhielten die Berechtigung (Konzession), in einem bestimmten Umkreis 5 bis 6 Jahre lang den Wald abzuholzen. Meist besaßen die Wanderglashütten noch eine Verbindung zu einem benachbarten Dorf, da bestimmte Rohstoffe, wie Sand, benötigt wurden, die von den Menschen in diesem Dorf herangeschafft wurden oder die das Glas abtransportierten. Nachdem dem Verbrauch des meisten Holzes in der Umgebung zogen die Glashütten weiter. Den zur Glasherstellung notwendigen Sand holte man von Lenne oder aus Neuhaus. Der Ton für die Feuerstätten kam aus Almerode in Hessen.

Das Glas aus dem Solling wurden schon im Jahre 1397 an das herzogliche Schloss Münden geliefert. Aufgrund von urkundlichen Erwähnungen und Bodenforschungen wird von etwa 20 früheren Waldglashütten ausgegangen. Selten bestanden gleichzeitig mehr als 3 bis 4 Hütten im Solling. Das Glashüttengelände bestand meistens aus einfachen Hüttengebäuden, die neben den Hüttenstellen vielleicht noch ein Wohn- und Schlafhaus des Hüttenmeisters oder die seiner 3 bis 4 Gesellen aufwiesen. Auf dem Gelände der Hütten befand sich meistens noch ein Stall für Zugochsen der Holzfuhrwerke und einen Lagerschuppen für Holz und Materialien. Ihren festen Wohnsitz hatten die Glasmacher des 17. Jahrhunderts, die nach Zunftvorschrift nur von Ostern bis zum 11. November (Martini) Glas herstellten, in den umliegenden Dörfern. Im Winter schlugen sie selbst das benötigte Holz in dem ihnen bei Antritt der Konzession zugewiesen Revier. Die Hauptmaterialien, Sand und Waldasche waren leicht zu beschaffen. Die alten Sollingglasmacher waren nur hinsichtlich des Tons für ihre Öfen und Schmelzhäfen von der Einfuhr aus Hessen abhängig. Nur in dem großen Tonlager bei Großalmerode im Kaufungerwald war ein idealer, formbarer und feuerbeständiger Ton vorhanden. Von dort aus gehen noch heute Häfen, zum Glasschmelzen, in alle Welt.

Die Nähe dieser Tonlager, die riesigen Waldbestände im mittelalterlichen Hessen und die Nähe der Weserschifffahrt, mit ihren günstigen Ausfuhrmöglichkeiten, hatten in Hessen schon im 15. Jahrhundert eine blühende Waldglasindustrie entstehen lassen. Bis um 1600 gehörten fast alle Glasmacher östlich der Weser bis zum Harz (also auch die des Sollings) dem mächtigen hessischen Gläsnerbund an. Unter dem Schutz des Landesgrafen von Hessen gewährleistete der Gläsnerbund allen Glasmachern eine gleichmäßige Begünstigung und durch die Beschränkung der Arbeitszeit und Hüttengröße zuverlässige Absatzmöglichkeiten. Der Bundesmeister des hessischen Gläsnerbundes konnte bei Verstößen gegen die Satzungen jede Hütte schließen und empfindliche Geldbußen verhängen. Auswärtige Zunftmitglieder bestrafte man wirksam durch Vorenthaltungen des Großalmeroder Hafentons. Natürlich suchten und fanden einzelne nicht hessische Landesväter geeignete Ersatztonlager. Damit machten sie die ins Land gerufenen Hüttenleute unabhängig von der hessischen Bevormundung. Etwa 1600 führte diese Entwicklung zum Abbröckeln der Vormachtstellung des hessischen Gläsnerbundes. Die ersten Waldglasmacher des Weserberglandes kamen aus Hessen und brachten die Kenntnisse der Glasfertigung mit.

Auf hessische Glasmacher gehen die Glashütten am Burgberg bei Warbsen (vor 1561), im Homburgwald bei Stadtoldendorf (vor 1580), im südlichen Vogler (Andreas Kaufhold aus Großalmerode 1558–1569), im Amt Forst (Georg Wentzel 1568), am Vogler (Hans Gundelach 1595), am Lakenteich bei der Försterei Lakenhaus (vor 1680, Jürgen Seitz) zurück. Die Glasmacherfamilien Wentzel, Gundelach, Kaufhold und Seitz sind auch in späterer Zeit dem Solling treu geblieben und wirkten auch Anfang des 18. Jahrhunderts in den Glashütten, die als Vorläufer der fürstlichen Glashütte Schorborn anzusehen sind.

Tourismus und Sehenswertes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Moorbirkenwald mit Scheiden-Wollgras am Moorauge im Hochmoor Mecklenbruch (Juni 2013)

Der Solling bietet vielfältige Wandermöglichkeiten. Viele Wanderwege sind als Rund- oder Themenrouten angelegt, darunter der Pilgerweg Loccum–Volkenroda. Die meisten Wege verlaufen eben oder mit nur geringer Steigung. Beliebte Ausflugsziele im Solling sind das Naturschutzgebiet Hochmoor Mecklenbruch bei Silberborn, die Aussichtstürme Hochsollingturm auf dem Moosberg, der Sollingturm auf dem Strutberg und der Harzblick auf dem Großen Steinberg, der Hutewald bei Schloss Nienover sowie der Wildpark Neuhaus mit dortigem WildparkHaus – Das Solling Besucherzentrum.[13]

Während der Brunftzeit der Hirsche kann auf Parkplätzen dem Röhren der Hirsche gelauscht werden (Hirschebrüllen). Auf gespurten Loipen kann im Winter an einigen Tagen Skilanglauf betrieben und zum Beispiel bei Silberborn gerodelt werden.

An der Bundesstraße 241 können in der Nähe des Mittelalterzentrums Nienover mit der Wüstung Winnefeld und der Wüstung Schmeessen archäologische Grabungsstellen besichtigt werden sowie eine weitere am Lakenteich mit der Waldglashütte am Lakenborn. Für das Mountainbiking besteht bei Neuhaus ein Rundkurs. Verschiedene wenig befahrene Straßen werden im Frühjahr von Radrennsportlern zur Saisonvorbereitung genutzt, während sich die fahrradtouristische Nutzung des Sollings auf den Europaradwanderweg R1 konzentriert.

Am Südostrand des Solling liegt das Töpferdorf Fredelsloh. Hier sind neben den traditionell angesiedelten Töpfereien auch zahlreiche Kunsthandwerker aus der Holzbearbeitung sowie der Schmuck- und Korbherstellung beheimatet.

Auszeichnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2013 wurde der Solling als Waldgebiet des Jahres ausgezeichnet.[14][15]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Solling – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  2. Wolfgang Kramer: Der Name Solling, Beiträge zur Namenforschung, Nr. 6, 1971, S. 130–150.
  3. Kirstin Casemir, Franziska Menzel und Uwe Ohainski: Die Ortsnamen des Landkreises Northeim. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2005, S. 350 f., ISBN 3-89534-607-1.
  4. Jürgen Hövermann: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 99 Göttingen. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1963. → Online-Karte (PDF; 4,1 MB)
  5. a b c d e f g h i j k l m n o p q r Wandern und Freizeit im Naturpark Solling-Vogler, Topographische Karte (1:50.000; 1975),
    Hrsg.: Niedersächsisches Landesverwaltungsamt – Landesvermessung
  6. laut ehemals einsehbaren Infos aus Karte von Bodenfelde u. a. mit dem Kahlberg, auf findcity.de.
  7. Hans-Adolf Hedemann: Die Gewölbestruktur des Sollings und ihre Entstehung, in: Geologisches Jahrbuch 72, 1957, S. 529 ff.
  8. Hans Stille (1922): Ausschnitt Übersichtskarte Leinegraben (S. 15; Abb. 1.10; M = 1:500.000) der Übersichtskarte der saxonischen Gebirgsbildung, in: Christof Liebermann (2009): Geologisches Strukturmodell im weiteren Umfeld des Erdfalls Northeimer Bergbad (PDF; 6,77 MB).
  9. Klaus Raddatz, Mesolithische Fundplätze im Solling, Göttinger Jahrbuch 18 (1970), S. 25–32.
  10. Sievershausen Fundstelle Nr. 12, Gemeinde Stadt Dassel, Landkreis Northeim, Reg.Bez. Braunschweig (Memento vom 23. Oktober 2007 im Internet Archive), St. Veil / R. Leibecke in „Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte 1998“, auf archive.org
  11. Hery A. Lauer: Archäologische Wanderungen in Südniedersachsen. H. Lauer Verlag, Angerstein 1988, ISBN 3-924538-03-4..
  12. H.-G. Stephan, R. Mahytka, R. Myszka, M. Zirm, H.-R. Bork, A. Beyer: Archäologisch-ökologische Forschungen zur Landschafts-, Siedlungs- und Wirtschaftsgeschichte im Solling im Jahre 2006, Göttinger Jahrbuch 55 (2007), S. 239–258.
  13. WildparkHaus – Das Solling Besucherzentrum, abgerufen am 1. Februar 2016, auf naturpark-solling-vogler.de
  14. Waldgebiet des Jahres: 2013 – Der Solling, Bund Deutscher Forstleute, auf waldgebiet-des-jahres.de
  15. Solling zum Wald des Jahres gewählt (Hessische/Niedersächsische Allgemeine), vom 17. August 2012, auf hna.de