Solms Wilhelm Wittig

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Solms Wilhelm Wittig (* 15. März 1897 in Braunschweig[1]; † 1968 in Holzminden[2]) war ein deutscher Bauingenieur und Professor an der TH Dresden, Regierungsbaurat in Braunschweig, Generaldirektor der Deutschen Asphalt AG in Eschershausen, Geschäftsführer der Steinöl GmbH Braunschweig, Leiter des Forschungsinstituts für Naturasphalt an der TU Braunschweig und ein verurteilter Kriegsverbrecher wegen seiner Beteiligung an Verbrechen im KZ-Außenlager Schandelah.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wittig war von Beruf Bauingenieur und bis 1938 Regierungsbaurat im Straßen- und Wasserbauamt der Stadt Braunschweig. Er war Professor und Direktor am Institut für Erdbau der TH Dresden und seit 1941 war er Generaldirektor der Deutschen Asphalt AG (DASAG) mit Sitz in Eschershausen. Hauptaktionär der DASAG war der Freistaat Braunschweig mit 97 Prozent. Wittig gründete die Steinöl GmbH Braunschweig als deren Tochtergesellschaft und wurde Geschäftsführer. Wittig bestimmte Hans Detlev Ohlen zu seinem Stellvertreter bei der Steinöl GmbH. Dieser wurde später als Kriegsverbrecher zu zwölf Jahren Haft verurteilt.

Die private Steinöl GmbH spielte bei der Gründung und des Betriebs des Lagers Schandelah eine zentrale Rolle. Die Steinöl GmbH meldete nach dem Zweiten Weltkrieg Konkurs an.

Ab April 1941 war Wittig Leiter des Forschungsinstituts für Naturasphalt an der TU Braunschweig, das nach dem Bombenangriff auf Braunschweig am 15. Oktober 1944 in die Gebäude des Außenlagers Schandelah ausgelagert wurde. Dieses Institut arbeitete für Bau- und Versuchsprogramme der Luftwaffe, der Organisation Todt und für die Hermann-Göring-Werke in Salzgitter.[3] Im Rahmen des Mineralölsicherungsplans (geheimes Projekt Unternehmen Wüste) war Wittig für die fachliche Planung und den Betrieb des KZ-Außenlagers Schandelah verantwortlich. Ziel war die Erforschung und Herstellung von synthetischem Benzin aus Ölschiefergestein, welches von den KZ-Häftlingen unter unmenschlichen Bedingungen abgebaut werden musste.

Solms Wilhelm Wittig wurde für seinen Anteil an den verübten Verbrechen im Lager Schandelah im Februar 1947 durch ein britisches Militärgericht zum Tode durch Hängen verurteilt. Wittigs Urteil wurde nicht vollstreckt, sondern im März 1947 in eine 20-jährige Gefängnisstrafe umgewandelt. Im Mai 1955 wurde er von der bundesdeutschen Justiz begnadigt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heike Petry: „Betr.: Einsatz von KZ-Häftlingen in Schandelah“ – Zwangsarbeit für das Ölschiefer-Projekt der Steinöl GmbH. In: Gudrun Fiedler, Hans-Ulrich Ludewig: Zwangsarbeit und Kriegswirtschaft im Lande Braunschweig 1939–1945. Hrsg. vom Braunschweiger Geschichtsverein. Appelhans Verlag, Braunschweig 2003, ISBN 3-930292-78-5, S. 237ff.
  • Dorit Petschel: 175 Jahre TU Dresden. Band 3: Die Professoren der TU Dresden 1828–2003. Hrsg. im Auftrag der Gesellschaft von Freunden und Förderern der TU Dresden e. V. von Reiner Pommerin, Böhlau, Köln u. a. 2003, ISBN 3-412-02503-8, S. 1057.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Solms Wittig (Memento des Originals vom 19. Februar 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ua.tu-dresden.de auf ua.tu-dresden.de, Abfrage 3. November 2008.
  2. August Ludwig Degener, Walter Habel: Wer ist wer? Das deutsche Who’s Who, Band 16. Arani, Berlin 1970, ISBN 3-7605-2007-3, S. 1516.
  3. Frank Ruhnau: Die Entwicklung der Materialprüfung an der TH Braunschweig. In: Walter Kerz, Peter Albrecht: Technische Universität Braunschweig, Vom Collegium Carolium zur Technischen Universität 1745–1995. S. 437, Georg-Olms-Verlag, Braunschweig 1995 Olinie verfügbar.