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Somatic Experiencing

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Somatic Experiencing (SE) ist ein markenrechtlich geschützter[1] Begriff für ein körperorientiertes, traumatherapeutisches Verfahren zur Behandlung von Trauma- und stressbedingten Störungen. Dieses Konzept zur Traumabewältigung wurde von dem US-amerikanischen Psychologen und Biophysiker Peter A. Levine entwickelt und soll die Selbstregulationsfähigkeit des autonomen Nervensystems unterstützen. Die achtsame Wahrnehmung körperlicher Empfindungen steht hierbei im Mittelpunkt, um überwältigende Trauma- und Stresserfahrungen zu integrieren.

Hintergrund und Entwicklung

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Somatic Experiencing wurde seit den 1970er Jahren von Peter A. Levine entwickelt. Er beobachtete, dass wilde Tiere trotz lebensbedrohlicher Situationen meist keine chronischen Traumafolgestörungen entwickeln. Levine leitet daraus ab, dass nicht das Ereignis, sondern die im Nervensystem gebundene, nicht abgeschlossene Stressreaktion zentral für die Entstehung von Trauma sei.

Theoretisch bezieht sich SE auf Konzepte aus der Ethologie, Stressforschung, Neurobiologie und auf körpertherapeutische Ansätze. Ein zentrales Modell ist das sog. SIBAM-Modell (Sensation, Image, Behaviour, Affect, Meaning), welches die verschiedenen Ebenen subjektiven Wahrnehmens beschreibt.

Somatic Experiencing geht davon aus, dass traumatische Erfahrungen mit einer Über- oder Unteraktivierung des autonomen Nervensystems einhergehen. Wird eine natürliche Stressreaktion (Kampf, Flucht oder Erstarrung) nicht vollständig abgeschlossen, könne dies zu anhaltenden körperlichen und psychischen Symptomen führen.

SE verfolgt einen sogenannten Bottom-up-Ansatz: Statt primär kognitiv mit Erinnerungen zu arbeiten, richtet sich die Aufmerksamkeit auf gegenwärtige Körperempfindungen. Durch titrierte Annäherung an innere Zustände soll eine schrittweise Regulation ermöglicht werden.

Zu der Methodik von SE zählen:

  • Tracking: achtsames Wahrnehmen körperlicher Empfindungen
  • Stabilisierung und Ressourcen
  • Pendulation: titrierte Aktivierung und Entspannung
  • Selbstwirksamkeit, Orientierung und Grenzen
  • Bewegungs- oder Berührungsinterventionen (je nach Grundberuf und rechtlichem Rahmen)

Eine intensive Konfrontation mit traumatischen Erinnerungen wird vermieden. So wird stattdessen mit kleinen, regulierbaren Schritten gearbeitet.

Anwendungsbereiche

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Somatic Experiencing wird u. a. eingesetzt bei:

SE kann sowohl in Einzel- als auch in Gruppensettings angewendet werden und wird von Personen unterschiedlicher Berufsgruppen praktiziert, darunter Psychotherapeuten, Ärzte sowie körpertherapeutisch tätige Fachpersonen.

Die wissenschaftliche Forschung zu Somatic Experiencing (SE) hat seit den 2010er-Jahren zugenommen. Es sind randomisierte kontrollierte Studien, klinische Untersuchungen sowie systematische Übersichtsarbeiten vorhanden, die auf positive Effekte von SE bei traumabezogenen Symptomen hinweisen.

Systematische Reviews kommen zu dem Ergebnis, dass SE ein Ansatz in der Traumatherapie sein kann, weisen jedoch zugleich auf methodische Einschränkungen hin. Dazu zählen unter anderem heterogene Studiendesigns, kleine Stichproben und ein geringer Umfang an unabhängigen Replikationsstudien. Weitere Forschung wird als notwendig erachtet, um Wirksamkeit, Wirkmechanismen und Abgrenzung zu anderen traumatherapeutischen Verfahren differenziert zu beurteilen.

  • D. Brom et al. (2017): Somatic Experiencing for Posttraumatic Stress Disorder: A Randomized Controlled Outcome Study. In: Journal of Traumatic Stress. doi:10.1002/jts.22189
  • T. E. Andersen et al. (2017): A randomized controlled trial of brief Somatic Experiencing for chronic low back pain and comorbid post-traumatic stress disorder symptoms. In: European Journal of Psychotraumatology. doi:10.1080/20008198.2017.1331108
  • P. Payne, P. A. Levine, M. A. Crane-Godreau (2015): Somatic experiencing: using interoception and proprioception as core elements of trauma therapy. In: Frontiers in Psychology. doi:10.3389/fpsyg.2015.00093
  • M. Kuhfuß et al. (2021): Somatic Experiencing – effectiveness and key factors of a body-oriented trauma therapy: a systematic review. In: European Journal of Psychotraumatology. doi:10.1080/20008198.2021.1929023
  • M. L. Leitch, J. Vanslyke, M. Allen (2009): Somatic Experiencing treatment with social service workers following Hurricanes Katrina and Rita. In: Social Work, Bd. 54, Nr. 1.

Training, Organisationen und Markenschutz

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Somatic Experiencing (SE) ist eine markenrechtlich geschützte Bezeichnung. Der Schutz sowie die Vergabe von Trainings- und Nutzungsrechten sind regional geregelt:

  • USA: Die Markenrechte sowie das intellektuelle Eigentum der Trainingsinhalte werden von Somatic Experiencing International gehalten.
  • Europa: In Europa liegen die Markenrechte bei der European Association for Somatic Experiencing (EASE).
  • Deutschland: In Deutschland ist die Marke Somatic Experiencing (SE) über den Berufsverband Somatic Experiencing Deutschland e. V. geschützt.

Die jeweiligen Organisationen sind für Trainingsstandards, Zertifizierungen, Ethikrichtlinien sowie für die korrekte Verwendung der Marken verantwortlich. Die Trainings erfolgen in mehrstufigen Programmen mit definierten theoretischen und praktischen Anforderungen.

In Deutschland werden die Trainings durch fünf verschiedene Organisatoren angeboten: Berufsverband akademischer Psychotherapeuten (BAPt) e.V., Institut für Neurotracking (INT), Odenwaldinstitut, Uta Akademie, ZIST gGmbH.

Kritik an Somatic Experiencing (SE) bezieht sich vor allem auf die bislang begrenzte Anzahl methodisch hochwertiger Studien und auf offene Fragen zu spezifischen Wirkmechanismen.

Außerdem wird diskutiert, inwieweit beobachtete Effekte auf SE-spezifische Interventionen oder auf allgemeine therapeutische Faktoren zurückzuführen sind. Befürworter betonen eine klinische Relevanz körperorientierter Zugänge bei der Behandlung von Trauma.

  • P.A. Levine: Traumaheilung – Das Erwachen des Tigers (1998) – Synthesis Verlag
  • P.A. Levine: Vom Trauma befreien (2007) – Kösel Verlag
  • P.A. Levine, M.S: Kline: Verwundete Kinderseelen heilen (2025) – Kösel Verlag
  • P.A. Levine, M.S. Kline: Kinder vor seelischen Verletzungen schützen (2010) – Kösel Verlag
  • P.A. Levine: Sprache ohne Worte (2011) – Kösel Verlag
  • P.A. Levine, M. Phillips: Vom Schmerz befreit (2013) – Kösel Verlag
  • P.A. Levine: Trauma und Gedächtnis (2016) – Kösel Verlag
  • P.A. Levine: Lernen, den Tiger zu reiten (2024) – Kösel Verlag

Einzelnachweise

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  1. https://register.dpma.de/DPMAregister/marke/register/303607521/DE.