Sommerach

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Sommerach
Sommerach
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Sommerach hervorgehoben
Koordinaten: 49° 50′ N, 10° 12′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Kitzingen
Verwaltungs­gemeinschaft: Volkach
Höhe: 202 m ü. NHN
Fläche: 5,67 km2
Einwohner: 1344 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 237 Einwohner je km2
Postleitzahl: 97334
Vorwahl: 09381
Kfz-Kennzeichen: KT
Gemeindeschlüssel: 09 6 75 169
Gemeindegliederung: 1 Ortsteil
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Volkacher Str.1
97334 Sommerach
Webpräsenz: www.sommerach.de
Bürgermeister: Elmar Henke (CSU)
Lage der Gemeinde Sommerach im Landkreis Kitzingen
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Über dieses Bild
Sommerach auf einer Lithographie von Anton Schleich, um 1840

Sommerach ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Kitzingen und ein Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Volkach.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sommerach liegt an der südlichen Mainschleife auf der Weininsel. Die Autobahnausfahrt Kitzingen/Schwarzach/Volkach der A 3 ist drei Kilometer entfernt.

Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn) Volkach, Schwarzach am Main, Dettelbach und Nordheim am Main.

Unmittelbar westlich von Sommerach war bis ins 17. Jahrhundert das Dorf Ronobach zu finden. Nachdem die Siedlung im Dreißigjährigen Krieg verwüstet worden war, blieb sie unbewohnt. Heute erinnert nichts mehr an das ehemalige Dorf.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum ersten Mal tauchte Sommerach in einer Schenkungsurkunde des Jahres 1075 auf. Damals kam der Ort „Summerah“ an das Kloster Münsterschwarzach. Im Jahr 1115 erhielt Münsterschwarzach mehr Besitz, als die Grafen von Castell ihre Güter verkauften. Im Jahr 1295 war das Kloster auch Vogt über das Dorf. Zerstörungen erlitt der befestigte Ort vielfach, im Bauernkrieg, im Markgräflerkrieg und im Dreißigjährigen Krieg.[2]

Als Teil des Hochstiftes Würzburg bzw. der Abtei Schwarzach wurde Sommerach, das im Fränkischen Reichskreis lag, nach der Säkularisation 1803 Bayern und im Frieden von Pressburg von 1805 Erzherzog Ferdinand von Toskana zur Bildung des Großherzogtums Würzburg überlassen. Mit diesem fiel es 1814 endgültig an das Königreich Bayern.

Bereits zwei Deutsche Weinköniginnen (Karin Molitor-Hartmann und Nicole Then) kamen aus dem Winzerdorf am Main. 2013 wurde der Ort beim staatlichen Wettbewerb Unser Dorf hat Zukunft – Unser Dorf soll schöner werden für den ländlichen Raum bis 3000 Einwohner mit der Goldmedaille auf Bundesebene ausgezeichnet. Im Jahr 2014 war Sommerach der deutsche Vertreter in der Kategorie Dorf im europäischen Wettbewerb Entente Florale Europe.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „Geteilt; oben in Blau wachsend ein silberner Abt, einen silbernen Kelch in der Rechten und einen silbernen Abtstab in der Linken haltend; unten in Silber drei zwei zu eins gestellte rote fünfstrahlige Sterne.“

Das Gemeindewappen wurde von einem Dorfgerichtssiegel abgeleitet. Der Originalstempel stammt aus der Zeit um 1500. Der Abt weist auf die Grund- und Gerichtsherrschaft des Klosters Münsterschwarzach hin. Die Sterne werden als Ortszeichen gedeutet. Die Farben der oberen Schildhälfte sind die Hauptfarben des Klosterwappens. Die Farben Rot und Silber sind die Farben Frankens.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebiet um Sommerach eignet sich hervorragend zum Anbau von Wein. Eine der bekanntesten Lagen ist der Sommeracher Katzenkopf. Bereits seit 1901 haben sich die Winzer Sommerachs in einer Genossenschaft organisiert, die heute über 200 Mitglieder hat und zu den erfolgreichsten Winzergenossenschaften Deutschlands zählt. Siehe auch Weinbau in Deutschland. Im 19. Jahrhundert war dort der künstlerisch begabte Küfermeister Melchior Röhm ansässig, der u. a. ein Prunkfässchen für König Max II. von Bayern fertigte, das sich heute im Museum der Pfalz in Speyer befindet. Eines seiner Fässer schenkte er 1868 Kaiser Napoleon III.[3]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Eucherius
  • Die katholische Pfarrkirche St. Eucherius geht auf das 16. Jahrhundert zurück. Zu der Zeit entstanden der Chor und das Langhaus mit der hölzernen Renaissance-Kassettendecke. 1750 erhielt der Chor die Rokokostuckatur und ein Hochaltar wurde aufgestellt.
  • Das Rathaus ist ein zweistöckiges traufständiges Gebäude von fünf Achsen.
  • Am zentralen Platz steht der Vierröhrenbrunnen mit der Figur des heiligen Georg.
  • Der ehemalige Schwarzacher Zehnthof an der Hauptstraße wurde im Jahr 1607 erbaut und immer wieder erweitert. Noch im 17. Jahrhundert baute man die mittlerweile profanierte Bartholomäuskapelle an.
  • Die Wehrmauer mit Wehrtürmen und Toren stammt aus dem 15. und 16. Jahrhundert.
  • Der Altort wird noch heute von einigen bauhistorisch bedeutsamen Gebäuden mit der Villa Sommerach und dem barocken Gasthof zum Schwan geprägt.
  • Die Friedhofskapelle birgt das Original der berühmten Grauen Marter, an der Straße nach Volkach steht die Viersäulenmarter. Neu aufgestellt an der Hauptstraße wurde der sogenannte Kreuzigungsbildstock von 1588.

Weitere Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eine Aussichtsplattform inmitten der Weinberge oberhalb von Sommerach ermöglicht einen Überblick über weite Teile der Weininsel.
  • Das Turm-Museum des Schwarzacher Malers und Bildhauers Theophil Steinbrenner, die Turmgalerie der Reichenberger Künstlerin Monika Lang und das angrenzende ehemalige Schultheißen-Haus mit Turmhof des Klosters Schwarzach (1666).
  • In der Vinothek im historischen Schul- und Gemeindehaus präsentieren sich die Sommeracher Winzer.

Sehenswertes in der Natur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Östlich von Sommerach befindet sich das Naturschutzgebiet Sandfluren bei Volkach, Schwarzach a. Main und Sommerach, westlich sind die Schutzgebiete Mainaue zwischen Sommerach und Köhler und Rechtes Mainufer bei Sommerach zu finden.

Mainfähre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Mainfähre Sommerach

Bis ins Jahr 1959 bestand in Sommerach eine Fährverbindung über den Main. Sie wurde im 17. Jahrhundert erstmals erwähnt, war aber wohl bereits älter. Die Fähre sorgte für eine Verbindung in das durch den Fluss getrennte Neuses am Berg und weiter zur Wallfahrtskirche Maria im Sand in Dettelbach. Der wachsende Automobilverkehr und die parallel zum Fluss entstehenden Distriktstraßen waren der Grund für den Niedergang der Fähre.

Sagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hexenplatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Eichel- oder Kreuzsee zwischen Nordheim und Sommerach (das heutige Geotop Eichelsee-Doline am Kreuzberg) soll der Versammlungsplatz der Hexen aus der Umgebung gewesen sein. Störte ein Wanderer sie bei ihrer Zusammenkunft, wurde ihr Zauber so geschwächt, dass sie in den nächsten Wochen niemanden schaden konnten. Wer aber zur Zeit der Versammlung auf den Berg wollte, wurde durch Irrlichter auf falsche Wege gebracht, wenn er nicht starr zum Himmel hinauf starrte.

Die Pest[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eines Abends hörte der Sommeracher Mainfährer den Ruf „Hol über“ und fuhr sofort auf die andere Seite des Flusses. Dort stand eine große, verhärmte Frau, die in einen langen, schwarzen Mantel gehüllt war. Die Frau trug einen ausladenden Kopfputz, der das Gesicht fast vollständig bedeckte und nur ein starrendes Augenpaar sehen ließ. Der Fährer erschauderte zunächst, brachte die seltsame Frau dann aber doch auf die Sommeracher Mainseite.

Drüben bat die Frau, sich in der Wohnung des Fährmannes ein wenig ausruhen zu dürfen, was ihr auch gestattet wurde. Doch übersiedelte sie noch in der gleichen Nacht in das beste Wirtshaus von Sommerach; und am nächsten Morgen war sie wieder aus dem Dorf verschwunden. Noch an diesem Tag erkrankten der Wirt, dessen Frau und dessen Magd an der Pest und starben bald darauf. Das gleiche Schicksal ereilte den Fährmann und seine Angehörigen. Und so erzählte man sich im Dorf, der Fährmann habe die Pest herübergeholt.[4]

Angesichts dieser Schicksale und der weiter grassierenden Seuche wollten die Bewohner eines Hauses am Marktplatz vorbeugen, indem sie gelobten, sofern sie von der Krankheit verschont blieben, einen Bußgang in die Stadtschwarzacher Kreuzkirche zu unternehmen. In dieser Kirche wurde unter anderem der heilige Sebastian verehrt, der auch als Schutzpatron gegen die Pest galt. Das Haus blieb tatsächlich von der Seuche verschont, und die Familie trat nicht nur ihren Bußgang an, sondern brachte, nachdem die Pestwelle abgeebbt war, auch ein Bild des heiligen Sebastian über ihrer Haustüre an.[5]

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gottfried Bischof (um 1619–1688), Abt von Kloster Oberzell, Schriftsteller
  • Johann Martin Fegelein (1669–1729), Kapitular im Kollegiatstift Haug
  • Ildefons Barth (geboren als Franz Christoph, 1698–1757), Abt von Kloster Weißenohe, vorher Prior in Michelfeld
  • Georg Adam Büttner (1714–1779), Pfarrer in Zemun bei Belgrad, Generalvikar
  • Johann Georg Pickel (1751–1838), Professor für Medizin, Kräuterkunde, Experimentalphysik, Chemie und Pharmazie in Würzburg, Fabrikbegründer und Medizinalrat[6]
  • Angelicus Erhard (gen. 1753), Provinzial der fränkischen Kapuziner-Provinz
  • Georg Michael Fegelein (1777–1814), Mediziner, Fachschriftsteller
  • Kaspar Metzger (1777–1828), Professor, Rektor magnificus der Universität Würzburg[7]
  • Burkhard Utz (1892–1960), Abt von Münsterschwarzach
  • Karin Molitor, Deutsche Weinkönigin 1982/1983
  • Nicole Then, Deutsche Weinkönigin 2003/2004

Mit Sommerach verbunden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Matthias Sporer (um 1682–1732), Steinmetz und Schreinermeister, wohnte 1711 bis zu seinem Tod in Sommerach
  • Siegfried Naser (* 1951), CSU-Politiker und ehemaliger Präsident des Bayerischen Sparkassenverbands, lebt seit 1960 in Sommerach

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dionys Först, Theodor Joseph Scherg: Geschichte des Dorfes Sommerach am Main. Würzburg 1902.
  • Johann Ludwig Klarmann: Der Steigerwald in der Vergangenheit. Ein Beitrag zur fränkischen Landeskunde. Gerolzhofen2 1909.
  • Johann Ludwig Klarmann, Karl Spiegel: Sagen und Skizzen aus dem Steigerwald. Nachdruck der Ausgabe 1912. Neustadt an der Aisch 1982.
  • Winfried Kraus: Sommerach. Neue Chronik des romantischen Weinortes an der Mainschleife. Sommerach 2007.
  • Karl Treutwein: Von Abtswind bis Zeilitzheim. Geschichtliches, Sehenswertes, Überlieferungen. Volkach 1987.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sommerach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 4. Januar 2018 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Bauer, Hans: Landkreis Kitzingen. S. 25.
  3. Urkundenregest zur Schenkung an Kaiser Napoleon III. in der Deutschen Digitalen Bibliothek
  4. Treutwein, Karl: Von Abtswind bis Zeilitzheim. S. 219 f.
  5. Klarmann, Johann Ludwig (u. a.): Sagen und Skizzen aus dem Steigerwald. S. 191.
  6. Henning Bärmig: Die Personalbibliographien der an der Medizinischen Fakultät der Alma Mater Julia zu Würzburg von 1582 bis 1803 lehrenden Professoren mit biographischen Angaben. Medizinische Dissertation, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg 1969, S. 56 f.
  7. Klarmann, Johann Ludwig: Der Steigerwald in der Vergangenheit. S. 210.