Sommerhausen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Sommerhausen
Sommerhausen
Deutschlandkarte, Position des Marktes Sommerhausen hervorgehoben
Koordinaten: 49° 42′ N, 10° 1′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Würzburg
Verwaltungs­gemeinschaft: Eibelstadt
Höhe: 181 m ü. NHN
Fläche: 7,22 km2
Einwohner: 1800 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 249 Einwohner je km2
Postleitzahl: 97286
Vorwahl: 09333
Kfz-Kennzeichen: WÜ, OCH
Gemeindeschlüssel: 09 6 79 187
Marktgliederung: 1 Ortsteil
Adresse der
Marktverwaltung:
Hauptstraße 15
97286 Sommerhausen
Webpräsenz: www.sommerhausen.de
Bürgermeister: Fritz Steinmann (WGS)
Lage des Marktes Sommerhausen im Landkreis Würzburg
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Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Markt
Ochsenfurter Tor, Feldseite

Sommerhausen ist ein Markt im unterfränkischen Landkreis Würzburg und Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Eibelstadt.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sommerhausen liegt am rechten Ufer des Mains 13 Kilometer südlich von Würzburg. Neben dem Weinbau spielen Tourismus und Kunstszene eine große Rolle. Im Osten und Süden wird Sommerhausen von Ochsenfurt umschlossen, im Norden grenzt Eibelstadt an das Gemeindegebiet. Direkt gegenüber Sommerhausen, am Westufer des Mains, liegt der Ort Winterhausen. Die kuriosen Namen der beiden Ortschaften haben ihren Ursprung bei den Kirchenpatronen. So hat der Sommerhäuser Kirchenpatron Bartholomäus seinen Gedenktag im Sommer (24. August), der Winterhäuser Kirchenpatron Nikolaus im Winter (6. Dezember).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur Gemeindegründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sommerhausen ist schon seit dem Mittelalter eine bedeutende Gemeinde am Main. Sie unterstand nicht dem Fürstbischof von Würzburg; die Einwohner bekannten sich zur Reformation, so dass Sommerhausen heute eine protestantische Enklave im vorwiegend katholischen Mainfranken ist.[2]

Nach Sommerhausen kamen die Schenken von Limpurg 1413 durch Heirat des Schenken Friedrich mit Elisabetha von Hohenlohe. Als Teil der durch Bayern mediatisierten Herrschaft Speckfeld der Erben der Grafen Schenk von Limpurg (erst Grafen Pückler, dann Grafen Rechteren-Limpurg) gehörte Sommerhausen ab 1500 zum Fränkischen Reichskreis. Es kam 1810 bei Gebietsbereinigungen an das Großherzogtum Würzburg, mit dem es 1814 an Bayern zurückfiel. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.

Der Ort ist, eingebettet im Tal des Mains unter Weinbergen, schon seit Jahrzehnten das Aushängeschild der fränkischen Romantik. Die mittelalterliche Stadtmauer hat sich erhalten. Alle Gebäude im Ortszentrum in den engen, verwinkelten Gassen blicken auf mehrere hundert Jahre Geschichte zurück. Das Rathaus stammt aus dem 16. Jahrhundert.

Verwaltungsgemeinschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1978 ist Sommerhausen Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Eibelstadt, zu der auch Eibelstadt, Winterhausen und Frickenhausen am Main gehören.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1961: 1362 Einwohner
  • 1970: 1403 Einwohner
  • 1991: 1423 Einwohner
  • 1995: 1460 Einwohner
  • 2005: 1673 Einwohner
  • 2010: 1657 Einwohner
  • 2015: 1800 Einwohner

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Aigner (1966–1972)
  • Karl Steinmann (1972–1990)
  • Gerhard Oehler (1990–2002)
  • Fritz Steinmann (seit 2002)

Bürgermeister Fritz Steinmann (Wählergemeinschaft Sommerhausen) wurde bei der Kommunalwahl 2014 mit einem Stimmenanteil von 51,7 % für eine weitere Amtszeit gewählt.

Marktgemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Marktgemeinderat hat 13 Mitglieder einschließlich des Bürgermeisters. Sitzverteilung seit 1. Mai 2014:

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1992 besteht mit der französischen Gemeinde Vernou-sur-Brenne (in der Nähe von Tours) ein Partnerschaftsverhältnis. Beide Orte haben einen Partnerschaftsverein mit zahlreichen Mitgliedern, die sich abwechselnd Jahr für Jahr besuchen. Vernou-sur-Brenne ist wie Sommerhausen eine Winzergemeinde mit hohem Anteil an künstlerisch tätigen Einwohnern. Der Wein wird unter der Appellation Vouvray vermarktet. (Vouvray ist Partnergemeinde von Randersacker) Der Ort blickt auf eine lange Geschichte zurück und hat zum Teil eine sehr geschichtsträchtige Bausubstanz. Er beherbergte früher die Sommerresidenz der Bischöfe von Tours.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St.-Bartholomäus-Kirche

Sommerhausen ist ein Winzerdorf mit einer vollständig erhaltenen bzw. restaurierten Dorfmauer, auf deren Innenseite ein reizvoller Weg verläuft. Das Maintor trägt zahlreiche alte Hochwassermarken.

St.-Bartholomäus-Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine erste Bartholomäuskirche wurde um 1260 erbaut;[3] von ihr steht noch der Turm. Das Kirchenschiff wurde in den Jahren von 1666 bis 1672 durch einen Neubau ersetzt. Dessen Fundamente und die Bauplanung und -ausführung insgesamt waren mangelhaft; die Mauern begannen sich zu neigen. Bei einem schweren Sturm 1739 stürzten große Teile dieser zweiten Bartholomäuskirche ein.[4] Nach Plänen von Leopoldo Retti wurde 1739/1740 ein neues, nunmehr drittes Kirchenschiff errichtet.[5] Sehenswert ist die 1621 von Georg Brenck dem Jüngeren geschaffene Kanzel mit zahlreichen holzgeschnitzten Darstellungen biblischer Personen und Ereignisse.[6] Erhalten ist auch die Kanzeluhr, die den Pfarrer dazu anhielt, die vorgegebene Predigtdauer einzuhalten.[7]

Theater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Torturmtheater Sommerhausen

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden dort mehrere Heimatfilme gedreht, besonders bekannt wurde Vater sein dagegen sehr mit Marianne Koch und Heinz Rühmann, bei dem Sommerhausen zusammen mit Marktbreit als Kulisse diente. 1950 richtete Luigi Malipiero im Turm über dem Würzburger Tor das Torturmtheater mit nur 50 Sitzplätzen und einer winzigen Bühne ein. Malipiero machte Sommerhausen bekannt und erreichte schon zu Lebzeiten einen geradezu legendären Ruf, bei Theaterfreunden ebenso wie bei jungen Theaterleuten. Schauspieler, Bühnenbildner und Regisseure wie etwa Hannes Fabig gingen bei ihm in die Lehre. Nach dem Tod des ersten Prinzipals 1975 übernahm Veit Relin das Torturmtheater.

Mathias Repiscus gründete 1984 in einem Gewölbekeller direkt gegenüber dem Torturmtheater die Kabarettbühne Bockshorn mit knapp hundert Sitzplätzen. Dort hatte 1987 auch Dieter Nuhr seine ersten Auftritte als Kabarettist. Das Bockshorn machte Sommerhausen zeitweise noch bekannter als das Torturmtheater unter Veit Relin. Anfang Oktober 2001 zog die Bühne nach Würzburg.

Heute hat Sommerhausen Ort drei Theater, mehrere Galerien und neben ursprünglichen Weinstuben auch einige hochpreisige Restaurants und Hotels.

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ratsbibliothek[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1920 wurde im Rathaus ein alter Schrank mit Hunderten von Drucken des 16. Jahrhunderts und einigen Inkunabeln entdeckt. Diese alte Bibliothek war seit dem Anfang des 17. Jahrhunderts in Vergessenheit geraten. Die Bücher befanden aber in sehr gutem Zustand. 1950 wurde der Schrank mitsamt den Büchern umgestürzt und als Bühne für Theateraufführungen benutzt. Später brachte man die wertvolle Bibliothek in einem sicheren Archivraum des Rathauses unter.[8]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Sommerhausen findet ein Weihnachtsmarkt statt, der sich praktisch über den ganzen alten Ortskern erstreckt und die Kirche, Galerien, Weinläden usw. mit einbezieht. Eine weitere Veranstaltung ist die Kirchweih, die immer im Oktober am Schießplatz stattfindet.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten, die vor Ort wirkten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Luigi Malipiero (1901–1975), Begründer des Torturmtheaters und Ehrenbürger von Sommerhausen
  • Veit Relin (1926–2013), österreichischer Schauspieler, Drehbuchautor, Regisseur, Maler und Ehrenbürger von Sommerhausen
  • Michael Philipp, Koch (* 1982)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anita und Gernot Bezzel (Bearb.): Ortsfamilienbuch Sommerhausen. Gesellschaft für Familienforschung in Franken, Nürnberg 2012, ISBN 978-3-929865-33-2.
  • Friedrich Gutmann: Sommerhausen in Wort und Bild. Geschichtliche und kulturgeschichtliche Darlegungen nach Quellen. Selbstverlag, Würzburg 1927.
    • 2. Aufl., ergänzt und erweitert von Georg Furkel. Gemeinde Sommerhausen, Sommerhausen 1970.
  • Gerhard Oehler (Texte): Kirchenführer St. Bartholomäus Sommerhausen, Neufassung zum 275-jährigen Jubiläum. Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Sommerhausen, Sommerhausen 2015; enthält auch viele Notizen zur Ortsgeschichte.

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sommerhausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Juli 2016 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Anita und Gernot Bezzel: Ortsfamilienbuch Sommerhausen (Sonderband der GFF, 6). Nürnberg 2012, ISBN 978-3-929865-33-2.
  3. Gerhard Oehler: Kirchenführer St. Bartholomäus Sommerhausen. Sommerhausen 2015, S. 6.
  4. Gerhard Oehler: Kirchenführer St. Bartholomäus Sommerhausen. Sommerhausen 2015, S. 9.
  5. Rolf Bidlingmaier: Die evangelische Pfarrkirche St. Bartholomäus in Sommerhausen. Ein Kirchenbau von Leopoldo Retti. In: Mainfränkisches Jahrbuch, Jg. 47 (1995), S. 119–148.
  6. Gerhard Oehler: Kirchenführer St. Bartholomäus Sommerhausen. Sommerhausen 2015, S. 19–24.
  7. Gerhard Oehler: Kirchenführer St. Bartholomäus Sommerhausen. Sommerhausen 2015, S. 24–25.
  8. Klaus Arnold: Ratsbibliothek (Artikel von 1996). In: Handbuch der historischen Buchbestände.