Sondergut

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Als Sondergut bezeichnet die literarkritische Forschung zum Neuen Testament jene Texte der drei synoptischen Evangelien, die nur in einem einzigen Evangelium vorkommen, also ohne Paralleltext sind.

Statistische Angaben: A. M. Honoré, 1968[1]

Sondergut im Markusevangelium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das markinische Sondergut besteht aus jenen Texten, die gemäß Zweiquellentheorie von Mt und Lk nicht übernommen worden seien (4,9 % des Textes bzw. 549 Wörter).[2] Zum Sondergut gehören:

Die Heilung eines Taubstummen und eines Blinden geschehen unter Einsatz von Speichel. Ihre Weglassung bei Mt und Lk wird meist psychologisch – als christologisch anstößig – erklärt. Sie kann mit der Zweiquellentheorie nicht erklärt werden.

Sondergut im Matthäusevangelium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das matthäische Sondergut umfasst etwa ein Fünftel des gesamten Matthäusevangeliums. Zum Sondergut gehören:

Sondergut im Lukasevangelium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das lukanische Sondergut umfasst etwa ein Drittel des gesamten Lukasevangeliums; zählt man auch einzelne Verse dazu, die inmitten anderer Texte stehen, sind es rund 45 Prozent. Darunter finden sich:

  • Die Verheißung der Geburt des Täufers (Lk 1,5–25 EU), Der Besuch Marias bei Elisabet (Lk 1,39–56 EU), Die Geburt des Täufers (Lk 1,57–80 EU)
  • Reise nach Betlehem, aufgrund einer Volkszählung, Geburt im Stall (Lk 2,1–8 EU)
  • Die Geschichte der Hirten (Lk 2,9–20 EU)
  • Das Zeugnis des Simeon und der Hanna über Jesus (Lk 2,21–40 EU)
  • Der zwölfjährige Jesus im Tempel (Lk 2,41–52 EU)
  • die gegenüber den beiden anderen Evangelisten stark ausgearbeitete Thematik der „Zöllner und Sünder“ (7,34 EU; 7,36–50 EU; 19,1–10 EU; 15,1–2 EU und die folgenden Gleichnisse vom verlorenen Schaf (Lk 15,4–7 EU), vom verlorenen Groschen (Lk 15,8–10 EU), vom verlorenen Sohn (Lk 15,11–32 EU))
  • Das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter (Lk 10,30–35 EU)
  • die Episode vom Schächer am Kreuz (Lk 23,39–43 EU)
  • die Emmaus-Erzählung (Lk 24,13–35 EU)
  • das Motiv der verachteten Samaritaner (Lk 10,29–37 EU; 17,11–19 EU)
  • aber auch die besondere Rolle der Frau (vgl. die Notizen zu Maria Lk 2,19 EU; 2,34 EU; 8,1–2 EU u.ö.)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. A. M. Honoré: A Statistical Study of the Synoptic Problem. Nov. Test. 10 (1968), S. 95–147. Probleme dieser Statistik werden diskutiert von John J. O’Rourke: Some Observations on the Synoptic Problem and the Use of Statistical procedures. In: David E. Orton (Hrsg.): The Synoptic Problem and Q: Selected Studies from Novum Testamentum. Brill: Leiden 1999, S. 134, ISBN 90-0411342-8.
  2. Eta Linnemann: Gibt es ein synoptisches Problem?, VTR, Nürnberg 1999, S. 86.