Sonia Gandhi

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Sonia Gandhi (2007)

Sonia Gandhi (सोनिया गांधी), geb. Antonia Edvige Albina Maino, (* 9. Dezember 1946 im Viertel (contrada) Maini[1] in Lusiana bei Vicenza,[2] Italien) ist eine indische Politikerin. Die gebürtige Italienerin ist die Witwe des ermordeten indischen Premierministers Rajiv Gandhi. Seit 1998 ist sie Präsidentin der Indischen Kongresspartei. Sie gewann 2004 die indischen Parlamentswahlen, verzichtete aber auf das Amt der Premierministerin.

Leben[Bearbeiten]

Ihre Eltern zogen aus Lusiana nach Orbassano (Provinz Turin) um, wo Sonia Maino ihre Jugendzeit verbrachte.[3] Die Unternehmerstochter lernte Im Jahr 1965 Rajiv Gandhi während eines Sprachkurses in Cambridge kennen; beide heirateten im Jahr 1968. Sonia Gandhi war ursprünglich dagegen, dass Rajiv 1980 nach dem Unfalltod seines jüngeren Bruders Sanjay Gandhi Politiker werden sollte. Als Schwiegertochter Indira Gandhis galt sie aber, im Gegensatz zur Frau Sanjay Gandhis, als gehorsam und respektvoll und als eine Ehefrau, welche die althergebrachten indischen Traditionen achtete. Im Jahr 1981 wurde ihr Mann für die Kongresspartei in das indische Unterhaus gewählt. Als Indira Gandhi 1984 einem Attentat zum Opfer fiel, wurde Rajiv Gandhi neuer Regierungschef. Sonia Gandhi nahm im selben Jahr die indische Staatsbürgerschaft an.

Nach der Ermordung ihres Mannes bei einer Rede während des Wahlkampfs für die bald anstehenden Parlamentswahlen am 21. Mai 1991 durch einen Sprengstoffanschlag der Rebellenorganisation Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE), die für die Errichtung eines unabhängigen Tamilenstaates in Sri Lanka kämpft, zog sie sich in den folgenden Jahren weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück und agierte nur als Präsidentin der Rajiv-Gandhi-Stiftung. Sie begann sich nur vorsichtig politisch zu engagieren, trotz des Rufes aus Teilen der Bevölkerung, ihrem Mann im Amt des Premierministers nachzufolgen. Nach mehreren Jahren, in denen sie langsam zur grauen Eminenz der Kongresspartei heranwuchs, übernahm sie dann am 14. März 1998 die Führung der Kongresspartei als neue Vorsitzende und liess sich schließlich zur Kandidatin für das Amt des Ministerpräsidenten ausrufen.

Nicht zuletzt wegen ihres Familiennamens gelang es ihr, massenhaft Menschen anzuziehen und so ihre Partei zu revitalisieren. Bei den Wahlen 1999 errang sie ein Mandat im Parlament und wurde zur Oppositionsführerin im indischen Parlament. Dennoch blieb sie eine etwas geheimnisumwitterte Persönlichkeit und die Opposition, hauptsächlich in Form der Bharatiya Janata Party, erinnerte immer wieder daran, dass sie als Ausländerin nach Indien gekommen war und nicht flüssig Hindi sprechen könne (dies, wiewohl sie Hindi wesentlich besser spricht als ihr Mann, ihre Schwiegermutter Indira Gandhi und deren Vater Jawaharlal Nehru). Als sie in die Politik eintrat, wurde ihr mehr oder weniger unterstellt, sie habe außer ihrem Familiennamen keinerlei Qualifikationen für das angestrebte Amt. Deshalb wurde sie von ihren Gegnern sogar als Antonia Maino alias Sonia Gandhi bezeichnet.

Im Gespräch mit Bill Clinton im März 2000

In ihrem Wahlkampf stellte sie immer wieder die angeblich in Reichweite liegende Vision eines Shining India („Strahlendes Indien“) in Frage und wies auf die breiten Bevölkerungsschichten hin, die vom Boom der letzten Jahre nicht wie die indische Mittelklasse profitieren konnten. Sonia Gandhi stellt sich, wie die Kongresspartei insgesamt, gegen den oft überschäumenden Hindu-Nationalismus. Viele ihrer wenig privilegierten Wähler sehen sie wohl als die Außenseiterin, die durch Geduld, Beharrlichkeit und das Wahren der überkommenen Regeln letztendlich doch ihr Ziel erreichte.

Nach der indischen Parlamentswahl im Mai 2004, die der Kongresspartei einen unerwarteten Sieg brachte, wurde sie zunächst als Ministerpräsidentin gehandelt. Am 18. Mai 2004 verzichtete sie überraschend zugunsten von Manmohan Singh auf diesen Posten, blieb aber Vorsitzende des regierenden Parteienbündnisses United Progressive Alliance (UPA). Am 28. Mai 2005 wurde sie als Präsidentin der Indischen Kongresspartei wiedergewählt. Am 23. März 2006 legte sie ihr Mandat in der Lok Sabha nieder, nachdem sie bereits längere Zeit wegen einer für Parlamentsmitglieder derzeit unzulässigen, bezahlten öffentlichen Nebentätigkeit als Vorsitzende des Nationalen Beraterrates in der Kritik – nicht nur der Opposition – stand. Sie stellte sich am 12. Mai 2006 der Wiederwahl in ihrem Wahlkreis Rae Bareli und gewann mit 417.888 Stimmen bei der Nachwahl, welche durch ihren vorangegangenen Rücktritt notwendig geworden war. Auch bei den Parlamentswahlen in den Jahren 2009 und 2014 gelang ihr die Wiederwahl ins das Unterhaus des indischen Parlaments.

Sonia Gandhi hat einen Sohn und eine Tochter. Ihr Sohn Rahul Gandhi wurde 2004 ins Parlament gewählt und ist derzeit Vizepräsident der Kongresspartei; ihre Tochter Priyanka Gandhi war im selben Jahr ihre Wahlkampfmanagerin.

Publikationen[Bearbeiten]

  • Sonia Gandhi: Freedom's Daughter: Letters Between Indira Gandhi and Jawaharlal Nehru 1922-1939: Letters Between Jawaharlal Nehru and Indira Gandhi, 1922-40. Hodder & Stoughton Ltd (3. August 1989), ISBN 0-340-43042-7
  • Sonia Gandhi: Two Alone, Two Together: Letters Between Indira Gandhi and Jawaharlal Nehru 1940-1964. Hodder & Stoughton Ltd (18. Juni 1992), ISBN 0-340-50287-8
  • Sonia Gandhi: Rajiv. Viking (November 1994), ISBN 0-670-84607-4
  • Sonia und Rajiv Gandhi: Rajiv's World: Photographs by Rajiv Gandhi. Viking (Dezember 1995). ISBN 0-670-85917-6
  • Sonia Gandhi: Jammu and Kashmir 1949-1964: Selected Correspondence Between Jawaharlal Nehru and Karan Singh. Viking (India) (November 2006), ISBN 0-670-99937-7

Literatur[Bearbeiten]

  • Rupa Chatterjee: Sonja Gandhi. The Lady in Shadow. Delhi 1998. ISBN 81-87277-02-5
  • Ravi Singavarapu : Sonia Gandhi Through a Different Lens. Fultus Corporation (7. Juli 2005). ISBN 1-59682-059-4

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Informationen über die Contrada (pdf; 757 kB)
  2. http://digilander.libero.it/lusiana/lusiana.htm. Sonia Gandhi und Lusiana mit einem Photo von ihrem Geburtshaus (italienisch)
  3. Siehe die Biografie Der rote Sari von Javier Moro. http://www.scribd.com/doc/32475652/The-Red-Sari ; Seiten 22-27