Sonnar

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Frühe Sonnar-Objektive
1) Sonnar 1 : 2 f = 5 cm (1932)
2) Sonnar 1 : 1,5 f = 5 cm (1933)
1) Sonnar 1 : 2,8 f = 18 cm (1936)
2) Sonnar 1 : 4 f = 30 cm (1946)
3) Sonnar 1 : 4 f = 13,5 cm (1936), dito Industar 11, Jupiter 11 (ca. 1948)
4) Sonnar 1 : 2,8 / 85 mm Carl Zeiss und Rollei (1970, Rollei HFT 1974)
MC Sonnar 3,5 / 135 Carl Zeiss Jena DDR für das Kleinbildformat; spätere lichtstärkere Version (1988)

Sonnar steht für eine lange und erfolgreiche Serie von fotografischen Aufnahmeobjektiven, erstmals populär geworden durch ein für Zeiss Ikon 1931 patentiertes und von Carl Zeiss in Jena hergestelltes lichtstarkes 50 mm-Normalobjektiv für die Contax-Messsucherkamera. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Name „Sonnar“ bis 1990[1] von VEB Carl Zeiss Jena in der DDR sowie von 1954 bis 1994 als geschützte Marke[2] durch den westdeutschen Rechtsnachfolger Carl Zeiss – von Letzterem überwiegend aus Marketing-Gründen bis heute – beibehalten.

Als 50 mm-Normalbrennweite für die optischen Anforderungen (hinsichtlich Auflösungsvermögen, Kontrast und Lichtstärke) des 24 mm × 36 mm Kleinbildformats entwickelt, erschlossen diverse Abwandlungen zudem Brennweiten bis 300 mm, deren weitere Entwicklung Anfang der 1950er Jahre den Einsatz als Fachobjektiv für Mittelformatkameras bis hin zum Format 9 × 12 cm (4 × 5 ") ermöglichte. Aufgrund des großen Anwendungsbereichs sowie der hohen optischen Leistungen der verschiedenen Typen, wurden Sonnare millionenfach verkauft. Namhafte Kamerahersteller wie Pentacon, Hasselblad, Rollei, Linhof und Sony waren oder sind Anbieter von Objektiven mit der Bezeichnung[3] „Sonnar“.

Die Idee für die Namensgebung geht auf das Sonnensymbol im Wappen der Stadt Sontheim am Neckar zurück. Das ehemals ortsansässige Nettel Camerawerk[4], 1919 mit den Contessa-Camerawerke des Konstrukteurs und Firmen-Mitinhabers August Nagel in Stuttgart zur Contessa-Nettel AG[5] fusioniert, verwendete Anfang der 1920er Jahre den Namen als Warenzeichen für ein relativ unbekannt gebliebenes, dem Tessar ähnliches Objektiv. Erst nach der Übernahme von Contessa-Nettel in die Zeiss Ikon AG im Jahr 1926 sollte die Bezeichnung „Sonnar“ alsbald ihre prominente Bedeutung erhalten.

Das strahlende Sonnensymbol stand fortan Pate für die große Frontlinse bzw. Öffnung eines damals neuen Objektivtyps, den Ludwig Bertele als Zeiss-Optikkonstrukteur im selben Jahr mit der Patenteinreichung durch Zeiss Ikon für deren Contax[6] – dem Konkurrenzprodukt zur damaligen Leica – errechnete. Die Contax war mit dem Carl Zeiss Jena Tessar 1 : 2,8 f = 5 cm[7] gegenüber dem ebenfalls als Tessar-Typ konzipierten Leitz Elmar 1 : 3,5 f = 5 cm[8] der Leica bereits lichtstärker ausgestattet, was bei den vorherrschenden extrem niedrigen Filmempfindlichkeiten (umgerechnet ISO 10, maximal ISO 15) einen unabweisbaren Vorteil bedeutete. Um den Qualitätsanspruch gegenüber der Konkurrenz weiter zu erhöhen, lag es für Bertele nahe, sein bereits 1923 für die Krupp-Ernemann Kinoapparate AG gerechnete Schema des richtungsweisenden Ernostar weiterzuentwickeln – das Ernostar war zu dieser Zeit die berühmteste lichtstärkste Fotooptik des Weltmarks. Im Ergebnis bestanden Berteles erste 50 mm-Sonnare[9][10] mit den Öffnungen 1 : 2 und 1 : 1,5 von 1932 und 1933 aus 6 bzw. 7 Linsen/Gliedern in 3 Gruppen, deren verkittete Flächen in vorteilhafter Weise weniger Licht reflektierten als freistehende Linsen. Die Erfüllung dieser Vorgabe war von erheblicher Bedeutung, da die Vergütung zur Reduzierung von Linsenreflektionen als auch zur Erhöhung der Lichtdurchlässigkeit noch nicht erfunden war. Das ursprüngliche Sonnar galt bis zur allgemeinen Verfügbarkeit der Vergütung als überlegen, da es gegenüber anderen Entwürfen gleichzeitig lichtstärker, kontrastreicher und höher auflösend war.

Abweichend vom Linsenschema des 50 mm-Sonnars rechnete Bertele 1938 zwei ebenfalls wegweisende Zeiss-Objektive mit – nun auch – längeren Brennweiten. Im 5-linsigen Fernobjektiv Sonnar 1 : 2,8 18 cm („Olympia-Sonnar“)[11] ersetzt dabei eine Sammellinse das rückwärtige 3-fach-Kittglied und verdeutlicht damit die nahe Verwandtschaft zum Ernostar 1 : 1,8 f = 10,5 cm (1924 gerechnet für das Plattenformat 4,5 x 6 cm und später 6,5 x 9 cm).[12] Die weitere Auflösung des vorderen 3-fach-Glieds zu einem Doppelglied mit einer sogenannten „dicken Linse“ hoher Brechkraft sowie (deren Farbstreuung kompensierend) eine Zerstreuungslinse als hintere Gruppe, zeichnet das 4-linsige Sonnar 1 : 4 13,5 cm als eigenständiges Mischprinzip sowohl zwischen Ernostar- und Sonnar-Typ als auch zwischen Fernobjektiv und verkürzter „Tele“-Brennweite aus. Eine direkte Ableitung dieses Objektivs sind die später ab den 1950er Jahren von Carl Zeiss in Oberkochen für die klassischen 6 × 6-Kameras der Firma Hasselblad gebauten Objektive Sonnar f/4 150 mm, f/4 180 mm und f/5,6 250 mm.[13]

Nachdem 1945 der Patentschutz durch den Zweiten Weltkrieg verloren ging, wurden Sonnar-Objektive von anderen Herstellern nachgebaut und modifiziert, insbesondere in der Sowjetunion (Industar/Jupiter[14], diverse Fälschungen[15]) und in Japan (Zunow[16], Takumar[17], Nikkor[18], Serenar/Canon[18] und andere).

Sonnar 2,8 / 40 Rollei-HFT der Rollei 35 S (in der Vergrößerung wird die Anordnung der Blenden- und Verschlusslamellen sichtbar)
modernes Sonnar 1 : 2,8 40 mm für Kleinbild

Der optischen Leistung des Sonnars stand andererseits eine aufwändige und teure Fertigung gegenüber, die sich aus den hohen Anforderungen der Zentrierung[19] der verkitteten Dreifachglieder mit stark gekrümmten Linsenradien und der Herstellung von homogenen fehlerfreien (insbesondere dicken) Linsen aus Gläsern mit hohem Schmelzpunkt ergaben. Die Vergütung kostengünstig zu fertigender Einzellinsen aus metalloxydhaltigen optischen Gläsern[20] mit in weiten Bereichen steuerbaren Eigenschaften von Brechungsindex und Dispersion führte seit den 1950er Jahren zu neu entwickelten Sonnaren, die aus 3 bis 4 einzeln stehenden Linsen und maximal einem Doppelglied bestehen. So gleicht beispielsweise das Sonnar 2,8 / 40 der Rollei 35 S oder das Sonnar 1 : 2,8 / 85[21] der Contax im Linsenschema eher der 1 : 2 f = 10 cm-Variante des Ernostar-Typs.

Die vorstehend genannten Methoden zur Kosteneinsparung sowie die Notwendigkeit längerer Schnittweiten für die Verwendung an Spiegelreflexkameras (siehe auch: Retrofokus, vornehmlich bei Normalbrennweiten und Weitwinkelobjektiven) führten schließlich anfangs der 1960er Jahre zur Ablösung des Sonnar-Typs zugunsten moderner unsymmetrischer Varianten des Gaußschen Doppelobjektivs.[9] Auch die Neuauflage des Zeiss Sonnar 1 : 1,5 f = 5 cm von 1932 in Form des seit Mitte 2000 von Cosina in Kleinserie produzierten Zeiss 50 mm f/1.5 Sonnar T* ZM[22] ähnelt durch die Auflösung des Dreifachglieds vor der Blende in diesem Detail dem weiterentwickelten Planar-Objektiv.[23]

Unter dem Namen Vario-Sonnar hat Zeiss auch eine breite Palette von Zoomobjektiven[24] seiner früheren japanischen Kooperationspartner (Yashica und andere) vermarktet bzw. dito aktuell mit Firmen wie Cosina[25], Sony[26] und Phase One[27], deren Gemeinsamkeiten mit Berteles ursprünglichem Sonnar indes nur noch im Markennamen bestehen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 20 Jahre Wiedervereinigung bei Carl Zeiss – www.zeiss.de, PDF
  2. Markenregister
  3. Objektivbezeichnungen im Artikel orientieren sich an der originalen bzw. historischen Schreibweise der jeweiligen Gravur
  4. Nettel Camerawerk – camerapedia.wikia.com
  5. Contessa-Nettel AG – camerapedia.wikia.com
  6. Contax I; Contax II/III – cameraquest.com
  7. Zeiss Ikon Contax, Carl Zeiss Jena Tessar 1 : 2,8 f = 5 cm – directupload.net, Netzfund
  8. Elmar f = 5 cm 1 : 3,5 – www.l-camera-forum.com
  9. a b Frühe lichtstarke Objektive für 35mm und andere Kleinbildformate – klassik-cameras.de
  10. Zeiss Tipo Sonnar – marcocavina.com, Linsenschemata, Dokumentation der Entwicklung vom Ernostar zum Sonnar
  11. Contax Carl Zeiss Jena 1:2.8 f=18cm Olympia Sonnar – mir.com.my; siehe auch: Carl Zeiss Sonnar 1 : 4 f = 30cm T (1946)
  12. Ernostar 1 : 1,8 10,5 cm Schema; dito Bild – directupload.net (Quelle: fotomutori.com)
  13. Mittelformat-Referenzobjektive für Hasselblad 6×6-Kameras: Sonnar f/4 150 mm, Sonnar f/4 180 mm, Sonnar f/5,6 250 mm – hasselbladhistorical.eu, PDF; Sonnar f/4 150 mm, Sonnar f/5,6 250 mm – kenrockwell.com
  14. Jupiter 1,5/50 mm, 2/50 mm, 2/85 mm, 4/135 mm – g-st.ch; 4/135 mm: KMZ/Zenit ZK/Zorki-135, Industar- bzw. Jupiter 11
  15. Zeiss Sonnar Fakes – klassik-cameras.de
  16. Zunow 1 : 1.1 f = 5 cm – cameraquest.com
  17. Takumar 1 : 2 f = 58 mm – klassik-cameras.de
  18. a b Serenar/Canon Lens 50 mm f : 1.8 – klassik-cameras.de
  19. Minimierung von Verkippung sowie radialer und axialer Mittelachsenverschiebung einzelner Linsen in optischen Systemen; Dezentrierung
  20. Optical Glass – schott.com; Optisches Glas – edmundoptics.de
  21. Sonnar 1 : 2,8 / 85 mm (4-Linser) – klassik-cameras.de bzw. Sonnar 1 : 2,8 / 85 mm (5-Linser) – zeiss.de, PDF
  22. Zeiss 50 mm f/1.5 Sonnar T* ZM – kenrockwell.com
  23. Ist es ein echtes Sonnar? – klassik-cameras.de
  24. Vario-Sonnar f/4 80 - 200 mm, f/3.5 70 - 210 mm, f/3.5 40 - 80 mm, f/3.5 - 4.5 24 - 85 mm, f/3.3 - 4.0 28 - 85 mm, f/4.5 45 - 90 mm, f/3.5 - 4.5 28 - 70 mm, f/3.5 - 5.6 35 - 70 mm, f/2.8 17 - 35 mm, f/3.3 - 4.5 35 - 135 mm – zeiss.de, zeiss.com, PDF
  25. Carl Zeiss Qualität made by Cosina – zeiss.com, PDF
  26. Sony und Zeiss … – blogs.zeiss.com
  27. Capture One – captureintegration.com, PDF

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Artikel zu Geschichte und Entwicklung des Sonnars