Sonnwendviertel

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Das Sonnwendviertel im August 2012
Die Baustelle im August 2012

Das Sonnwendviertel ist ein im Entstehen begriffenes neues Stadtviertel im 10. Wiener Gemeindebezirk, Favoriten. Es entsteht auf einem etwa 34 Hektar umfassenden Teil der Fläche des bis 2009 / 2010 großteils abgesiedelten 3. Südbahnhofs, und zwar auf dem Areal des ehemaligen Frachtenbahnhofs, und soll nach Angaben der Wiener Stadtverwaltung bis etwa 2025 fertiggestellt sein.

Name[Bearbeiten]

Der Name des Viertels ist nicht historisch; er wurde um das Jahr 2000 oder kurz darauf von Stadtplanung, Bauunternehmen und Wohnbaugesellschaften eingeführt. Er wurde der Sonnwendgasse nachgebildet, die 1870 nach Sonnwendfeiern benannt wurde.

Lage[Bearbeiten]

Das Viertel wird etwa wie folgt begrenzt:

  • Nordwesten: Alfred-Adler-Straße (projektiert); nördlich davon befinden sich der neue Hauptbahnhof, dessen erster Teil am 9. Dezember 2012 in Betrieb genommen wurde und der bis 2014 fertiggestellt sein soll, und das ihn umgebende, im Entstehen befindliche, etwa 25 Hektar große Quartier Belvedere.
  • Nordosten: Ostbahn mit mehreren Gleisen (östliche Ausfahrtzone des Hauptbahnhofs); jenseits der Bahntrasse befindet sich das große ehemalige Arsenal, stadtzentrumsseitig anschließend der Schweizer Garten mit dem 21er Haus.
  • Süden: Gudrunstraße; südlich der Straße besteht Wohnverbauung im für Favoriten typischen, auf das späte 19. Jahrhundert zurückgehenden Raster. Von der Ecke Gudrunstraße / Sonnwendgasse gelangt man Richtung Süden nach vier Häuserblöcken zum Amalienbad.
  • Westen: Sonnwendgasse; Richtung Westen folgt nach drei Häuserblöcken die Favoritenstraße, Hauptstraße des Bezirks, mit der U-Bahn-Station Keplerplatz der Linie U1. Die Favoritenstraße ist hier Fußgängerzone, daher nimmt die Sonnwendgasse mit ihrer südlichen Verlängerung Herndlgasse einen wesentlichen Teil des früher durch die Favoritenstraße verlaufenden Individualverkehrs auf.

Grünes Zentrum des Viertels wird der projektierte, 8 Hektar große Helmut-Zilk-Park.

Frühere Nutzung[Bearbeiten]

Das Gebiet lag einst weit vor den Toren der ummauerten Stadt Wien südlich der 1850 eingemeindeten Vorstadt Wieden und wurde landwirtschaftlich genutzt. Erworbenes Stadtgebiet südlich der heutigen Wieden wurde 1874 zum neuen 10. Bezirk, Favoriten, zusammengefasst. Der in den 1840er Jahren erfolgte Bau von Südbahnhof und Ostbahnhof direkt außerhalb des Linienwalls, der Wieden und Favoriten noch bis in die 1890er Jahre trennte, bewirkte in den folgenden Jahrzehnten steigenden Flächenbedarf der Bahn. Um 1890 hatte das Areal längst seine heutige Ausdehnung erreicht.

Die Umstellung vieler Frachten auf Beförderung per Lkw und die Verlagerung der Funktionen des Frachtenbahnhofs in andere Wiener Bahnhöfe machten das Areal zuletzt seit den 1970er Jahren zu einer Fläche, die teilweise kaum genutzt wurde. Auf langen Ladegleisen, die von Güterschuppen umgeben waren, wurden unter anderem nicht mehr benötigte Loks und Wagen abgestellt. Erst um das Jahr 2000 wurden Überlegungen der Österreichischen Bundesbahnen konkreter, das Areal für andere Nutzungen freizugeben bzw. zu verwerten.

Planung und Bau[Bearbeiten]

Der Wiener Gemeinderat beschloss in Absprache mit dem bisherigen Grundeigentümer ÖBB 2004 den Masterplan für das gesamte Areal. Von der Wiener Stadtplanung wurde ein Stadtteilmanagement genanntes Team eingesetzt, das Fragen aus der Bevölkerung beantworten und die Akzeptanz des Projekts sichern helfen soll.[1]

Im Viertel sind etwa 5.000 Wohnungen sowie zwischen dem Park und der Gudrunstraße ein Bildungscampus genanntes Gebiet für Schulen und Kindergärten (20.000 Quadratmeter, Fertigstellung bis Herbst 2014) geplant.[2]

Im direkt östlich der Sonnwendgasse gelegenen Teil des Viertels sind 2012–2014 Bauten mit 1.160 von der Stadtverwaltung geförderten Wohnungen in Arbeit.[3][4][5][6][7] Der städtische Projektleiter Hauptbahnhof Wien, Hermann Papouschek, gab im November 2012 bekannt, im Herbst 2013 werden die ersten Mieterinnen und Mieter ihre Wohnungen beziehen können. … Die Erdarbeiten starten nächstes Jahr für den Helmut-Zilk-Park.[8]

Die Ostbahn wird auf dem Arsenalsteg (der direkt ins Arsenal führt) und auf der zur Fertigstellung bis 2015 vorgesehenen, zum Teil bereits errichteten Südbahnhofbrücke (zwischen Gudrunstraße und Franz-Grill-Gasse) überquert.

Die Planung der noch nicht begonnenen südlichen Verlängerung der U-Bahn-Linie U2 sieht vor, dass die Strecke, vom Arsenal kommend, durch das Viertel bis zur Gudrunstraße führen wird.

Neue Verkehrsflächen[Bearbeiten]

Im Stadtplan 2012[9] sind folgende noch nicht bestehende Verkehrsflächen eingetragen:

  • Alfred-Adler-Straße, von der Sonnwendgasse in Verlängerung der Landgutgasse nordostwärts, unter der Ostbahn durch zur Ghegastraße beim Arsenal
  • Antonie-Alt-Gasse, von der Sonnwendgasse in Verlängerung der Ordengasse westwärts, dann nordwärts zur Alfred-Adler-Straße
  • Artholdgasse, von der Gudrunstraße in Verlängerung der Steudelgasse nordwärts zur Hlawakgasse
  • Hackergasse, von der Sonnwendgasse in Verlängerung der Keplergasse ostwärts zur Antonie-Alt-Gasse
  • Hlawakgasse, von der Gudrunstraße in Verlängerung der Laimäckergasse neben der Zufahrt zur Südbahnhofbrücke nord-, dann westwärts
  • Marianne-Pollak-Gasse, von der Gudrunstraße in Verlängerung der Gellertgasse nordwärts zur Hlawakgasse
  • Vally-Weigl-Gasse, von der Sonnwendgasse in Verlängerung der Raaber-Bahn-Gasse ostwärts zur Antonie-Alt-Gasse

Details zur Namensgebung Favoritner Verkehrsflächen finden sich hier.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sonnwendviertel, Website der Gebietsbetreuung Stadterneuerung, Magistratsabteilung 25 der Stadt Wien, Stand vom April 2012
  2. Bildungscampus Hauptbahnhof Wien, Website der Wiener Stadtverwaltung, Stand April 2012
  3. Sonnwendviertel: ab 2012 entstehen 1.160 günstige Wohnungen, Website der Wiener Stadtverwaltung, Stand April 2012
  4. Website Sonnwendviertel der Michaela Mischek Bauträger GmbH, Stand vom April 2012
  5. Sonnwendviertel, Website der win4wien Bauträger GmbH, Stand April 2012
  6. Sonnwendviertel, Website des Bauträgers WBSG, Stand April 2012
  7. Ergebnis des Bauträgerwettbewerbs 2009, Website des Hauptbahnhofs Wien, Stand April 2012 (PDF; 11,6 MB)
  8. Der neue Stadtteil im Sonnwendviertel macht große Fortschritte, in: wien.at aktuell. Das Magazin für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Hrsg. Presse- und Informationsdienst der Stadt Wien, Heft 11 / 2012, S. 6 f.
  9. Städteatlas Großraum Wien 2012, Kartographische Anstalt Freytag-Berndt und Artaria, Wien 2011, ISBN 978-3-85084-103-0, Blatt 44 und 45