Sontheim an der Brenz
| Wappen | Deutschlandkarte | |
|---|---|---|
|
Koordinaten: 48° 33′ N, 10° 17′ O | ||
| Basisdaten | ||
| Bundesland: | Baden-Württemberg | |
| Regierungsbezirk: | Stuttgart | |
| Landkreis: | Heidenheim | |
| Höhe: | 445 m ü. NHN | |
| Fläche: | 28,92 km2 | |
| Einwohner: | 5508 (31. Dez. 2018)[1] | |
| Bevölkerungsdichte: | 190 Einwohner je km2 | |
| Postleitzahl: | 89567 | |
| Vorwahl: | 07325 | |
| Kfz-Kennzeichen: | HDH | |
| Gemeindeschlüssel: | 08 1 35 031 | |
| LOCODE: | DE SNM | |
| Adresse der Gemeindeverwaltung: |
Brenzer Straße 25 89567 Sontheim an der Brenz | |
| Website: | ||
| Bürgermeister: | Matthias Kraut (parteilos) | |
| Lage der Gemeinde Sontheim an der Brenz im Landkreis Heidenheim | ||
Sontheim an der Brenz ist eine Gemeinde im Landkreis Heidenheim in Baden-Württemberg.
Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Sontheim an der Brenz liegt am Übergang der Schwäbischen Alb zum Donautal. Durch das Gemeindegebiet fließt die Brenz wenige Kilometer vor ihrer Mündung in die Donau. Sontheim liegt am Nordrand des Schwäbischen Donaumooses.
Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Sontheim grenzt an Hermaringen und Giengen an der Brenz im Norden, Niederstotzingen im Westen, alle im Landkreis Heidenheim, sowie an Bächingen an der Brenz und Medlingen im bayerischen Landkreis Dillingen im Süden und Osten.
Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Zur Gemeinde Sontheim an der Brenz gehören die ehemals selbstständigen Gemeinden und heutigen Ortsteile Sontheim an der Brenz, Bergenweiler und Brenz mit insgesamt fünf Dörfern und Höfen. Die Ortsteile bilden Wohnbezirke im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung.[2] Zum Ortsteil Bergenweiler gehören das Dorf Bergenweiler sowie eine abgegangene Burg mit dem angeblichen Namen Ravensburg. Zum Ortsteil Brenz gehört das Dorf Brenz. Zur Gemeinde Sontheim an der Brenz im Gebietsstand vom 29. Februar 1972 gehören das Dorf Sontheim an der Brenz und die Höfe Heuhof und Schwarzenwang sowie die abgegangene Ortschaft Heukrampfen.[3]
siehe auch Burgstall Burstel
Flächenaufteilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.[4]
Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Altertum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Siedlungsspuren auf dem heutigen Ortsgebiet sind bereits aus der Zeit um 5000 v. Chr. nachgewiesen worden.
In der Römerzeit (2./3. Jahrhundert n. Chr.) war Sontheim ein Straßenknotenpunkt mit einer ausgedehnten Raststation und einem kleinen Tempel, was Ausgrabungen in den 1990er Jahren ergaben; es lag an der Kreuzung der Straßen von Günzburg (lat. Guntia) nach Heidenheim (lat. Aquileia) und der Donaunordstraße vom Kastell Urspring (lat. Ad Lunam) nach Regensburg (lat. Castra Regina). Im Jahr 2002 wurde an letzterer Straße zwischen Sontheim und Bächingen ein von Kaiser Caracalla gestifteter fast vollständiger, in zwei Teile zerbrochener Meilenstein mit Verweis auf Faimingen (lat. Phoebiana) entdeckt.[5]
Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Unter den Alemannen war Sontheim bereits eine ansehnliche Siedlung, worauf zahlreiche Reihengräberfunde hinweisen. Besonders bemerkenswert ist der Fund eines Silberblechkreuzes mit einer Christusdarstellung aus dem 7. Jahrhundert (heute im Landesmuseum Stuttgart). Aus einer späteren alemannischen Siedlung (um 800), die weiter südlich angelegt wurde, ging die heutige Ortschaft hervor; diese wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit vom nördlich gelegenen Brenz aus gegründet, worauf die einstige kirchliche Zugehörigkeit Sontheims zu Brenz sowie die Namensgebung (Sontheim bedeutet so viel wie Süd-heim) hinweisen.
Im Jahre 1002 wird Sontheim erstmals urkundlich erwähnt anlässlich eines Aufenthaltes König Heinrichs II, was Sontheims Lage an der Straße der Staufer begründet. Im Spätmittelalter war in Sontheim ein Niederadelsgeschlecht ansässig, das sich nach dem Ort benannte; ab Mitte des 15. Jahrhunderts verliert sich davon jede Spur. Die Herrschaft fiel an die Grafen von Helfenstein; 1448 erwarben sie die Grafen von Württemberg, verloren sie aber bald an Bayern. Erst ab 1504 war die Herrschaft Heidenheim und das darin inkorporierte Sontheim wieder württembergisch.
Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Während des Schmalkaldischen Krieges befand sich im Oktober 1546 das Lager Kaiser Karls V. in Sontheim.
Das Herzogtum Württemberg führte ab 1558 die Reformation in Sontheim durch, das sich von der katholischen Mutterkirche Brenz löste. Seitdem ist die Gemeinde überwiegend evangelisch. Der Dreißigjährige Krieg traf auch Sontheim schwer, vor allem der bayerische Überfall von 1620. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts erhielt die Georgskirche ihre heutige Gestalt.
1704 nutzten die Franzosen vor der Schlacht bei Höchstädt Sontheim als Hauptquartier.
1791 kaufte der Sontheimer Gemeinderat den südlich gelegenen, geschichtsträchtigen Aussiedlerhof Schwarzenwang vom Freiherrn vom Stain zu Niederstotzingen, wodurch die Gemeinde ihre Gemarkung erheblich erweitern konnte.
Sontheim gehörte zum altwürttembergischen Amt Heidenheim und blieb bei der Umsetzung der neuen Verwaltungsgliederung im seit 1806 bestehenden Königreich Württemberg weiterhin dem nunmehrigen Oberamt Heidenheim zugeordnet.
Vor allem durch die „Bevölkerungsexplosion“ im 19. Jahrhundert entwickelte sich das langgestreckte Straßendorf weiter.
Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte Sontheim 1938 zum Landkreis Heidenheim. Da der Ort nach dem Zweiten Weltkrieg Teil der Amerikanischen Besatzungszone geworden war, gehörte er somit seit 1945 zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging.
Heute ist Sontheim eine der größten Gemeinden im Brenztal.
Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand sind Schätzungen, Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg (nur Hauptwohnsitze).
|
|
Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
In Sontheim an der Brenz wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. Der Gemeinderat hat nach der letzten Wahl 19 Mitglieder (vorher 20). Die Kommunalwahl am 26. Mai 2019 führte zu folgendem Endergebnis. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.
| Parteien und Wählergemeinschaften | % 2019 |
Sitze 2019 |
% 2014 |
Sitze 2014 |
||
| FWV | Freie Wählervereinigung | 52,4 | 10 | 49,9 | 10 | |
| SPD | Sozialdemokratische Partei Deutschlands | 37,0 | 7 | 33,6 | 7 | |
| CDU | Christlich Demokratische Union Deutschlands | 10,5 | 2 | 16,5 | 3 | |
| gesamt | 100,0 | 19 | 100,0 | 20 | ||
| Wahlbeteiligung | 64,2 % | 57,9 % | ||||
Bürgermeisterwahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
(Wahl am 26. März 2006) Bei einer Wahlbeteiligung von 78,07 % wurde wie folgt gewählt:
- Matthias Kraut 60,69 %
- Reiner Lindenmayer 27,45 %
- die weiteren fünf Bewerber hatten jeweils Wahlergebnisse im einstelligen Prozentbereich zu verzeichnen
(Wahl am 23. März 2014) Bei einer Wahlbeteiligung von 62,38 % wurde Matthias Kraut mit 58,23 % der Stimmen für weitere 8 Jahre im Amt bestätigt.
Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Partnergemeinde von Sontheim an der Brenz ist die an der französischen Atlantikküste gelegene Kleinstadt Saint-Valery-en-Caux in der Normandie.
Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Die Ortsgruppe Sontheim des Schwäbischen Albvereins wurde 1999 mit der Eichendorff-Plakette ausgezeichnet.[8]
Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Sontheim verfügt heute über mehr als 2000 Arbeitsplätze.
Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Sontheim ist über die 13 km entfernte Anschlussstelle Niederstotzingen der Bundesautobahn 7 (Flensburg–Füssen) an das überregionale Straßennetz angebunden. Landes- und Kreisstraßen schaffen die Verbindung zu den Nachbarorten.
Die Brenzbahn (Ulm–Aalen) verläuft durch die Gemeinde mit Haltestellen in den Ortsteilen Sontheim und Bergenweiler. Von 1911 bis 1959 zweigte eine Nebenbahn nach Gundelfingen in Sontheim von der Brenzbahn ab.
Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Der mit Abstand größte Arbeitgeber am Ort ist die Firma Röhm GmbH, Hersteller von Spannwerkzeugen, mit etwa 1500 Beschäftigten. Der Erfolg dieser Firma hat die Entwicklung Sontheims nach dem Zweiten Weltkrieg entscheidend beeinflusst. Darüber hinaus haben sich in den Gewerbegebieten der Gemeinde zahlreiche mittelständische Unternehmen angesiedelt.
Bildungseinrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Die Gemeinde verfügt über eine Grund-, Werkreal- und Realschule, an der mehr als 500 Schüler unterrichtet werden.[9] Im Ortsteil Brenz gibt es außerdem eine reine Grundschule.
Freizeit- und Sportanlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
In der Gemeindehalle von Sontheim an der Brenz spielte Marc Lang am 26. und 27. November 2011 gegen 46 Schachspieler Blindsimultan und erzielte hierbei einen neuen Weltrekord.[10]
Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Andreas Althamer (um 1500–um 1539), Reformator und Humanist
- Johann Friedrich von Klemm (1793–1858), Politiker und Oberamtmann in Tettnang, Ellwangen und Esslingen
Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Michael Nick, Gabriele Seitz: Sontheim. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 29, Walter de Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-018360-9, S. 246–249. (online)
Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Gemeinde Sontheim an der Brenz
- Wappen auf leo-bw
Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- ↑ Statistisches Landesamt Baden-Württemberg – Bevölkerung nach Nationalität und Geschlecht am 31. Dezember 2018 (CSV-Datei) (Hilfe dazu).
- ↑ Hauptsatzung der Gemeinde Sontheim an der Brenz vom 1. Dezember 2005 (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven) Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF; 107 kB)
- ↑ Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1. S. 621–625
- ↑ Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Sontheim an der Brenz.
- ↑ Hans Ulrich Nuber, Gabriele Seitz: Caracalla auf der Ostalb – ein römischer Meilenstein aus Sontheim an der Brenz, Kreis Heidenheim. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2002. Stuttgart, 2003. S. 107–109.
- ↑ Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 449.
- ↑ Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 470.
- ↑ Verleihung der Eichendorff-Plakette in Blätter des Schwäbischen Albvereins Heft 2/2000, S. 24
- ↑ Unsere Schule auf der Homepage der GWRRS Sontheim, abgerufen am 12. Januar 2018
- ↑ "Schach dem Unmöglichen" – Weltrekord im Blindschach, 27. November 2011 in Sontheim an der Brenz
