Sophia Goudstikker

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Ausschnitt aus einer Gruppenaufnahme von um 1894

Sophia N. Goudstikker (* 15. Januar 1865 in Amsterdam; † 20. März 1924 in München) war Fotografin, Unternehmerin und Frauenrechtlerin.

Frauenrechtlerin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sophia Goudstikker setzte sich ihr Leben lang für Frauenfragen ein. Im Jahr 1894 gründete sie zusammen mit ihrer späteren Lebensgefährtin Ika Freudenberg den „Verein für Fraueninteressen“; 1899 richtete sie in München den ersten Bayerischen Frauentag aus.

Goudstikker war Vorsitzende der von ihr in München gegründeten Rechtsauskunftsstelle für Frauen. Sie vertrat schutzlose Frauen vor Gericht und erntete in der Bevölkerung für ihren selbstlosen und erfolgreichen Einsatz Respekt. Ab dem Jahr 1912 arbeitete sie mit einer der ersten deutschen Juristinnen, Marie Munk, in ihrer Rechtsschutzstelle zusammen. Die Lebenswege beider Frauen trennten sich Ende des Jahres 1914.

Zu Goudstikkers Bekanntenkreis und Arbeitsumfeld zählten auch prominente Aktivistinnen wie Helene Stöcker sowie Schriftstellerinnen wie Ricarda Huch und Lou Andreas-Salomé.

Unternehmerin und Münchner Bohèmienne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1887 eröffnete Sophia Goudstikker in München gemeinsam mit ihrer Freundin, der radikalen Frauenrechtlerin Anita Augspurg, das Hofatelier Elvira, das eines der ersten Frauenunternehmen Deutschlands war. Goudstikker und Augspurg waren mit ihren kurz geschnittenen Haaren, der unangepassten Kleidung und ihrem offenen Bekenntnis zur Notwendigkeit eines Befreiungskampfes der bürgerlichen Frau sowie ihrem kaum verborgenen homoerotischen Habitus faszinierende Erscheinungen der Münchner Bohème ihrer Zeit. Schnell avancierte das Geschäft zur führenden „hofphotographischen Anstalt“ und zum gesellschaftlichen Treffpunkt, wo neben bekannten Schriftstellern wie Thomas und Heinrich Mann auch Mitglieder der königlich-bayerischen Familie zu den Kunden zählten. Zunächst war das Unternehmen in der Kaulbachstraße ansässig; um 1900 bezog Goudstikker mit dem Atelier einen von dem Architekten August Endell entworfenen Neubau an der Von-der-Tann-Straße, Ecke Königinstraße. Augspurg blieb noch einige Jahre wirtschaftlich an dem Unternehmen beteiligt; die Lebenswege der beiden Frauen hatten sich jedoch mittlerweile getrennt. Die Berliner Frauenrechtlerin Gertrud Bäumer beschreibt in ihren Memoiren „das kleine merkwürdige graugrüne Haus an der Königinstraße“ als lebendigen, inspirierenden Treffpunkt für „starke[...], lebensvolle[...] Menschen, die sich einen Zugang zu reicheren und freierem Dasein bahnen wollten.“[1]

Der mit Goudstikker und Ika Freudenberg befreundete Schriftsteller Ernst von Wolzogen setzte den Frauen und ihrem Freundinnenkreis in seiner Satire Das Dritte Geschlecht (1899) ein bissig-ironisches Denkmal.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Oda Cordes: Marie Munk (1885–1978) Leben und Werk. Köln/Weimar/Wien, Böhlau Verlag, 2015, S. 89-93,830.
  • Rudolf Herz, Brigitte Bruns: Hof-Atelier Elvira 1887–1928. Ästheten, Emanzen, Aristokraten. München 1985

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Atelier Elvira – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gertrud Bäumer: Lebensweg durch eine Zeitenwende. Rainer Wunderlich Verlag, Tübingen 1933, S. 182f.
  2. Helene Stöcker: Lebenserinnerungen. Die unvollendete Autobiographie einer frauenbewegten Pazifistin, hrsg. von Reinhold Lütgemeier-Davin und Kerstin Wolff, Boehlau Verlag, Köln 2015, 84.