Sophia Loren

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Sophia Loren; Porträt von Allan Warren (1986)

Sophia Loren [ˈlɔɾen] (* 20. September 1934 in Rom;[1] bürgerlich Sofia Villani Scicolone) ist eine italienische Filmschauspielerin. Sie wurde in den 1960er Jahren zum Weltstar.

Mit Auftritten als Komparsin, so im amerikanischen Filmepos Quo Vadis, das in Cinecittà in Rom gedreht wurde, begann eine Entwicklung, die Loren rasch zum internationalen Filmstar machte. Ihre erste Hauptrolle erhielt sie in Weiße Frau in Afrika. In der Folgezeit konnte sie auf die Förderung durch den Filmproduzenten Carlo Ponti zählen, der sie unter Vertrag nahm, später auch heiratete und ein Leben lang ihr Produzent blieb. Zwischen 1957 und 1964 festigte Loren mit Hollywood-Produktionen wie Hausboot und Es begann in Neapel sowie durch den Gewinn eines Oscars für die beste Darstellerin (Und dennoch leben sie) ihre Stellung als Spitzenstar. Ihre Filmpartner waren stets bekannte Schauspielkollegen; vor allem mit ihrem Landsmann Marcello Mastroianni feierte sie viele Erfolge.[2] Zuletzt war Sophia Loren, nach einer längeren Phase mit Fernsehauftritten, erneut in Kinofilmen zu sehen, z. B. in Prêt-à-porter (1994) und Nine (2009).

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sophia Loren wuchs in der Kleinstadt Pozzuoli bei Neapel in ärmlichen Verhältnissen auf. Ihr Vater Riccardo Scicolone heiratete ihre Mutter Romilda Villani auch nach der Geburt von Sophias jüngerer Schwester Maria nicht und verließ die Familie. Die Mutter versuchte, aus Sophias Schönheit Kapital zu schlagen, um die Familie durchzubringen. Sophia durfte an Misswahlen teilnehmen, wirkte als Fotomodell in den damals in Italien populären Fotoromanen mit und erhielt Komparsenauftritte in Filmen.

Beim Schönheitswettbewerb zur Miss Rom wurde sie 1950 Zweite und lernte ihren zukünftigen Ehemann kennen, den 22 Jahre älteren italienischen Filmproduzenten Carlo Ponti. Dieser förderte sie fortan und erfand für sie den Namen Sophia Loren.

1957 ging Sophia Loren auf Initiative Pontis nach Hollywood und stand in Stolz und Leidenschaft, ihrem ersten US-Film, vor der Kamera. Beim internationalen Publikum wurde sie vor allem durch die Komödie Hausboot (1958) mit Cary Grant beliebt. 1960 hatte sie mit Es begann in Neapel mit Clark Gable großen finanziellen Erfolg. Der Monumentalfilm El Cid, der 1961 in Spanien unter der Regie von Anthony Mann gedreht wurde, war für Loren ein weiterer Schritt zum Hollywood-Star. In den USA trat sie in vielen, meist komödiantischen Filmen auf, in der Regel an der Seite berühmter Leinwandhelden wie Anthony Quinn, John Wayne, Richard Burton, Frank Sinatra, Anthony Perkins, Charlton Heston, Paul Newman und Gregory Peck. 1966 engagierte Charlie Chaplin Sophia Loren und Marlon Brando für Die Gräfin von Hongkong; dies war Chaplins letzter Film und zugleich sein einziger Farbfilm.

1960 drehte sie in Italien unter der Regie von Vittorio De Sica das Melodram Und dennoch leben sie. Seither war sie auch als Charakterdarstellerin anerkannt und erhielt unzählige Filmpreise. In De Sicas Kriegsepos brachte sie ihre eigenen Jugenderfahrungen auf die Leinwand und vermittelte glaubhaft den Schmerz des Krieges.

Sophia Loren in London (2009)

In Italien stand Sophia Loren einige Zeit in einem Konkurrenzverhältnis zu Gina Lollobrigida; wie diese galt sie als Busenwunder und Sexsymbol. Mit ihrem Filmpartner Marcello Mastroianni bildete Loren in vielen italienischen Produktionen ein Traumpaar. Auch mit dem Regisseur Vittorio De Sica arbeitete sie immer wieder zusammen.

2009 drehte sie nach einer seit 1996 währenden Pause wieder einen Hollywoodfilm. Im Musical Nine von Rob Marshall spielte sie neben Nicole Kidman, Penélope Cruz, Daniel Day-Lewis, Judi Dench und Marion Cotillard.

In über 100 Filmen hat Sophia Loren mitgewirkt. In den 1980er Jahren spielte sie auch in einigen Fernsehproduktionen. Ihre deutsche Synchronstimme ist meist Marion Degler.

Am 11. Februar 2006 trug sie im Rahmen der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele 2006 in Turin gemeinsam mit anderen Berühmtheiten die Olympische Flagge ins Turiner Olympiastadion.

Für Aufsehen sorgte Sophia Loren 2007, als sie im Pirelli-Kalender posierte. Im selben Jahr kündigte die 72-Jährige an, bei einem Aufstieg des Fußballclubs SSC Neapel nochmals nackt aufzutreten[3]. Obwohl der Aufstieg des Vereins gelang, löste Loren ihr Versprechen nicht ein. In einer Fernsehsendung bezeichnete sie ihre Ankündigung als Scherz.

2007 starb ihr Ehemann Carlo Ponti. Loren zog sich einige Monate von öffentlichen Auftritten zurück. Danach erschien sie noch im selben Jahr wieder zu Preisverleihungen und Ehrungen, als sie in Spanien die „Espiga de Oro“, in Deutschland den „Bambi“ und in Italien den „Marc-Aurel-Preis“ für ihr Lebenswerk erhielt.

Bei Preisverleihungen in Los Angeles überreichte sie im Jahr

Am 4. Mai 2011 wurde Sophia Loren im Samuel Goldwyn Theater in Los Angeles geehrt. Sie erhielt einen Preis für ihr Lebenswerk von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences.

Privat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zusammen mit ihrem 2007 verstorbenen Ehemann, Carlo Ponti, hat Sophia Loren zwei Kinder: Carlo jr. (* 1968) und Edoardo (* 1973). Die Familie lebt bzw. lebte am Genfersee und besitzt zudem eine Ranch in Kalifornien, einen Palazzo in Rom, ein Chalet in der Schweiz und eine Wohnung im Trump World Tower in New York.

Die Ehe Lorens mit Ponti galt trotz der schwierigen rechtlichen Situation der Anfangsjahre als mustergültig. Sie haben am 17. September 1957 geheiratet, nachdem sich Ponti in Mexiko von seiner ersten Frau, Giuliana Fiastri, hatte scheiden lassen. Allerdings sah das italienische Recht keine Ehescheidungen vor, und die Trennung Pontis von Fiastri wurde in Italien nicht anerkannt; Ponti wurde der Bigamie bezichtigt, und seine Ehe mit Loren wurde 1962 offiziell annulliert. Loren, Ponti und Fiastri wurden daraufhin 1966 französische Staatsbürger, um die Scheidung und Wiederverheiratung nach französischem Recht vornehmen zu können. Nach der Scheidung von seiner ersten Frau wurde die Ehe Pontis mit Loren am 9. April 1966 endlich legalisiert.

1980 kam Sophia Loren in die Schlagzeilen, als sie von einem italienischen Gericht zu 30 Tagen Haft wegen Steuerhinterziehung verurteilt wurde. Die Strafe trat sie im Gefängnis von Caserta im Mai 1982 an.

Lorens Schwester Anna Maria Villani Scicolone war von 1961 bis 1972 mit Romano Mussolini, dem Sohn des früheren Diktators Benito Mussolini, verheiratet. Ihre 1962 geborene Tochter ist die Schauspielerin und neofaschistische Politikerin Alessandra Mussolini. Sophia Loren förderte die Karriere ihrer Nichte, indem sie ihr Rollen in einigen Filmen verschaffte, in denen sie selbst mitspielte, so in Die Sünde (Bianco, rosso e…) (1972), Ein besonderer Tag (1977), Ein bisschen blond (Qualcosa di biondo) (1984) und Samstag, Sonntag, Montag (Sabato, domenica e lunedì) (1990). Außerdem überzeugte Loren sie, für das Männermagazin Playboy zu posieren.

Sophia Loren ist Taufpatin der US-Schauspielerin Drew Barrymore.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sophia Loren in Paris bei der César-Verleihung 1991

Walk of Fame

Oscar

  • 1962: Oscar für Und dennoch leben sie (Kategorie: Beste Hauptdarstellerin)
  • 1965: Nominierung als beste Hauptdarstellerin für Hochzeit auf italienisch (Beste Hauptdarstellerin)
  • 1991: Ehrenoscar für ihr Lebenswerk
  • 2011: Ehren-Gala für ihr Lebenswerk von der Academy of Motion Pictures and Sciences in Los Angeles

Golden Globe Award

  • 1961: Golden-Globe-Nominierung für Es begann in Neapel (Beste Hauptdarstellerin – Komödie oder Musical)
  • 1964: Henrietta Award als beliebteste Darstellerin des Jahres
  • 1965: Henrietta Award und Golden-Globe-Nominierung für Hochzeit auf italienisch (Beste Hauptdarstellerin – Komödie oder Musical)
  • 1969: Henrietta Award
  • 1977: Henrietta Award
  • 1995: Golden-Globe-Nominierung für Prêt-à-porter (Beste Nebendarstellerin) und Cecil B. DeMille Award

Bambi

  • 1961: Bambi
  • 1962: Bambi
  • 1963: Bambi
  • 1964: Bambi
  • 1965: Bambi
  • 1967: Bambi
  • 1968: Bambi
  • 1969: Bambi
  • 2007: Ehren-Bambi für ihr Lebenswerk

David di Donatello

  • 1961: David di Donatello als Beste Schauspielerin
  • 1964: David di Donatello als Beste Schauspielerin
  • 1965: David di Donatello als Beste Schauspielerin
  • 1970: David di Donatello als Beste Schauspielerin für Sonnenblumen
  • 1974: David di Donatello als Beste Schauspielerin
  • 1978: David di Donatello als Beste Schauspielerin
  • 1984: David di Donatello Sonderpreis
  • 1999: Ehren-David-di-Donatello für ihr Lebenswerk
  • 2014: David di Donatello als Beste Schauspielerin
Sophia Lorens Handabdruck vor dem Grauman’s Chinese Theatre, Los Angeles

Telegatto

  • 2001: Ehren-Telegatto für ihr Lebenswerk

Goldener Bär der Berlinale

  • 1994: Goldener Bär für ihr Lebenswerk

Nastro d'Argento

  • 1961: Nastro d'Argento als Beste Schauspielerin für Und dennoch leben sie (La ciociaria)
  • 1978: Nastro d'Argento als Beste Schauspielerin für Una giornata particolare

Preis des Internationalen Filmfestival in Venedig

  • 1958: Goldener Löwe als Beste Schauspielerin in Die Schwarze Orchidee
  • 1998: Goldener Löwe für ihr Lebenswerk

Preis des Internationalen Filmfestival in San Sebastian

  • 1974: Preis als Beste Schauspielerin in Die Reise nach Palermo

Preis des Internationalen Filmfestival in Cannes

Preis des Internationalen Filmfestival in Moskau

  • 1965: Preis als Beste Schauspielerin in Hochzeit auf italienisch (Martimonio all'Italiana)
  • 1997: Goldener St.Georg Preis

Preis des Internationalen Filmfestival in Istanbul

  • 2005: Preis für ihr Lebenswerk

New York Film Critics Award

British Films Academy Awards

Legion d'honneur

  • 1991: Ehrenpreis für ihr Lebenswerk

National Board of Review Award

  • 1994: Preis als Bestes Ensemble für Pret-a-Porter

Goldene Kamera

  • 1995: Goldene Kamera für ihr Lebenswerk

Sho West Award

  • 1996: Preis für ihr Lebenswerk

Verdienstorden der Italienischen Republik

World Film Festival in Montreal

  • 2001: Großer Spezialpreis für ihr Lebenswerk

Molodist Festival

  • 2003: Festivaldiplom für ihr Lebenswerk

Ehrenbürgerin

  • 2005: Ehrenbürgerin von Pozzuoli, Kampanien
  • 2009: Ehrenbürgerin von Sorrent
Teehybride 'Sophia Loren', Tantau 1967

Filmfestspiele in Rom

  • 2007: Schauspielpreis für ihre Karriere

Filmfestspiele in Valladolid

  • 2007: Espigade Oro für ihre Karriere

César

  • 1991: César für ihr Lebenswerk

Praemium Imperiale

  • 2010: Praemium Imperiale

Weitere Auszeichnungen

  • Sophia Loren bekam in ihrem Leben unter anderem noch zahlreiche BRAVO Otto Awards von der Jugendzeitschrift BRAVO verliehen und zahlreiche Laurel Awards.
  • Mathias Tantau benannte 1967 eine rote Teehybrid-Rose nach ihr.
  • Juli 2016: Ehrenbürgerin von Neapel[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

von Sophia Loren
über Sophia Loren
  • Yann-Brice Dherbier (Hrsg.): Sophia Loren. Bilder eines Lebens. Henschel, Berlin 2008, ISBN 978-3-89487-624-1.
  • Lars-Olaf Beier: Sophia Loren. Eine Hommage. Henschel, Berlin 1994, ISBN 3-89487-203-9.
  • Giovanna Bertelli (Hrsg.): Sophia Loren. Schirmer-Mosel, München 2003, ISBN 3-8296-0101-8.
  • Aaron E. Hotchner: Sophia Loren. Ihre Filme, ihr Leben ("Sophia, living and loving"). Wilhelm Heyne, München 1989, ISBN 3-453-86069-1 (Heyne Filmbibliothek, 69).
  • Stefano Masi: Sophia Loren. Gremes, Rom 2001, ISBN 88-8440-038-4.
  • Italo Moscati: Sophia Loren. Eine Biographie. Herbig, München 1995, ISBN 3-7766-1924-4.
  • Berndt Schulz: Sophia Loren. Herrlich, eine Frau zu sein. In: Adolf Heinzlmeier u. a.: Glanz und Mythos der Stars der 40er und 50er Jahre (Die Unsterblichen des Kinos, 2). S. Fischer, Frankfurt 1980, ISBN 3-596-23658-4, S. 210–217.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sophia Loren – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sophia Loren: Sophia. Leben und Lieben. Wilhelm Heyne Verlag, München 1979, ISBN 3-453-01200-3, S. 17: Geburtsort „Clinica Regina Margherita in Rom“
  2. Ernst Probst: Superfrauen 7 – Film und Theater. 2001, ISBN 3-640-45071-X, S. 92. abgefragt am 4. August 2011.
  3. www.20minuten.ch: News von jetzt!
  4. Sophia Loren nun Ehrenbürgerin von Neapel. In: orf.at. 9. Juli 2016, abgerufen am 6. September 2016.
  5. versch. Interviewpartner Müllers, darunter Loren