Sophie Wilhelmine Scheibler

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Sophie Wilhelmine Scheibler (vollständiger Name: Anna Sophia Wilhelmina Scheibler, geb. Koblanck, * um 1749; † vor 1829) war eine deutsche Kochbuchautorin, die im Brandenburger Raum die gleiche Popularität hatte, wie Henriette Davidis in Mittelwestfalen. Ihre genauen Lebensdaten sind nicht bekannt.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wilhelmine Koblanck war die Tochter des Stadt- und Amtschirurgus zu Berlin David Balthasar Koblanck und seiner Ehefrau Charlotte Helene, geborene Müller. Sie heiratete 1776 Bernhard Wilhelm Scheibler (1743–1805), den Sohn von Wilhelm Wimar Gerhard Scheibler (1715–1803), Bruder des Gründers der Monschauer Tuchfabrikation Johann Heinrich Scheibler und der 1757 durch Friedrich II. als Leiter der Kgl. Tuchfabrik nach Berlin berufen worden war.

Das Ehepaar hatte insgesamt 9 Kinder, sechs Söhne erreichten das Erwachsenenalter:

1. Friedrich Wilhelm Ferdinand Scheibler (1777–1837), der 1797 eine Lehre als Materialist in Berlin absolvierte, 1798 Bürger Berlins wurde und mit Charlotte Lucia Pastor aus der bekannten Aachener Tuchmacherfamilie Pastor verheiratet war. Seine Tochter Sophia Luisa verh. Braun, bescherte der Familie 11 Kinder. Sohn Robert Wilhelm (1828–1884) war Begründer und Direktor der Deutschen Feuerversicherungsanstalt „Patras“ in Berlin.
2. Carl Friedrich Heinrich Scheibler (1782 Berlin – 1868 Aachen-Brand) Der Bildhauer war nach den Katalogen der Berliner Akademie-Ausstellungen Schüler von Emanuel Bardou (1800). Es heißt auch, er sei ein Schadow-Schüler gewesen. 1815 erhielt er, auf Empfehlung Schadows, den Auftrag von der preußischen Regierung, die von Napoléon Bonaparte geraubten Kunstschätze aus Paris zurückzuholen, unter denen sich auch die berühmte Quadriga befand. Obwohl er einige Spuren in Berlin hinterlassen hat, ist er heute weitestgehend unbekannt.
3. August Bernhard Scheibler (8. Mai 1784 in Berlin – 6. Juni 1856 in Hannover)
4. Karl Eduard Scheibler (1786–1844) war Kaufmann in Belgien und Aachen.
Seine Zwillingssöhne Albrecht Armand Scheibler und Oskar Omar (* 31. Januar 1831 in Aachen) wanderten 1847 nach Amerika aus und begründeten in New York die Firma Scheibler, Faber & Perkins. Sie verunglückten beim Untergang des Dampfers "Arctic" von Liverpool nach NY am 26. September 1853.
Seine Tochter Emma war die Großmutter des bekannten Landschaftsmalers Max Clarenbach. Eine andere Enkelin heiratete in das Haus Otto Nourney in Barmen ein.
5. Friedrich August Theodor Scheibler (1788–1864) wurde 1813 Freiwilliger bei den Lützowschen Jägern. Er war der Vater des Chemikers Prof. Carl Scheibler. Sohn Friedrich Jakob Scheibler war Träger des königl. preuss. Adler-Ordens IV. Klasse und heiratete in die Familie des Hofwagenfabrikanten Joseph Mengelbier ein.
6. Ernst Gustav Ludwig (2. April 1793 in Berlin – 16. März 1832) war Obersteuerkontrolleur in Odenkirchen.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1815 wurde das bekannte Kochbuch „Allgemeines deutsches Kochbuch für bürgerliche Haushaltungen“ im Verlag Amelang Berlin erstmals aufgelegt. Es erlebte danach viele Nachauflagen, allerdings gab es auch ebenso viele Plagiate. Im Jahre 1828 wurde ein zweiter Teil herausgebracht, der eine eigene Auflagenzählung hatte.

Nach der 12. Auflage des ersten und der 5. Auflage des zweiten Teils wurden ab 1853 beide Teile als ein Buch mit der Auflagenzählung des ersten Teils (also die 13.) unter dem Titel „Allgemeines deutsches Kochbuch für alle Stände“ verlegt. Ab der 28. Auflage von 1883 verwendete der Amelang Verlag auf dem Buchtitel oft die Wendung „Scheibler's Kochbuch“ oder auch nur „Scheibler“ und führte den Originaltitel nur noch innen auf dem Deckblatt. Dieser veränderte sich aber über die Jahre nicht und wurde dann auch nach Ablauf des Urheberrechts von den Konkurrenzverlagen verwendet. Sogar der renommierte Killinger Verlag, der sonst nur Fachbücher für professionelle Köche herausbrachte, verlegte eine eigene Ausgabe des Scheibler'schen Kochbuches.

Das Interesse am Werk verlor sich urplötzlich. Nachdem der Amelang Verlag 1927 die 47. Auflage herausgab, druckte man 50 Jahre lang keine weiteren Exemplare - auch nicht in anderen Verlagen.

1977 verlegte Weltbild dann den ersten Nachdruck, dem etliche folgen sollten. Bis heute werden Reprints des Buches gedruckt.

  • Allgemeines deutsches Kochbuch für bürgerliche Haushaltungen, 5. Auflage, 1823, Digitalisat
  • Allgemeines deutsches Kochbuch für alle Stände, 17. Auflage, 1866, Digitalisat

Plagiate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1839 erschien ein „Neuestes vollständiges Berliner Kochbuch für bürgerliche Haushaltungen von Marie Schreiber“. Druck und Verlag von Wilhelm Pohl. Dieser setzte die erste Auflage zum Teil ab und überließ den Rest der Exemplare und sein Verlagsrecht käuflich an den Berliner Buchhändler Crantz. Dieser machte, ohne neue Exemplare drucken zu lassen, zu den ihm abgetretenen Exemplaren ein Vorwort und ein neues Titelblatt, welches das Werk als „Allgemeines deutsches Kochbuch für bürgerliche Haushaltungen von Marie Schreiber“ und als zweite, unveränderte, im Verlag des Crantz 1840 erschienene Auflage bezeichnet. Amelang sah dieses Werk als Nachdruck seines Verlagsartikels an und klagte gegen Pohl und Crantz beim Berliner königl. Kriminalgericht. In dem eingeleiteten Skrutinalverfahren bestritten beide Beklagten, die früher bei Amelang angestellt waren, dass ihr Kochbuch nachgedruckt sei. Pohl insbesondere behauptete, er selbst habe sowohl das bei Amelang erschienene Scheiblersche Kochbuch stilisieren helfen, als auch das Schreibersche Kochbuch verfaßt und den Namen Maria Schreiber nur erdichtet. Das königliche Kriminalgericht verlangte von dem literarischen Sachverständigen-Verein ein Gutachten darüber: ob die erste und zweite Auflage des Kochbuches der angeblichen Marie Schreiber ein Nachdruck des Scheiblerschen Kochbuches sei. Der genannte Verein entschied sich am 16. Sept. 1840 einstimmig dafür. aus: Allgemeine Preß-Zeitung: Annalen d. Presse, d. Literatur u.d ..., Band 2

Verwandtschaftliche Beziehungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wilhelmine Scheibler war eine weitläufige Tante von Henriette Davidis, aber auch mit den Familien Goethe, Krupp, Engels, Brockhaus und anderen berühmten Persönlichkeiten familiär verbunden.
Ihr Bruder war der in Berlin zu seiner Zeit bedeutende Erste Prediger der Luisenkirche zu Berlin Johann Heinrich Siegismund Koblanck (1751–1834), der Hofprediger der preußischen Könige Friedrich der Große und Friedrich Wilhelm III. sowie Hauslehrer der Brüder Humboldt. Ihr Neffe war David Emilius Heinrich Koblank, nach dem die Koblankstraße in Berlin benannt war. Sein Sohn Dr. Johann Heinrich Albert Koblanck (* 29. November 1821) war 20 Jahre der erste Hausarzt der Familie Fontane.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]