Sophienhöhe

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum gleichnamigen Baudenkmal und Hotel siehe Villa Sophienhöhe
Sophienhöhe
Sophienhöhe am Tagebau Hambach (bei Niederzier)

Sophienhöhe am Tagebau Hambach (bei Niederzier)

Höhe 301,8 m ü. NHN
Lage Kreis Düren, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
Gebirge künstliche Aufschüttung
Koordinaten 50° 55′ 55″ N, 6° 26′ 56″ OKoordinaten: 50° 55′ 55″ N, 6° 26′ 56″ O
Sophienhöhe (Nordrhein-Westfalen)
Sophienhöhe
Typ Teilweise rekultivierte Abraumhalde
Gestein Abraummaterial des
Tagebaus Hambach
Alter des Gesteins Tertiär
Rheinisches Braunkohlerevier

Rheinisches Braunkohlerevierbdep2

Aussichtsturm Römerturm auf dem Steinstraßer Wall (301,8 m)
Höller Horn (291,5 m)
Historische, preußische Meilensteine an Straße östlich von Stetternich mit im Hintergrund befindlicher Sophienhöhe
Sophienhöhe von Süden
Blick vom Römerturm südwestwärts in Richtung Aachen mit Kühltürmen des Kraftwerks Weisweiler (mittig)

Die Sophienhöhe, auch Monte Sophia genannt, ist eine durch den Abbau von Braunkohleflözen des Tagebaus Hambach entstandene rekultivierte Abraumhalde, die bei Jülich im Kreis Düren (Nordrhein-Westfalen) gelegen etwa 13 km² Fläche bedeckt und deren höchste Stelle auf 301,8 m ü. NHN[1] liegt. Der Name leitet sich aus den in der Nähe der heutigen Sophienhöhe gelegenen Gutsbetrieben Sophienwald und Sophienerde ab.[2]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sophienhöhe liegt − weithin sichtbar die Jülicher Börde überragend − direkt nördlich des Tagebau Hambach rund 6 km östlich von Jülich. Während ihr Großteil zu dessen Stadtgebiet gehört, befindet sich ihr Nordostteil im Gemeindegebiet von Titz und ihr Ost- und Südteil in jenem von Niederzier. Ihr größter Teil gehört zum Hambacher Forst, einem Waldgebiet zwischen den Ortschaften Stetternich, Hambach und Alt-Lich-Steinstraß.

Höhenlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sophienhöhe erhebt sich mit dem Charakter eines kleinen Höhenzugs, der die Landschaft im sonst eher ebenen Jülicher Raum deutlich prägt, durchschnittlich 200 m über die Umgebung. Ihre höchsten Stellen sind der Steinstraßer Wall (301,8 m), auf dem der kleine Aussichtsturm Römerturm () steht, das Höller Horn (291,5 m[1]) und der Jülicher Kopf (285,8 m[1]). Auf dem Erdboden ihrer Kuppe (also nicht auf dortigem Aussichtsturm) steht man etwa 595 m über dem Grund des Tagebaus, der derzeit bei zirka 293 m unter NHN liegt. Zwischen dem Steinstraßer Wall und dem nordnordöstlich gelegenen Dorf Höllen, das sich an der Kreuzung Landwehr/Ehrenstraße auf 83,8 m[1] befindet, sind es 218 m Höhenunterschied.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rheinbraun AG begann im Jahr 1978 mit dem oberirdischen Abbau von Braunkohleflözen im Bereich der Erft-Scholle im Rheinischen Braunkohlerevier. Der so entstandene Tagebau erhielt den Namen der nahegelegenen Ortschaft Hambach. Die auf diesen Flözen liegenden Schichten werden durch Schaufelradbagger abgetragen, durch kilometerlange Förderbandanlagen durch den Tagebau über den damaligen Hambacher Forst und Wiesen der heutigen Sophienhöhe befördert und dort durch einen Absetzer als Hochkippe abgelagert. Ein Verbringen in ältere Tagebaue wurde zeitweise über eine Bandstraße durchgeführt, wäre aber teilweise unwirtschaftlich gewesen. Heute wird der Abraum in die bereits ausgekohlten Teile des Tagebaus verkippt.

Grundbrüche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Netzwerk Bergbaugeschädigter wies im Januar 2012 die zuständige Bergbehörde[3] auf Grundbrüche an der Sophienhöhe hin.[4]

Es ist bekannt, dass es am Rand von Tagebauen nicht selten zu geologischen Störungen kommt. Im Juli 2009 machte das Unglück von Nachterstedt die Gefahren durch Hangrutschungen auch an ehemaligen Tagebauen erneut bekannt.[5]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der kleinen Zufahrtsstraße, die von Stetternich ostwärts zur Sophienhöhe führt, werden am Fuß der Abraumhalde historische, preußische Meilensteine präsentiert.

Die Tagebauerschließung war mit archäologischen Untersuchungen verbunden. So lag die Bundesstraße 55, deren Abschnitt zwischen Elsdorf und Jülich wegen des Tagebaus verlegt werden musste, auf der alten Ost-Westverbindung Via Belgica.

Ein Replikat eines bei Zülpich-Hoven gefundenen römischen Meilensteins mit einer Widmung an den Kaiser Konstantin der Große aus dem Jahr 325 erinnert an das römische Fernstraßennetz. Ein preußischer Obelisk mit zwei steinern Sitzbänken stand ursprünglich 5 preußische Meilen (37,662 km) westlich von Köln. Auf einem Kreisverkehr in der Nähe steht ein Replikat einer römischen Jupitersäule.

Natur, Freizeit und Erholung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits 1988 wurde mit der forstlichen Rekultivierung der Sophienhöhe begonnen, die längst zu einem Naherholungsgebiet geworden ist. Rund 90 % der Flächen sind bewaldet und forstlich bewirtschaftet, viele kleine Lichtungen und mehrere kleine Teiche sind eingestreut.

Mittlerweile gibt es um und auf der Abraumhalde ein über 70 km langes Netz von Wanderwegen, die zum Teil auch für Radfahrer und Reiter freigegeben sind. Auf der höchsten Stelle der Sophienhöhe (Steinstraßer Wall), steht der kleine Aussichtsturm Römerturm, der ein Nachbau eines römischen Wachturms ist und von dem man bis Köln, Düsseldorf, zum Siebengebirge, zur Eifel und in die Niederlande blicken kann. Südwestlich davon befinden sich ein Wildgehege und das alte Gipfelkreuz (ca. 265 m ü. NN),[6] das lange Jahre einen Hochpunkt der Sophienhöhe markierte, und von wo aus man vor der Erweiterung der Sophienhöhe nach 2002 in den Tagebau Hambach blicken konnte. In unmittelbarer Nähe wurde der Mammutwald mit Mammutbäumen angelegt. Auf ihrer Nordostflanke befand sich früher ein Startplatz für Gleitschirmflieger; in dieser Gegend steht die kleine Kuckuckshütte (ca. 246 m[1]) als eine von mehreren Schutzhütten der Halde. Zudem gibt es mehrere Rodelbahnen, mehrere Bergseen, und einen Kreuzweg. Auf dem nach 2002 entstandenen neueren Teil der Sophienhöhe befinden sich unter anderem ein Wetterradar (siehe Abschnitt Wetterradar) und ein keltisches Baumhoroskop.

Niederziers Bürgermeister stellte im November 2012 auf der Investorenmesse Expo Real in München eine Machbarkeitsstudie „Bergwelt Sophienhöhe“ vor.[7]

Jährlich findet der Monte-Sophia-Lauf statt, welcher einmal rund um bzw. über die Sophienhöhe führt. Er ist 28,5 km lang und gilt wegen seiner zahlreichen Steigungen als anspruchsvoller Lauf. Meist findet der Lauf Mitte August statt.

Wetterradar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Forschungszentrum Jülich nahm am 12. Oktober 2009[8][9] auf der Sophienhöhe ein Wetterradar in Betrieb.

Die markante Radaranlage ist auf einen etwa 34 m hohen Turm montiert. Sie liefert Daten über Niederschlagsart, -menge und -verteilung in einem Umkreis von etwa 60 km für das Forschungsprojekt Tereno.[10] Das polarimetrische Radar misst, anders als die herkömmlichen horizontal ausgerichteten Anlagen, auch vertikal und kann somit eine Niederschlagsvoraussage auf 200 m genau geben. Bisher lag die Genauigkeit bei etwa 1 km. Die ermittelten Daten dienen zur Vorhersage von Niederschlägen, der Art der Niederschläge und zur Windmessung. Neben den Forschungsinstituten und dem RWE werden die Daten auch den Wasserverbänden und dem Deutschen Wetterdienst zur Verfügung gestellt.

Die Radaranlage ist eine von vier in Deutschland, die von der Helmholtz-Gesellschaft betrieben werden. Finanziert wurde das 1,4 Millionen Euro teure Projekt durch die Helmholtz-Gemeinschaft.

Blick vom Römerturm auf dem Steinstraßer Wall mit Tagebau Hambach im Hintergrund

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Topographisches Informationsmanagement, Bezirksregierung Köln, Abteilung GEObasis NRW (Hinweise)
  2. E-Mail-Auskunft des RWE vom 21. August 2012‎
  3. Mittlere Landesbehörde der Bezirksregierung Arnsberg (Abteilung 8); früher Landesoberbergamt
  4. , in: Dürener Zeitung vom 17. Dezember 2012
  5. Artikel Nach dem Hangrutsch in Sorge, auf aachener-nachrichten.de, 20. Juli 2009
  6. Standorthöhe des alten Gipfekreuzes im Süden der Sophienhöhe laut Artikel Die Grünmetropole, auf niederzier.de
  7. Artikel Positive Signale für Bergwelt auf der Sophienhöhe, auf aachener-zeitung.de, vom 7. November 2012
  8. Jülicher Wetterradar misst bei Regen sogar die Tropfengröße, Artikel in der Jülicher Zeitung, 12. Oktober 2009
  9. Für Wissenschaftler und Wetterfrösche: Jülicher Wetterradar in Betrieb, auf fz-juelich.de
  10. Jülicher Wetterradar, Infos des Forschungsprojekts Tereno auf www.teodoor.icg.kfa-juelich.de

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang Gaitzsch: Römische Straße und preußische Meilensteine vor der Sophienhöhe bei Jülich (=Rheinische Kunststätten Bd. 375). Köln 1992. ISBN 3-88094-724-4
  • Wolfgang Hommel: Die Sophienhöhe und ihre Entstehungsgeschichte. Verlag Jos. Fischer, Jülich 2012. ISBN 978-3-87227-086-3 (Im April 2013 ist mit der ISBN 978-3-87227-088-7 eine leicht veränderte Neuauflage erschienen.)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sophienhöhe – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien