Sopron

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Sopron
Wappen von Sopron
Sopron (Ungarn)
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Basisdaten
Staat: Ungarn
Region: Westtransdanubien
Komitat: Győr-Moson-Sopron
Kleingebiet bis 31.12.2012: Sopron-Fertőd
Koordinaten: 47° 41′ N, 16° 36′ O47.68166666666716.591666666667Koordinaten: 47° 40′ 54″ N, 16° 35′ 30″ O
Fläche: 169,06 km²
Einwohner: 60.755 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte: 359 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: (+36) 99
Postleitzahl: 9400
KSH kódja: 08518
Struktur und Verwaltung (Stand: 2012)
Gemeindeart: Stadt
Bürgermeister: Tamás Fodor (Fidesz)
Postanschrift: Fő tér 1
9400 Sopron
Webpräsenz:
(Quelle: A Magyar Köztársaság helységnévkönyve 2011. január 1. bei Központi statisztikai hivatal)

Sopron [ˈʃɔprɔn] (deutsch Ödenburg, kroatisch Šopron) ist eine Stadt im Nordwesten von Ungarn, südwestlich des Neusiedler Sees. Das Stadtgebiet ragt wie ein Sporn in österreichisches Staatsgebiet. Sopron hat über 60.000 Einwohner und liegt im Komitat Győr-Moson-Sopron; das Stadtgebiet wird von der Ikva durchflossen.

Die Stadt ist etwa 60 km von Wien und 220 km von Budapest entfernt. Sie zählt zu den ältesten Städten Ungarns und bildet eine Brücke zwischen Ungarn und seinen westlichen Nachbarn. Sopron ist Universitätsstadt, so wurde in Sopron im Jahre 1735 die Westungarische Universität gegründet.

Etymologie[Bearbeiten]

Eine der frühesten Erwähnungen der Siedlung stammt aus den Aufzeichnungen Geographia des Ptolemaios (* um 100 bis † um 175 n. Chr.) unter dem Namen Σχαρβαντἰα (transkr. Scharbantia) bzw. Σκαρβαντἰα (transkr. Skarbantia)[1] nach Quelle auch Σακαρβαντἰα (transkr. Sakarbantia),[2] aus lateinischen Quellen Scarbantia oder Scarabantia.

Geschichte[Bearbeiten]

Luftbild
Österreichisches Propagandaplakat zur Volksabstimmung in Ödenburg

Das Gebiet um Sopron war bereits in der frühen Eisenzeit besiedelt. Aus der Hallstattzeit stammen die Kalenderbergurnen, die den Ort in der archäologischen Welt bekannt gemacht haben. Die Römer gründeten an der Stelle des heutigen Sopron die Siedlung Scarbantia, einen Handelsplatz an der Bernsteinstraße. Anstelle der römische Befestigung wurden im Mittelalter die Stadtmauern erbaut. Der heutige Marktplatz war das ehemalige römische Forum.

In der Zeit der Völkerwanderung war die Stadt eine Wüstung, bis sie im 10. Jahrhundert von eingewanderten magyarischen Stämmen wieder neu besiedelt wurde.

1277 erhielt Sopron den Titel einer königlichen Freistadt, als es sich der Belagerung durch König Ottokar von Böhmen widersetzte.

1459–1462 war die Stadt vorübergehend von habsburgisch, wurde aber mit dem Frieden von Ödenburg wieder Ungarn zugesprochen.

1526 fiel mit Ungarn auch Ödenburg per Erbgang an Habsburg. Ödenburg verblieb aber im ungarischen Reichsteil der Habsburger Monarchie.

1529, während der ersten Wiener Türkenbelagerung, konnte sich die Stadt erfolgreich gegen eine Besetzung durch die osmanischen Truppen wehren, während das Umland von den belagernden Truppen geplündert wurde.

Ein Feuer zerstörte im Jahr 1676 weite Teile der Stadt. Daraufhin wurde die Stadt im Barock-Stil wiederaufgebaut, was auch heute noch das Stadtbild prägt.

Bei der zweiten Wiener Türkenbelagerung ergab sich im Jahre 1683 die Stadt Ödenburg der osmanischen Streitmacht unter Kara Mustafa. Nach dem Sieg der kaiserlichen Truppen (HRR) über die osmanische Streitmacht huldigten die Ödenburger Stadtväter dem römisch-deutschen Kaiser in Wien.

Im 17. Jahrhundert wurden in der Geißkirche die Vizekönige Ungarns gekrönt, zudem fanden dort die Reichstage statt.

1896 wurde anlässlich der Feierlichkeiten zur eintausendsten Wiederkehr der Einwanderung der Magyaren unter Großfürst Árpád im Jahr 896 (Ungarisches Millennium) das Rathaus errichtet.

Nach dem Ersten Weltkrieg sollte Sopron Hauptstadt vom neu gebildeten österreichischen Bundesland Burgenland werden, was die Volksabstimmung in Ödenburg verhinderte.

Im Juli 1944 wurden 1885 jüdische Bürger nach Auschwitz deportiert. Die orthodoxe jüdische Gemeinde hörte nach 1956 auf zu bestehen.

Bei Sopron fand am 19. August 1989 das Paneuropäische Picknick statt, bei dem 661 DDR-Bürger über die Grenze nach Österreich in die Freiheit gelangten. Am Ort dieses Ereignisses werden jährlich Gedenkfeiern veranstaltet.

Heute ist Sopron ein aufstrebender Wirtschaftsstandort in Westungarn, der wirtschaftlich eng mit dem Nachbarland Österreich verbunden ist. In den 1990er Jahren war die Stadt ein attraktives Einkaufsziel für die Bewohner des Ballungsraumes Wien. Dies brachte der Stadt auch den Spitznamen Shop-ron ein, was der ungarischen Aussprache entspricht.

Bevölkerung[Bearbeiten]

1910 hatte Sopron 33.932 Einwohner (51,0 % Deutsche, 44,3 % Ungarn, 4,7 % andere). Die Religionszugehörigkeiten waren: 64,1 % römisch-katholisch, 27,8 % lutherisch, 6,6 % jüdisch, 1,2 % kalvinistisch, 0,3 % andere.[3]
Die Volkszählung 2001 ergab 56.125 Einwohner (92,8 % Ungarn, 3,5 % Deutsche/Österreicher, 3,7 % andere),[4] die Volkszählung 2011 dagegen 60.548 Einwohner, von denen sich 51.456 als ethnische Ungarn (85 %) und 3448 als Ungarndeutsche (5,7 %) erklärten.[5]

Bei den Religionen ergaben sich 2001 folgende Anteile: 69 % römisch-katholisch, 7 % lutherisch, 3 % kalvinistisch, 8,1 % atheistisch, 11,9 % ohne Antwort, 1 % andere.[6][7]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Profanbauten[Bearbeiten]

Bedeutende Profanbauten sind das Konferenz- und Kulturzentrum der Stadt - Konferenz- und Kulturzentrum Franz Liszt, das Gambrinus-Haus, das heutige Rathaus, das Petőfi Theater oder das Postgebäude. Die Rákóczi Straße zeigt monumentale Bauten im Stil des Historismus und Eklektizismus. So das K. u. k. Officierstöchter-Erziehungs-Institut. Andere Gebäude sind das Doppelhaus Rákóczi Straße 37-39 und das Museum Rákóczi Straße 53[8]

Es gibt auch moderne und zeitgenössische Architektur:

Sakralbauten[Bearbeiten]

Bedeutende Sakralbauten sind:

Andere Sakralbauten sind die Orthodoxe Synagoge und die Alte Synagoge.

Andere Bauten[Bearbeiten]

Im Stadtteil Balf gibt es schwefelwasserstoffhaltige Heilquellen, die schon den Römern ein Begriff waren. Deshalb entstand hier ein Heilbad, welches Bewegungs-, Wannen-, Kohlensäure- und Unterwassertraktionsbäder sowie Unterwasserstrahlmassage, Heilgymnastik, Elektrotherapie und Kneipp-Behandlungen anbietet. Behandelt werden können hier orthopädische und neurologische Krankheitserscheinungen.

In Sopron befindet sich ein in den Geowissenschaften bekanntes Forschungsinstitut der ungarischen Wissenschaftsakademie, das GGRI (Geodetic and Geophysical Research Institute).

Museen und Kunstsammlungen[Bearbeiten]

Unter den Soproner Museen ist die Sammlung des Aquarellisten József Soproni Horváth (1891–1961) zu nennen. In der Balfi u. 11 befindet sich die Privatsammlung Zettl-Langer, die die künstlerische und Sammeltätigkeit des Likörfabrikanten Gustav Zettl (1852–1917) dokumentiert. Sie ist seit 1955 öffentlich zugänglich und bietet ein nahezu unversehrtes Beispiel des Lebensstils des Soproner Bürgertums um 1890.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Im frühen Mittelalter war der Raum Sopron ein Zentrum der Eisenverhüttung. Heute sind die wichtigsten Wirtschaftszweige der Region Tourismus, Forst- und Holzwirtschaft und Weinbau. Zwei Industrie- und Innovationsparks haben sich in Sopron angesiedelt.

Verkehr[Bearbeiten]

Sopron ist straßenseitig erreichbar durch die ungarische Fernstraße 84 aus den Richtungen Szombathely (Südosten) und Eisenstadt (Nordwesten). Nach dem Grenzübergang Klingenbach mündet diese Straße in Österreich in die Ödenburger Straße B 16 bzw. in die Südost Autobahn A 3 in Richtung Wien. In Richtung Györ (Osten) verläuft die Fernstraße 85, welche erst wenige Kilometer östlich der Stadt, bei Nagycenk beginnt. Aus Süden erreicht die österreichische Deutschkreutzer Straße B 62 nahe Deutschkreutz die ungarische Fernstraße 861, die ebenfalls in die Fernstraße 84 bei Kophaza einmündet. Geplant ist, das ungarische Autobahnnetz durch den Neubau der Autobahn M85 nahe Sopron an die österreichische Autobahn A 3 anzuschließen.

Bahnseitig erreichen fünf Strecken den Bahnhof Sopron, der auch Hauptbetriebsstelle der Raaberbahn (RÖEE; ungar. GySEV) ist:

Damit bildet die Strecke der ÖBB-Burgenlandbahn durch das ungarische Staatsgebiet eine Korridorstrecke.

Der Güterbahnhof (links und Mitte) und der Terminal samt Verladestelle für die Rollende Landstraße (rechts) in Sopron, die von der GySEV betrieben werden.

Der nächste Flugplatz befindet sich in Fertőszentmiklós. Die nächstliegenden Verkehrsflughäfen sind Wien und Bratislava.

Partnerstädte[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

David-Zwi Pinkas,
israelischer Regierungsminister

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sopron – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Claudii Ptolemei Geographia I–III. Reprographischer Nachdruck C.F.A. Nobbe Leipzig 1843–45, Georg Olms Verlag, Hildesheim 1966, S. 129.
  2. Alfred Stückelberger, Gerd Graßhoff (Hrsg.): Ptolemaios, Handbuch der Geographie. Schwabe Verlag, Basel 2006, S. 244f.
  3. 1910 census (English)
  4. 2001 census - Nationalities (Hungarian)
  5. Népszámlálás 2011 (PDF; 1,9 MB), S. 194, 189.
  6. 2001 census - Religions (Hungarian)
  7. Historical population of Győr-Moson-Sopron (Hungarian Central Statistical Office)
  8. http://index.sopron.hu/ujt/Ujtkulv.html Index kulturhistorischer Gebäude
  9. Eisenbahn-Baunachrichten. (…) Bahnbau in Sopron (Oedenburg). In: Der Bauinteressent, Jahrgang 1918, Nr. 28/1918 (XXXV. Jahrgang), S. 221. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wbz.