Soumaïla Cissé

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Soumaïla Cissé, 2012

Soumaïla Cissé (* 20. Dezember 1949 in Niafunké in der Region Timbuktu) ist ein malischer Politiker.[1] Er scheiterte mehrmals in der Stichwahl für das Präsidentenamt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Soumaïla Cissé studierte Informatik am Institut des Sciences de l’Ingénieur der École polytechnique universitaire der Universität Montpellier II.[2] Er arbeitete für verschiedene große Firmen wie IBM-France, Pechiney, le Groupe Thomson und die französische Fluggesellschaft Air Inter, bevor er 1984 nach Mali zurückkehrte, um für die Compagnie malienne pour le développement des textiles (CMDT), einem Unternehmen des Baumwollsektors, zu arbeiten.[3] Seit der Gründung der ADEMA-PASJ war er Aktivist dieser Partei und wurde nach der Wahl von Alpha Oumar Konaré 1992 bei den ersten freien Wahlen seit der Unabhängigkeit von Frankreich Generalsekretär der Präsidentschaft der Republik.[3] 1993 wurde Cissé Minister der Finanzen und des Handels, 1994 nach einer Regierungsumbildung Finanzminister, dann im Jahr 2000 Minister für Infrastruktur, Raumordnung, Umwelt und Stadtplanung in der Regierung von Mandé Sidibé.[3] Soumaïla Cissé wurde zum dritten Vize-Präsidenten der ADEMA-PASJ gewählt.

Im Januar 2002 trat er von seinem Kabinettsposten zurück, um sich auf die Vorbereitung für die Präsidentschaftswahlen zu konzentrieren. Er wurde von der ADEMA-PASJ als Kandidat für die Nachfolge von Konare nominiert, der nicht mehr zur Wahl antreten konnte, da die Verfassung Malis die Amtszeit des Präsidenten auf zwei Perioden begrenzt. Amadou Toumani Touré ging als Sieger aus der ersten Wahlrunde hervor. In der Stichwahl unterlag Cissé mit etwas weniger als 35 % der Stimmen.[4]

Angesichts innerparteilicher Zerwürfnisse und der mangelnden Unterstützung durch den Alt-Präsidenten Konaré verließ er ADEMA-PASJ im Juni 2003 und gründete mit einigen Aktivisten die Union pour la République et la Démocratie (URD), deutsch etwa „Union für die Republik und die Demokratie“.[1]

Soumaïla Cissé arbeitete als Präsident der Westafrikanische Wirtschafts- und Währungsunion (UEMOA). Bereits 2012 galt er als ein Favorit für die Präsidentschaftswahlen im April des Jahres.[1] Diese wurden jedoch aufgrund des Putsches abgesagt.[5] Cissé trat bei den darauf folgenden Wahlen 2013 für die URD an und gewann nach Ibrahim Boubacar Keïta die meisten Stimmen. Da Keïta nicht die absolute Mehrheit erreichte, trat er gegen Cissé bei der Stichwahl am 11. August an. Nach Auszählung von ca. zwei Dritteln der Stimmen gestand Cissé vorzeitig seine Niederlage ein und gratulierte Keïta zum Sieg.[6]

Bei der Präsidentschaftswahl im August 2018 wurde er erneut im zweiten Wahlgang von Keïta geschlagen; Cissé erhielt knapp 33 % der Stimmen.[7]

Am 26. März 2020, wenige Tage vor der am 29. März durchgeführten Parlamentswahl, wurde Cissé in Timbuktu gewaltsam entführt, dabei kam einer seiner Bodyguards ums Leben und zwei weitere wurden verletzt.[8] Im Oktober 2020 wurde Cissé freigelassen.[9]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Cherif Ouazani: Soumaïla Cissé enfin libre…. Jeune Afrique. 10. Juni 2011. Abgerufen am 2. August 2013.
  2. Tanguy Berthemet: Mali : le combat feutré de Soumaïla Cissé , in Le Figaro, Mittwoch, 7. August 2013, S. 5.
  3. a b c R-J Lique: Soumaïla Cissé - biographie. Afrique Express. Archiviert vom Original am 4. August 2013. Abgerufen am 2. August 2013.
  4. Pierre Boilley: Présidentielles maliennes : l’enracinement démocratique? (PDF; 104 kB) Politique africaine, vol.86. 2002. Abgerufen am 2. August 2013.
  5. Thomas Scheen, Johannesburg: Militärputsch gegen Präsident Touré. In: FAZ.net. 22. März 2012, abgerufen am 16. Dezember 2014.
  6. Erfolg bei Stichwahl in Mali: Keita siegt und erbt große Probleme (Memento vom 15. August 2013 im Internet Archive) bei tagesschau.de, 13. August 2013 (abgerufen am 13. August 2013).
  7. Mali’s president wins runoff vote with more than 67 per cent. news24.com vom 16. August 2018 (englisch), abgerufen am 16. August 2018
  8. Mali opposition leader taken hostage with six others: party. In: Reuters. 26. März 2020, abgerufen am 28. März 2020 (englisch).
  9. tagesschau.de: Mali: Vier Geiseln nach langer Gefangenschaft frei. Abgerufen am 9. Oktober 2020.