Souvenir

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Souvenirstand in London
Souvenirverkäuferin in Namibia
Tasse der Porzellanmanufaktur Fürstenberg mit der Aufschrift: Olympiade Berlin 1936. Der Hort des Friedens
Souvenirverkäufer in Teotihuacán (Mexico)
Schreibmappe, Souvenir, Datierung: um 1870, im Bestand des MEK

Ein Souvenir (zu französisch le souvenir, 'Erinnerung", bzw. französisch se souvenir, ‚sich erinnern‘ in der Bedeutung ‚Erinnerungsstück‘, dann speziell ‚Mitbringsel‘) ist ein Gegenstand, der als Erinnerung an ein bestimmtes Ereignis, einen Ort oder eine Person mitgenommen und aufbewahrt wird.[1] Das Wort stammt aus dem Französischen und bedeutet hier Erinnerung, Andenken. Im Unterschied zu einer Trophäe werden Souvenirs meist für sich und die Daheimgebliebenen oft im Urlaub käuflich erworben. Hierbei handelt es sich häufig um etwas Landestypisches. Aber auch Tassen (Sammeltasse), T-Shirts, Aschenbecher, Schlüsselanhänger, Schneekugeln, Salz- und Pfefferstreuer, Stocknägel, umgeprägte Münzen oder verfremdete Banknoten und Wappenanhänger etc. mit Namensaufdrucken der besuchten Orte oder Abbildungen derselben sind beliebt. In vielen Urlaubsregionen stellt der Verkauf von Souvenirs an Touristen eine feste Einnahmequelle für die Einheimischen dar. Häufig sind auch Miniaturen bekannter Bauwerke wie des Eiffelturms, des Brandenburger Tors, des Kölner Doms usw.

Souvenirs schaden, wenn Touristen kulturelle Kostbarkeiten, seltene Tiere, Pflanzen oder sogar „nur“ Steine mitnehmen. Einige Staaten sehen drakonische Strafen für die unerlaubte Ausfuhr solcher Stücke vor. In dem Zusammenhang kann verwirren, dass sich echte Kulturgüter (zum Beispiel antike Stücke) oft kaum von speziell als Souvenirs angefertigten Kopien unterscheiden lassen.

Auch wird Souvenir manchmal scherzhaft gebraucht, so kann ein Sonnenbrand ein unangenehmes Souvenir aus dem Süden sein, gar eine Schwangerschaft ein lebenslanges Andenken bedeuten.

Rezeption in der Kunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der amerikanische Schlagersänger Bill Ramsey landete mit seinem Musiktitel Souvenirs, Souvenirs im Jahre 1959 einen großen Hit. Der Text beschreibt in ironischer Art und Weise das Wesen von Souvenirs.

Künstlerisch setzte sich das Künstler-Duo Andreas Eucker und Frank-Udo Tielmann mit dem Souvenir auseinander. In der Kunsthalle Bielefeld platzierten sie 1992 einen oktogonalen Pavillon, in dem sie industriell gefertigte Souvenirs drapierten. Sie wiesen durch eine konsequente Selbstverkitschung auf den Zusammenhang von Tourismus, Kunst und Verkitschung der Kunst durch die Museen selbst hin. Die Differenzierung zwischen Original und Souvenir wurde aufgehoben. Die Ausstellungsstücke konnten in identischer Form am Kiosk des Museums erworben werden.

Das Museum für Angewandte Kunst und das Museum für Kommunikation in Frankfurt am Main hatten mit wortreichem Katalog bis Herbst 2006 eine gemeinsame Ausstellung über diese Krücken der Erinnerung.

Soziologie und Psychologie des Souvenirs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Souvenir-Stand auf dem Petersplatz in Rom

Nicht per se werden Souvenirs käuflich erworben. Als Fundstücke etwa (zum Beispiel Strandgut, Steine, Lacksplitter oder herausgebrochene Fragmente von bekannten Bauwerken, zum Beispiel durch Mauerspechte) konstituieren sie ihre Bedeutung durch die Zuschreibung des Souvenirbesitzers, sind also nicht als solche generell als Souvenirs zu erkennen. Die Bevorzugung solcher Andenken scheint auch mit einer Abgrenzung von der kommerzialisierten Souvenirindustrie zusammenzuhängen.

Oft wird der reine Andenkencharakter eines Souvenirs überschritten. So kann ein Souvenir gleichzeitig eine Devotionalie sein (die in einem Wallfahrtsort erworben wurde) oder eine politische Aussage beinhalten. Etwa wird eine Miniatur des Voortrekkerdenkmals in Pretoria als Bekundung für das „weiße“ Südafrika verstanden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andreas Beyer u. a.: Der Souvenir: Erinnerung in Dingen von der Reliquie zum Andenken. Wienand Verlag, Köln 2006, ISBN 978-3879098927.
  • Markus Evers/Rudolf Holbach (Hrsg.): Zurückdenkstücke. Was vom Erleben übrig bleibt. Carl Schünemann Verlag, Bremen 2015. ISBN 3-95606-180-2. (Digitalisat)
  • Michael Hitchcock (Hrsg.): Souvenirs: the material culture of tourism. Aldershot 2004, ISBN 0-7546-1055-1.
  • Noga Collins-Kreiner/Yael Zins: Tourists and souvenirs: changes through time, space and meaning. in: Journal of Heritage Tourism, vol. 6/1, 2011, S. 17–27.
  • Antonio Pinelli: Souvenir: l’industria dell'antico e il grand tour a Roma. Rom 2010. ISBN 978-88-420-9417-3.
  • Städtisches Museum Göttingen: "Wenn einer eine Reise tut ...": Reiseandenken gestern und heute. Göttingen 1999. ISBN 3-88452-790-8.
  • Kristen K. Swanson/Dallen J. Timothy: Souvenirs: Icons of meaning, commercialization and commoditization. in: Tourism Management, vol. 33/3, 2012, S. 489–499.
  • Ingrid Thurner: Kunst für Touristen. Die Welt der Reisenden im Souvenir. in: Sociologus, N. F. vol. 44/11, 1994, S. 1–21.
  • Hugh Wilkins: Souvenirs: What and Why We Buy. in: Journal of Travel Research, vol. 50/3, 2011, S. 239–247.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Souvenirs – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
WiktionaryWiktionary: Souvenir – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ingrid Thurner: Das Souvenir als Symbol und Bedürfnis, in: Wiener Völkerkundliche Mitteilungen, N. F. Bd. 36/37, 1995, S. 105–122.