Soziale Homophilie

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Soziale Homophilie ist die Tendenz von Individuen, mit ähnlichen anderen zu interagieren oder Beziehungen und Bindungen aufzubauen. Ähnlichkeit kann sich dabei auf Merkmale wie Geschlecht, ethnische Herkunft, sozioökonomischen Status oder Bildungsgrad beziehen. Zusammengefasst wird das Phänomen oft mit dem Sinnspruch "Gleich und gleich gesellt sich gern."

Kategorisierung[Bearbeiten]

Paul F. Lazarsfeld kategorisierte die Dimensionen von Homophilie in Status-Homophilie und Werte-Homophilie.[1] Status-Homophilie beschreibt relativ stabile und eher augenscheinliche Merkmale oder Dimensionen wie Ethnie, Geschlecht, Alter oder soziale Klasse. Werte-Homophilie bezieht sich hingegen auf veränderbare und weniger offensichtliche Dimensionen wie Einstellungen, Überzeugungen und Wünsche.

Eine weitere wichtige Kategorisierung zur Messung von Homophilie wurde von McPherson eingeführt.[2] Sie unterscheiden zwischen Baseline-Homophilie und Inbreeding-Homophilie. Baseline-Homophilie ist ein Maß für die Ähnlichkeit einer Gruppe, die durch Zufall ohne das Zutun der Mitglieder der Gruppe zu erwarten ist. Ein klassisches Beispiel ist die homogene Altersverteilung von Schulkindern in einer Klasse. Die Inbreeding-Homophilie ist ein Maß, das beschreibt, wie groß die Ähnlichkeit von Gruppen ist, die über die zufällig erwartete Ähnlichkeit hinausgeht.

Vor- und Nachteile[Bearbeiten]

Die Bildung homophiler Gruppen führt zu einer erleichterten Kommunikation innerhalb der Gruppe sowie zu erleichterter Koordination von Handlungen und Aktivitäten.[3] Gleichzeitig wird jedoch das Auftreten ungünstiger Gruppenprozesse wie Gruppendenken begünstigt und es kommt zu einem selektiven Informationsgewinn.[4]

Soziale Homophilie in der Netzwerkforschung[Bearbeiten]

Aktuell gewinnt das Konzept der Homophilie vor allem in der Netzwerkforschung an Bedeutung. Wahrgenommene Ähnlichkeit beeinflusst die wahrgenommene Attraktivität und die resultierende Ähnlichkeitsselektion führt zur Bildung homophiler Netzwerkmuster.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lazarsfeld, P. F. und Merton, R. K. (1954). "Friendship as a Social Process: A Substantive and Methodological Analysis". In: Freedom and Control in Modern Society. S. 18–66.
  2. McPherson, M.,Smith-Lovin,L. & Cook,J.M.Birds of a Feather: Homophily in Social Networks. In: Annual Review of Sociology, 27, 2001, S. 415-444.
  3. Cohen, J. Sources of peer group homogenity. In: Sociology of Education. 4, 1977, S. 227-241.
  4. Esser, J.K. Alive and Well after 25 Years: A Review of Groupthink Research. (PDF; 164 kB) In: Organizational behavior and human decision processes. Vol. 73, 1998, S. 116-141.