Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend

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Basisdaten
Gründungsdatum: 5. Mai 1968
Mitglieder: 500 (Stand: 2014)[1]
Vorsitzender: Paul Rodermund[2]
Sitz: Essen [3]
Ausrichtung: kommunistisch
marxistisch-leninistisch
Gliederung: 14 Landesverbände[4]
Internationale Verbindungen: Weltbund der Demokratischen Jugend
Website: www.sdaj-netz.de

Die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) ist ein marxistisch-leninistisch orientierter Jugendverband. Der Verband ist eine offiziell eigenständige Nebenorganisation der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP).[5] Laut Verfassungsschutzbericht aus dem Jahr 2014 ist die SDAJ formal unabhängig, betrachtet sich aber als Nachwuchsorganisation der DKP, sie wird unter der Rubrik „Linksextremistische Bestrebungen und Verdachtsfälle“ aufgelistet[1] und wurde durch den Verfassungsschutz des Landes Niedersachsen 2009 als linksextremistisch eingestuft.[6]

Programmatik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach eigenem Bekunden vertritt die SDAJ die Gesamtinteressen der arbeitenden und lernenden Jugend. Politischer Schwerpunkt sei die „Arbeiterjugendpolitik“, d. h. Öffentlichkeitsarbeit und Aktionen zur Situation der Azubis in Deutschland. Dazu kommen verschiedene Themenfelder antikapitalistischer Politik, unter anderem antifaschistische und antimilitaristische Arbeit[7]. Die Themen Antirassismus, Internationalismus, Bildungspolitik und Kürzungen in der Finanzierung der Jugendarbeit sind weitere Schwerpunkte. Die SDAJ fordert die Gesamtschule, eine Klassenstärke von maximal 20 Schülern sowie eine Abschaffung von Kopfnoten. Sie spricht sich auch für eine zukunftsorientierte, demokratische und solidarische Hochschulbildung aus. Sie ist gegen Studien- und Semestergebühren wie auch gegen den Numerus clausus.

Organisationsstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SDAJ-Gruppen in der Bundesrepublik Deutschland (Stand: August 2012)

Die Mitglieder sind im Alter von 14 bis 30 Jahren. Die SDAJ gliedert sich in Ortsgruppen, Kreisverbände und Landesverbände, wobei die SDAJ in den Bundesländern Sachsen-Anhalt und Saarland nicht vertreten ist.[8] Insbesondere in den neuen Bundesländern ist die SDAJ kaum aktiv.

Bundesvorsitzende der SDAJ[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeitraum Name
1968–1974 Rolf Priemer[9] und Walter Möbius (Stellvertreter)[10]
1974–1979 Wolfgang Gehrcke
1979–1982 Werner Stürmann und Vera Achenbach (Stellvertreterin)[11]
1982–1984 Werner Stürmann und Hans Kluthe (Stellvertreter)[12][13]
1984–1989 Birgit Radow und Hans-Georg Eberhard (Stellvertreter)[14]
1989–1994 Patrik Köbele
1994–2000 Michael Götze
2000–2004 Tina Sanders und Jürgen Wagner
2004–2006 kollektive Leitung
2006–2008 Michael Grüß
2008–2013 Björn Schmidt
seit 2013 Paul Rodermund

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1968 bis 1977[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die SDAJ wurde am 5. Mai 1968, dem 150. Geburtstag von Karl Marx, von Jugendlichen und jungen Mitgliedern der verbotenen KPD – noch vor der DKP-Neukonstituierung am 25. September 1968 – gegründet. Mitbegründer war unter anderem Reinhard Junge.

Die SDAJ versuchte unter anderem, in den infolge der Studentenbewegung 1968 entstandenen sozialen Bewegungen mitzuwirken. Auch eine große Anzahl von Lehrlingen war politisch aktiv geworden, um die Qualität ihrer Ausbildung und ihre Existenzbedingungen politisch zu verbessern. Die SDAJ ging aus der „Lehrlingsbewegung“ hervor, dabei wirkte sie für eine politische Ausrichtung und eine internationale Klassensolidarität. Gerade gegen die autoritäre Staatsführung kämpfte sie die politische Selbstorganisation der arbeitenden und lernenden Jugend durch. Seit der Gründung der DKP kooperiert die SDAJ mit der kommunistischen Partei, ohne ihre Eigenständigkeit als Jugendverband aufzugeben. Die SDAJ wurde zu einem der führenden linken Jugendverbände in Deutschland und war in der Öffentlichkeit in vielen Feldern politisch wahrnehmbar – beispielsweise auch in Aktionen gegen Fahrpreiserhöhungen („Rote Punkt-Aktionen“). Eigenen Angaben zufolge hatte sie zeitweise mehr als 35.000 Mitglieder.

Verbandsorgan der SDAJ war die von ihren Mitgliedern verkaufte Zeitschrift elan, deren Erscheinen nach Abbruch der Finanzierung durch die SED eingestellt wurde.[15] Seit 1972 veranstaltet der Verband in jährlichem Wechsel zentrale und dezentrale Pfingstcamps.

Aktion der SDAJ auf einer Demonstration zum 1. Mai 2006

1978 bis 1987[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die SDAJ veranstaltete von 1978 bis 1988 zusammen mit dem Marxistischen Studentenbund Spartakus (MSB) alle zwei Jahre jeweils Mitte Mai auf dem Gelände der Dortmunder Messe das Festival der Jugend. Dort traten zahlreiche, auch international bekannte, Künstler auf; beispielhaft sei das 1978er-Festival genannt mit Künstlern wie u. a. Jutta Weinhold, Snowball, Udo Lindenberg, Puhdys oder dem Titi-Winterstein-Quintett. Ebenso fanden politische Diskussionsveranstaltungen statt. Nach Angaben der SDAJ nahmen hieran mehrere 100.000 Besucher teil.

Bis zur Deutschen Wiedervereinigung bestanden enge Kontakte zwischen der SDAJ und der FDJ, die als Geschwisterorganisation betrachtet wurde. So hatte beispielsweise jeder Landesverband der SDAJ einen Freundschaftsbezirk in der DDR, in den regelmäßige Fahrten unternommen wurden, um das Leben in der DDR näher kennenzulernen. Außerdem wurde ein Teil der Öffentlichkeitsmaterialien und Infrastruktur über DDR-Gelder finanziert.

In den 1980er Jahren spielte die Friedensbewegung eine große Rolle.

1988 bis 1997[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1988 wurden Konflikte innerhalb des Verbandes öffentlich deutlich, als innerhalb von DKP und SDAJ zunehmend Reform-Positionen an Stärke gewannen[16]. Das führte beim SDAJ-Bundeskongress 1989 zur Spaltung der Organisation, als sich die Mehrheit der Delegierten für einen Antrag aussprach, der den Verband als marxistische Arbeiterjugendorganisation bewahren wollte. Die unterlegene Strömung um die Bundesvorsitzende Birgit Radow verließ daraufhin den Kongress. Es gelang ihr jedoch nicht, neue bundesweite Strukturen aufzubauen. Viele ihrer ehemaligen Führungsmitglieder fanden eine neue Heimat in den Jugendstrukturen der PDS. Die Führung der SDAJ übernahm ein Bundesarbeitsausschuss um Patrik Köbele. Die SDAJ wurde also als marxistisch-leninistische Organisation über die Zeit der deutschen Wiedervereinigung hinweg bewahrt.

Mit der Wende und friedlichen Revolution in der DDR und der deutschen Wiedervereinigung spitzte sich die Krise in der SDAJ zu. Ebenso wie die DKP hatte sie einen rasanten Mitgliederschwund durch Austritte zu verzeichnen. Nach dem Ende der Finanzierung durch die DDR mussten Zeitungen und Ferienobjekte aufgegeben, hauptamtliche Mitarbeiter entlassen werden. Bis ca. 1993 blieb die SDAJ faktisch „kopflos“, sodass die Bundeszentrale mit ständig wechselnder Besetzung bei der Auflösung von Kreisverbänden, Ortsgruppen und Bezirks-/Landesverbänden oftmals lediglich zuschauen konnte. 1994 begann die Neuorganisation und Reaktivierung von Kreis- und Ortsverbänden und der Wiederaufbau von Landesstrukturen, wobei jedoch zahlreiche Rückschläge nicht ausblieben.

Mit der Position kam bald wieder ein zentrales Theorie- und Debattenorgan des Verbandes heraus, das zugleich eine große finanzielle Herausforderung darstellt. Die Gewinnung neuer Abonnenten wurde bald zu einem zentralen Thema vieler SDAJ-Aktionen. Immerhin gelang es ab Ende der 1990er Jahre, viele Ortsgruppen zu stabilisieren und neue zu gründen, etwa in Leipzig, Dresden, Gera, Potsdam, Rostock, Gadebusch und Berlin, so dass sich im Verlauf dieser Jahre die Mitgliederzahlen konsolidieren konnten.

Zur heutigen FDJ bestehen nur noch beschränkte Kontakte.

1998 bis heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2004 zog die SDAJ-Aktivistin Johanna Scheringer-Wright auf der Liste der PDS in den Thüringer Landtag ein. Im selben Jahr errang der ehemalige SDAJ-Bundesvorsitzende Wolfgang Gehrcke ein Direktmandat für den Brandenburger Landtag und 2005 ein Bundestagsmandat, ebenso wie das ehemalige SDAJ-Mitglied Gert Winkelmeier (beide Die Linke).

Die Mitgliederentwicklung weist nach Angaben der SDAJ und von internen Quellen des Verfassungsschutz seit einigen Jahren wieder eine leicht steigende Tendenz auf. Die Mitgliederzahl wurde im Verfassungsschutzbericht 2007 bundesweit mit „rund 300“[17] angegeben. Im Verfassungsschutzbericht 2014 sind 500 Mitglieder angegeben.[1]

Aufgrund des leichten Mitgliederzuwachses findet seit 2008 nach zwanzigjähriger Pause alle zwei Jahre ein Festival der Jugend, im Wechsel mit den drei regionalen Pfingstcamps, im Kölner Jugendpark statt.

2009 war die SDAJ an der Organisation und Durchführung der bundesweiten Bildungsstreiks beteiligt und engagierte sich in der Schülerpolitik, wie bspw. dem Aufbau von LSV (Landesschülervertretungen) bzw. BSV (Bundesschülervertretungen).

Die SDAJ sieht sich als Stützpfeiler der Nachwuchspolitik der DKP und des VVN-BdA. Im Sommer 2010 nahm eine SDAJ-Delegation an den „17. Weltfestspielen der Jugend und Studierenden“ in Pretoria (Südafrika) teil. Berührungspunkte hat sie auch zur Partei Die Linke.

Ende Februar 2010 wurde dem syrischen Immigranten Aram A. aufgrund seiner Mitgliedschaft in der SDAJ die Einbürgerung verweigert.[18]

Im Oktober 2011 führte die SDAJ ihren 20. Bundeskongress in Hannover durch. Neben der Wahl des neuen 33köpfigen Bundesvorstands, dem Björn Schmidt weiterhin als Vorsitzender angehört, wurde auch die antifaschistische Kampagne »Nazifreie Zonen« beschlossen. Im Rahmen dieser Kampagne, die bis zum Juni 2012 läuft, sollen vor allem in Schulen und Betrieben in Zusammenarbeit mit lokalen Bündnissen, Schülervertretungen und der Gewerkschaftsjugend »nazifreie Zonen« geschaffen werden.[19] Das Zukunftspapier der SDAJ, die programmatische Grundlage, wurde bei der 2. Tagung des Bundeskongresses Ende September 2012 in Nürnberg beschlossen.[20][21]

Als Reaktion auf das Auftreten der Hooligans gegen Salafisten organisierte die SDAJ Köln am 2. November 2014 eine Demonstration „gegen Neonazis, rechte Hooligans und Rassismus“, an der sich laut Eigenangaben 3400 Menschen beteiligten.[22]

Mitgliedschaften und Kooperationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die SDAJ ist Mitglied im Weltbund der Demokratischen Jugend. In Thüringen und Sachsen-Anhalt kooperiert die SDAJ mit ['solid] und dem Roten Tisch. In einigen weiteren Bundesländern, wie etwa in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, und Hamburg, bestehen Koordinierungstreffen mit ['solid]. Auf Gruppen- und Landesebene arbeitet die SDAJ mit den jeweiligen regionalen politischen Organisationen und Gruppen zusammen, die im konkreten Aktionsbereich vergleichbare Standpunkte vertreten, z. B. in unterschiedlichen Gewerkschaftsjugendgruppen. In Hamburg ist die SDAJ assoziiertes Mitglied des Landesjugendrings.[23]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem bundesweiten Magazin Position bestehen weitere Zeitungen und Aktionszeitungen der SDAJ-Gruppen in Großstädten und Regionen, so etwa die Basta! in Berlin, Likedeeler in Hamburg, DenkzettelL in Kiel, der Comandante in Marburg, der Aufschrei in Rostock, die Perspektive! in Solingen, die Movimiento in Köln, die Your Voice – Your Choice in Düsseldorf oder die Venceremos in Thüringen. Mit steigender Mitgliederzahl im Süden Deutschlands wurde auch in Bayern eine JugendZeitung gegründet. Die Kontra! erscheint seit 2004 alle zwei Monate mit einer Auflage von ca. 5000 Exemplaren und wird in 16 bayerischen Städten bzw. Gemeinden verteilt (Stand Januar 2007); diesem Vorbild folgend erscheint in Baden-Württemberg die Baschda. Die SDAJ gibt Themen-Zeitungen heraus, zum Beispiel Lehrlingsinfo, Schulanfangszeitung oder die Antimilitaristischen Informationen.

2007 veröffentlichte die SDAJ eine „rote Schulhof-CD“ „Gemeinsam gegen Rechts“, die Lieder der Partisanen der 1940er-Jahre, der Freien Deutschen Jugend (FDJ) sowie antimilitaristische Lieder enthält.[24] Die Aktion war als Gegenkampagne zur Verteilung von CDs mit rechtsextremistischen Liedgut gedacht. Auf der CD wird die Oktoberrevolution als positives Ereignis herausgestellt.[25]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Verfassungsschutzbericht 2014 Seite 180 http://www.verfassungsschutz.de/de/oeffentlichkeitsarbeit/publikationen/verfassungsschutzberichte/vsbericht-2014
  2. http://theoriepraxis.wordpress.com/2013/10/16/sdaj-der-imperialismus-wird-nicht-das-ende-der-geschichte-sein/
  3. http://www.sdaj-netz.de/impressum/
  4. http://www.sdaj-netz.de/kontakt/landesverbande/
  5. http://www.bpb.de/politik/extremismus/linksextremismus/33621/dkp?p=all
  6. Niedersächsisches Ministerium für Inneres, Sport und Integration:Verfassungsschutzbericht 2009, S. 166
  7. http://www.sdaj-netz.de/uber-uns/ags/
  8. http://www.sdaj-netz.de/kontakt/landesverbande/
  9. http://dkp-wuppertal.de/index.php?option=com_content&view=article&id=100:40-jahre-sdaj-die-gruendung
  10. Kommunisten. Gitarre unterm Arm, in: Der Spiegel Nr. 34, 16. August 1971, http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43144025.html
  11. Protokoll des VI. Bundeskongress der SADJ
  12. Neues Deutschland, 13. Oktober 1981 und 8. März 1982
  13. Protokoll des VII. Bundeskongresses der SDAJ
  14. Protokolle des VIII. und IX. Bundeskongresses der SDAJ
  15. Roland Kirbach: DKP: Von den Genossen verlassen. Die SED stellt die finanzielle Hilfe für westdeutsche Ableger ein. In: Die Zeit 22. Dezember 1989
  16. Gespalten, zerstritten und fast bankrott: http://www.neues-deutschland.de/artikel/158041.gespalten-zerstritten-und-fast-bankrott.html
  17. Verfassungsschutzbericht 2007, S. 160: http://www.verfassungsschutz.de/de/publikationen/verfassungsschutzbericht/
  18. http://www.taz.de/1/archiv/print-archiv/printressorts/digi-artikel/?ressort=in&dig=2010/02/25/a0133
  19. http://www.jungewelt.de/2011/10-04/043.php
  20. http://www.trend.infopartisan.net/trd0213/t550213.html
  21. Wortlaut des Zukunftspapiers
  22. https://www.jungewelt.de/schwerpunkt/%C2%BBk%C3%B6ln-wehrt-sich%C2%AB
  23. Mitgliederliste des Landesjugendrings Hamburg http://ljr-hh.de/data/wir/mitglieder.php
  24. Inhalt „Gemeinsam gegen Rechts“
  25. Verfassungsschutzbericht 2007, S. 160: Verfassungsschutzbericht 2007 (Memento vom 20. September 2008 im Internet Archive)