Sozialkonservatismus

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Der Sozialkonservatismus geht historisch auf eine konservative Strömung des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts zurück, welche sich aus christlicher Perspektive der sozialen Frage widmete. Frühe Ansätze finden sich in den Überlegungen der Philosophen Franz von Baader und Adam Müller von Nitterdorf.[1] Ersterer prägte den Begriff Proletarier. Zu seinen Vertretern zählen Adolph Kolping, der Bischof Wilhelm Emmanuel von Ketteler, die Protestanten Lorenz von Stein und Rudolf Todt. Gemeinsames Ziel war die Bekämpfung des Pauperismus, welcher durch den Zuzug der Landbevölkerung in die Industriestädten wie ihrer dortigen Ausbeutung zu Beginn der Industrialisierung entstanden war. Im Gegensatz zu den Sozialisten räumten sie den Staat eine bedeutende Rolle in der Armutsbekämpfung ein.

Heutige Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Daran knüpfen auch gegenwärtige sozialkonservative Überlegungen an, die nach wie vor versuchen, die soziale Frage unter der Globalisierung durch staatliche Fürsorge und einen starken Sozialstaat zu beantworten. Begründet wird dies unter anderem mit dem Anspruch, dadurch das Gesellschaftsgefüge durch Verminderung der „Unterschiede zwischen Arm und Reich“ zusammenzuhalten.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz von Baader: Über das dermalige Mißverhältnis der Vermögenslosen oder Proletairs zu den Vermögen besitzenden Klassen der Sozietät in Betreff ihres Auskommens sowohl in materieller als intellektueller Hinsicht, aus dem Standpunkt des Rechts betrachtet. München 1835.
  • Wilhelm Emmanuel von Ketteler: Sozialcaritative Fürsorge der Kirche für die Arbeiterschaft. Referat für die Bischofskonferenz in Fulda 1869, In: Wilhelm Emmanuel von Kettelers Schriften, Bd. 2, hrsg. von Johannes Mumbauer, Kempten/München 1911, S. 145–166.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermann Beck: Die Rolle des Sozialkonservatismus in der preußisch-deutschen Geschichte als Forschungsproblem, In: Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands, Bd. 43, Berlin 1995, S. 59–136.
  • Wilhelm Bleek: Lorenz von Stein (1815-1890), In: Politische Theorien des 19. Jahrhunderts, hrsg. von Bernd Heidenreich. 2. Ausgabe, Berlin 2002, S. 587–604.
  • Johannes Kandel: Protestantischer Sozialkonservatismus am Ende des 19. Jahrhunderts. Pfarrer Rudolf Todts Auseinandersetzung mit dem Sozialismus im Widerstreit der kirchlichen und politischen Lager (= Politik- und Gesellschaftsgeschichte, Bd. 32). Bonn 1993.
  • Hans-Christof Kraus: Hermann Wagener (1815-1889), In: Politische Theorien des 19. Jahrhunderts, hrsg. von Bernd Heidenreich. 2. Ausgabe, Berlin 2002, S. 537–586.
  • William O. Shanahan: The Social Outlook of Prussian Conservatism, In: The Review of Politics, Bd. 15. Cambridge University Press 1953, S. 209–252.
  • Theo Stammen: Franz von Baader (1765-1841), In: Politische Theorien des 19. Jahrhunderts, hrsg. von Bernd Heidenreich. 2. Ausgabe, Berlin 2002, S. 605–628.
  • Ursula Nothelle-Wildfeuer: Wilhelm Emmanuel Freiherr von Ketteler (1811–1877), In: Politische Theorien des 19. Jahrhunderts, hrsg. von Bernd Heidenreich. 2. Ausgabe, Berlin 2002, S. 629–647.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Henning Ottmann: Geschichte des politischen Denkens. Die Neuzeit. Die politischen Strömungen im 19. Jahrhundert. Stuttgart 2008, S. 40.