Sozialpsychiatrischer Dienst

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Die Sozialpsychiatrischen Dienste (abgekürzt SpD) sind Einrichtungen des öffentlichen Gesundheitsdienstes in Deutschland. Ihre Aufgabe ist unter anderem die Beratung und Unterstützung von Menschen mit psychischen Krankheiten, deren Angehörigen und Bezugspersonen.[1]

In den meisten Bundesländern gehören die Sozialpsychiatrischen Dienste den kommunalen Gesundheitsämtern an und sind Teil der gemeindepsychiatrischen Pflichtversorgung in der Sozialpsychiatrie. In manchen Kommunen wird die Leistung an einen freien Träger übertragen. Hier obliegt der unteren Gesundheitsbehörde die Aufsicht über die Durchführung der Aufgabe.

Gesetzliche Grundlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Organisation des Öffentlichen Gesundheitsdienstes ist in Deutschland Sache der Länder. In fast allen Bundesländern gibt es Gesetze über Hilfen und Schutzmaßnahmen bei psychischen Krankheiten (PsychKG), in denen die Einrichtung Sozialpsychiatrischer Dienste vorgeschrieben ist und ihre Aufgaben bestimmt werden.

Zu den psychischen Krankheiten im Sinne dieser Gesetze zählen explizit Psychosen und Suchterkrankungen, aber auch andere psychische Störungen von vergleichbarer Schwere oder mit vergleichbaren Auswirkungen. Auch wenn Menschen lediglich die Anzeichen einer psychischen Erkrankung zeigen, von einer psychischen Erkrankung bedroht sind oder die Folgen einer solchen Erkrankung fortbestehen, sind die Psychosozialen Dienste in einigen Ländern zuständig.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die meisten Sozialpsychiatrischen Dienste werden von Psychiatern geleitet. Sie arbeiten mit weiteren Ärzten und mit Sozialarbeitern oder Sozialpädagogen zusammen. In einigen Diensten arbeiten außerdem Krankenpflegekräfte, Ergotherapeuten oder Psychologen. Ein wichtiges Merkmal ist die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen der Region im Rahmen eines gemeindepsychiatrischen Ansatzes. Für die Koordination der Aufgaben ist die Kenntnis der regionalen Versorgungslandschaft wichtig. Auf überörtlicher Ebene gibt es Landesarbeitsgemeinschaften Sozialpsychiatrischer Dienste, in denen fachliche Probleme besprochen und Informationen ausgetauscht werden.

Inhalte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinsam sind allen Diensten die Vorsorge (Prävention), die begleitenden Hilfen und die Nachsorge nach stationären Aufenthalten. Ein wesentliches Ziel ist die Integration seelisch kranker Menschen in die Gemeinschaft.

Eine wichtige Zielgruppe sind Menschen, die sonst keine Hilfen bekommen oder annehmen. Die Patienten können Probleme besprechen und sich über Hilfsmöglichkeiten informieren. Therapeutische Angebote können vermittelt werden. Die Kontakthäufigkeit zu den hilfebedürftigen Personen ist unterschiedlich, von einmaligen Kontakten bis zur Betreuung über mehrere Jahre.

In den Empfehlungen der Expertenkommission der Bundesregierung zur Reform der Versorgung im psychiatrischen, psychotherapeutisch-psychosomatischen Bereich vom November 1988 sind für Sozialpsychiatrische Dienste bestimmte Aufgaben und Arbeitsweisen formuliert.[2] Zu diesen Aufgaben und Arbeitsweisen zählen im Einzelnen:

  • Beratung von Hilfesuchenden, Angehörigen und Personen des sozialen Umfeldes einschließlich betreuender oder behandelnder Institutionen,
  • Vorsorgende Hilfen, um bei Beginn der Erkrankung oder Wiedererkrankung und bei sich anbahnenden Konfliktsituationen zu gewährleisten, dass die Betroffenen rechtzeitig ärztlich behandelt und im Zusammenwirken mit der Behandlung geeignete betreuende Einrichtungen in Anspruch genommen werden können,
  • Nachgehende Hilfen um den Personen, die aus stationärer psychiatrischer Behandlung entlassen werden, durch individuelle Betreuung, Beratung und Einleitung geeigneter Maßnahmen die Wiedereingliederung in die Gemeinschaft zu erleichtern sowie eine erneute Krankenhausaufnahme zu vermeiden,
  • Die regelmäßige Durchführung von ärztlich geleiteten Sprechstunden,
  • Die Durchführung von Hausbesuchen, um die Situation in der Wohnung und dem näheren sozialen Umfeld persönlich kennenzulernen, ggf. auch um unmittelbar eingreifen zu können,
  • Koordination der Einzelhilfen,
  • Zusammenarbeit mit allen Diensten und Einrichtungen der Versorgungsregion, die mit der Betreuung und Behandlung psychisch Gefährdeter, Kranker und Behinderter befasst sind, insbesondere mit den regional zuständigen psychiatrischen Krankenhauseinrichtungen,
  • Zusätzliche Hilfeangebote in Form von Gruppenangeboten für einzelne Patienten, Gruppen und Angehörige, Initiierung von Laienhelfer- und Angehörigengruppen, Öffentlichkeitsarbeit, Institutionsberatung

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wienberg, Günther (Hrsg.): Die neue "Psychiatrie-Personalverordnung" Chance für die Gemeindepsychiatrie. 2. erweiterte Auflage, Psychiatrie-Verlag, Bonn, 1992
  • Empfehlungen der Expertenkommission der Bundesregierung zur Reform der Versorgung im psychiatrischen und psychotherapeutisch, psychosomatischen Bereich auf der Grundlage des Modellprogramms Psychiatrie der Bundesregierung. Bundesminister für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit, 1988.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Pschyrembel (Hrsg.): Klinisches Wörterbuch. 266. Auflage. 2014.
  2. Auszüge aus Materialien zur Psych-PV.