Sozialverträgliches Frühableben

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Karsten Vilmar

Sozialverträgliches Frühableben war das Unwort des Jahres 1998 in Deutschland. Damals projektierte weitere Einsparungen führten zu Leistungen- und Qualitäts-Kürzungen, die auch Altgewordene in ihrem letzten Lebensjahrzehnt, wenn die meisten Leistungen der Gesundheitssolidargemeinschaft nötig werden, trafen.

Der Bremer Chirurg und Ärztekammerpräsident Karsten Vilmar verwendete den Begriff in einem Radiointerview mit dem NDR. Das Thema war die Gesundheitspolitik der rot-grünen Bundesregierung, die weitere Einsparungen plante, um steigende Kosten zu begrenzen.

Geänderte Entgeltsysteme verringerten z. B. erheblich die Liegezeiten und die Anzahl der Krankenhäuser. Die vorzeitige Entlassung verlagert Kosten in die auch zeitlich begrenzte Anschlussheilbehandlung und verkürzt diese zum Nachteil der Kranken.

Vilmar sagte wörtlich: „Dann müssen die Patienten mit weniger Leistung zufrieden sein, und wir müssen insgesamt überlegen, ob diese Zählebigkeit anhalten kann, oder ob wir das sozialverträgliche Frühableben fördern müssen.“ Auf die Nachfrage, ob die Pläne der Regierung zu einem früheren Tod von Patienten führen würden, meinte Vilmar: „Wird diese Reform so fortgesetzt, dann wird das die zwangsläufige Folge sein.“

Die Empörung über die Verwendung dieses Begriffes war groß. Während manche in Vilmars Aussage Ironie erkannten, sahen andere eine zynische Begriffsbildung und hielten diese in Erinnerung an die nationalsozialistischen Krankenmorde für unangemessen.

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