Späher

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Ein Späher (englisch Scout, aus lateinisch auscultator für „Zuhörer“ oder „Lauscher“), auch Aufklärer oder Kundschafter genannt, ist im Rahmen der militärischen Aufklärung eine un- oder wenigstens nur leichtbewaffnete, soldatische Einheit zur Vor- oder Gefechtsfeldaufklärung.

Der Späher kann auch eine Zivilperson mit paramilitärischer Ausbildung oder militärischer Vergangenheit sein. Zivilisten werden allgemein nicht als Späher sondern Spion bezeichnet.

Späheinheiten sollen sich möglichst nicht an aktiven Kampfhandlungen beteiligen und sind primär für die Erkundung von Gebieten (Transportstraßen und Gangbarkeit auch Wasser, Nahrung) oder Aufklärung des Feindes (Truppenstärke, Aufenthaltsorte, Bewaffnung usw.) zuständig.

In den meisten modernen Armeen sind Aufklärer den Führungstruppen zugeordnet und oftmals in eigenen Kompanien und Bataillonen aufgestellt.

Fähigkeiten und Ausbildung[Bearbeiten]

Aufklärer müssen spezielle Eignung auf den Gebieten Merkfähigkeit, Beobachtungsfähigkeit und Adaptionsfähigkeit (sprachlich, kulturell, taktisch) vorweisen. In der heutigen Zeit zählen zu den hauptsächlichen Trainingsinhalten Navigation, Kommunikation, Fahrtraining, Schieß- und Nahkampfausbildung, Tarnung sowie Ertragen von physischem und psychischem Stress.

Einsatzprofile[Bearbeiten]

Der Einsatz(profil)charakter eines Spähers kann kurzfristig (Zielaufklärung, Zielmarkierung) oder langfristig (Interventionsvorbereitung) sein.

Im Kurzzeitprofil werden Späher je nach den Erfordenissen des Einsatzes in Trupps von zwei bis etwa acht Mann eingesetzt. Dies erhöht die Chancen einer erfolgreichen Mission und gleichzeitig auch den möglichen Rücktransport im Schadens- oder Versagensfall. Zudem sichert das 4-Augen-Prinzip eine effektive Tarnung der Bewegung und die taktische Vorfeldaufklärung im unbekannten Areal. Das Kurzzeitprofil fordert eher taktische Fähigkeiten und schnelle Entscheidungen. Die Versagensgefahr bei Kurzzeiteinsätzen besteht vorrangig in vorzeitiger Entdeckung oder friendly fire.

Im Langzeitprofil ist der Späher meist einzeln im Einsatz und hält nur lockeren Kontakt zum Führungskommando. Er bewegt sich sozial getarnt – oft als Zivilist und/oder nicht investigativer Militärangehöriger. Im Langzeitprofil steht der Späher unter hohem psychischen Druck und muss diplomatisch und adaptiv auf Missionsveränderungen reagieren. Ausdauer und Zähigkeit sind wichtige Anforderungen. Die Versagenswahrscheinlichkeit eines Langzeitspähers ist durch die latente emotionale Belastung mit Lüge und Tarnung sehr hoch.

Beliebt sind Aufklärungseinheiten auch für Rettungseinsätze, denn die Rettung von abgeschossenen Piloten oder geflüchteten Diplomaten aus Feindgebiet ist ein Einsatzprofil, welches umfassende Aufklärerfähigkeiten erfordert. Vielfach werden mehrere kleine Einheiten zu derartigen Search & Rescue-Einsätzen ins Zielgebiet verbracht und dort ausgesetzt. Bei gemeldetem Erfolg oder Abbruch der Mission wird dann ein passender Rücktransport organisiert. Manchmal verbleiben diese Rettungseinheiten monatelang im Zielgebiet und schützen die Geretteten durch ihre hervorragende Tarnfähigkeit. Rettungseinsätze liegen im Anforderungsprofil zwischen Kurz- und Langzeitprofil.

Ausrüstung und Bewaffnung[Bearbeiten]

Späheinheiten sind typischerweise ausgerüstet wie eine moderne Infanterieeinheit der entsendenden Armee. Verwendet wird normalerweise die Standardinfanteriebewaffnung. Bei Einsätzen im Vorfeld von Kampfhandlungen wird, der Verdeckung und Versorgung wegen, gern auf landestypische Bewaffnung zurückgegriffen. Ihrem infiltrativen und investigativem Charakter entsprechend, verfügen Späheinheiten über schnelle und leichte Fahrzeuge, effektive Kurzbewaffnung im Klein- und Normalkaliber sowie ein umfassendes Kommunikationsequipment. Hochmoderne Nachtsichtgeräte gehören ebenso zum Standard wie Kleinstwaffen, Abhörgerätschaften und Werkzeug zur Manipulation und Infiltration von Kommunikations- und Führungseinrichtungen. Bei Fernaufklären und Langzeiteinsätzen sind oftmals umfassende Video- und Audiodokumentationen anzufertigen, so dass das zugehörige Equipment in marktüblicher Form im Arsenal der Einheiten zur Verfügung steht.

Die Bewaffnung einer infiltrierenden Späheinheit besteht meist aus einer kleinen Selbstschutzwaffe (bei Operationen mit permanentem Feindeskontakt meist ein landesübliches Pistolenmodell, oft auch ein Kampfmesser), einer Distanzwaffe für die Vorbereitung verdeckter Einsätze (z. B. ein Scharfschützengewehr mit Schalldämpfer) und diversen Sonderwaffen für den jeweiligen Einsatzzweck. Auch Sprengmittel zur Subversion und Überkaliberwaffen für die Ausschaltung von Zielpersonen im Angriffsfall sind üblich.

Typische Gefechts- oder Nahfeldaufklärer (auch als Markierer bezeichnet) sind mit militärischer Tarnkleidung (in Wüsten und im kalten Gelände mit modernster Thermotarnkleidung zum Schutz vor Satellitenaufklärung), Überlebensausrüstung und Lasermarkierern sowie mit digitalem Richtfunkequipment ausgestattet. Die Bewaffnung ist in diesem Fall verteidigungsorientiert und eher hochkadent (typischerweise kleinstkalibrige MPi mit Kurzlauf und Klappstütze). Sie schließt vor allem auch rückzugsdeckende Tarnmittel (Blend- und Rauchgranaten sowie Abschussgeräte) ein.

Der Transport zum Einsatzort erfolgt meist nicht mit Eigenmitteln. Dafür werden Transportlogistik und Fahrzeuge der entsendenden Staaten benutzt. Späher werden typischerweise von Flugzeugen oder Helikoptern bzw. amphibischen Landefahrzeugen ausgesetzt und zu ihren Stationierungsorten zurückgebracht. Der Transport von Spähern im Einsatzgebiet erfolgt mit eigenen Fahrzeugen oder zu Fuß. Je nach Einsatzprofil verfügen Spähsoldaten über leichte Buggies, Crossmotorräder und Recon-Bikes (bzw. -Trikes). Auch schnelle Jeeps, Zodiac-Boote, Leichtflugzeuge und Drachen sind übliche Transportmittel für mittlere Distanzen. Fahrzeuge der Späher sind meist modifizierte Militärfahrzeuge oder Spezialkonstruktionen für geringes Gewicht, hohe Beweglichkeit und geringe Emission. Die meisten Fahrzeuge sind für den Transport von einer bis vier Personen ausgelegt und können, im drohenden Entdeckungsfall, leicht zerlegt und versteckt werden. Bei Langzeiteinsätzen nutzen Späher landestypische Transportmittel.

Als Sonderausrüstung für ein spezielles Einsatzprofil in der Kampfunterstützung muss der Spähpanzer eingestuft werden. Er wird für die unmittelbare Gefechtsfeldaufklärung benutzt und bietet, wegen der hohen Entdeckungsgefahr im Kampffeld, einen Kompromiss aus leichtem Infanterieschutz und gleichzeitig hoher Beweglichkeit. Spähpanzer sind typischerweise zwei- bis vierachsig und luftbereift. Sie verfügen zum Selbstschutz und zur Kampfunterstützung (nur im Notfall vorgesehen) über eine leichte Maschinenkanone mit 14 bis 30 mm Kaliber. Sie sind häufig noch für spezielle Aufgaben ausgerüstet, so wie z. B. der Atom-Bio-Chemiewaffenspürpanzer Fuchs der Bundeswehr oder spezielle Kommunikationspanzer. Spähpanzer werden meist nur beim Einsatz von Spähsoldaten, seltener im Zusammenhang mit Späheinheiten eingesetzt.

Bei der französischen Fremdenlegion wird die klassische Unterscheidung in Infanteriesoldat und Spähsoldat nicht vorgenommen, so dass dort alle Kämpfer eine umfassende Spähausbildung bekommen und der Spähpanzer ein normaler Ausrüstungsbestandteil motorisierter Truppenteile ist. Oftmals sind die dort eingesetzten Spähpanzer bereits vollwertige Panzerkampfwagen (mit niedrigkadenten Kanonen größerer Kaliber), lediglich leichter gepanzert und als Radfahrzeug auf hohe Geschwindigkeiten ausgelegt.