Spätberufenenseminar St. Matthias

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Das Erzbischöfliche Spätberufenenseminar St. Matthias mit Gymnasium und Kolleg[1] im Ortsteil Waldram in der Stadt Wolfratshausen in Bayern ist die älteste Einrichtung des Zweiten Bildungsweges in Bayern. St. Matthias Waldram besteht aus dem Gymnasium, der Fachoberschule, dem Kolleg und einem Wohnheim. Gymnasium und Kolleg sind staatlich anerkannte katholische Schulen, die Fachoberschule ist beantragt. Getragen wird die Einrichtung vom Erzbistum München und Freising.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1927: Ursprung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Spätberufenenseminar wurde am 1. September 1927 durch Erzbischof Michael Kardinal von Faulhaber in München gegründet. Das kirchliche Seminar und die Schule waren ursprünglich auf die Vorbereitung zum Priesterberuf ausgerichtet. Am 1. Mai 1929 wurde die Schule durch Johannes Neuhäusler ins Schloss Fürstenried verlegt. 1932 fand an der Schule die erste Reifeprüfung statt, allerdings durch eine Kommission des Gymnasiums Pasing. Von 13 Kandidaten erhielten 10 das Reifezeugnis. Im Jahre 1933 übernahm P. Alfons Maria Zimmermann OSB vom Kloster Metten die Leitung der Schule. Im September 1939 wurden Seminar und Schule geschlossen.

1949: Neubeginn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 15. Oktober 1949 konnte das Spätberufenenseminar neu eröffnet werden. Alfons Maria Zimmermann kehrte als Schulleiter nach Fürstenried zurück und 59 Schüler zogen ein. Im September 1957 wurde die Einrichtung nach Wolfratshausen-Waldram in die umgebauten Verwaltungsgebäude des ehemaligen Munitions- und DP-Lagers Föhrenwald verlegt. 1958 übernahm Karl Braun die Leitung der Schule. Direktor Zimmermann kehrte in das Kloster Metten zurück, wo er am 18. März 1962 starb. Am 12. März 1964 erhielt die Schule durch das Bayerische Ministerium für Unterricht und Kultus die staatliche Anerkennung und kann seit diesem Zeitpunkt wie ein staatliches Gymnasium die Allgemeine Hochschulreife verleihen. Dem Spätberufenengymnasium wurde im Jahre 1968 das Altsprachliche Kolleg – Institut zur Erlangung der Hochschulreife als offizielle Einrichtung des Zweiten Bildungsweges angegliedert.

1982: Alt- und Neusprachlich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der Erhebung zur Stiftung am 9. Februar 1982 lautet die offizielle Bezeichnung „Erzbischöfliches Spätberufenenseminar St. Matthias in Wolfratshausen-Waldram“. Mit Beginn des Schuljahres 1993 wurde dem altsprachlichen Kolleg ein neusprachliches an die Seite gestellt. Seit September 2011 sind das Gymnasium und Kolleg St. Matthias in einem Neubau untergebracht, der sich längs der Thomastraße erstreckt. Das alte Schulgebäude an der Bettingerstraße, das ursprünglich Bestandteil der Verwaltung des Lagers Föhrenwald war, befand sich schon längere Zeit in maroden Zustand, so dass für die Schüler und Lehrer ein Unterrichten mit der Zeit unzumutbar geworden war.

Schulen und Seminar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gymnasium und das Kolleg sind darauf ausgerichtet, jungen Frauen und Männern, die sich weiterbilden wollen, entweder im direkten Anschluss an einen mittleren Schulabschluss oder nach einer Berufsausbildung bzw. Berufstätigkeit die Möglichkeit zu eröffnen, die allgemeine Hochschulreife (Abitur) zu erwerben bzw. nachzuholen. Ab dem Schuljahr 2017/18 wird das Schulangebot um die Fachoberschule St. Matthias erweitert. Der Besuch der Schule war früher nur jungen Männern katholischer Konfession vorbehalten. Seit Einführung des Kollegs können Gymnasium und Kolleg St. Matthias auch Schüler anderer Konfession bzw. Religion und auch Bekenntnislose besuchen. Allerdings erwartet die Schule aufgrund ihres christlichen Profils eine Aufgeschlossenheit der Schüler für religiöse und christliche Themen. Der Besuch des Religionsunterrichts, entweder des katholischen oder des evangelischen, ist Pflicht. Ethikunterricht wird nicht erteilt. Schulleiter ist Claus Pointner. Seit Mai 2016 ist Joachim Burkard Direktor der „Stiftung Erzbischöfliches Spätberufenenseminar St. Matthias mit Gymnasium und Kolleg“.[2]

Gymnasium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Spätberufenengymnasium umfasst die Jahrgangsstufen 10, 11 und 12. Es ist ein sprachliches (humanistisches) Gymnasium mit der Sprachenfolge Latein, Englisch, Griechisch/Französisch/Russisch. Als Übergangsklasse ist ein einjähriger oder ein zweijähriger Vorkurs vorgeschaltet. Bewerber mit mittlerem Schulabschluss, die ein pädagogisches Gutachten vorlegen, das die uneingeschränkte Eignung für das Gymnasium bescheinigt, können unter Umständen den Einführungskurs besuchen. Er entspricht der staatlichen Einführungsklasse. Der erfolgreiche Besuch dieses Einführungskurses berechtigt zum Eintritt in die Qualifikationsphase des Gymnasiums. Damit bietet St. Matthias auch einen dreijährigen gymnasialen Weg zur allgemeinen Hochschulreife an.

Fachoberschule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab dem Schuljahr 2017/18 nimmt die Fachoberschule St. Matthias, die bereits beim bayerischen Kultusministerium beantragt ist, ihren Betrieb auf. Sie ist auf die Ausbildungsrichtung Sozialwesen beschränkt und führt in zwei Schuljahren, den Jahrgangsstufen 11 und 12, zur Fachhochschulreife.

Kolleg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die dritte Einrichtung ist das Kolleg, an dem bereits berufserfahrene Menschen ihr Abitur auf dem Zweiten Bildungsweg im Vollzeitunterricht nachholen können. Voraussetzungen für den Besuch des Kollegs:

  • Mindestalter: 18 Jahre
  • Abgeschlossene Berufsausbildung oder zweijährige Berufstätigkeit
  • Mittlere Reife. Bewerber, die keinen mittleren Schulabschluss nachweisen können, können sich einer Aufnahmeprüfung unterziehen oder den Vorkurs besuchen.

Das Kolleg St. Matthias bietet zwei sprachliche Zweige an:

  • Das Altsprachliche Kolleg mit der Sprachenfolge Latein, Griechisch oder Latein, Englisch
  • Das Neusprachliche Kolleg mit der Sprachenfolge Englisch, Latein oder Englisch, Französisch.

Seminar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entsprechend der ursprünglichen Zielsetzung der gesamten Einrichtung wohnten im Seminar bis Ende 2016 nur katholische Schüler, die Interesse an einem kirchlichen Beruf hatten. Anfangs war die von der Katholischen Kirche getragene Einrichtung nur katholisch getauften Männern vorbehalten, die dort gemeinsam wohnten und versorgt wurden. Erst ab Ende der 60er Jahre erhielten auch externe Schüler Zugang zu Gymnasium und Kolleg. Inzwischen besuchen überwiegend auswärtige, d. h. nicht im Seminar wohnende Schüler Gymnasium und Kolleg in Waldram.

Seit dem Schuljahr 2016/17 ist das Spätberufenenseminar in ein Wohnheim mit christlicher Prägung übergegangen. Nun können sich alle volljährigen Schüler, die in einer Gemeinschaft engagierter Christen leben wollen, um einen Wohnheimplatz bewerben. Grund für diese Öffnung durch die Seminarleitung und den Träger der Einrichtung, das Erzbistum München und Freising war insbesondere der stetige Rückgang der Zahl der Seminaristen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Matthias Waldram – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Porträt von St. Matthias, aufgerufen am 21. März 2015
  2. Impressum der Homepage von St. Matthias, aufgerufen am 21. März 2015