Späte Faltenlilie

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Späte Faltenlilie
LloidiaSerotina1.JPG

Späte Faltenlilie (Gagea serotina)

Systematik
Monokotyledonen
Ordnung: Lilienartige (Liliales)
Familie: Liliengewächse (Liliaceae)
Unterfamilie: Lilioideae
Gattung: Gelbsterne (Gagea)
Art: Späte Faltenlilie
Wissenschaftlicher Name
Gagea serotina
(L.) Ker Gawl.

Die Späte Faltenlilie (Gagea serotina) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Gelbsterne (Gagea) innerhalb der Familie der Liliengewächse (Liliaceae). Sie auf der Nordhalbkugel in der Holarktis in Hochgebirgen und in arktischen Regionen in Eurasien und Nordamerika weitverbreitet.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration aus Atlas der Alpenflora, 1882
Stängelblätter und Blüte

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Späte Faltenlilie ist eine zierliche, kahle, ausdauernde, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 5 bis 15 Zentimetern erreicht. Meist besitzt sie zwei grasartige, etwa 1 Millimeter breite, fleischige Grundblätter, die kaum länger als der Stängel sind. Die Stängelblätter sind schmal-lanzettlich.

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blütezeit reicht von Juni bis Juli. Die endständigen, zwittrigen, dreizähligen Blüten sind bei einem Durchmesser von etwa 15 Millimetern radiärsymmetrisch und weit trichterförmig. Es sind sechs weiße, gleichgeformte Blütenhüllblättern (Tepalen) vorhanden. Innen befinden sich jeweils auf jedem Blütenhüllblatt drei braunrote Streifen. Sie bildet dreifächerige, vielsamige Kapselfrüchte.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 24.[1]

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Regel blüht die Späte Faltenlilie durchaus früh im kurzen Bergsommer, so dass sie ihren Namen zu unrecht trägt.

Diese Art steigt von allen Liliengewächsen der Alpen am höchsten. Die braunhäutige Zwiebel ist von den trockenhäutigen Resten der vorjährigen Blätter fast vollständig umschlossen (Frostschutz). An rauen, windigen Standorten, wo Insektenbesuch wenig wahrscheinlich ist, sind Staubblätter und Stempel auf gleicher Höhe, so dass die Selbstbestäubung erleichtert wird.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie hat eine weite Verbreitung in der Holarktis in Hochgebirgen und in arktischen Regionen. Zum einen ist sie im westlichen Nordamerika von Alaska to Neumexiko verbreitet. Zum Anderen ist die Späte Faltenlilie in Eurasien weitverbreitet.[2] In Europa ist sie von den Alpen bis zum Balkan beheimatet.

Auf sauren Böden und Graten sind die Standorte meist windexponierte Felsen und Kuppen. Sie ist in den Alpen eine Charakterart des Elynetum (Elynion-Verband).[1] Standorte in den Alpen befinden sich in Höhenlagen von 1600 bis 3100 Metern in der subalpinen bis alpinen Höhenstufe. In den Allgäuer Alpen kommt sie in Höhenlagen von 1900 bis 2420 Metern vor und steigt auf der Rotgundspitze in Bayern bis zu 2400 Metern und im Tiroler Teil am Ostgipfel des Muttekopfs bei Holzgau bis 2420 Metern auf.[3]

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung dieser Art erfolgte 1753 unter dem Namen (Basionym) Bulbocodium serotinum durch Carl von Linné in Species Plantarum, 1, S. 294. Der Name Gagea serotina wurde durch John Bellenden Ker-Gawler in Journal of Science and the Arts. London, 1, 1816, S. 180 veröffentlicht. Lange Zeit wurde diese Art unter dem Namen Lloydia serotina in der Gattung Lloydia geführt. Damit die Gattung Gagea monophyletisch ist, wurden die Arten der Gattung Lloydia alle in diese Gattung gestellt (M. Zarrei et al. 2009 und 2011). Synonyme für Gagea serotina (L.) Ker Gawl. sind: L., Anthericum serotinum (L.) L., Phalangium serotinum (L.) Poir., Rhabdocrinum serotinum (L.) Rchb., Lloydia serotina (L.) Rchb., Ornithogalum serotinum (L.) Rchb., Cronyxium serotinum (L.) Raf., Bulbocodium autumnale L., Bulbocodium alpinum Mill., Ornithogalum altaicum Laxm., Ornithogalum striatum Willd., Lloydia alpina (Mill.) Salisb., Gagea striata (Willd.) Sweet, Ornithogalum bracteatum Torr. nom. illeg., Gagea bracteata Schult. & Schult.f., Lloydia striata (Willd.) Sweet, Nectarobothrium striatum (Willd.) Ledeb., Nectarobothrium redowskianum Cham., Lloydia sicula A.Huet, Lloydia serotina var. unifolia Franch., Lloydia serotina f. parva C.Marquand & Airy Shaw, Lloydia serotina subsp. flava Calder & Roy L.Taylor, Lloydia serotina var. flava (Calder & Roy L.Taylor) B.Boivin, Lloydia serotina var. parva (C.Marquand & Airy Shaw) H.Hara.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Xaver Finkenzeller, Jürke Grau: Alpenblumen. Erkennen und bestimmen (= Steinbachs Naturführer). Mosaik, München 2002, ISBN 3-576-11482-3.
  • Manfred A. Fischer, Wolfgang Adler, Karl Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5.
  • Konrad Lauber, Gerhart Wagner: Flora Helvetica, 2. Auflage, Verlag Paul Haupt, Bern, Stuttgart, Wien, 1998, ISBN 3-258-05735-4.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe, Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5.
  2. a b Gagea serotina – Datenblatt bei World Checklist of Selected Plant Families von Royal Botanic Gardens, Kew. Abgerufen am 29. September 2016.
  3. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 1, Seite 318–319. IHW-Verlag, Eching bei München, 2001. ISBN 3-930167-50-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Späte Faltenlilie (Gagea serotina) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien