Spätwinter

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Als Spätwinter bezeichnet man in der Meteorologie die Spätphase des Winters, im Allgemeinen die Zeit von Mitte Februar bis Mitte März.[1] Nach anderen Konzepten beschreibt es speziell die erste Hälfte des Februars.

Diese vier Wochen, meteorologisch/klimatologisch meist 15. Februar bis zum Frühlingsanfang als Teil der meteorologischen Jahreszeit Winter angesiedelt, überlappen sich mit dem – aus statistischen Gründen auf den Monatsanfang gelegten – Konzept des meteorologischen Frühlingsanfangs per 1. März. Daher verwendet man den Begriff weniger für statistische als für synoptische Meteorologie und verwandte Disziplinen wie die Schneekunde und Phänologie. Der Spätwinter folgt dem Hochwinter und leitet in den Vorfrühling über. Typisch für den Spätwinter gemäßigter Breiten ist das Ende der hochwinterlichen Dauerfröste (Eistage) und das Aufbrechen der Schneedecke, das sich in höheren Lagen und Breiten bis in den April[2] oder gar Mai ziehen kann. Frosttage (Niedrigsttemperatur unter Null) im Spätwinter sind noch der Normalfall, so verzeichnen etwa Innsbruck oder Bern durchschnittlich zirka 100 Frosttage/Jahr, also volle drei Monate, Deutschland eine Februarmitteltemperatur (1761–2009) von 0,0 °C. Gleichzeitig mit den höheren Lufttemperaturen stellen sich instabilere Großwetterlagen ein, sodass der Spätwinter im Jahresgang weniger deutlich charakterisiert ist als der Hochwinter, und auch zeitlich je nach Jahr stärker schwankt.

Hermann Flohn hat in den 1940ern[3] den Begriff des Spätwinters (abgekürzt Ws) als Singularität auf den 3.–12. Februar spezifiziert. Diese Definition beschreibt eine für Mitteleuropa typische Hochdrucklage, die nach allgemeineren Konzepten noch zum Hochwinter gerechnet wird. Andere Autoren haben dann auch einen Ersten und Zweiten Spätwinter definiert, etwa im Intervall 5.–19. Februar resp. 20. Februar–11. März.[4] Allzu feingliedrige Unterteilungen der meteorologischen Jahreszeiten haben sich aber nicht durchgesetzt, meist sind sie zu lokal, oder sind mit Eintrittshäufigkeiten um 50 % zu wenig signifikant.

In Bauernregeln – frühen Systematisierungen von Wetterbeobachtungen – gilt allgemein Lichtmeß, der 2. Februar, als Lostag zwischen Hochwinter und Spätwinter, weil ab dann die Forstarbeit endet und wieder Feldarbeit beginnt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Bissolli, Christian-Dietrich Schoenwiese: Kalendergebundene Witterungserscheinungen in neuem Licht. In: Naturwissenschaftliche Rundschau, 44 (1991) 5, ISSN 0028-1050, S. 169–175

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hochwinter. In: Wetterlexikon, wetter-suedtirol.net
  2. vergl. etwa Diagramm Schneehöhen im Frühwinter (November, Dezember), Hochwinter (Januar, Februar) und Spätwinter (März, April) an den drei Stationen Andermatt, Bever und Davos. In: Stephan Bader, Pierre Kunz: Klimarisiken - Herausforderung für die Schweiz. Schlussbericht NFP 31, vdf Hochschulverlag AG, 1998, ISBN 9-783728126-054, S. 56 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche);
    Martin Schneebeli: Wechselwirkungen zwischen Klima, Lawinen und technischen Massnahmen. Schlussbericht im Rahmen des Nationalen Forschungsprogrammes "Klimaänderungen und Naturkatastrophen" NFP 31, vdf Hochschulverlag AG, 1998, ISBN 9-783728126-047, 3.5 Schneehöhen im Früh-, Hoch- und Spätwinter, S. 46 ff (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)
  3. H. Flohn, P. Hess: Großwetter-Singularitäten im jährlichen Witterungsverlauf Mitteleuropas (= Statistisch-synoptische Untersuchungen 2). In: Meteorologischer und Hydrologischer Dienst der Deutschen Demokratischen Republik: Meteorologische Rundschau 2, 1949, S. 258–263.
  4. so etwa in Meteorologische Rundschau 7, 1954, (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)