Spökenkieker

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Spökenkieker-Denkmal in Harsewinkel von Hubert Hartmann, Wiedenbrück
Spökenkieker im Mühlenhof-Freilichtmuseum Münster von Bildhauer Rudolf Breilmann, Münster

Als Spökenkieker werden im westfälischen und im niederdeutschen Sprachraum, speziell im Emsland, Münsterland und in Dithmarschen, Menschen mit „zweitem Gesicht“ bezeichnet. Der Begriff Spökenkieker kann dabei in etwa mit „Spuk-Gucker“ oder „Geister-Seher“ übersetzt werden. Spökenkiekern wird die Fähigkeit nachgesagt, in die Zukunft blicken zu können. Typisch für die Spökenkiekerei ist die Vorhersage unheimlicher und Angst machender Dinge wie schwerer Krankheit, Tod oder Krieg.

Im Zuge der Traditionspflege wurde dem Spökenkieker in der münsterländischen Stadt Harsewinkel 1962 ein Denkmal gesetzt. Ein weiteres Denkmal befindet sich im Mühlenhof-Freilichtmuseum in Münster. Die Bronzeplastik Spökenkieker (Vorahner, Vorschauer) von Rudolf Breilmann, eine Stiftung der Vereinigung Niederdeutsches Münster, erinnert hier an die Menschen im Münsterland, die Ereignisse „vorhersehen“ konnten.

Mit leicht spöttischem Anklang wird der Begriff Spökenkieker im heutigen Sprachgebrauch teilweise auch für Pessimisten und Schwarzseher benutzt, auch wenn diesen jegliche Gabe zur Vorhersage zukünftiger Ereignisse fehlt.

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Brand des Schlosses Loburg am 22. Juli 1899 durch zwei Blitzschläge soll von einem Spökenkieker in Ostbevern prophezeit worden sein:

„Er wollte gesehen haben, daß die Funken des durch den Blitzschlag entzündeten Schlosses weit nach Norden bis zu einer 200 Meter hohen Hecke flogen. Der Mann wurde ausgelacht. Aber dann traf doch alles fast genauso ein.“

Eugen Kotte[1]
  • Viele Beispiele sind auf der Internetseite eines regionalen Anzeigenmagazins mit Namen "Spökenkieker" aufgelistet. Dort finden sich auch Erklärungsversuche.[2]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die westfälische Dichterin Annette von Droste-Hülshoff hat in ihren literarischen Werken das Phänomen der Spökenkiekerei ernstgenommen.
  • Der Aufklärungsturm A der Bundeswehr an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste wird im Volksmund Spökenkieker genannt.
  • Der südoldenburgische Mundartdichter Jan Willem („Botterblaumen Boogie“, 1979) veröffentlichte 2004 ein Lied über den Spökenkieker.
  • Eine Plastik von Annette Wittkamp-Fröhling in Lüdinghausen zeigt den Spökenkieker Caspar Winkelset (1778–1846).
  • Der fünfte Band der Reihe „Asterix snackt Platt“ trägt den Titel „De Spökenkieker“[3] (2015). Es ist die plattdeutsche Übertragung der deutschen Version von „Der Seher“ (1975) aus der Asterix-Reihe.
  • Unter dem Namen „Spökenkieker – Zeitung für das nördliche Emsland und Umgebung“ gab der „Verein zur Förderung von Alternativen, Sozialer Gerechtigkeit und Demokratischer Bildung e.V.“ mit Sitz in Papenburg von Januar 1981 bis August 1984 eine alternative Monatszeitung heraus. Auf Anfrage des Niedersächsischen Landesarchivs in Osnabrück wurde dem Archiv jeweils ein Exemplar zur Verfügung gestellt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Siegfried Schmieder (Hrsg.): Ostbevern. Beiträge zur Geschichte und Kultur, Geschichte der Loburg. Warendorf 1988, S. 575
  2. Der Name Spökenkieker - Beispiele und Erklärungsversuche
  3. R. Goscinny, A. Uderzo: De Spökenkieker; Plattdeutsche Übersetzung von Asterix Band 19: Der Seher. Egmont Ehapa 2015.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Spökenkieker – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen