Spaghettieis

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Spaghettieis

Spaghettieis ist eine in Deutschland übliche Speiseeis-Zubereitung, die optisch an Spaghetti mit Tomatensoße und Parmesan erinnern soll.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erfindung des Spaghettieis im Jahr 1969 reklamieren laut regionalen Zeitungsberichten verschiedene Eishersteller für sich.[1] Der 2000 verstorbene Neusser Eisdielenbesitzer Eliano Rizzardini gab laut Veröffentlichungen ab 2004 an, die Eiskreation entwickelt zu haben.[2][3] Ebenso reklamierte der Mannheimer Eisfabrikant Dario Fontanella, das Spaghettieis am 6. April 1969 in Anlehnung an die Süßspeise Montebianco[4] erfunden zu haben.[5][6][7] Um das Eis in die Form von Spaghetti zu bringen, habe er eine Spätzlepresse verwendet, die es jedoch wegen ihrer zu hohen Temperatur zum Schmelzen gebracht habe. Nachdem er die Spätzlepresse in einem Gefrierfach herunter gekühlt habe, sei es ihm gelungen, damit die spaghettiähnlichen Eisfäden zu produzieren. Fontanella hatte nach eigener Aussage zunächst vor, sich das Gericht patentieren zu lassen, entschied sich jedoch wegen der dafür erforderlichen Anmeldegebühr von 200 DM dagegen.

Die Kreation wurde in den nächsten Jahren zunehmend populär und galt später als ein Sinnbild für „die große Zeit der italienischen Eisdielen im Westdeutschland der 1970er und 80er-Jahre“. Der Autor Thomas Brussig bezeichnet sie in seinem Roman Wie es leuchtet aus Sicht von Ostdeutschen als „Geschmack des Westens“.[8]

Komposition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Traditionell besteht Spaghettieis in der Regel aus über in einer Schale befindlicher Schlagsahne gepresstem Vanilleeis, wobei die Schlagsahne durch den Kontakt mit dem kalten Vanilleeis gefriert und dadurch den besonderen Geschmack entwickelt. Das Eis wird durch eine gekühlte Spätzlepresse gepresst, wodurch die nudelartige Form erreicht wird.[9] Garniert wird das Ganze mit Erdbeersoße und geraspelter weißer Schokolade (oder Kokosflocken). Die Erdbeersoße soll dabei die bei Spaghetti-Gerichten übliche Tomatensoße und die weiße Schokolade den Käse imitieren.

Presse für Spaghettieis mit einzeln sichtbaren Spaghetti

Seit einigen Jahren werden neben der klassischen Variante mit Erdbeersoße und weißer Schokolade bzw. Kokosraspeln auch Abwandlungen, teilweise mit Bezug zu anderen Speisen angeboten. So z. B. mit Eierlikör und Nussstücken als „Spaghetti Carbonara“ – dies kann den Umfang eigener Spaghettieis-Speisekarten annehmen.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut Dario Fontanella soll es in der Anfangszeit der Eisspezialität öfter zu Tränenausbrüchen bei Kindern gekommen sein, die einen Eisbecher wollten und keine Nudeln mit Tomatensauce.[6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Spaghettieis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. "Gelato! Italienische Eismacher am Niederrhein" auf top-magazin.de über die Ausstellung des Clemens Sels Museum Neuss, 1/17, abgerufen am 9. März 2019
  2. Carsten Greiwe: Eliano Rizzardini hatte 1969 eine glänzende Idee In: rp-online, 13. April 2004, abgerufen am 7. März 2019
  3. Christoph Schneider: Und wer hat’s erfunden?, in Westdeutsche Zeitung, 12. März 2008, abgerufen am 9. März 2019
  4. Alfons Kaiser: Erfinder des Spaghetti-Eis – „Eis lebt von der Einfachheit“. In: faz.net, 25. Juli 2015, abgerufen am 16. April 2017
  5. Mit Spaghetti-Eis und gläserner Eisküche den Erfindern auf der Spur. In: Heilbronner Stimme, 5. Oktober 2008, abgerufen am 17. Mai 2010.
  6. a b Auch im Sommer geben sich immer weniger Schleckmäuler die Kugel (Memento vom 8. Dezember 2011 im Internet Archive), Mannheimer Morgen, 1. Juli 2005 (abgerufen in der Wayback Internet Machine am 9. Mai 2013).
  7. Martin Zips: Lebensgefühl mit Sahne. In: Süddeutsche Zeitung, 30. März 2019 (abgerufen am 8. April 2019)
  8. Jörn Kabisch: Das Spaghettieis wird 50: Die kalte Cousine der Spätzle. In: Die Tageszeitung: taz. 6. April 2019, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 23. April 2019]).
  9. Durch die Spätzlepresse. In: Reutlinger Generalanzeiger, 28. Februar 2014, abgerufen am 26. März 2014