Sparkasse (DDR)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Sparkassen waren in der DDR eine nachgeordnete Bankengruppe.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Deutsche Bankwesen zeichnet sich durch die drei Säulen der Privaten Geschäftsbanken, der Genossenschaftsbanken und der öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute aus, zu denen die Sparkassen gehören. Mit der Bildung der Sowjetischen Besatzungszone 1945 begann die Umwandlung in ein rein staatliches Bankensystem. Mit Befehl Nr. 10 der Sowjetischen Militäradministration vom 23. Juli 1945 wurden sämtliche privaten Banken und Versicherungen geschlossen. Da die Sparkassen bereits staatlich waren, blieben sie von dieser Maßnahme unberührt.

Während der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurden im Rahmen der Gleichschaltung bei den Sparkassen das Führungspersonal ausgetauscht. Nach dem Krieg wurden personelle Veränderungen vorgenommen. Gleichzeitig erfolgte eine Umstrukturierung der Organisationsstruktur. 1946 bestanden 310 rechtlich selbstständige Sparkassen in der sowjetischen Besatzungszone, die 982 Haupt- und 758 Nebenzweigstellen, sowie 363 Agenturen hatten, sank die Zahl mit Gründung der DDR bis 1951 auf 126 Sparkassen mit 1121 Haupt- und 807 Nebenzweigstellen, sowie 319 Agenturen.

Hauptzweigstellen waren Bankfilialen, Nebenzweigstellen waren nicht dauerhaft besetzte Nebenstellen und Agenturen waren Bankstellen, die nebenher Sparkassendienstleistungen anboten.

1952 erfolgte eine Reorganisation des Sparkassenwesens, da durch die Auflösung der Länder und die Gründung der Bezirke die Landkreise ebenfalls neu geordnet wurden. Sparkassen wurden auf Kreisebene zusammengefasst, wodurch 175 Kreissparkassen, 19 Stadt- und Kreissparkassen und 6 Stadtsparkassen entstanden. Diese Struktur veränderte sich kaum bis zur Wende 1989, als noch 196 Sparkassen bestanden.

In der Wirtschaft der DDR herrschte (wie bei anderen sozialistischen Volkswirtschaften) Kapitalmangel. Diese dem Sozialismus immanente Kapitalknappheit[1] resultiere u.a. aus staatlich festgelegten Zinssätzen.

In der Folge bemühte sich die SED-Führung, die Sparquote zu erhöhen. Mit der Anweisung 36/55 des Finanzministeriums sollte die Zahl der Sparkassenstellen erhöht werden, u.a. indem in jedem Betrieb mit mehr als 500 Mitarbeitern und jedem Dorf mit mehr als 500 Einwohnern eine Sparkassenagentur eröffnet werden sollte. 1963 erreichte die Zahl der Sparkassenagenturen mit 3299 Stellen einen Höhepunkt. Die Zahl der Agenturen sank danach und betrug 1970 noch 1890, 1980 noch 1436 und 1989 noch 906.

Sparkassenverbände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1945 bestanden auf dem Gebiet der SBZ der Sächsische Sparkassen- und Giroverband mit Sitz in Dresden für Sachsen, der Mitteldeutsche Sparkassen- und Giroverband mit Sitz in Magdeburg für die Provinz Sachsen und Thüringen und der Brandenburgische Sparkassen- und Giroverband mit Sitz in Berlin für Brandenburg. Daneben war der Pommersche Sparkassen- und Giroverband mit Sitz in Stettin für Vorpommern und der Niedersächsische Sparkassen- und Giroverband mit Sitz in Hannover für Mecklenburg zuständig.

1946 wurden anstelle dieser Verbände je Land ein eigener Sparkassenverband gegründet. Damit entstand der Sächsische Sparkassenverband, der Brandenburgische Sparkassenverband sowie der Sparkassenverband Thüringen, Sparkassenverband Mecklenburg-Vorpommern und Sparkassenverband für die Provinz Sachsen (später Sparkassenverband Sachsen-Anhalt).

Mit der Auflösung der Länder 1952 wurden diese Verbände aufgelöst und die Aufgaben der Abteilung Sparkassen im Finanzministerium der DDR übertragen. 1990 bildete sich ein Sparkassenverband der DDR, der die Aufgaben übernahm. Mit der Wiedervereinigung gingen die Aufgaben an den Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen, den Sparkassenverband Berlin und den Ostdeutschen Sparkassenverband über.

Stellung der Sparkassen im Bankensystem der DDR[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während die Sparkassen zur Zeit der sowjetischen Besatzungszone zunächst noch die Funktionen einer Vollbank hatten, wurde dies mit der Zeit umstrukturiert. 1951 wurden die Funktion der Girozentrale bei der Staatsbank der DDR angelegt. Den Sparkassen verblieb die Aufgabe, (Spar-)Girokonten zu verwalten und Sparbeiträge einzuwerben.

Ab 1980 erfolgte eine Reorganisation der Aufgabenverteilung der Banken der DDR. Die Genossenschaftsbanken gaben in den 80er Jahren 327 Filialen auf und übertrugen die Konten an die Sparkassen. Im Gegenzug wurden 194 Sparkassenagenturen und 26 Einmannstellen an die BHG übertragen.

1983 übernahmen die Sparkassen die Konten der Bank für Land- und Nahrungsgüterwirtschaft.

Die Sparkassen stellten im Bankensystem der DDR nur eine untergeordnete Funktion dar, was u.a. an den geringen Aufgaben, der vergleichsweise geringen Bezahlung der Angestellten und dem sinkenden Anteil der SED-Mitglieder in den Führungsfunktionen deutlich wurde.

Der Anteil an Frauen an der Belegschaft, der 1950 noch 50 % betrug, stieg bis 1955 auf 63 % und betrug 1988 circa 93 %. In den 1980er-Jahren schlug sich der hohe Frauenanteil schließlich auch in den Führungspositionen nieder, was im Vergleich zu anderen, prestigeträchtigeren Institutionen unüblich war.

Angebote[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sparkassen hatten die Funktion, privates Sparen zu fördern und einen Rückfluss von Kapital in den Wirtschaftskreislauf sicherzustellen. So wurde beispielsweise 1950 eine Möbelsparhilfe angeboten. Die Kunden sparten ein bestimmtes Guthaben für einen Guthabenzins von 3 % an und bekamen die Möglichkeit, einen Kredit zu einem Zinssatz von 5 % für die fehlenden Beträge für die gewünschten Möbel aufzunehmen. 1951 wurde mit dem Nationalen Aufbauprogramm der Wiederaufbau der zerstörten Stadtzentren ausgerufen. In diesem Zusammenhang förderten die Sparkassen, dass die Bürger der DDR circa 3 % ihres Einkommens sparen, um diese Baumaßnahmen finanziell zu unterstützen. Betriebskomitees in allen Betrieben bekamen die Aufgabe das Programm umzusetzen und mit Hilfe der Sparkassenfilialen und -agenturen zu fördern, an dem mehr als eine Million Sparer teilnahmen.

Später wurden das "Heiratssparen", das "Feriensparen", das "Schulentlassungssparen" oder das "FDJ-Sparen" angeboten. Unter dem Slogan "Jeder Sparvertrag ist eine nationale Tat" wurden die Betriebe verpflichtet, Sparverträge einzuwerben.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Josef Wysocki, Hans-Georg Günther: Geschichte der Sparkassen in der DDR 1945-1990, 1996, ISBN 3-09-303922-3
  • Günther Aschauer: Von der Ersparniscassa zur Sparkassen-Finanzgruppe, 1991. ISBN 3-09-303983-5, Seite 267–269

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. z.B. Uwe Jens, Wilhelm Krelle: Der Umbau: von der Kommandowirtschaft zur öko-sozialen Marktwirtschaft, Seite 59