Speicher (Eifel)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Speicher
Speicher (Eifel)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Speicher hervorgehoben
Koordinaten: 49° 56′ N, 6° 38′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Eifelkreis Bitburg-Prüm
Verbandsgemeinde: Speicher
Höhe: 330 m ü. NHN
Fläche: 15,36 km2
Einwohner: 3396 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 221 Einwohner je km2
Postleitzahl: 54662
Vorwahl: 06562
Kfz-Kennzeichen: BIT, PRÜ
Gemeindeschlüssel: 07 2 32 123
Adresse der Verbandsverwaltung: Bahnhofstraße 36
54662 Speicher
Webpräsenz: www.vg-speicher.de
Stadtbürgermeister: Erhard Hirschberg (CDU)
Lage der Stadt Speicher im Eifelkreis Bitburg-Prüm
BitburgAuw bei PrümRoth bei PrümOlzheimNeuendorfKleinlangenfeldSchwirzheimBüdesheimWallersheimFleringenWeinsheimGondenbrettSellerichBuchetOberlascheidBleialfMützenichWinterscheidWinterspeltGroßlangenfeldBrandscheidPrümRommersheimGiesdorfHersdorfSeiwerathSchöneckenOberlauchNiederlauchOrlenbachWinringenDingdorfWatzerathPittenbachPronsfeldHabscheidHeckhuscheidMatzerathHeisdorfNimsreulandLaselWawernFeuerscheidNimshuscheidLützkampenGroßkampenbergKesfeldÜttfeldEuscheidStrickscheidLünebachLierfeldEilscheidDackscheidMerlscheidPintesfeldKinzenburgWaxweilerManderscheidLichtenbornArzfeldIrrhausenReiffSengerichLeidenbornHerzfeldEschfeldRoscheidHarspeltSevenig (Our)DahnenReipeldingenDaleidenDasburgPreischeidOlmscheidJuckenKickeshausenLauperathKrautscheidOberpierscheidNiederpierscheidLascheidHargartenLambertsbergMauelPlütscheidBurbachBalesfeldNeuheilenbachNeidenbachUschZendscheidSteinbornSankt ThomasMalbergweichMalberg (Eifel)KyllburgweilerSeinsfeldOberkailGransdorfGindorfPickließemOrsfeldKyllburgEtteldorfWilseckerBademSefferweichSeffernSchleidHeilenbachEhlenzOberweilerBickendorfNattenheimFließemRittersdorf (Eifel)LießemNiederweilerBiersdorf am SeeWiersdorfWißmannsdorfHamm (Eifel)EchtershausenBrechtFeilsdorfHütterscheidBaustertBrimingenMülbachOberweisBettingen (Eifel)OlsdorfWettlingenStockemHalsdorfEnzenDudeldorfGondorfMetterichHüttingen an der KyllRöhlScharfbilligSülmDahlemTrimportIdenheimIdesheimMeckelEßlingenOberstedemNiederstedemWolsfeldDockendorfIngendorfMesserichBirtlingenAltscheidBerkothNusbaumBiesdorfKruchtenHommerdingenHüttingen bei LahrMettendorfNiehlBurgLahrGeichlingenKörperichRoth an der OurGentingenAmmeldingen an der OurBerscheidBaulerWaldhof-FalkensteinKeppeshausenRodershausenGemündSevenig bei NeuerburgAfflerDauwelshausenScheitenkorbNasingenMuxerathObergecklerNiedergecklerSinspeltNiederradenKoxhausenHerbstmühleKarlshausenZweifelscheidLeimbachEmmelbaumAmmeldingen bei NeuerburgHeilbachUppershausenPlascheidHüttenNeuerburgScheuernFischbach-OberradenUtscheidWeidingenÜbereisenbachWallendorfBollendorfEchternacherbrückErnzenFerschweilerMindenMenningenEisenachGilzemKaschenbachNiederweisIrrelPrümzurlayAlsdorfHolsthumPeffingenSchankweilerSpangdahlemHerforstBeilingenPhilippsheimSpeicher (Eifel)PreistOrenhofenAuw an der KyllHostenNordrhein-WestfalenBelgienLuxemburgTrierLandkreis Trier-SaarburgLandkreis VulkaneifelLandkreis Bernkastel-WittlichKarte
Über dieses Bild

Speicher ist eine Stadt nahe der Kyll im Eifelkreis Bitburg-Prüm in Rheinland-Pfalz und Verwaltungssitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde. Speicher ist gemäß Landesplanung als Grundzentrum ausgewiesen.[2]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Speicher liegt in der Natur- und Kulturlandschaft der Südeifel unweit von Bitburg. Die Stadt befindet sich 20 Kilometer nördlich von Trier und 19 Kilometer westlich der Kreisstadt Wittlich (jeweils Luftlinie).

Zu Speicher gehören auch die Wohnplätze Bahnhof Speicher, Bermeshausen, Commeshof, Laymühle, Schalfelderhof und Speichermühle.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals genannt wird Speicher 834 in einer Urkunde als madabodi spicarium (spicarium von lat. spica = Ähre), 1136 taucht der Name Spichera in einer Urkunde auf. Altertumsfunde im Speicherer Wald, die römischen Ursprungs sind, lassen jedoch darauf schließen, dass Speicher noch älter ist. Speicher stand seit 1354 unter luxemburgischer Landeshoheit und zählte zur Herrschaft Bruch. 1815 wurde Speicher dem Königreich Preußen zugeschlagen.

Den Römern ist die Entwicklung einer gegen Ende des ersten und zu Beginn des zweiten Jahrhunderts n. Chr. blühenden Töpferindustrie zu verdanken, die bis in die Gegenwart als heimische Industrie fortlebt. Zahlreiche im Speicherer Wald ausgegrabene Öfen und Tonwarenfunde zeugen von einer umfangreichen Fertigung von Tonwaren und Ziegeln bis ins 5. Jahrhundert hinein. Ab dem frühen 14. Jahrhundert begannen Speicher Töpfermeister mit der Herstellung von Speicher Steinzeug, dass bis in die Neuzeit produziert wurde. Die Tonwaren wurden durch Kaufleute im Wandergewerbe über ganz Deutschland hin und darüber hinaus in den Nachbarländern zum Kauf angeboten.

Die Gemeinde Speicher wurde am 8. Mai 2011 zur Stadt erhoben.[4]

Bevölkerungsentwicklung

Die Entwicklung der Einwohnerzahl der Stadt Speicher, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[2][1]

Bevölkerungsentwicklung Speicher
Jahr Einwohner
1815 1.331
1835 1.946
1871 2.160
1905 2.034
1939 2.140
1950 2.420
Jahr Einwohner
1961 2.785
1970 3.060
1987 2.687
1997 2.978
2005 3.131
2016 3.396

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historisch ist Speicher wie nahezu die gesamte Eifel katholisch geprägt; so sind 76,8 % der Einwohner katholisch, 9,9 % evangelisch, die restlichen knapp 13,3 % anderer oder ohne Religion. Über viele Jahrhunderte hinweg war die Stadt zum Erzstift und Kurfürstentum Trier gehörig, einem bedeutenden geistlichen Territorium im Heiligen Römischen Reich, dessen Erzbischof traditionell zu den sieben Kurfürsten zählte. Insbesondere wegen des Heiligkeitsanspruchs des Reichs war es nicht hinnehmbar, dass sich einzelne Regionen von der alten römischen Kirche abwandten. Erneuerungsbewegungen wie die Reformation konnten in der Region Trier und damit auch innerhalb Speichers niemals Fuß fassen. Zentrales Gotteshaus der Pfarrei St. Philippus u. Jakobus (Bistum Trier) ist die 1896, im neugotischen Stil erbaute, gleichnamige Pfarrkirche, welche mit ihrem hohen Turm auch heute noch das Ortsbild dominiert. Trotzdem befindet sich in Speicher auch eine Kirche der Evangelischen Kirchengemeinde Bitburg.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stadtrat in Speicher besteht aus 20 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Stadtbürgermeister als Vorsitzendem. Die Bezeichnung Stadtrat, vorher Gemeinderat, erfolgte aufgrund der Stadterhebung im Jahr 2011.

Die Sitzverteilung im Stadtrat:[5]

Wahl SPD CDU FDP Gesamt
2014 8 9 3 20 Sitze
2009 6 11 3 20 Sitze
2004 5 12 3 20 Sitze

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Speicher (Eifel)
Blasonierung: „In Schwarz eine eingeschweifte rote Spitze, darin eine wachsende goldene Ähre; vorne ein goldener Krug, hinten ein goldenes Töpferrad.“
Wappenbegründung: Durch die Symbole Krug und Töpferrad weist das Gemeindewappen hin auf die außergewöhnliche große Bedeutung der Keramikindustrie im Gebiet von Speicher, die bis in die römische Zeit zurückreicht. Zu neuer Blüte gelangt die Tonwarenfabrikation im 14. Jahrhundert. Um 1485 wird eine Bruderschaft der Krugbäcker gegründet. Die Ähre ist Hinweis auf die Urform des Ortsnamens „Spicarium“ der auf (lat.) spica = die Ähre zurückgeht.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick in Richtung Kylltal
Pfarrkirche St. Philippus und St. Jakobus
Speicherer Bahnhof

In Speicher befinden sich eine Anzahl unter Denkmalschutz stehender Kulturdenkmäler.[6]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Katholische Pfarrkirche St. Philippus und St. Jakobus, eine neugotische dreischiffige Hallenkirche mit monumentaler Eingangshalle; 1895 vom Trierer Diözesanbaumeister Reinhold Wirtz geplant.
  • Der Friedhof mit einem Friedhofskreuz von 1848; Nahe dem Friedhof mehrere Wegekreuze (Schaftkreuze, Nischenkreuze), teilweise 16. Jahrhundert.
  • Die Kreuzkapelle, ein Putzbau mit Dachreiter von 1777; in der Südwand eine Kreuzigungsgruppe.
  • Das ehemalige Rathaus, ein breit gelagerter Walmdachbau in Reformarchitektur; errichtet etwa 1920/30 (Jacobsstraße).
  • Die Denkmalzone Bahnhofstraße und Jacobsstraße, vier villenartige Wohnhäuser mit Mansarddächern und dem ehemaligen Rathaus; zwischen 1920 und 1930 errichtet.
  • Die Denkmalzone Maarstraße, charakteristischer Abschnitt für die Bebauung an den Ortskernrändern; erbaut Mitte des 19. Jahrhunderts.

Gemarkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Denkmalzone Bahnhof Speicher, der an der Eifelbahn gelegene Bahnhof und das Bahnwärterhaus an der Kyllbrücke beim Nordportal des Loskyller Tunnels; um 1871.
  • Die Speichermühle, ein viergeschossiges Ölmühlengebäude aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, im Kern wahrscheinlich aus dem 16. oder 17. Jahrhundert, Hauptgebäude von 1752, Kapelle 1700 (im Kylltal westlich von Speicher).
  • Die Laymühle, ein Quereinhaus, aufwändige Anlagen zur Wasserführung aus dem frühen 19. Jahrhundert.
  • Der Commeshof, Hofanlage von 1845 mit einem dreiachsigen ehemaligen Wohnhaus von 1860 und einer Kapelle von 1858 (in einem Seitental des Kallenbachs).
  • Die Bildchenkapelle, ein Putzbau mit neugotischem Eingang von 1877 (im Wald östlich des Ortes).
  • Mehrere Wegekreuze, 16. und 18. Jahrhundert.

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Speicher

Siehe auch: Liste der Naturdenkmale in Speicher

Sprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Speicherer Wahlspruch: Wat mir geen, dat geema gär, äwa ma geen neist.

Die Heimatsprache der Speicherer ist Moselfränkisch in seiner lokal gefärbten Art. Zum Moselfränkisch der Nachbargemeinden gibt es kleine aber feine Unterschiede. Das typische Beispiel hierfür ist das „eecht“ für die Zahl acht, die von den Nachbargemeinden mit „aacht“ übersetzt wird. Während man beispielsweise in Herforst „oabichten“ (arbeiten) geht, gehen die Speicherer „schaffen“.

So wie das luxemburgische Moselfränkisch mit einer Vielzahl französischer Begriffe gespickt ist, so ist das Speicherer mit jenischen Ausdrücken durchsetzt, was auf die Tradition der ambulanten Händler zurückzuführen ist. Beispiel: Den Houtz beknäst miaz. (Der Mann versteht nichts.)

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nicht elektrifizierte Eifelstrecke Köln-Trier

Der Bahnhof Speicher liegt an der Eifelstrecke (KBS 474[7]). Im ÖPNV fahren

Linie Linienverlauf Takt
RE 12 Eifel-Mosel-Express:
Köln Messe/Deutz – Köln Hbf – Köln Süd – Euskirchen – Mechernich – Kall – Jünkerath – Gerolstein – Bitburg-Erdorf – Trier Hbf
Stand: Fahrplanwechsel Dezember 2015
drei Zugpaare
RB 22 Eifel-Express:
Gerolstein – Bitburg-Erdorf – Trier Hbf

Durchgeführt wird der Schienenpersonennahverkehr von der DB Regio NRW. Es gilt der Tarif des Verkehrsverbunds Region Trier (VRT).

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Speicher geboren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jakob Husch (1875–1950), Politiker (Zentrum, CDU), Abgeordneter des Hessischen Landtags
  • Simon Salomon (1873–1943), Verleger, ermordet im KZ Theresienstadt, Pseudonym: Siegbert Salter[8]
  • Jean Winterich (1886–1931), Landtagsabgeordneter KPD (1924–1931) und Mitglied des Zentralkomitees der KPD (1927–1931)
  • Johann Jacobs (1903–1988), SPD Landtagsabgeordneter, Bürgermeister von Speicher 1956–1964
  • Philipp W. Fabry (* 1927), Philologe und Historiker[9]
  • Peter Leo Reichertz (1930–1987), Arzt und Medizininformatiker
  • Gerd Billen (* 1955), Ernährungswissenschaftler
  • Joscha Remus (* 1958), Schriftsteller

Mit Speicher verbunden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernst Wackenroder (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des Kreises Bitburg (= Paul Clemen [Hrsg.]: Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz. Band 12/I). Trier 1983, ISBN 3-88915-006-3, S. 268–269 (315 S., Mit 12 Taf. u. 227 Abb. im Text. Nachdr. d. Ausg. Schwann, Düsseldorf 1927).
  • Norbert Endres: Zwing Zwu Zwai – Speicherer Dialekt. Eifelverein, Speicher 1998, ISBN 3-921805-13-9.
  • Hans Hermann Reck (Bearb.): Kreis Bitburg-Prüm. Verbandsgemeinden Kyllburg und Speicher (= Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Band 9.1). 1. Auflage. Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 1991, ISBN 3-88462-081-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Speicher – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Sprachbeispiele zum Speicherer Platt:

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Statistisches Bundesamt – Anzahl der Einwohner in den Kommunen am 31. Dezember 2016 (Hilfe dazu).
  2. a b Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
  3. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz: Amtliches Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile. Stand: 1. Januar 2017[Version 2018 liegt vor.], S. 67 (PDF; 1,9 MB).
  4. Info zu den Feierlichkeiten anlässlich der Stadterhebung (PDF; 110 kB)
  5. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  6. Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler – Eifelkreis Bitburg-Prüm. Mainz 2018, S. 118 ff. (PDF; 4,4 MB).
  7. Simon Salomon. In: Mahnmal Trier. Abgerufen am 9. Februar 2016.
  8. Fabry verbrachte die ersten drei Tage seines Lebens in Speichers Krankenhaus.