Spickzettel

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Spickzettel

Ein Spickzettel, auch Spicker, Schwindel- oder Schummelzettel, ist ein kleiner Zettel, der bei einer Prüfung, Klausur, Abfrage oder einem Test von dem Prüfling in verbotener Weise benutzt wird, um die Fragen oder Aufgaben besser beantworten zu können. Neuerdings werden auch technische Hilfsmittel wie MP3-Player mit diktierten Texten verwendet.

Die Nutzung von Spickzetteln oder vergleichbaren Hilfsmitteln erfüllt im deutschen Schul- und Prüfungsrecht den Tatbestand des „Unterschleifs“ und führt bei Entdeckung während oder nach einer Prüfung zur Aberkennung der komplett erbrachten Prüfungsleistung oder/und ihrer schlechtmöglichsten Benotung.

Verwendung von Spickzetteln[Bearbeiten]

Schüler werden zeitweise von Lehrern angehalten, als Lernmethode Spickzettel zu erstellen, um diese als Lernhilfe zu verwenden. Durch das Erstellen eines solchen Zettels soll das Lernen begünstigt werden. Allerdings darf dieser nicht bei der Leistungsprüfung eingesetzt werden.

Spickzettel werden auch als alltägliche Erinnerungshilfen eingesetzt, z. B. für Einkaufslisten, einfache Kochrezepte, Darstellung von Arbeitsabläufen in Einzelschritten und so weiter.

An Universitäten/Hochschulen gibt es zuweilen die Erlaubnis, einen Zettel mit selbst gewähltem Inhalt mit in eine Klausur zu nehmen. Dabei kann es sich z. B. um wichtige, aber schwierig zu merkende Formeln oder Skizzen handeln, die zur Lösung einer komplizierteren Aufgabe nötig sind. Ohne gelernt zu haben, sind solche Spickzettel fast nutzlos; sie dienen nur dazu, dass untergeordnetes Wissen schnell zur Hand ist, um sich mit der gestellten Aufgabe befassen zu können. Da die Menge durch das Papierformat beschränkt ist und die Zettel oft handschriftlich angefertigt werden müssen, hat das auch zur Folge, dass sich die Studenten beim Zusammenstellen des Spickzettels erneut mit dem Stoff auseinandersetzen.

Spickzettel im Getränkekarton

Arten von Spickzetteln[Bearbeiten]

Es gibt viele verschiedene Arten von Spickzetteln, die grundsätzlich alle den Zweck haben, die Informationen möglichst gut zu verstecken, andererseits aber auch gut ablesbar zu halten. Der Druck der Informationen in sehr kleiner Größe ist dabei die wohl meist verwendete Methode. Dabei optimierte der Einsatz von Computer und (Laser-)Drucker die Lesbarkeit stark und machte einige ausgefallene Arten von Spickzetteln möglich. Eine umfangreiche Sammlung zeigt eine Spickzettel-Ausstellung im Berufskolleg St. Michael, Ahlen (Westfalen), die der dortige Schulseelsorger Diakon Johannes Gröger in den Jahren seiner Tätigkeit zusammengetragen hat. Die gesammelten „Schummelzettel“ zeigt die Schule in der Ausstellung VertrauensBlicke.[1]

Eine spezielle Art von „Spickzetteln“ sind die Kanontafeln in der tridentinischen Messe der Katholischen Kirche, die dem zelebrierenden Priester zu gewissen Zeiten, an gewissen Stellen des Altares, den umständlicheren Blick ins Messbuch ersparen sollen.

Berühmte Spickzettel[Bearbeiten]

Ein Spickzettel des ehemaligen Fußballnationaltorwarts Jens Lehmann erreichte internationale Aufmerksamkeit. Am 30. Juni 2006 beim Viertelfinalspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 steckte Torwarttrainer Andreas Köpke Lehmann einen handgeschriebenen Spickzettel mit Informationen über die Schützen der argentinischen Mannschaft zu. Lehmann hielt zwei Elfmeter gegen Argentinien und wurde als Matchwinner gefeiert. Er stellte den Zettel später der Aktion Ein Herz für Kinder zur Verfügung. Bei einer Versteigerung erwarb das Unternehmen EnBW den Zettel für eine Million Euro und stiftete ihn dem Haus der Geschichte in Bonn.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Spickzettel – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Spickzettel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ausstellung VertrauensBlicke (Bezirksregierung Münster, Schulabteilung, 2009).