Spiegelglashütte auf dem Grünen Plan

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Die Grünenplaner Glashütte (braun) um 1860 mit dem Herrenhaus (blau) und der Arbeitersiedlung auf dem Holzberg, rechts

Die Spiegelglashütte auf dem Grünen Plan war eine 1744 gegründete Glashütte im Hils, deren Arbeitersiedlung sich zum Ort Grünenplan entwickelte. Aus der Spiegelglashütte ging mit der Deutschen Spiegelglas AG von 1871 (heute Schott AG) das älteste Werk der glaserzeugenden Industrie in Niedersachsen hervor.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Glashütte ließ der Braunschweiger Herzog Karl I. als Fürstliche Spiegelglashütte auf dem Grünen Plan errichten. In einigen Quellen wird sie als Herzogliche Spiegelmanufaktur am Grünen Platz bezeichnet. Die Gründung der Manufaktur erfolgte im Zuge der kameralistischen Wirtschafts- sowie Bevölkerungspolitik des Herzogs und wurde zu seinem Prestigeprojekt. Sie entstand im dünn besiedelten und mittelgebirgsartigen braunschweigischen Weserdistrikt am Rande des Herzogtums Braunschweig. Nahezu zeitgleich entstanden mit der Glasmanufaktur Schorborn eine Glashütte für Hohl- und Tafelglas am Solling und mit der Glasmanufaktur Holzen eine Glashütte für Flaschen in Holzen am Hils. Vorläufer dieser Glashütten waren Waldglashütten im Hils, die nach Erschöpfung der Holzvorräte verlagert wurden. Beispiele sind die Waldglashütte unter dem Hilsborn und die Waldglashütte am Glasebach.

Die Spiegelglashütte diente der Produktion des damaligen Luxusgutes Spiegelglas, aus dem Spiegel hergestellt wurden, die in den Export gingen. Durch die noch in den Anfängen steckende Gieß- und Walztechnik konnten bereits großflächige Spiegel von 3 × 1,5 Meter produziert werden. Standortvorteile der Glashütte waren neben Quarzsand- und Wasservorkommen vor allem die reichen Holzvorräte in den landesherrlichen Forsten des Hils, die als Brennmaterial notwendig waren. Zwar gab es im Hils eine mehrere Jahrhunderte andauernde Glasmachertradition durch Waldglashütten, der jedoch Kenntnisse zur Herstellung von exportfähigen Produkten fehlte. Daher wurden für die Spiegelglashütte Glasmacher aus anderen Regionen, wie Böhmen, angeworben.

Die Gründung der Spiegelglashütte vollzog der herzogliche Forst- und Oberjägermeister Johann Georg von Langen. Unter seiner Leitung wurde ab 1749 für die Beschäftigten eine Arbeitersiedlung planmäßig angelegt. Sie trug den Namen Holzbergsiedlung und wurde auch als „Neuer Anbau am Grünen Plan“ bezeichnet. 1750 erklärte Johann Georg von Langen seinem Herzog gegenüber:

Eure Herzogliche Durchlaucht bekommen einen neuen mit lauter geschickten Künstlern und Handwerckern bewohnten Orth, die sich ihrer Hände Arbeit nähren und dem Lande das Glück bauen helfen.[1]

Die Hütte entstand im Bereich einer Vorgängeranlage, die 1670 als erste ortsfeste Glashütte in der Gegend entstanden war. Die Bezeichnung auf dem grünen Plan beruht auf dem Standort der Hütte auf einer gleichnamigen Waldwiese. Sie war inmitten des bewaldeten Hils im 17. Jahrhundert durch Abholzungen entstanden, um einer anderen Glashütte Brennmaterial zu liefern.

Verpachtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tafelglasmacher in der Grünenplaner Glashütte um 1840
Die Grünenplaner Glashütte mit rauchendem Schornstein hinter dem Herrenhaus, um 1850

Der Betrieb war staatlicherseits planmäßig aufgebaut und arbeitete zunächst unrentabel. Anfang der 1770er Jahre verpachtete das Herzogtum Braunschweig die Spiegelglashütte auf dem Grünen Plan an den hannoverschen Kaufmann Amelung. 1785 hatte die Hütte 107 Arbeiter. Als der Pächter in finanzielle Schwierigkeiten kam, wurde das Pachtverhältnis 1789 beendet. Neuer Pächter wurde 1792 der Betreiber der konkurrierenden Spiegelglashütte Amelith, die sich auf hannoverschem Gebiet bei Bodenfelde befand. Er demontierte die Grünenplaner Hütte als ehemaligen Konkurrenzbetrieb, so dass sie in eine wirtschaftliche Krise kam. Nachdem das Herzogtum Braunschweig dem Pächter im Jahr 1800 vorzeitig gekündigt hatte, begann 1803 der Kaufmann Bippart als neuer Pächter eine langfristige Sanierung des Betriebs. 1825 übertrug er die Leitung der Glashütte seinem Schwiegersohn Friedrich Koch, der bis dahin als Hüttenschreiber in Clausthal im hannoverschen Staatsdienst stand.

Privatisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erfuhr die Hütte einen stetigen Aufschwung. Dies war bedingt durch den Auslandsabsatz und den Produktwechsel auf geblasenes Fenster- und Spiegelglas. 1830 privatisierte der Braunschweigische Staat die einstige herzogliche Spiegelmanufaktur und veräußerte sie an die beiden bisherigen Betreiber Koch und Bippart. Bald wurde Koch Alleinerbe des Betriebs und führte ihn bis zu seinem Tod 1852. Sein noch minderjähriger Sohn Friedrich Koch übernahm die Glashütte 1859 nach Abschluss des Studiums. Später war an der Glashütte sein Bruder Ferdinand Koch beteiligt, so dass das Unternehmen die Bezeichnung Gebr. Koch'sche Glasfabrik trug[2]

Mitte des 19. Jahrhunderts gingen rund 50 Prozent der Produktion in den Export nach Amerika. Ab 1861 erlangte die Glashütte zunehmende Bedeutung durch die Herstellung von Brillenglas.

Gründerzeit bis heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Grünenplaner Glashütte um 1900
Das Neue Hafenhaus von 1908

In den 1860er Jahren fasste Friedrich Koch als Miteigentümer der Gebr. Koch'schen Glasfabrik den Plan, Flachglas als gegossenes Spiegelglas herzustellen. Nach dem Produkt bestand durch die Bautätigkeiten in den expandierenden Städten zu Beginn der Gründerzeit starke Nachfrage. Da sein Kapital für den Aufbau einer Gussglasfabrik nicht ausreichte, gründete Friedrich Koch 1871 in Berlin die Deutsche Spiegelglas AG als Aktiengesellschaft, in der die Grünentaler Glashütte aufging. Während die neue Gussglasfabrik in Freden (Leine) errichtet wurde, blieb das Werk in Grünental ein wichtiges Standbein.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte die Übernahme durch die Schott AG. Im Jahr 1965 beschäftigte die Glashütte in Grünenplan über 1500 Mitarbeiter, während die Gemeinde 3200 Einwohner verzeichnete. Heute (2017) hat das Werk als Kompetenzzentrum für die Dünnglas-Fertigung 450 Mitarbeiter.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gabriele Wohlauf: Die Spiegelglasmanufaktur Grünenplan im 18. Jh., Hamburg, 1981 (Dissertation 1980)
  • Johannes Laufer: Deutsche Spiegelglas AG 1871-1975, Göttingen, 1994

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Glashütte Grünenplan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Ein neuer, mit lauter geschickten Künstlern und Handwerckern bewohnter Ort“
  2. Deutsche Spiegelglas-Aktien-Gesellschaft
  3. Schott in Grünenplan, Deutschland, Kompetenzzentrum für Dünnglasfertigung, Beschichtung & Veredlung

Koordinaten: 51° 57′ 16″ N, 9° 44′ 18″ O