Spielervermittler

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Spielerberater)
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Spielervermittler, auch Spielerberater oder Spieleragent, ist nach dem einschlägigen Spielervermittler-Reglement des Weltfußballverbandes FIFA, wer regelmäßig und gegen Entgelt Spieler mit einem Verein zur Begründung eines Arbeitsverhältnisses beziehungsweise zwei Vereine zur Begründung eines Transfervertrages zusammenführt.

Spielervermittler sind weltweit tätig, seit die Entwicklung des Profisports hohe Gehälter und hohe Ablösesummen möglich gemacht hat. Zu den Sportarten gehören American Football, Golf, Baseball, Basketball und Fußball. In Deutschland waren 2014 rund 500 Berater und Vermittler tätig, die bis zu 15 Prozent eines Jahresgehalts eines Spielers als Provision erhalten.[1] Spielervermittler übernehmen über die reine Vermittlung hinaus teilweise auch andere Aufgaben wie Hilfen bei der Wohnungssuche, sie empfehlen Steuerberater und mögliche Werbepartner.[2]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Tätigkeit als Spielervermittler wird eine von einem Mitgliedsverband des Weltfußballverbandes FIFA ausgestellte Spielervermittler-Lizenz benötigt. Bewerber, die seit mindestens zwei Jahren ihren Wohnsitz in Deutschland haben, EU-/EWR-Bürger mit Wohnsitz in Deutschland (unabhängig von der Dauer) und Deutsche, die ihren Wohnsitz noch nicht zwei Jahre im Ausland haben, können die Lizenz beim DFB beantragen. Die Spielervermittlerlizenz ermächtigt den Lizenzinhaber, sich als vom jeweiligen Nationalverband lizenzierter Spielervermittler zu bezeichnen, in Deutschland also als "vom DFB lizenzierter Spielervermittler".

Voraussetzung für den Lizenzerwerb ist der Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung, ein Führungszeugnis ohne Eintragungen sowie das Bestehen einer theoretischen Prüfung. Des Weiteren ist grundsätzlich eine einmalige Gebühr in Höhe von 5000 € an den DFB zu entrichten, die aber zumindest bisher nicht erhoben wurde. Wer also bisher die Lizenz beantragte und die Voraussetzungen erfüllt hatte, wurde lizenziert, ohne diesen Betrag zu zahlen.

Die theoretische Spielervermittlerprüfung hat Fragen aus dem gesamten Regelwerk der FIFA, des DFB und des Ligaverbandes zum Inhalt und findet weltweit zeitgleich zweimal jährlich Ende März und Ende September statt. Bewerben kann man sich über die Homepage des DFB, die Gebühr für die Prüfung beträgt 250,- €. Für die Vorbereitung ist jeder Bewerber selbst verantwortlich, deshalb und wegen des umfangreichen Prüfungsstoffes bestehen regelmäßig bis zu 90 Prozent der Kandidaten die Prüfung nicht.

Wiederholungsprüfungen sind möglich, nach dem zweiten Fehlversuch tritt jedoch eine einjährige, bei einem weiteren Fehlversuch eine zweijährige Sperrzeit in Kraft. Seit kurzer Zeit werden zur Vorbereitung auf die Spielervermittlerprüfung in Deutschland auch Lehrgänge angeboten, die den Prüfungsstoff aufbereiten. Keine Lizenz benötigen Rechtsanwälte sowie Geschwister, Ehegatten und Elternteile eines Spielers. Nicolas Heidtke zeigte in seiner Göttinger Dissertation (bei Arnd Krüger), dass Agenturen, die für Spieler ein komplettes Paket an Vermittlung, Vertragsberatung und Geldanlage anbieten, am erfolgreichsten sind. Der Kicker deckte in der Ausgabe 86 vom 25. Oktober 2010 auf, dass man die Lösungen der Prüfungsaufgaben vorab für 2000 Euro kaufen könne.[3] In anderen Sportarten ist das System längst nicht so international ausgerichtet. Die Spielervermittlung ist eine besondere Form der Arbeitsvermittlung, sodass sie mit den Regeln für Arbeitsvermittler der staatlichen und privaten Arbeitsvermittlung kollidiert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nicolas Heidtke: Das Berufsbild des Spielervermittlers im professionellen Fußball: eine sozialwissenschaftliche Untersuchung der Berufsgruppe unter besonderer Berücksichtigung der Beziehungen und des Einflusses innerhalb des sozialen Systems Fußball. Kovač, Hamburg 2013, ISBN 978-3-8300-6560-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rafael Buschmann, Gerhard Pfeil: Schattenmänner. Der Spiegel, 2. Februar 2015, S. 89–91, hier S. 90.
  2. Angaben auf der Seite einer Sportagentur, abgerufen am 3. Februar 2015
  3. Kicker Ausgabe 86/2010.