Spielesammlung

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Der Ausdruck Spielesammlung (gelegentlich auch Spielsammlung[1][2]) findet in der Spielpädagogik Verwendung für ein mehr oder weniger systematisch zusammengestelltes Arsenal von Spielen. Solch eine Sammlung kann in Buchform erfolgen, wobei eine größere Zahl von Spielen aufgelistet und beschrieben wird. Sie kann sich in Bildform präsentieren, wobei die Spiele als Skizzen, Gemälde oder Fotos dargestellt werden. Eine Spielesammlung kann aber auch in Realform stattfinden, wobei konkrete Spiele wie Brettspiele, Computerspiele, Würfelspiele zusammengetragen werden.

Spielesammlungen in Buchform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Spiel wurde schon früh als ein wichtiges Element in der Kulturgeschichte der Menschen begriffen. So entstanden bereits im frühen europäischen Mittelalter erste Spielesammlungen, die den Bestand der Zeit in schriftlicher Form erhalten wollten. Das erste Spielbuch in Europa verfasste Alfons X., König von Kastilien, im 13. Jahrhundert.[3] Der Dichter Rabelais hinterließ in seinem Roman „Gargantua und Pantagruel“ ein Spiegelbild der Spielkultur seiner Zeit, des beginnenden 16. Jahrhunderts.[4] Der Philanthrop Johann Christoph Friedrich GutsMuths gab 1796 ein Spielebuch heraus, das neben einer Sammlung erziehungsförderlicher Spiele auch bereits didaktische Reflexionen und methodische Hinweise enthielt.[5] Auch der als „Turnvater“ bekannte Jahn hat sich mit seiner Sammlung von sogenannten „Turnspielen“, die er und seine Schüler in Büchern festhielten, um Erhalt und Entwicklung des Spielguts verdient gemacht.[6]

Spielesammlungen in Bildform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die wohl bekannteste Spielesammlung in Bildform stammt von dem niederländischen Bauernmaler Pieter Brueghel d. Ä. Auf seinem Gemälde aus dem Jahr 1560, das im Kunsthistorischen Museum in Wien aufbewahrt wird, sind über 80 Kinderspiele seiner Zeit festgehalten.[7]

Spielesammlungen in Realform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spielesammlung mit klassischen Brett-, Karten- und Würfelspielen

In Büchereien, Gemeindezentren, Krankenhäusern oder Arztpraxen finden sich häufig kleinere Spielesammlungen, die vor allem Kindern Gelegenheiten zum Spielen geben und Wartezeiten überbrücken sollen. Aber auch in den meisten Kinderzimmern sammelt sich mit der Zeit reichlich Spielgut. Die traditionelle häusliche Spielesammlung für alle Generationen enthält etwa die Brettspiele Mensch ärgere dich nicht, Mühle, Dame, Halma und Backgammon auf doppelseitigen Spielbrettern. Je nach Verlag und Ausgabe sind manchmal auch andere Spiele, wie z. B. Schachfiguren (für das Damebrett), Malefiz, Fang den Hut oder Leiterspiel enthalten. Die Spiele teilen sich Spielfiguren und Würfel.

Auch Computerspiele lassen sich sammeln. Diese Spielesammlungen können sehr unterschiedlich sein. So verkauft der Handel z. B. einfache Brettspiel-Umsetzungen als Spielesammlung. Daneben gibt es Sammlungen erfolgreicher Titel (z. B. Gold Games). Häufig werden auch Zusammenstellungen von Grundspielen und Erweiterungen als Spielesammlung bezeichnet. Größere Bekanntheit erreichte das Humble Indie Bundle, das mehrere Spiele zu einem vom Käufer selbst zu bestimmenden Preis anbietet.

Sinn und Zweck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spielesammlungen können unterschiedliche Sinngebungen und Zielsetzungen verfolgen:[8] Sie können beabsichtigen, das Spielgut bestimmter Zeiten und Völker museal zu sammeln, um es der Nachwelt zu erhalten.[9] Sie können charakteristische Merkmale unverwechselbarer Spiele bestimmter Regionen festhalten wollen.[10] Sie können aber auch einen praktischen Gebrauchswert für Freizeit und Schule intendieren.[11][12] Sie dienen dazu, dem Interessierten einen Überblick über die unermessliche Vielfalt des Spielguts zu geben. Dem Theoretiker des Spiels liefern sie einen Orientierungsrahmen, um Vergleiche und Analysen anzustellen. Dem Anwender hilft die Übersicht dabei, Einseitigkeiten des Spielens zu vermeiden und aus dem Arsenal das für die jeweilige Spiel- und Lern-Situation Passende zu finden und auswählen zu können. Wegen der Vielfalt des Spielguts beschränken sich Spielesammlungen häufig auf einen bestimmten Sinn- oder Anwendungsbereich, etwa die Abenteuerspiele.[13]

Auch der Lern- und Erziehungsgedanke wurde schon früh mit dem Spielen verbunden. Mit Comenius beginnt bereits 1658 die didaktische Aufbereitung und Illustrierung des Spielguts für die Kindererziehung.[14] 1796 veröffentlicht der Philanthrop Johann Christoph Friedrich GutsMuths seine kommentierte Spielesammlung unter einem bereits ganzheitlichen Erziehungsgedanken.[15]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ulrich Baer (Hrsg.): 666 Spiele für jede Gruppe, für alle Situationen. Kallmeyer (Edition: Gruppe und Spiel), Seelze 2009, ISBN 3-7800-6100-7.
  • Karl Josef Kreuzer (Hrsg.): Handbuch der Spielpädagogik. Bände I-IV. Schwann, Düsseldorf 1983/1984.
  • Terry Orlick: Neue kooperative Spiele. Mehr als 200 konkurrenzfreie Spiele für Kinder und Erwachsene. 4. Auflage, Weinheim und Basel 1996.
  • Alfred Cammann (Hrsg.): Die Welt der niederdeutschen Kinderspiele, Meissner, Elbschloss Bleckede 1970 DNB 367402548.
  • Christüph Sonntag: Abenteuer Spiel – Eine Sammlung kooperativer Abenteuerspiele, 3. Aufl., Verlag Ziel, Hergensweiler 2011, ISBN 9783940562524.
  • Siegbert A. Warwitz, Anita Rudolf: Vom Sinn des Spielens. Reflexionen und Spielideen. 4. Auflage, Baltmannsweiler 2016, ISBN 978-3-8340-1664-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

WiktionaryWiktionary: Spielesammlung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
WiktionaryWiktionary: Spielsammlung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Korpus Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache, Stichwort "Spielsammlung"
  2. Arnulf Rüssel, Das Kinderspiel, Grundlinien einer psychologischen Theorie, Darmstadt 1977, S. 100 u. 101
  3. A. Rudolf, Siegbert A. Warwitz: Spielen – neu entdeckt. Grundlagen-Anregungen-Hilfen. Freiburg 1982, S. 117
  4. Rabelais: Gargantua und Pantagruel 1535
  5. I.C.F. Guts Muths: Spiele zur Übung und Erholung des Körpers und des Geistes für die Jugend, ihre Erzieher und alle Freunde unschuldiger Jugendfreuden. Schnepfental 1796
  6. W. Stuhlfath: Volkstümliche Turnspiele und Scherzübungen aus allen deutschen Gauen. Langensalza 1928
  7. Pieter Brueghel: Kinderspiele 1560, In: Kunsthistorisches Museum Wien
  8. Siegbert A. Warwitz, Anita Rudolf: Sinngebungen des Spiels, In: Dies.: Vom Sinn des Spielens. Reflexionen und Spielideen. 4. Auflage. Baltmannsweiler 2016, S. 37–125
  9. Alfred Cammann (Hrsg.): Die Welt der niederdeutschen Kinderspiele, Meissner, Elbschloss Bleckede 1970
  10. Christiane Binder: Spiele und Feste in Papua-Neuguinea, Wissenschaftliche Staatsexamensarbeit GHS, Karlsruhe 1997
  11. I.C.F. Guts Muths: Spiele zur Übung und Erholung des Körpers und des Geistes für die Jugend, ihre Erzieher und alle Freunde unschuldiger Jugendfreuden. Schnepfenthal 1796
  12. Terry Orlick: Neue kooperative Spiele. Mehr als 200 konkurrenzfreie Spiele für Kinder und Erwachsene. 4. Auflage, Weinheim und Basel 1996
  13. Christoph Sonntag: Abenteuer Spiel – Eine Sammlung kooperativer Abenteuerspiele, 3. Aufl., Verlag Ziel, Hergensweiler 2011
  14. J. A. Comenius: Ludes pueriles 1658, In: Siegbert A. Warwitz, Anita Rudolf: Vom Sinn des Spielens. Reflexionen und Spielideen. 4. Auflage, Baltmannsweiler 2016, S. 196
  15. I.C.F. Guts Muths: Spiele zur Übung und Erholung des Körpers und des Geistes für die Jugend, ihre Erzieher und alle Freunde unschuldiger Jugendfreuden. Schnepfenthal 1796