Spirituskocher

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Ein Spirituskocher ist ein Campingkocher, der als Brennstoff Ethanol (Spiritus) verwendet.

Spirituskocher sind wegen der einfachen Handhabung beliebte Einstiegskocher bei Outdooraktivitäten. Nachteilig beim Spirituskocher ist der geringe Heizwert des Spiritus von etwa 20 MJ/l (95 % Ethanolanteil). Dies entspricht ungefähr ⅔ des Heizwertes von Benzin. Bei Minustemperaturen muss der Spiritus vorgewärmt werden; außerdem ist der Kocher bei niedrigen Temperaturen sowie dünner Luft weniger leistungsfähig. Aus diesen Gründen wird der Spirituskocher bei extremen Touren nur selten verwendet.

Das leichte Rußen des Spiritus kann durch Beigabe von 10 % Wasser verringert werden, was allerdings die Heizleistung weiter verringert.

In den skandinavischen Ländern ist Spiritus als Brennstoff im Camping- und Outdoorbereich sehr weit verbreitet, so dass es sich dort schon wegen der einfachen Brennstoffversorgung empfiehlt, Spirituskocher einzusetzen.

Bauformen[Bearbeiten]

Fondue-Rechaud-Brenner mit Regulierring (Dieser Ständer wäre für nur einen Brenner ausgelegt)
Mit Brennsprit betriebener Kochherd an Bord einer Segelyacht
Trangia-Brenner in Betrieb
Spirituskocher mit einfachem Spiritusvergaser

Alle Spirituskocher bestehen im Wesentlichen aus einem Brenner und einem Gestell, auf dem der Kochtopf sicher abgestellt werden kann.

Rechaud[Bearbeiten]

Die einfachste Variante sind mit Spiritus betriebene Rechauds. Sie haben einen simplen Aufbau und bestehen aus einer kleinen Wanne unter dem Topf, die gleichzeitig der Vorratsbehälter für den Brennstoff ist. Sie wird mit Spiritus befüllt, der dann angezündet wird. Für eine gleichmäßige Verbrennung ist der Behälter mit einem Schwamm oder einem Vlies aus unbrennbarer Glas- oder Steinwolle gefüllt, der den Spiritus aufsaugt und als eine Art Docht dient und den Brenner beim Umkippen gegen Auslaufen schützt. Die Größe der Flamme wird durch die Größe der Öffnung bestimmt. Bei kleineren Rechauds geschieht dies auch durch einen Ring auf der Oberseite, mit dem zusätzliche Löcher für die Luftzufuhr geöffnet oder geschlossen werden können. Gelöscht wird ein Spiritus-Rechaud indem ein Deckel über die Öffnung gestülpt wird.

Diese Rechauds sind weit verbreitet für Fondue-Tischsets. Ihre Heizleistung ist verhältnismäßig gering, sie dienen daher hauptsächlich der Warmhaltung und nicht dem Kochen. Im Outdoor-Bereich, zum Beispiel für Campingküchen, sind aber auch Spirituskocher verbreitet, die zum Kochen oder gar Backen geeignet sind. Sie funktionieren nach dem gleichen Prinzip, haben aber deutlich größere Brenner mit entsprechend auch größeren Vorratsbehältern. Für die Verwendung in Mobilhomes und auf Yachten spricht, dass sie, im Gegensatz zu gasbetriebenen Kochstellen, keiner regelmäßigen technischen Prüfung unterliegen[1], wartungsfrei sind und unabhängig sind von verschiedenen Anschlusssystemen der Gasflaschen/-kartuschen. Zudem ist die Explosionsgefahr deutlich verringert. Nachteilig ist die gegenüber Gas reduzierte Heizleistung und damit längere Kochzeit.

Trangia-System[Bearbeiten]

Das 1950 eingeführte System der schwedischen Firma Trangia besteht aus einem Windschutz, Töpfen und dem eigentlichen Brenner, wobei die Komponenten zum Transport platzsparend ineinander verstaut werden können. Der Brenner ist dem Rechaud ähnlich, verfügt aber zusätzlich über einen Außenzylinder, der an der Oberseite mit kleinen Düsen versehen ist. Nach einer Aufheizphase, deren Dauer von Außentemperatur, Brenndauer und Füllstand abhängt, erreicht der Brennstoff im Außenzylinder den Siedepunkt, so dass dieser aus den Düsen gasförmig austritt und effektiver verbrennt.

Neben den eigentlichen Trangia-Kochern gibt es noch zahlreiche vergleichbar funktionierende Nachbauten. Ähnlich wie der Trangia-Brenner arbeiten auch selbst gebaute Getränkedosenkocher.

Spiritus-Vergaser[Bearbeiten]

Diese Kocher müssen vor Gebrauch vorgeheizt werden, indem unterhalb der Brennstoffzuleitung und des Topfes eine kleine Menge Spiritus in einer Wanne verbrannt wird. Danach brennt der Kocher von selbst weiter, der Brenner ähnelt dem eines einfachen Gaskochers. Der Vorteil dieser Geräte ist die geringere Neigung zu Verpuffungen und, bei entsprechender Konstruktion, eine weit größere Heizleistung. Bei dieser Art Kocher ist außerdem der Tank vom Brenner getrennt, so dass größere Brenndauern erzielt werden.

In dieser Kategorie ist der Übergang vom mobilen Kocher zum vorwiegend stationären Herd fließend.

Sicherheit[Bearbeiten]

Es kommt immer wieder zu Unfällen, weil elementare Sicherheitsregeln im Umgang mit Spiritus und die Hinweise der Hersteller nicht beachtet werden. Da Spiritus leichtentzündlich ist, führt das Nachfüllen heißer Brenner in aller Regel zu Stichflammen und dadurch zu erheblichen Verbrennungen. Außer in Vergasern steht der Behälter nicht unter Druck, es besteht daher im Gegensatz zu einem Gasdruckbehälter eine geringe Explosionsgefahr. Gefährlich kann ein Alkohol-Luft-Gemisch werden, etwa wenn eine fast leere Vorratsflasche erhitzt wird.

Behälter und Kocher sollten gut verschlossen aufbewahrt werden, weil der Alkohol sonst rasch verdunstet. Spirituskocher können nicht mit anderen Campingbrennstoffen wie Petroleum, Benzin, Anzündflüssigkeit für Cheminéeöfen oder Sicherheitsbrennpaste betrieben werden. Diese Brennstoffe brauchen eine Vergasereinheit, die in den meisten Spiritusbrennern fehlt. Daher würde z.B. Petroleum im Rechaud nur unter starker Rußentwicklung verbrennen. Außerdem würden falsche Brennstoffe den Schwamm im Brenner verkleben und unbrauchbar machen.

Alternativen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Schweizerische Binnenschifffahrtsverordnung, Art. 100a, 101 und 129 sowie Anhang 17; Für Deutschland sinngemäß Hinweise vom Kreuzer Yacht Club Deutschland e.V., wobei dort reine Freizeityachten nicht abnahmepflichtig sind.

Weblinks[Bearbeiten]