Spitzenprädator

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Der Wolf ist im Rudelverband auch bei der Jagd auf den Amerikanischen Bison (Bison bison) erfolgreich.
In isolierten Ökosystemen kann die Position des Spitzenprädators auch rezent von Reptilien eingenommen werden, wie beispielsweise durch den Komodowaran auf einigen kleinen indonesischen Inseln.

Spitzenprädator, auch Spitzenräuber, Gipfelräuber, englisch auch apex predator (von lateinisch apex ‚Gipfel, Spitze‘), alpha predator, superpredator, top predator oder top-level predator genannt, ist in der Biologie die nicht streng definierte Bezeichnung für eine biologische Art, die in einem Ökosystem an der Spitze der Nahrungspyramide steht. Er ist somit ein Prädator, der selbst keine Fressfeinde hat (vgl. Mesoprädator). Ausgewachsene Individuen von Spitzenprädatoren haben in ihrem natürlichen Lebensraum im Allgemeinen keine natürlichen Feinde und besiedeln diesen Lebensraum meist in nur sehr geringer Dichte.

In rezenten Ökosystemen wird die Position der Spitzenprädatoren typischerweise von Säugetieren besetzt. An Land gelten unter anderem die großen Katzen und der Wolf[1] und im Meer große Zahnwale wie Pottwal und Schwertwal als Spitzenprädatoren. In der geologischen Vergangenheit stellten jedoch andere Organismengruppen die Spitzenprädatoren, beispielsweise in Jura und Kreide große Dinosaurier aus der Gruppe der Theropoden (an Land) oder im Ordovizium und Silur große Kopffüßer oder Seeskorpione (im Meer).

Wird die Bezeichnung nur auf sehr kleinräumige, mehr oder minder abgeschlossene Teilökosysteme angewendet, sind die „Spitzenprädatoren“ häufig Wirbellose, in Kuhfladen zum Beispiel große räuberische Kurzflügelkäfer, in Saftflüssen von Bäumen räuberische Milben. Wird die Bezeichnung auf Gruppen von Individuen ausgedehnt, können Wirbellose auch in großem Maßstab eine Spitzenprädator-Position einnehmen, beispielsweise die Wanderameisen im tropischen Regenwald.

Der Mensch als Spitzenprädator[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl der Mensch – als Jäger und Sammler – seinen Status des Spitzenprädators u. a. durch die Domestizierung von Tieren abgelegt hat, wird er noch als solcher bezeichnet. Zudem betrachten sich Artgenossen in aller Regel gegenseitig nicht als Fressfeinde, was diesen Sonderstatus weiter zementiert.

Auch als Jäger nimmt der Mensch dahingehend eine Sonderrolle ein, dass er unterschiedliches Jagdverhalten zeigt und sich an die Umwelt anpasst (Ausdauerjagd, Pirschjagd, Ansitzjagd), er einzeln oder in Gruppen jagt und dabei Hilfsmittel nutzt (Speere, Blasrohre, Schusswaffen, Trawler). Seine Rolle unter Spitzenprädatoren wie Großkatzen konnte der Mensch sich erst durch entwickelte Jagdwaffen sichern. Der Mensch war bis dahin ähnlich gefährdet, wie es andere Menschenaffen nach wie vor sind. In Meeres-Ökosysteme ist der Mensch dagegen erst vor vergleichsweise kurzer Zeit als Spitzenprädator eingedrungen.

Forschungen zur Ur- und Frühgeschichte zeigen, dass der Mensch als Spitzenprädator durchaus mit anderen Arten, die selbst Spitzenprädatoren sind, einvernehmlich zusammenleben kann. Dazu zählt der Zusammenschluss des Menschen mit dem Wolf (→ Haushund) sowie die anfänglich nur geduldete, dann aber wirtschaftlich und auch religiös genutzte Haltung von Kleinkatzen und Hunden (siehe als Beispiel die altägyptischen Götter Bastet (stilisiert als Katze) und Anubis (als Hund oder Schakal)).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Allgemeines: Wölfe und Wildtiere. (Memento vom 2. September 2017 im Internet Archive) Auf: wolfsregion-lausitz.de, Dump vom 28. November 2016