Sport- und Erholungszentrum

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Eröffnung des SEZ am 20. März 1981
Im SEZ (1981)
Im SEZ (1987)
1-Mark-Block der DDR-Post 1981 zur Eröffnung des SEZ

Das Sport- und Erholungszentrum (SEZ) war ein multifunktionaler Gebäudekomplex für Sport und Unterhaltung in Berlin-Friedrichshain. In der DDR war es ein öffentliches Prestigeobjekt der Partei- und Staatsführung. In seiner sportlich-kulturellen Vielseitigkeit und seiner Größe war es damals weltweit einzigartig. Die Eintritts- und Restaurantpreise waren hochsubventioniert. Es befindet sich an der Kreuzung Landsberger Allee/Danziger Straße.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1981 bis 1991[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Sport- und Erholungszentrum wurde am 20. März 1981 nach Plänen eines schwedischen Architektenteams von der Aufbauleitung Sondervorhaben Berlin unter Leitung von Erhardt Gißke fertiggestellt und nach 27-monatiger Bauzeit eröffnet. Es zog bereits in den ersten fünf Jahren seines Bestehens 16 Millionen Besucher an. Die moderne und offene Architektur mit über 15.000 m² Glasfläche betonte auch von außen den einladenden Charakter des Hauses. Der gesamte Komplex war für bis zu 22.000 Besucher pro Tag ausgelegt. Das SEZ war für die Einwohner Ost-Berlins und viele DDR-Bürger von ähnlicher Bedeutung wie der Palast der Republik. Lange Warteschlangen vor den Eingängen waren keine Seltenheit. Um den Andrang zu begrenzen, wurden Eintrittspreise zwischen 20 und 50 Pfennig selbst für jene Besucher verlangt, die sich nicht sportlich betätigen wollten.

Bekannt und geschätzt wurde das SEZ nicht nur wegen seiner vielen modernen Sporteinrichtungen, sondern auch für sein Veranstaltungsprogramm. Es gab Sportveranstaltungen, Varietés, Kabarett, Kleintheater, Unterhaltungsshows, Tanzveranstaltungen, Folkloreevents, kulturell-künstlerisch untersetzte Themengastronomien, Konzerte und Großveranstaltungen. Besonders beliebt war das viermal im Jahr veranstaltete „SEZ-Komplett“ mit bis zu 15.000 Besuchern. Für diese zweitägige Veranstaltung wurde das ganze Haus aufwändig dekoriert und in 15 verschiedene Veranstaltungsorte umgewandelt.

Das Gebäude beherbergte unter anderem:

  • ein Schwimm- und Spaßbad mit sieben teils ineinander-laufenden Becken mit Wasserfall und zusätzlich beheizten (inklusive einer Saunalandschaft, einem Wellenbad, einem Sprungturmbecken, einem Kaskadenbecken, einem 400 m² großen erwärmbaren Außenbecken und integrierten Bräunungsebenen) Letztere waren etwas problematisch, da auf diesen abgelegeneren Inseln die an einer Treppe, auf verschiedenen Ebenen lagen auch häufiger zu einvernehmlichen sexuellen Kontakten kam. Ein großes Außenbad mit Wasserrutsche war von innen her, durch eine Unterführung bzw. eine ca. 2 cm Gummiwand erreichbar durch die man tauchen musste.
  • eine Eis- bzw. Rollschuhlaufbahn (Winter-/Sommerbetrieb), wo das einzige in der DDR produzierte Skateboard, der Germina Speeder, ausgeliehen werden konnte
  • Sporthallen
  • Fitnessstudios („Konditionierungs- und Selbsttesträume“)
  • eine moderne Bowlinganlage mit 16 Bahnen
  • eine Tischtennishalle
  • Gymnastik- und Ballettsäle
  • mehrere multifunktionale Veranstaltungsräume inklusive Bühnen-, Licht- und Tontechnik
  • eine Kampfsportschule
  • großflächige Billard- und Openair-Sportanlagen (Tennis, Tischtennis, Boule, Minigolf, Federball)
  • einen Schachtreff
  • einen „Kindersportgarten“ (dort konnten Besucher mit Eintrittskarten für die Einrichtungen ihre Kleinkinder für maximal 4 Stunden kostenlos betreuen lassen)
  • einen Friseursalon
  • eine sportmedizinische Praxis

Im Gebäudekomplex waren zehn verschiedene gastronomische Einrichtungen integriert (unter anderem Bierrestaurant „Zur Molle“, Restaurant „Kristall“, „Kaskade“, „Foyertreff“, „Polariumtreff“, Eis-Milch-Bar „Wellentreff“).

In der großen Sporthalle des SEZ wurde die DDR-Fitness-Sportsendung „Medizin nach Noten“ gedreht.

1991 bis heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Ende der DDR 1990 gab es um die Weiterführung des Objektes jahrelange Ungewissheit. Nach und nach wurden der Betrieb der Sportstätten und der Veranstaltungsbetrieb eingestellt und fast die gesamte Belegschaft entlassen. Der Berliner Senat als neuer Eigentümer war an einem Weiterbetrieb aus Kostengründen nicht interessiert und verweigerte elf Jahre lang sämtliche finanziellen Mittel für eine längst überfällige Sanierung.

Da unter diesen Bedingungen kein sicherer Betrieb gewährleistet werden konnte, wurde das SEZ im Jahr 2001 vollständig geschlossen. Die Reste der Belegschaft wurden in andere Senatseinrichtungen übernommen. 2003 wurde der Gebäudekomplex an einen Leipziger Investor verkauft. Unmittelbar danach erhielt das graue Gebäude einen neuen farbenfrohen Anstrich. Den Besuchern standen fortan die renovierte Bowlingbahn sowie die Badminton- und Tischtennishalle für sportliche Aktivitäten zur Verfügung. In den folgenden Jahren wurden umfangreiche Entkernungs- sowie Instandhaltungsarbeiten durchgeführt. Der SEZ-Park wurde umfassend umgestaltet, es wurden mehr als 5000 Pflanzen neu gepflanzt.

2004 fand im Rahmen der Love Week (Ersatzveranstaltung der Loveparade) ein Tages-Open-Air statt. 2009 wurde ein multifunktioneller Sportbereich eröffnet, in dem Ballsportplätze, Fitness, Wasserflächen und ein Saunabereich mit Außenpoolgelände zugänglich sind. Ein Teil der eigentlichen Gebäudefläche ist weiterhin ungenutzt.

Zur Langen Nacht der Museen wurde im August 2011 das SEZ erstmals auch als öffentlicher Kunstort geöffnet. Johannes Heisig zeigte dort seine Bilderserie Krähe (Crow), die sich auf den gleichnamigen Gedichtzyklus von Ted Hughes bezieht.[1]

Im ehemaligen Foyer fand vom 28. Juni bis 30. September 2012 eine große Streetart-Ausstellung statt.[2]

Konflikt um weitere Nutzung des Komplexes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da der Investor das Schwimmbad des SEZ selbst aus wirtschaftlichen Gründen bisher nicht in Betrieb nahm, steht dieser vermehrt in der öffentlichen Kritik. Die Bezirksverwaltung Friedrichshain-Kreuzberg sowie der Bezirksbürgermeister Dr. Schulz beanstandeten, dass der Investor seine vertraglichen Verpflichtungen nicht vollumfänglich eingehalten habe. In seinem 41. Schwarzbuch monierte der Bund der Steuerzahler 2013 das Verhalten des Berliner Senates, dessen Finanzsenator den Verkauf des Areals in der Öffentlichkeit an die feste Bedingung geknüpft habe, dass der Investor die Schwimmhalle innerhalb von fünf Jahren zu einem modernen, familienfreundlichen Spaßbad umbaut. Kritiker des Verkaufs wurden damals damit beruhigt, dass eine Vertragsstrafe und ein Rückkaufsrecht für den Fall vereinbart sei, dass die Frist für die Wiederaufnahme des Schwimmbetriebes durch den Investor nicht eingehalten werde. Bis heute sei weder der Schwimmbetrieb im Sinne eines Spaßbades aufgenommen worden, noch hätte der Senat die vertraglichen Regelungen durchgesetzt oder von der Vertragsstrafe Gebrauch gemacht. Der Bund der Steuerzahler stellte deshalb Strafanzeige wegen des Verdachts der besonders schweren, gemeinschaftlichen Untreue zulasten des Landes Berlin. Diese wurde von der Berliner Staatsanwaltschaft jedoch zurückgewiesen, bezüglich des Verkaufs zum Preis von einem Euro bereits aufgrund der nach fünf Jahren inzwischen eingetretenen Verjährung.[3]

Kern des Konflikts ist vor allem das Ausmaß der vertraglichen Verpflichtungen des Investors zur weiteren Nutzung des Komplexes. Im Zuge der Diskussion in der Berliner Presse hatte der Investor den Kaufvertrag sowie Auszüge des begleitenden Schriftverkehrs auf der Website des SEZ veröffentlicht. Nach dem Vertrag hatte sich der Investor verpflichtet, das Kaufgrundstück weiterhin unbefristet als Sport- und Erholungszentrum mit den Angeboten Sauna, Bowling, Sporthalle und Fitnessangebot zu nutzen, die in dieser Reihenfolge zeitlich zu realisieren waren. Der Hallenbadbetrieb sollte bis zum Ende des Jahres 2007 unter der Voraussetzung aufgenommen werden, dass ein abzustimmendes Energie- und Wirtschaftlichkeitskonzept zu dem Ergebnis kommt, dass der Hallenbadbetrieb zu diesem Termin eröffnet werden kann.[4] Senat und Liegenschaftsfonds Berlin gingen davon aus, dass der Investor diese vertraglichen Verpflichtungen mit der Inbetriebnahme einiger Wasserflächen, einschließlich des sanierten Außenbeckens erfüllt hätte.[5] Nach Angaben des Investors wurde der juristisch unscharfe Begriff des "Hallenbades", der in Größe und Form nicht definiert ist, absichtlich verwendet, um der nachträglichen Forderung von Wasserflächen nachkommen zu können, ohne den Vertrag zum Scheitern zu bringen.[6][7]

Friedrichshain-Kreuzberg hält weitere Pläne des Unternehmers, wie auf dem SEZ-Freigelände einen Stellplatz für Wohnmobile einzurichten, den entkernten Verwaltungstrakt aufzustocken und zum Hostel auszubauen oder hinter dem Gebäude fünf Stadtvillen mit Ferienappartements zu bauen, für nicht genehmigungsfähig. Ein alternatives Vorhaben des Investors sieht vor, das SEZ abzureißen und eine moderne Sportanlage mit Wellness, Hostel und Wohnungen zu bauen. Nach der Lesart des Investors wird der bauliche Bestand des Gebäudes durch den Kaufvertrag nicht gesichert.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das SEZ als Kunstort:

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: SEZ (Berlin) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christiane Meixner: Im Tal der Farben. In: Der Tagesspiegel, 23. August 2011
  2. silence is a lie. urban art exhibition.
  3. Bund der Steuerzahler: Landeseigenes Grundstück bedingungslos verschenkt (Memento vom 26. Februar 2014 im Internet Archive) In: 41. Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler, Die öffentliche Verschwendung 2013, September 2013
  4. Vertragsveröffentlichung auf der SEZ-Webseite (Memento vom 19. Oktober 2013 im Internet Archive)
  5. veröffentlichte Dokumente aus dem Schriftverkehr mit dem Investor. (Nicht mehr online verfügbar.) Ehemals im Original, abgerufen am 10. Juli 2015.@1@2Vorlage:Toter Link/www.sez-berlin.com (Seite nicht mehr abrufbar; Suche in Webarchiven)
  6. Darstellung der Vorgänge durch den Investor (Memento vom 19. Februar 2015 im Internet Archive)
  7. a b Karin Schmidl: Ferienclub, Stadtvillen – oder Abriss?. In: Berliner Zeitung, vom 2. Juli 2013

Koordinaten: 52° 31′ 36″ N, 13° 26′ 44″ O